Unterkünfte Unterwegs in Neuseeland

Gastbeitrag von Profi-Backpackerin Maike: Kinderfreundliche Hostels in Neuseeland

Neuseeland per Campervan: coole Sache, da waren sich Maike Brünink, Gymnasiallehrerin aus Oldenburg, und ihr fünfjähriger Sohn Joost einig. Sie genossen drei Monate lang ihr rollendes Zuhause – und doch war es an manchen Tagen nicht genug. Maike ist nämlich überzeugte Backpackerin, die unmöglich durch Neuseeland kurven kann, ohne nicht dann und wann in einem Hostel zu übernachten. Und das ging dann so…

NZ Maraehako Hostel

Maraehako – the pirates‘ place (c) Maike Brünink

Hostel-Übernachtungen in Neuseeland sind was Feines – auch mit Kindern. Es lohnt sich, kleine und gern etwas abgelegene Häuser auszuwählen. Dorthin verschlägt es oft die nettesten Leute und junge Partygänger von Bord einschlägiger Backpacker-Busse landen dort gar nicht erst an.

Natürlich solltet ihr rechtzeitig prüfen, ob Kinder generell willkommen sind (was überwiegend der Fall ist). Groß und Klein werden in so einem „home away from home“ oft viel stärker und selbstverständlicher in eine Gemeinschaft einbezogen als auf Campingplätzen, wo jeder sein eigenes „Häuschen“ mitbringt (und in diesem nicht selten völlig autark ist).

Hostel-Gäste sind so etwas wie eine spontane WG mit extrem kurzer Halbwertszeit – und das Zusammensein mit den „Mitwohnis“ ist schon etwas Besonderes. Auch für Kinder. Das hier sind unsere Favoriten:

„Milford Lodge“ am Milford Sound

Als ich unsere Übernachtung am Sound online buchen wollte, waren keine „campervan sites“ zu haben. Na gut, also ein (natürlich vergleichsweise teurer) „twin room“. Das war eine glückliche erzwungene Wahl, denn am Abend unserer Ankunft tat das Wetter genau das, was es im Regenwald am besten kann: Es goss wie aus Eimern. Wir aber blieben trocken auf unseren Wegen in die Küche (bei guter Auslastung des Hostels eher eng und spärlich ausgestattet – vielleicht, um dem integrierten Café zusätzliche Gäste zu bescheren?), in den Gemeinschaftswaschraum (umso großzügiger angelegt) oder in die Lounge (entspanntes Sofa-Lümmeln allenthalben). An der Rezeption gab es Eis am Stiel zu kaufen – „what a treat!“

NZ Hostel Milford Lodge

Morgens vor der Milford Lodge (c) Maike Brünink

„Old Bones Lodge“ in Oamaru

Ein kleines Paradies, einige Autominuten außerhalb der Stadtgrenze – mit Meerblick durch die Panoramafenster der großen, gemütlichen Wohnküche und der Wärme von viel Holz im Inneren. Zwei amerikanische Ehepaare (weitgereiste Segler auf Landgang) teilten ihre köstlichen Mahlzeiten mit uns und waren höchst anregende, herzliche Gesellschaft.

Geschlafen haben wir im Auto, das auf dem Hostel-Parkplatz stand. Dieses Arrangement (Campen mit „use of all hostel facilities“) bieten manche Häuser zu günstigen Preisen an.

„Beach Hostel“ in Punakaiki (…not!)

Einer meiner „all-time favourites“ unter Neuseelands Hostels. Leider diesmal ohne uns, denn hier dürfen keine Kinder unter zwölf Jahren übernachten. Das hätte ich wissen können; der „BBH Accommodation Guide“ lag im Auto, und ich hatte ihn irgendwann auch auf kindgerechte Hostels durchgeblättert. Die, die keine Kinder aufnehmen, sind entsprechend gekennzeichnet. Die gewonnenen Erkenntnisse wurden von mir aber offenbar umgehend vergessen.

So fragten wir nach Betten, wurden abgewiesen, waren erstmal enttäuscht – und streckten dem Hostel anschließend auf unserem Strandspaziergang zu den Pancake Rocks ein paarmal kräftig die Zunge raus. Spätestens aber, als abends auf dem Campingplatz unsere kanadischen Nachbarn ihr Zelt bezogen und Joost eine Anstecknadel mit Ahorn-Flagge schenkten, waren wir schwerst versöhnt mit unserer Lage!

„Maraehako Bay Retreat“ in Waihau Bay

„Absolute seafront accommodation“ im entlegenen Eastland – komplett mit Hängematten und Seeräuberromantik. Joost bekam bei unserer Ankunft einen Apfel in die Hand gedrückt, und fortan war unsere Verpflegung quasi Chefsache: Manager Pihi versorgte uns mittags mit reifen Avocados und abends mit „crayfish“ und „watercress“, die er am Nachmittag mit seinem Kumpel Lance aus dem Meer geholt hatte.

Ein Tag des Faulenzens, Strandlaufens und Buddelns klang am Kamin auf der Terrasse aus – mit Pihi und seinen Freunden, Gesang zur Gitarre, tanzenden Erwachsenen und dazwischen einem Kind auf einem „Steckenpferd“, das Lance ihm aus dem knorrigen Feuerholz gezogen hatte.

NZ Hostel Maraehako

„Moana Lodge“ in Plimmerton

Traumhaft. Beim Abschied erzählte die Dame an der Rezeption, der Inhaber stecke wahres Herzblut in sein Hostel (man sieht’s buchstäblich an jeder Ecke) und freue sich immer sehr über einen netten Kommentar online.

Ich schrieb: „Moana Lodge is a truly wonderful place. We […] loved the sea views, the cosy lounge, the spotless & spacious kitchen, the beautiful bathrooms … and most of all the personal caring touch the owner and his team give to the hostel every day.“

Nicht zu vergessen sein Tipp fürs Abendessen – wir trafen ihn auch prompt später mit seinem Sohn im empfohlenen „fish’n chips shop“.

„The White Elephant“ in Motueka

Ein Hostel, wie es im Bilderbuch steht: viktorianische Villa, Gitarrenmusik auf der Veranda, Gewusel in der Küche. Fast wie früher – bis auf die Gesprächsthemen, denn bei den jungen (teils Dauer-) Gästen, so fröhlich und freundlich sie waren, drehte sich quasi alles ums „fruit picking“. Klar – hier, inmitten von hektarweise Obstgärten, gibt es reichlich Jobs für Inhaber eines „work and travel visa“. Und irgendwo müssen sie nach der Arbeit auch wohnen.

Ein wenig wie im falschen Film fühlte ich mich da als fast 40-Jährige mit Kind – bis sich beim Abendessen am langen Küchentisch ein australisches Ehepaar auf Motorradtour zu uns setzte, das uns unter all dem Jungvolk als verwandte Seelen aufgespürt hatte. Schön war’s!

„Stranded in Paradise“ in Tokomaru Bay

Hier schliefen wir wieder einmal im Auto und erfreuten uns zugleich bester Hostel-Annehmlichkeiten (prima Küche, wunderbares Wohn-Spiel-Lese-Wohlfühlzimmer – und ressourcenschonende „composting toilets“). Joost fand viele Bücher mit Bildern, eine Ukulele und ein Backpacker-Pärchen, das mit ihm Mikado spielte. Ich fand schöne Gespräche mit unseren wenigen (da kleines Hostel), dafür aber umso interessanteren und liebenswürdigeren Mit-Gästen. Wir beide fanden’s klasse.

…und schließlich „the big city“: Auckland

Eine Nacht verbrachten wir im „Base Backpackers“, zentral gelegen an der Queen Street, direkt an einer Haltestelle des Flughafenbusses (an jenem Tag für uns entscheidend), dafür groß und anonym (für eine Nacht nicht weiter schlimm). Hostel-Flair im eigentlichen Sinne darf man hier nicht erwarten, doch unser Zimmer war tadellos und die Mitarbeiter an der Rezeption waren freundlich und hilfsbereit.

Familiärer ging es da in der „Lantana Lodge“ in Parnell zu, wo wir das Osterwochenende verbrachten. Nur 25 Gäste finden dort Platz, „children and families welcome“. Vieles am und im Haus war ein wenig alt und angeschlagen, unser Zimmer im Souterrain leicht muffig und die Badezimmerlage tendenziell angespannt – doch hey, dies ist ein Hostel, noch dazu in der Großstadt. Mit uns wohnte dort eine bunte Mischung netter junger Leute auf unterschiedlichen Missionen – wie der schüchterne Japaner, dessen Mutter Origami-Lehrerin war und der seinerseits eifrig Papierfiguren faltete (und den neugierigen Joost mit den schönsten beschenkte).

NZ Hostels Tokomaru BASE Auckland

Vielen Dank für die tollen Tipps, liebe Maike!

Allen, die noch mehr aus Maikes Feder lesen wollen, sei ihr Australien-mit-Baby-Reisebericht in Buchform ans Herz gelegt: Schnullerbacke down under könnt ihr bei Amazon kaufen.

1 Kommentar

  • Ich war 2006 im „Maraehako Bay Retreat“ in Waihau Bay und habe es als wunderschönes Hostel mit einem leider sehr launischen und herrischen Gastgeber in Erinnerung. Pihi schickanierte damals seine WWOOFERIN und lästerte hinter dem Rücken seiner Gäste über diesen und jenen (was ihnen dann natürlich doch zugetragen wurde). Vielleicht wurde er inzwischen geläutert.

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