Freedom Camping

Freedom Camping Regeln: das ändert sich ab 2018 in Neuseeland

Neuseelands wunderschöne Natur genießt man am besten ganz für sich allein, mitten in der unberührten Wildnis, beim „freedom camping“. Leider tun das inzwischen so viele Besucher, dass die Neuseeländer Freedom Camping Regeln aufstellen mussten – und die haben sich kürzlich erneut verschärft.

Freedom Camping Regeln

Freedom Camping Anfang 2011: So ginge das heute nicht mehr

Was Freedom Camping ist und was ihr dabei beachten müsst, haben wir in diesem Blog schon gründlich beschrieben. Ihr könnt sogar ein (sehr beliebtes) Ebook kaufen, in dem alles genau erklärt ist und wo außerdem mehr als 500 kostenfreie Stellplätze in Neuseeland verzeichnet sind (eben die bei so vielen Reisenden begehrten „freedom camping spots“).

Die wichtigsten Freedom Camping Regeln in Neuseeland

Eigentlich ist es ganz einfach: „Freedom Camping“ in Neuseland dürft ihr nur dort machen, wo es ausdrücklich erlaubt ist. Das ist entweder festgelegt im „Freedom Camping Bylaw“ eines einzelnen Districts (das erfahrt ihr in der örtlichen i-Site) oder, noch sicherer, auf einem Hinweisschild direkt an der von euch auserwählten Stelle.

Seit dem „Freedom Camping Act“ von 2011 sind die Vorgaben, wo man legal über Nacht stehen kann, immer strenger geworden. So darf man heutzutage eigentlich ausschließlich noch mit autarken Campervans frei stehen, die über eine offizielle „Self containment“-Plakette verfügen.

Freedom Camping Regeln in Neuseeland

Schilder, überall Schilder… So macht das keinen Spaß mehr © No Camping Sign von studio tdes unter CC-BY-SA 2.0

Die neuen Freedom Camping Regeln ab 2018

Um der wachsenden Zahl von Touristen in Neuseeland Herr zu werden, die immer mehr kostenfreie Stellplätze in Beschlag nehmen, dort Müll und Fäkalien hinterlassen (und selbst bei vorbildlichem Verhalten einfach in großer Zahl da sind!), wird die „Self containment“-Plakette ab dem 31. Januar 2018 angepasst.

Die aktualisierte Plakette bekommen nur noch Fahrzeuge, die eine Toilette mitführen, welche jederzeit im Fahrzeuginneren zugänglich und benutzbar sein muss (auch zum Beispiel während der Fahrt oder bei aufgebautem Bett muss genug Platz für Beine und Ellbogen sein). Die allermeisten Sleepervans fallen damit heraus.

Entgegen vieler Meinungen, die im Internet kursieren, lässt der zweite Zusatz zum Standard NZS 5465:2001 „Self containment of motor caravans and caravans“ aber auch portable Toiletten gelten – sie müssen nicht fest im Fahrzeug verbaut sein und müssen auch keine Wasserspülung haben.

-> Diese Regel gilt eigentlich schon seit 1. Juni 2017. Seit diesem Datum werden neue „Self containment“-Plaketten nur noch für entsprechend ausgestattete Fahrzeuge vergeben. Alle Fahrzeuge, die schon vorher zertifiziert wurden, behalten ihre Plakette für vier Jahre ab dem Ausstellungsdatum.

Es gibt aber eine Übergangsfrist bis 31. Januar 2018: So lange gelten Plaketten, die noch unter den alten Bedingungen ausgestellt bzw. erneuert werden (im Originaltext: „Vehicles certified after 31 May 2017 will need to meet all aspects of the amendments to be certified for four years. Vehicles that only meet amendment one will still be able to be certified after 31 May, however, this will only be valid until 31 January 2018. After this date, all vehicles must meet amendment one and two to get certification.“).

Müll und Schmutzwasser dürfen beim Freedom Camping ohnehin nicht vor Ort entsorgt werden. Freedom Camper müssen nun aber für mindestens drei Tage autark sein. D. h. sie dürfen weder Wasser nachtanken noch Müll oder Brauchwasser entsorgen müssen.

(-> Den 2- Zusatz zum Standard NZS 5465:2001 „Self containment of motor caravans and caravans“ könnt ihr hier kostenlos herunterladen, wenn ihr es genau nachlesen wollt.)

Illegales Freedom Camping wird streng(er) geahndet

Die genauen Freedom Camping Regeln darüber, wie viele Fahrzeuge wie lange an einem Stellplatz stehen dürfen, werden spätestens seit 2016/17 von den lokalen Behörden ohne Wenn und Aber durchgesetzt. Es gibt keine Verwarnungen mehr, es wird sofort ein Knöllchen ausgestellt – oder noch schlimmer, es werden Parkklammern angebracht, die nur gegen Zahlung des Bußgelds  entfernt werden.

Schaut also genau hin, wie viele Campervans schon an einem Freedom Camping Spot in Neuseeland parken – oft sind nur vier bis fünf erlaubt. Auch die Standzeiten sind in den Bylaws der Districts häufig genau geregelt: Ihr dürft weder vorher noch nachher dort angetroffen werden. Erscheint es euch unzumutbar, schon um 9 Uhr morgens abzufahren, dann sucht euch einen anderen Stellplatz.

Wenn ihr gegen die „Freedom Camping Rules“ in Neuseeland verstoßt, müsst ihr mit einem Bußgeld von 200 NZ$ rechnen. Leider gibt es immer wieder Touristen, die solche Knöllchen ignorieren und meinen, das Problem würde sich mit ihrer Abreise in Luft auflösen. Immerhin hat Neuseeland kein Rechtsverfolgungsabkommen mit Deutschland geschlossen.

Wer mit einem Mietwohnmobil durch Neuseeland reist, für den fällt diese Taktik seit 2017 weitgehend flach: Der größte Campervan-Vermieter THL (Dachmarke von Britz, Maui und Mighty sowie dem Kiwi Experience Bus und den Waitomo Caves) arbeitet jetzt mit den Behörden zusammen. Etwaige Bußgelder werden bei der Rückgabe eures Campervans direkt eingezogen (und eine Bearbeitungsgebühr gibt es sicherlich auch noch drauf).

Freedom Camping Regeln Neuseeland

Nicht überall ist Freedom Camping erlaubt. Eher im Gegenteil…

Freedom Camping in Neuseeland: ein Mythos?

An dieser Stelle müssen wir mal kritisch werden. Die Sage, in Neuseeland könne man jederzeit und an den schönsten Plätzen kostenfrei übernachten, hält sich hartnäckig. Sie ist aber – inzwischen – falsch!

Wir selbst sind schon zweimal für längere Zeit durch Neuseeland gereist, mit durchaus knappem Budget. Trotzdem haben wir es nicht zur Hauptaufgabe des Tages gemacht, unbedingt einen kostenfreien Stellplatz zu finden. Wir haben das auch nicht in unser Reisebudget einkalkuliert.

Wir haben viele wunderschöne Campingplätze mit teils sehr netten Besitzern aufgesucht, denen wir ihr Business von Herzen gönnen. Wir haben uns gefreut, dort bequem kochen und duschen, unser Schmutzwasser und unseren Müll entsorgen zu können. Dafür haben wir gern bezahlt. Und die großartige Natur haben wir dann eben nicht über Nacht, sondern bei einer Picknickpause genossen.

Immer wieder lesen wir Fragen in Internetforen: „Wo finden wir einen kostenlosen Stellplatz?“ Oder wir stoßen auf genervte Reiseberichte von Touristen, die sich Stellplätze mit zig anderen Campern teilen mussten. Und dann noch die Nase rümpfen, dass es nicht besonders idyllisch gewesen sei.

Das ist vielleicht „free camping“, aber doch kein „freedom camping“ mehr?!

Die Tage, in denen man mit kleinem Budget durch Neuseeland reisen und jede Nacht woanders frei und „scenic“ übernachten konnte, sind vorbei. Jetzt beginnen die Tage, in denen sich Sparfüchse um die wenigen kostenfreien Stellplätze streiten. Einige von ihnen ignorieren auch in „Nach mir die Sintflut“-Mentalität die Gesetze. Da wird illegal geparkt, Müll entsorgt und keine Rücksicht auf Anwohner genommen.

Lange wird es nicht mehr dauern, bis das Freedom Camping in Neuseeland ganz verboten wird – oder bis es so unattraktiv geworden ist, dass niemand mehr Lust darauf hat.

Bis dahin möchten wir euch Folgendes raten: Probiert es aus, wenn ihr unterwegs einen Freedom Camping Stellplatz entdeckt, der euer Herz berührt. In der freien Natur zu stehen, ohne Waschraum nebenan oder Stromanschluss, das hat durchaus etwas – vor allem mit Kindern.

Aber es sollte nicht zum Selbstzweck auf eurer Neuseeland-Reise werden. Denn damit ruiniert ihr nicht nur euch selbst diese schöne Erfahrung, sondern auch allen anderen, die Freedom Camping auf verantwortungsvolle Art machen wollen.

Was denkt ihr übers Freedom Camping in Neuseeland? Findet ihr die neuen Regeln zu streng oder genau richtig?

4 Kommentare

  • Hey,
    der Artikel ist schön geschrieben. Leider (oder zum Glück) wird das Freedom Camping immer mehr eingeschränkt.

    Wir waren 1 Jahr mit einem NSC Fahrzeug unterwegs und haben oft kostenfrei gestanden.
    Sehr schade aber war zu sehen das viele Backpacker mit einer kostenlosen „Nach mir die Sinnflut“ Mentalität durchs Land ziehen.

    Hoffentlich tragen die neuen Strafen und strengere Kontrollen dazu bei das es für alle wieder ein schöneres Reisen durch Neuseeland ermöglicht.

    Schade, aber vielleicht muss das jetzt mal so sein.

    Lieben Gruß Julian

  • Hi Weltwunderer,

    hier ist Nils von KiwiQuest.de

    Ich wollte euch nur ein dickes Lob für eure Arbeit aussprechen. Macht weiter so! Ist immer wieder schön von euch zu lesen 🙂

    Liebe Grüße,
    Nils (und der Rest der KiwiQuest-Crew)

    • Danke, Nils! Das Kompliment geben wir gern zurück – was wir für Familien tun, macht ihr für die jüngere Generation der Work and Traveller:-)

      Kollegialer Gruß
      Jenny

  • Zu eurer Empfehlung kann ich nur von ganzem Herzen „JA!“ sagen.
    Wir waren sieben Monate mit Campervan und Baby in Neuseeland unterwegs und haben an wirklich wunderschönen einsamen freedom camping spots übernachtet. Es macht aber überhaupt keinen Spaß, den Roadtrip daraufhin auszurichten, unbedingt jede Nacht einen kostenlosen Stellplatz finden zu wollen. Und es macht noch viel weniger Spaß, Touristen zu erleben, die mit einer Nach-mir-die-Sintflut-Sparfuchs-Mentalität durchs Land reisen. Kein Wunder, dass die Kiwis da keinen Bock mehr drauf haben.
    Glücklicherweise gibt es ja in NZ auch für Menschen, die Holiday Parks nichts abgewinnen können und lieber naturnah stehen und ohne das nächste Wohnmobil vor der Nase zu haben, echt tolle und sehr bezahlbare Alternativen, vor allem die DoC-Campgrounds aber auch z.B. von den Gemeinden unterhaltene Stellplätze. Viele davon sind (fast) wie freedom camping.

Hier kommt deine Meinung rein.