Norwegen Skandinavien

Preikestolen / Pulpit Rock – 600 Meter geradeaus nach unten

Wenn es eine Top-Sehenswürdigkeit gibt, für die Norwegen weltberühmt ist, dann dürfte das neben dem Nordkap sicherlich der Preikestolen sein – ein charakteristisch geformter Felsen über dem Lysefjord in der Nähe der Hafenstadt Stavanger, von dessen Kante man bequem die Füße über 600 Meter Luft baumeln lassen kann. Das wollten wir uns nicht entgehen lassen!

Aufstieg zum PreikestolenDie Wanderung hinauf zum Preikestolen (deutsch: der Predigtstuhl) ist kein Zuckerschlecken – es gilt, auf etwa 4 km Strecke fast 600 Höhenmeter zu überwinden und dabei sind einige wirklich heftig steile Etappen. Und wir alle wissen ja inzwischen, wie es um die norwegischen Wanderwege steht.

Teile des Weges, vor allem auf den sumpfigen Strecken, sind vorbildlich aus Holz angelegt und an exponierten Stellen gibt es sogar ein paar Meter Geländer. Aber über weite Stücken ist von einem Weg im herkömmlichen Sinn nichts zu erkennen – da heißt es, über Stock und viel Stein irgendwie hinaufzukraxeln.

Aufstieg zum Preikestolen

Im Unterschied zu anderen Wanderrouten ist es am Preikestolen jedoch extrem unwahrscheinlich, dass man vom Weg abkommt- man muss einfach nur seinem Vordermann bzw. der Vordergruppe folgen. Etwa 200.000 Wanderer besteigen den Preikestolen jedes Jahr, und das glauben wir aufs Wort.

Bereits der Campingplatz, der etwa 5 km vor dem Beginn des Tracks liegt (und praktischerweise der einzige weit und breit ist…), bereitet auf die bevorstehende Erfahrung vor: Ein fantastischer Preis von über 300 NOK haute uns glatt von den Socken. Doch es kommt noch besser: Wer zum Preikestolen (oder irgendwo anders hin in dieser schönen Gegend) wandern will, der darf sein Auto auf einem Riesenparkplatz abstellen und dafür unbeschreibliche 100 NOK blechen. Im Lonely Planet (Ausgabe von 2011) werden noch 40 NOK angegeben – was bitte ist denn das für eine Preisentwicklung, liebe Norweger??

Preikestolen Norway

Zwar weisen Hinweisschilder bereits am Start der Tour darauf hin, welches Schuhwerk empfohlen wird und wie die Route beschaffen ist  – das hindert aber weder lustige Rentnervereine noch asiatische Reisegruppen noch Wodka-selige Osteuropäer in Trainingshosen (die Herren) und Glitzerschühchen (die Damen) daran, es zu versuchen.

Zu unserem Erstaunen haben es auch alle irgendwie geschafft – die vielen Eltern mit Babys in Rückentragen oder auf den Schultern, die Jugendlichen in Sandalen und Trägerhemdchen und auch die übergewichtigen Altherrenvereine, sie alle kamen irgendwann schnaufend, fröstelnd und vom plötzlichen Regen durchnässt auf dem Gipfelplateau an (das links im Bild ist noch nicht das Plateau, das ist nur die letzte Kurve davor!).

Preikestolen im Nebel

Denn obwohl wir bei schönstem Sonnenschein und mit perfekter Wetterprognose losgestapft waren, wurde es auf dem Neverdalsskaretpass ordentlich kühl und fing an zu regnen. Das Felsplateau erreichten wir denn auch in einer dicken Wolke, so dass der unten liegende Lysefjord überhaupt nicht zu sehen war. Für die Höhenangst des Weltwunderermanns war das toll – erst als er ganz vorn an der Kante stand, riss die Wolke auf und zeigte uns, wo wir waren.

Ich gebe zu, auch mir haben ein ganz klein wenig die Knie geschlackert und ich habe den Weltwunderersohn gut festgehalten, der sich völlig angstfrei auf dem Bauch über die Kante schob.

Preikestolen Norway

Ja, die Massen an Touristen sind gewöhnungsbedürftig, besonders nach Wochen in der relativen Abgeschiedenheit der norwegischen Nachsaison. Man stellte sich quasi an, um auch mal am Rand stehen zu dürfen – und doch war es ein Wahnsinnserlebnis, dort oben zu stehen, den anstrengenden Aufstieg gemeistert zu haben und wie ein König über die Welt zu blicken.

Auf unsere Kinder sind wir seit diesem Tag noch stolzer als sowieso schon – beide sind munter plappernd und ohne einmal zu jammern den Weg hinauf- und hinabgestiegen und wir haben die angegebene Zeit von 4 Stunden exakt eingehalten. Dafür hatten sie sich ein dickes Eis verdient (und was das wieder gekostet hat, geht auf keine Kuhhaut …)

PS: Mit dem Suchwort „Preikestolen Unfälle“ wird dieser Blogbeitrag bei Google ganz oben gelistet – es interessiert euch also offenbar, wer hier wann zu Tode gekommen ist. Ich habe lange gesucht und außer einigen Selbstmördern tatsächlich nur einen einzigen gefunden: Etwa zwei Monate nach unserem Besuch am Preikestolen stürzte ein spanischer Tourist von der Klippe, während er Fotos machte. Und seitdem (wir sprechen hier von 2013) nichts mehr. Eigentlich krass, oder?

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17 Kommentare

  • Wer war denn schon einmal in Deutschland Österreich Italien etc. auf einem Campingplatz. Die Preise dort übersteigen bei Weitem die in Norwegen. Wir waren schon sehr viel unterwegs aber die Campingpreise sind mind. o.k. wenn nicht sogar billig. Bei einem solchen Touristenmagnet würden sie bei uns deutlich anziehen. Natürlich ist insgesamt Norwegen teurer, aber das weis man wenn man die Reise plant. Die Natur entschädigt dafür für Einiges.

  • Hallo liebe Weltwunderfrau,

    bei Recherchen für meinen nahenden Norwegen-Urlaub bin ich über den Blog gestolpert.
    4 Stunden wandern… oh je! Aufgrund der Bilder werde ich dann doch die Wanderschuhe in den Backpack packen 😉 Und wenn es die beleibten Altherrenvereine geschafft haben, kann ich das hoffentlich auch 😀

    Liebe Grüße aus Rheinland!

  • Wir fahren schon einige Jahre nach Norwegen und haben mittlerweile schon viele Bekannte und Feinde in Norwegen. Der Campingplatz in Norwegen ist Teuer? Es gibt auch günstigere Campingplätze und außerdem schon einmal von jedermansrecht in Norwegen gehört? Wenn man sich richtig informiert kann man es auch günstiger haben wenn man auf etwas Luxus verzichtet. Es gibt nichts herlicheres als einmorgenbad in einen kalten glasklaren Bergsee. Außerdem möchte ich bezweifeln das ein solches Naturschauspiel in Deutschland günstiger wehre und es hätte natürlich einen Zaun in sicheren Abstand von 10m gegeben.

    • Natürlich Freunde nicht Feinde. Kann passieren wenn man mit Handy schreibt. Sorry

  • Die Sicht von dort oben ist ja wirklich phänomenal. Ich würde mich wohl auch hinlegen und nehme an, das ist die sicherste Variante, um über die Kante nach unten zu schauen. Ich war schon einige Male in Norwegen, aber habe es immer noch nicht auf den Preikestolen geschafft. Das nächste Mal klappt es dann hoffentlich zeitlich. Mit den Preisen hast du übrigens recht und ich hatte meist schon ein schlechtes Gewissen, mir überhaupt Kleinigkeiten zu kaufen, wenn ich das mit den Preisen aus Deutschland verglichen habe. Ich glaube, es gibt preislich kaum ein teureres Urlaubsland. Was ich da besonders in Oslo für ein paar Getränke gezahlt habe, war fast schon Wucher.

  • Hallo alle!
    Norwegen und Schweden sind sehr schön Urlaubsländer, aber sind auch deutlich teurer als z.b ein Urlaub in Dänemark, und hier in Dänemark finden viele deutsche es schon teuer.

  • Sehr cool. Bis natürlich auch die Preise und die Touristenmassen. Vielleicht ist das dann doch besser ein Ziel für den Herbst, wenn kaum noch Touristen da sind? Oder hat der Park dann vielleicht geschlossen? Mich so nah an die Kante setzen, würde ich mich glaub ich nicht trauen. Da ist doch kürzlich erst ein Spanier runtergefallen.

    • Gulp – das war ja noch nicht mal in den deutschen Nachrichten! Offenbar war das der erste Unfall (!) aller Zeiten dort. Da bekommt das Beinebaumeln auf der Kante doch eine makabere Note…

  • Unser Tour auf den Preikestolen ist schon ein paar Jahre her (2006 waren wir dort oben), aber die grandiose Aussicht wird einem für immer im Gedächtnis bleiben.

    Der Preikestolen ist sicherlich eins der Highlights in Norwegen.

  • Hallo liebe Weltwunderfamilie

    Ersmal danke für das Kompliment an unseren Blog, im Moment hinke ich mit den letzten Berichten unserer Reise nach. Wie es halt so ist, der Alltag hat uns wieder und die Zeit rennt davon… Betr. kommentieren: Welchen Browser benutzt du denn? Anmerkungen fürs die Kommentarfunktion wie die deine hatte ich bereits vermehrt. Mit der Wahl eines anderen Browsers funktionierte es dann. Wenn ich mich recht entsinne, funktioniert Firefox nicht…

    Auf euer Erlebnis am Tunnel bin ich natürlich gespannt!

    Sonnige Grüsse gen Norden…
    Sandra

  • … die letzten 2,5 Wochen im Juli waren auch wir in Norge unterwegs und haben oftmals über die Preise gestaunt! Die Schweiz, unser Heimatland wird ja oft als Hochpreisinsel betitelt, aber seit unserer Reise nach Norwegen kontern wir jedesmal… Bergen und Flåm (inkl. Bahnfahrt nach Myrdal) waren so ziemlich die einzigen touristischen Orte, die wir besucht haben. Die Natur bietet so manch schöner Ort, der nicht von zig- Touristen besucht wird und wurde… Alles Gute und viele schöne Momente und Orte in Norge…

    Sandra

    • Hallo Sandra, in eurem schönen Blog habe ich jetzt auch mal Bergen bei Sonne gesehen – sieht ja ganz nett aus! 😉 Leider kann ich bei euch nicht kommentieren, sonst würde ich mich auch noch zu dem Tunnelunglück äußern, dem wir noch viel näher waren als ihr…

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