Hobbit & Co. Where to go in NZ

„Lord of the Rings“-Location-Tour durch Neuseeland: Matamata aka Hobbingen

DER Punkt, den eine Neuseelandreise im Zeichen des Herrn der Ringe auf keinen Fall auslassen darf, ist das kleine Fleckchen Matamata im ländlichen Herzen der Nordinsel. Der „Nabel der Welt“ für jeden Tolkien- bzw. Peter-Jackson-Fan ist nur einen Halbtagsausflug von Auckland oder Rotorua entfernt. Die Hobbiton Movie Tour lohnt sich wirklich!

The Shires Rest Matamata Hobbiton Movie Tour

Auf zur Hobbiton Movie Tour!

Hier liegt, gut versteckt und abgezäunt auf dem Gelände der riesigen Schaffarm von Mr. Ian Alexander und für popelige Touristen nicht ohne Weiteres zugänglich, das Set von Hobbiton (auf Deutsch: Hobbingen). Im Gegensatz zu den meisten anderen Drehorten, die erst künstlich errichtet oder erweitert und danach akribisch wieder renaturiert wurden, kann man Hobbiton auch heute noch im kompletten Zustand bewundern – oder vielmehr: wieder.

Hobbiton Movie Tour: Wie alles begann

Nach dem Ende der Dreharbeiten zum Herrn der Ringe sperrte Mr. Alexander nämlich zunächst das gesamte Gelände seiner Farm wieder zu und ließ alle Höhlen, Wege usw. abbauen und abreißen, weil ihn der Rummel des Filmdrehs sehr genervt hatte. (Das war im Übrigen genau zu der Zeit, als der Weltwundermann und ich zum ersten Mal in der Gegend aufschlugen und trotz beharrlichen Herumlaufens auf privatem Farmgelände keinen Hobbitfuß entdecken konnten).

Die Kunde vom echten Hobbiton verbreitete sich allerdings in Neuseeland immer weiter, und immer mehr Touristen stapften durch die grünen Hügel rund um Matamata auf der Suche nach dem richtigen Ort – erkennbar am hoch aufragenden „Party Tree“. Nachdem man sich der vielen traurigen Fans erbarmt (und den darin liegenden finanziellen Mehrwert entdeckt) hatte, stellte man zumindest den Abriss der mehr als 30 Hobbit-Höhlen ein (der „Green Dragon Inn“ verbrennt ja am Ende von Teil 3 – „Die Rückkehr des Königs“, zumindest in einer Traumsequenz, und lag daher eh in Schutt und Asche).

Insgesamt 17 Fassaden der originalen Hobbit-Höhlen aus weißen Brettern und Styropor standen nun auf dem Farmgelände zur Besichtigung – was zu einem Ergebnis führte, das eher dürftig aussah und nur hartgesottene Fans zufriedenstellte. Immerhin – eines der so geretteten Löcher konnte man sogar betreten und „Hobbit in der Höhle“ spielen.

Als Peter Jackson nach jahrelangen Verhandlungen schließlich doch den Zuschlag für den Dreh des Herr-der-Ringe-Prequels „Der Hobbit“ erhielt, kam Bewegung in die Sache – denn „Der Hobbit“ spielt genau wie seine große Fortsetzung zunächst einmal am Wohnort von Bilbo Baggins/Beutlin.

Ein sehr geschickter Marketing-Mensch hat es geschafft, dass das Set für Hobbingen bereits vor Beginn der eigentlichen Dreharbeiten für Besucher zugänglich war – und auch jetzt, da der Film „in the box“ ist, darf Hobbiton Movie Tours fleißig weiter Gäste über die grünen Weiden der Alexander-Farm führen. Hobbingen wird, im Gegensatz zu allen anderen Drehorten, dauerhaft als Besucherattraktion erhalten bleiben.

Hobbingen in Zahlen sieht so aus: 500 Hektar Gelände  mit 44 Hobbit-Höhlen, Gärten und Obsthainen und 13.500 Schafen – die für den Herr-der-Ringe-Film ironischerweise gegen eine andere, Hobbit-passendere Rasse ausgetauscht werden mussten. Die Schafe, die man heute sieht, sind „echt“ und gehören der Alexander-Familie.

In Matamata, einem Nest mit gerade einmal 6.000 Einwohnern, sieht es auch heute ganz normal aus – mal abgesehen von der thematisch passend umgestalteten iSite. Aber wer der Beschilderung hinter die Stadtgrenzen folgt, trifft nach ca. 20 Kilometern zwischen grünen Hügeln auf ein funkelndes Besucherzentrum mit Café, großem Freisitz und der obligatorischem Schafscher-Vorführscheune.

Ein auf das Vorzeigen seiner Kunst sehr erpichter Schafscherer hat offenbar mit den Herren der „Hobbiton Movie Set & Farm Tours“ einen Deal geschlossen, dass jeder am Drehort von Hobbiton Interessierte auch unbedingt einmal zusehen dürfen sollen muss, wie ein Schaf geschoren wird. Echte Fans wird das kaum interessieren, aber unsere Kinder waren begeistert – sie durften ja auch die frisch geschorenen Lämmer mit der Nuckelflasche füttern.

The Shires Rest Matamata

Die Hobbiton Movie Tour: es geht los!

Angekommen im „The Shires Rest“, kann man für 66 NZ$ 79 NZ$ pro Person eine knapp zwei Stunden dauernde Tour über das Filmgelände buchen – oder man bucht schon vorher im Internet, oder man spart sich die Anfahrt und bestellt den Abholservice an die i-Site in Matamata, oder man ist noch fauler und lässt sich gleich in Rotorua abholen (das kostet aber 35 NZ$ mehr).

Kinderfreundlichkeit wird, finanziell gesehen, sehr groß geschrieben: Bis 8 Jahre zahlen die Lütten in Begleitung eines zahlenden Erwachsenen nichts! Das ist fair, denn die Tour über das Filmset ist für Kinder eher uninteressant, bis sie verstehen, was es mit einem Filmset auf sich hat. Unsere Kinder taten das noch nicht und waren daher nur milde an den Hobbit-Höhlen interessiert.

Hobbiton Matamata

Zwei Guides mit sehr umfangreichem Wissen begleiten jede Tourgruppe über das Gelände – los geht es mit einem Bus über grüne Hügel, links und rechts und durch versperrte Zäune, denn Hobbiton ist geheim und soll nicht von Hinz und Kunz entdeckt werden.

Der Zugang zum Gelände erfolgt über eine Straße, die eigens für den Film von der neuseeländischen Armee angelegt wurde – genau wir die ersten 37 Hobbit-Höhlen, die Mühle und die Brücke über den kleinen See. Nun wissen wir, wie weit die Begeisterung des neuseeländischen Staates für das Mittelerde-Projekt reicht.

Hobbiton Guides Matamata Auch sonst steckt viel Arbeit in Hobbingen:  Wie uns erklärt wurde, arbeiteten 70 „set builder“, Landschaftsarchiteckten und Zimmerleute über neun Monate am ursprünglichen „Herr der Ringe“-Set. Dabei wurden acht Kilometer Straßen angelegt, drei Kilometer Hecken gepflanzt und um jede der Hobbit-Höhlen zwischen 30 und 200 Sträucher und Blumen gesetzt. Ganz abgesehen von der eigens herangekarrten 26 Tonnen schweren Eiche, aus der mit viel künstlichem Grün der Party-Baum gebastelt wurde. Um den gepflegt-natürlich aussehenden Look zu erhalten, arbeiten ganzjährig mindestens fünf Gärtner am Set.

Hobbiton Movie Set

Nach den ersten ungläubig-frohlockenden Blicken über die grünen Hügel, auf den kleinen See mit Brücke und Mühle und den angeblich 80 Meter hohen Party-Baum dürfen dann alle aussteigen und werden gründlich in jede Ecke des Geländes geführt. Anschauen und fotografieren sind nach Herzenslust erlaubt, anfassen und betreten nicht.

Mit einer Ausnahme: Der „Green Dragon Inn“ wurde nach seiner filmbedingten Zerstörung wieder komplett neu errichtet, obwohl er im „Hobbit“ eigentlich gar nicht vorkommt. Besucher der Hobbiton Movie Tour können hier am Ende ihres Rundgangs nun ein zünftiges Hobbit-Bier zischen und auf Wunsch sogar dinieren (kostet natürlich ordentlich extra). Dieses Schmankerl gab es bei unserem Besuch direkt vor Beginn der „Hobbit“-Dreharbeiten allerdings leider noch nicht – wir konnten den „Green Dragon Inn“ nur von Weitem bewundern.

Trotzdem waren und sind wir nachhaltig fasziniert von diesem Erlebnis. Es sieht alles so unheimlich echt aus! Die Blumen blühen, die Bienen summen… Nur die Bewohner des Dorfs scheinen alle plötzlich verschwunden zu sein. Wir hatten immer wieder das Gefühl, als müsste gleich ein Hobbit um die Ecke eines Hauses schauen oder als würde Gandalfs Karren auf dem Weg nach Beutelsend erscheinen.

Die Hobbit-Höhlen sind für den neuen „Hobbit“-Film aus haltbaren Materialien neu errichtet worden und sehen auch von nahem richtig echt aus – inklusive echten Äpfeln an den Bäumen, Gardinen in den Fenstern und aufgesprühten „Flechten“ auf einigen Zäunen, die sicherlich binnen wenigen Jahren mit echten Flechten überwachsen sein werden.

Hobbiton Hobbit hole Matamata

Inzwischen arbeiten 40 Angestellte allein am Erhalt von Hobbingen – und die Alexander-Familie, die seit 2003 eine Viertelmillion Besucher auf ihr Gelände gelassen hat, verdient sich eine goldene Nase.

Mr. Ian Alexander himself scheint aber von seinem neuen Reichtum wenig beeindruckt. Er fährt nach wie vor auf einem klapprigen Moped mit Hütehund auf dem Schoß über das Gelände und ist für einen kleinen Schwatz mit den Besuchern gern zu haben. Netter Kerl!

Wie war eure Hobbiton Tour? Hattet ihr Spaß oder war es das Geld nicht wert? Erzählt doch mal 🙂

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3 Kommentare

  • Liebe Jenny,

    wenn ich mir die Eindrücke aus Deinem Bericht so ansehe, muss ich Dir Recht geben. In den letzten Jahren hat sich da tatsächlich sehr viel getan. Ich bin mir sicher der Touristenstrom zum Filmset hat sich um ein Wesentliches vervielfacht. Allein der riesige Parkplatz am Startpunkt lässt bereits erahnen, wie viele Touristen hier tagtäglich abgefertigt werden.

    Trotzdem hat sich zumindest meine Tour am frühen Morgen nicht übermäßig touristisch angefühlt. Ich konnte immer noch den Zauber fühlen, den die kleine Siedlung ausstrahlt. Als Herr der Ringe Fan kann ich die Tour weiterhin empfehlen.

    Für gute Bilder muss man sich aber schon hin und wieder ein wenig gedulden (oder einfallsreich und flexibel sein). Schließlich will jeder der im gleichen Bus gesessen ist auch das perfekte Bild haben…. 😉

    Liebe Grüße,
    Thomas

  • Wow. Anfang nächsten Jahres geht es für mich im Rahmen eines Austausches auch nach Neuseeland. Besser gesagt nach Hamilton. Die Stadt ist nur 50 Minuten von Matamata entfernt. Da cih ein Herr der Ringe und Hobbit Fanatiker bin, hat mir meine Austauschpartnerin versprochen, mir das Filmset zu zeigen. Ich bin schon total aufgeregt! Jetzt noch viel mehr!!! 😉

  • Sehr cool. Und schade. Denn als ich in Matamata war gab es das Gelände leider noch gar nicht (jedenfalls nicht offiziell) und Herr der Ringe wurde quasi gerade erst gedreht. Der neue Hobbit-Film steht jedoch auf meiner Must-See-Liste. Ich bin gespannt. Liebe Grüße!

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