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Campable: eine Alternative zum Freedom Camping in Neuseeland?

Die Website „Campable“ stößt in die Lücke zwischen Freedom Camping und privaten Holiday Parks vor und vermittelt Campingmöglichkeiten in Neuseeland bei Privatleuten – wie ihr großes Vorbild Airbnb. Was ist davon zu halten?

Campable Camping in Neuseeland

In Neuseeland auf Privatgelände übernachten: das geht mit Campable

Ihr wollt in Neuseeland campen, aber bitte nicht auf einem seelenlosen, parzellierten Campingplatz, der für das Privileg sauberer Duschen und Gemeinschaftsküche ein Vermögen kostet? Oder ganz generell nicht auf einem Campingplatz, denn ihr braucht mit eurem Self Contained Vehicle doch gar keinen?

Auf der Website Campable findet ihr seit Anfang 2017 ganz besondere Stellplätze – zwar nicht kostenlos, aber preiswert, legal und wunderschön.

Campable: Angebot und Preise

Camping auf einer Farm, auf einem Weingut, in einem Garten oder an einem Flussufer auf Privatgelände – oft zusammen mit einem Einblick in das echte Leben der Neuseeländer. Das klingt zu schön, um wahr zu sein?

Campable-Anbieter sind Privatpersonen mit einem eigenen Garten, einem Stück Land oder einer Farm, aber auch Betreiber von Bed and Breakfasts, Resorts, Weingütern oder Sportclubs – entsprechend vielfältig ist das, was ihr auf den Stellplätzen erwarten könnt und was geboten wird. Manchmal wird nur ein Stellplatz vermietet, oft gehört die Nutzung von Toiletten und weiteren Einrichtungen dazu; mitunter gibt es auch Extras wie ein Begrüßungsgetränk oder eine Runde auf dem angrenzenden Golfplatz. Lasst euch überraschen!

Das Ganze ist natürlich nicht kostenlos. Die Anbieter der Campsites dürfen als Preis festlegen, was sie wollen. Aktuell rangieren die etwa 100 Angebote zwischen 10 und 65 NZ$ pro Nacht, mit zunehmender Beliebtheit des Angebots dürfte sich das noch weiter nach oben verlagern.

Familien-Spartipp: Die Campable Rates beziehen sich immer auf eine Einheit, das heißt einen Campervan oder ein Zelt. Je mehr Personen ihr seid, desto mehr spart ihr also im Vergleich zu einem normalen Campingplatz in Neuseeland!

Die Suche funktioniert genau wie bei Airbnb (das Design der Website sieht auch sehr vertraut aus): Ihr könnt direkt über die Neuseeland-Karte nach Stellplätzen an eurer Route suchen, verschiedene Filter einstellen (WiFi, Feuer erlaubt, Stromanschluss für Campervans) oder euch beim Stöbern in verschiedenen regionalen Kollektionen inspirieren lassen.

Das Einzige, was uns fehlt, ist ein Kriterium für Kindersicherheit bzw. Familientauglichkeit. Fragt auf jeden Fall vor der Buchung nach, ob der Stellplatz an ungesicherten Wasserstellen liegt oder sonstige Gefahrenquellen hat!

Wer von unterwegs nach einem Campable-Stellplatz suchen will, der kann sich die praktische Campable-App herunterladen.

Die meisten Campable-Anbieter vermieten nur einen oder wenige Stellplätze, und das ist genau im Sinn des Erfinders, Warwick Beauchamp. Ihr bekommt also bei Campable idealerweise das, was ein guter Campingplatz auch bieten sollte: familiäre Atmosphäre, Raum zum Atmen und Ausruhen, und nebenbei Kontakt zu wenigen anderen Campern oder zu euren Gastgebern.

Campable Website

Die Website von Campable – schick, oder? © Campable

Das bietet Campable NICHT

Es gibt natürlich ein paar Haken, die Campable-Stellplätze von „richtigen“ Campsites in Neuseeland unterscheiden. Viele, wenn auch längst nicht alle, vermieten nur an „self contained“ Campervans – logisch, denn dann müssen sie keine eigenen Sanitäranlagen zur Verfügung stellen. Wenn ihr mit dem Zelt oder einem Campervan ohne Self-Containment-Plakette unterwegs seid, könnt ihr auf Campable aber auch gezielt nach Anbietern für Zelte suchen.

Und es wird die absolute Ausnahme sein, wenn ihr auf einem Campable-Platz eine „dump station“ oder Frischwasser für euer Wohnmobil findet. Services und Annehmlichkeiten eines Holiday Parks findet ihr eben nur in Holiday Parks.

Da viele Campable-Anbieter Privatpersonen sind, die ihren Garten vielleicht auch mal selbst nutzen wollen oder in den Urlaub fahren, sind nicht alle Stellplätze das ganze Jahr über verfügbar und manche sind übers Wochenende oder im Sommer geschlossen. Anstatt spontan vorbeizuschauen, solltet ihr auf Campable den Anbieter eines Stellplatzes vorher kontaktieren und möglichst im Vorhinein über die Website buchen.

Campable Stellplätze Karte

Campable-Stellplätze findet ihr in ganz Neuseeland © Campable

Ist Campable legal?

Genau wie sein großer Verwandter Airbnb muss sich Campable die Frage gefallen lassen, ob das eigentlich erlaubt ist – einfach so Campingplätze an Durchreisende vermieten, ohne eine Lizenz?

In Neuseeland ist es auf jeden Fall nicht grundsätzlich verboten; das zeigen die eher hilflosen Proteste einiger Campingplatzbetreiber, die durch die Konkurrenz natürlich Einbußen befürchten. Nach den neuseeländischen Camping-Grounds Regulations von 1985 darf man eine Familie oder Gruppe (die aus mehr als einer Person besteht) gegen Bezahlung auf seinem eigenen Grund und Boden beherbergen, solange die Gemeinde in ihrem District Plan keine anderslautenden Regelungen aufgestellt hat.

Solche Regelungen gibt es zum Beispiel im Queenstown Lakes District oder in Central Otago. Hier ist es so teuer, eine Lizenz zum Beherbergen eines einzigen Campervans zu erwerben, dass sich eine Vermietung nicht lohnt. Mit beiden Gemeinden ist Campable derzeit in Verhandlungen, um die Regelungen zu ändern; denn genau diese Districts sind sehr daran interessiert, während der Hochsaison zusätzliche Übernachtungsmöglichkeiten für die Touristenmassen zu bieten.

Eine Ausnahme von der Ein-Wohnmobil-Regel kann man als Anbieter beantragen; die kostet 400 NZ$ plus eine Jahresgebühr von 250 NZ$ und gilt nur, wenn man sich auf „self contained“ Campervans beschränkt. Campable-Anbieter, die mehrere Plätze vermieten, haben hierfür also ordentlich investiert!

Wie lange man auf einem Campable-Platz übernachten darf, ist nicht festgelegt und bleibt dem jeweiligen Anbieter überlassen. Alles, was unter 90 Tagen bleibt, ist legal.

Für euch als Gäste ist das Camping bei privaten Anbietern, sofern es auf deren eigenem Grund und Boden stattfindet, auf jeden Fall erlaubt – und es ist für euch viel sicherer als Freedom Camping auf öffentlichem Grund. Hier wurden in den letzten Jahren so viele Regeln geändert und Stellplätze auch kurzfristig geschlossen, dass man kaum noch sicher sein kann, wo man nun legal stehen kann.

(-> Hilfe und Tipps gibt es in unserem Ebook Freedom Camping in Neuseeland, das ihr auf dem Blog kaufen könnt.)

Privatbesitz Pakiri Beach

Privatbesitz: Hier darf normalerweise nicht gecampt werden. Mit Campable schon!

Fazit: Ist Campable eine Alternative zum Freedom Camping?

Für Camper, die vorrangig an einem kostenlosen Platz zum Schlafen interessiert sind, ist Campable keine Alternative, logisch. Aber für alle anderen, denen es auch um die Schönheit eines Stellplatzes und das Erleben von Natur und Menschen in Neuseeland geht, klingt das Angebot sehr interessant.

Immerhin nutzt ein Großteil der Freedom Camper in der Hochsaison in Neuseeland die kostenfreien Stellplätze auch deshalb, weil die privaten Holiday Parks schlicht ausgebucht sind. Hier kann Campable eine hervorragende Alternative sein.

Und: Auch registrierte Holiday Parks (von denen es ja viele kleinere gibt) können sich auf Campable eintragen. Für sie ist das Inserat kostenfrei und sie zahlen auch eine geringere Kommission an die Plattform als die 25 Prozent, die private Anbieter abgehen müssen. Das Angebot dürfte also in den nächsten Jahren noch viel größer und vielfältiger werden.

Wir sind gespannt und werden Campable auf unserer nächsten Neuseeland-Reise mit Kindern bestimmt testen!

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