Anreise: Rund ums Fliegen

Sicher fliegen mit Baby: was die Airlines im Kleingedruckten verstecken

Wir sind ja selbst schuld: Was buchen wir auch Flüge für uns alle und erkundigen uns erst nachher, welche Regelungen die Airline bezüglich der Kindersicherung an Bord hat. Damit euch solche Überraschungen wie uns nicht passieren, teilen wir unsere Rechercheergebnisse mit euch.

Weltwunderer Airlines Kindersitz

Man sollte ja meinen, der Sinn eines Prüfsiegels, das die Verwendung eines Autokindersitzes im Flugzeug erlaubt, wäre es, dass dieser dann bei allen Airlines zugelassen ist. Denkste!

Es gibt eine ganze Menge an Kindersitzen für jedes Alter mit dem Siegel des TÜV Rheinland auf dem deutschen Markt (hier findet ihr die aktuelle Übersicht), außerdem können Eltern den CARES-Gurt mit Zulassung der amerikanischen Luftfahrtbehörde FAA benutzen. Aber wenn man sich dann in die Feinheiten der individuellen Airline-Regelungen vertieft, findet man hier eine Ausnahme, dort wieder eine andere…

Lufthansa hat sich zum Beispiel vor einigen Monaten entschlossen, klammheimlich die Nutzung des superpraktischen CARES-Gurtes in ihren Maschinen zu verbieten – mit der fadenscheinigen Begründung, dann ließen sich die Bildschirme im Sitz nicht mehr nutzen (Blödsinn) und der Gurt wäre bei ihnen schon immer verboten gewesen (noch größerer Blödsinn, wir haben ihn selbst mehrfach und mit Einverständnis der Crew verwendet).

Emirates hat sich etwas anderes ausgedacht, um reisende Eltern von Babys und Kleinkindern in den Wahnsinn zu treiben: Hier sind rückwärts gerichtete Babyschalen zwar an Bord zugelassen, sofern sie das entsprechende Siegel tragen, aber nicht während Start und Landung! In der Zeit sollen die Babys (die ja einen Sitzplatz haben!) auf dem Schoß der Eltern sitzen.

Ich frage euch (nein, vielmehr Emirates): Was bitte soll denn diese vollkommen hirnrissige Regelung bringen? Bei der Emirates-Abteilung am Flughafen Düsseldorf war man zwar ausgesprochen nett, verständnisvoll und bemüht, konnte mir aber nur sagen, dass das Manual von Emirates, das in der Zentrale in Dubai festgelegt wird, nun mal Gesetz sei. Von der absolut unfähigen Kundenhotline will ich gar nicht anfangen.

Dass in der Praxis, und zwar an gleich vier verschiedenen Flughäfen und auf vier Flügen, niemand über diese strenge Regelung Bescheid wusste und wir überall nach einem Blick auf das TÜV-Siegel an unserem Sitz freundlich durchgewinkt wurden, kann man toll finden – oder erst recht seltsam.

 

Emirates ist aber nicht die einzige Airline, die Babys eine sichere Beförderung verweigert. Auf der Strecke nach Neuseeland verkehren so einige Carrier, die es euch schwer machen, eure Kleinen im Flugzeug sicher zu transportieren.

 

Airline-Regeln zu Kindersitzen

Lufthansa

Babyschale: mit TÜV-Siegel

Kindersitz: empfohlen für Kinder bis 7 Jahre bzw. 18 kg, mit TÜV-Siegel

CARES-Gurt: nicht erlaubt

Erfahrungen: Der CARES-Gurt wird an Bord nahezu immer anstandlos akzeptiert, viele Flugbegleiter wissen gar nicht, was das ist und staunen.

Emirates

Babyschale: nein (in Praxis: ja, mit TÜV-Siegel oder FAA Certificate)

Kindersitz: mit TÜV-Siegel oder FAA Certificate, nur für Kinder von 6 bis 36 Monaten

CARES-Gurt: erlaubt

Anmerkungen: Autorisierung am Check-in, keine Bestätigung vorher

Erfahrungen: Babyschale wird trotz offiziellen Verbots anstandslos akzeptiert, auch während Start und Landung.

Air New Zealand

Babyschale: rückwärts gerichtete Sitze sind nur erlaubt, wenn der Vordersitz noch zurückgeklappt werden kann, Breite max. 43 cm, Höhe max. 48 cm

Kindersitz: nur für Kinder bis 4 Jahre, Breite max. 48 cm, Höhe max. 65 cm

CARES-Gurt: ausdrücklich erlaubt

Anmerkungen: TÜV-Siegel ist nicht ausdrücklich aufgeführt, dafür ECE 44

Cathay Pacific

Babyschale: eigene Kindersitze erst ab 6 Monaten erlaubt, vorher Schlaufengurt-Pflicht! keine rückwärts gerichteten Kindersitze erlaubt

Kindersitz: nur erlaubt für Kinder zwischen 6 und 35 Monaten, nicht in allen Maschinen

CARES-Gurt: ausdrücklich erlaubt für Kinder bis 1 m und 20 kg, muss angemeldet werden

Erfahrungen: laut einer Leserin sagt die Cathay-Kundenhotline, dass der CARES-Gurt in den neuen Maschinen generell nicht mehr genutzt werden darf 🙁

Anmerkungen: Kinder zwischen 6 und 24 Monaten (max. 1 m groß, 20 kg) können in den meisten Maschinen kostenlos das bereitgestellte Rückhaltesystem nutzen, muss vorher angemeldet werden, keine feste Reservierung möglich!

Thai Airways

Babyschale und Kindersitz: einzige Bedingung: „certified by the government of manufacturer’s country“

CARES-Gurt: nicht erwähnt

Etihad

Babyschale: keine rückwärts gerichteten Kindersitze erlaubt

Kindersitz: vorgeschriebenes Label in roter Schrift (!): „This child restraint system conforms to all applicable federal motor vehicle safety standards. This restraint is certified for use in motor vehicles and aircraft”

CARES-Gurt: ausdrücklich für Kinder „mit besonderen Bedürfnissen“ über 1 Jahr und bis 20 kg

Anmerkungen: beim Check-in anmelden

Qantas

Babyschale und Kindersitz: ausdrücklich empfohlen, keine weiteren Vorgaben

CARES-Gurt: ausdrücklich erlaubt für Kinder zwischen 2 und 4 Jahren

Anmerkungen: Sitz muss bis 24 Stunden vor Abflug und beim Check-in bestätigt werden

Malaysia Airlines

Babyschale, Kindersitz, CARES-Gurt: keine Erwähnung auf der Website, seatguru.com erwähnt die gängigen Zertifikate

Singapore Airlines

Babyschale: „geprüfte Autokindersitze“ erlaubt

Kindersitz: „geprüfte Autokindersitze“ erlaubt, nur bis 3 Jahre!

CARES-Gurt: ausdrücklich erlaubt, passt nur in Economy

Anmerkungen: kein spezielles Siegel nötig, nur ECE R44/03

Erfahrungen: eine Leserin berichtet, dass sogar CARES-Gurte an Bord auf Wunsch zur Verfügung standen

Korean Air

Babyschale: „Kindersitz und Gurt“ für Babys unter 2 Jahren lt. Website von Airline bereitgestellt auf Flügen von/nach Incheon (außer Boeing 737), bis 72 Stunden vor Abflug anfordern

Kindersitz: erlaubt mit TÜV-Siegel und FAA, keine weiteren Vorgaben

CARES-Gurt: nicht erwähnt (evtl. ist es der „Gurt“ für Babys? Wahrscheinlich ist damit aber der Loop Belt gemeint.)

Air China

Babyschale: keine Erwähnung, außer „ein Sitz für Kinder unter zwei Jahren kann gebucht werden, wenn ein entsprechendes Rückhaltesystem mitgebracht wird“

Kindersitz, CARES-Gurt: keine Erwähnung

(Stand: 09/2015)

 

Die praktische Erfahrung zeigt: In echt ist sowieso alles ganz anders. Egal was im Handbuch oder auf der Website der Airline steht, egal was das Personal beim Check-in euch sagt: Es steht und hängt alles an der Entscheidung des Bordpersonals. Wenn die keine Ahnung haben, könnt ihr ihnen alles erzählen – oder aber im schlimmsten Fall auf Ignoranz-Granit beißen. Was man in solchen Fällen noch an Strategien zur Verfügung hat, könnt ihr in diesem informativen Beitrag auf KidsAway.de lesen (den ich selbst recherchiert habe, er ist also wirklich gut ;-).

So haben wir uns vorbereitet, weil wir ja wussten, dass Emirates unsere Babyschale THEORETISCH nicht bei Start und Landung zulassen würde:

  • uns auf www.seatguru.com die Sitzkonstellation und die Sitzbreiten in unseren Maschinen angeschaut und überlegt, wo der Sitz am besten hinpasst (Hindernisse sind meist feststehende Armlehnen und nicht mehr zurückklappbare Rückenlehnen)
  • das TÜV-Siegel für die Zulassung im Flugzeug besorgt und aufgeklebt (normalerweise klebt das Siegel natürlich schon drauf)
  • viele (im Endeffekt nutzlose) Telefonate mit der Kundenhotline, dem Flughafen Prag und verschiedenen Niederlassungen von Emirates geführt, um eine Bestätigung für unseren Kindersitz zu bekommen – Fazit: Die Mühe kann man sich sparen
  • die Empfehlungen der amerikanischen Luftfahrtbehörde FAA und des TÜV zur Nutzung von Kindersitzen an Bord ausgedruckt und mitgenommen
  • ein Formblatt mitgenommen, in dem das Airline-Personal sich verantwortlich für entstehende Schäden erklärt, die durch das Verbot der Benutzung des Kindersitzes entstehen – was sie, so die Theorie, natürlich verweigern werden (herunterzuladen unter dem nämlichen Link bei KidsAway.de)
  • für den Notfall den Cares Gurt eingepackt
  • jeden Emirates-Mitarbeiter sofort angesprochen, dass wir unsere Babyschale an Bord benutzen wollen, und uns überall das Okay eingeholt
  • gaaanz cool geblieben und gelächelt – NATÜRLICH würden wir die Babyschale an Bord benutzen, ist doch ganz logisch!

Zum Glück war die ganze Aufregung tatsächlich umsonst. Alle Mitarbeiter wollten nur das TÜV-Siegel sehen und waren dann überzeugt.

Tipp: Einige sahen unsere Doona Babyschale wegen des integrierten Fahrgestells als Buggy an und wollten sie mit einem Gepäckanhänger für den Gate Check-in versehen – das dürft ihr (falls ihr Doona nutzt) nicht zulassen, denn es gibt Probleme, wenn ein angemeldetes Gepäckstück dann nicht ankommt!

Weltwunderer Fliegen Babyschale Doona

Fliegen mit Babyschale – zum Glück kein Problem

Welche Erfahrungen habt ihr mit Airlines und Kindersitzen gemacht? Eure Erfahrungen sind für andere Reisende Gold wert!

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