Freedom Camping

Freedom Camping in Neuseeland: wie geht das (noch)?

Wir schreiben hier sehr viel über „Freedom Camping“ und erklären, wie ihr damit günstig und mit tollen Eindrücken in Neuseeland campen könnt. Leider hat sich das in den letzten Jahren gravierend verändert – so weit, dass wir diese Art des Reisens nicht mehr uneingeschränkt empfehlen können.

Freedom Camping in Neuseeland Tor Omana

Stehen Freedom Camper in Neuseeland in Zukunft vor verschlossenen Toren?

Immer mehr Menschen reisen nach Neuseeland, die Touristenzahlen explodieren geradezu. Die Infrastruktur kann da nicht mithalten. Es fehlt Geld an allen Ecken und Enden: für größere und besser befestigte Parkplätze an beliebten Attraktionen, für neue Campingplätze und Hotels, für mehr öffentliche Toiletten und die Erhaltung von Wanderwegen, für breitere Straßen und Brücken, die den immer mehr Fahrzeugen standhalten können.

Das Ergebnis: Während sich das Land über einen 1A-Ruf und steigende Einnahmen im Tourismussektor freut, stöhnen die Gemeinden über wachsende Kosten, die großteils von den Steuerzahlern – also den Anwohnern – getragen werden müssen. Blöd, dass die bei Touristen beliebtesten Regionen gleichzeitig die mit den wenigsten Einwohnern sind…

Kein Wunder, dass die dann sehr genau hinschauen, wie sich die kostenfrei im Stadtpark oder am Seeufer campenden Gäste verhalten. Das werden immer mehr: In den letzten zehn Jahren ist die Zahl der Touristen, die Freedom Camping machen, von 30.000 auf 115.000 jährlich gestiegen. (Ganz zu schweigen von den sehr vielen Neuseeländern, die das ebenfalls schon immer gern gemacht haben!)

Und leider verhalten sich einige schwarze Schafe so besch…, dass viele Neuseeländer inzwischen laut ein generelles Verbot für Freedom Camper fordern.

Storys über schmutzige, rücksichtslose Freedom Camper, die überall Müll hinterlassen und die Landschaft ruinieren, an den Straßenrand oder in den Wald kacken und ihre Schmutzwäsche im klarsten See der Welt waschen, gingen in der letzten Sommersaison fast wöchentlich durch die Medien. Ich meine, WTF – was denken sich manche Leute??

Freedom Camping in Neuseeland Campervan mit Dreirad

Freedom Camping – hat das was mit Freiheit zu tun?

Sind Freedom Camper schlechte Reisende?

Viele Neuseeland-Reisende sind überrascht, wenn sie bemerken, wie schlecht in Neuseeland inzwischen über Freedom Camper gedacht und geredet wird. Die Medien betiteln einen als Schmarotzer, Anwohner blicken scheel auf die Ansammlungen von Campervans, Beschimpfungen sind nicht mehr ungewöhnlich, und es kam bereits zu Vorfällen mit zerschnittenen Bremsleitungen – gar nicht mehr lustig!

Dabei sind die allermeisten Freedom Camper verantwortungsbewusste, rücksichtsvolle Reisende, die einfach nur ab und zu die Gelegenheit nutzen wollen, kostenfrei und in der Natur zu übernachten – genau das, wofür sie ihren teuren Campervan gemietet haben. Und genau das, was ihnen die wunderschönen Werbefilme von Tourism New Zealand versprochen haben!

Wir sind sicher: Kein Tourist reist mit der Absicht nach Neuseeland, hier Chaos zu hinterlassen und die Natur zu zerstören. Der Mensch ist aber leider im Gesamtpaket dumm – viele blöde Dinge passieren nur, weil niemand über die Folgen seines Handelns nachgedacht hat.

Die Neuseeländer müssen (!) also ihre Gäste aufklären, was sie von ihnen erwarten. Andernfalls wird die hilflose Reaktion von immer mehr Gemeinden um sich greifen, die das Freedom Camping auf ihrem Grund und Boden rundweg verbieten.

Was Freedom Camping NICHT heißt

Obwohl das Wort Freiheit im Terminus „freedom camping“ enthalten ist, darf man in Neuseeland beileibe nicht überall campen, wo man will. Das Freedom Camping Bylaw von 2011 sowie zahlreiche Ergänzungen in den einzelnen Distrikten regeln sehr genau, wo man frei stehen darf und wo nicht – und außerdem, wie lange und mit welcher Ausstattung.

Zweite Überraschung: Das Wort „freedom“ bezieht sich auch nicht auf freie Natur. Im Gegenteil: Immer mehr „freedom camping spots“ sind einfach nur olle Parkplätze, wo man seinen Campervan über Nacht legal abstellen darf. Und das ist in Regionen wie Queenstown oder Abel Tasman, wo im Sommer schlicht keine Unterkunft mehr zu bekommen ist, oft die einzige Wahl, wenn man nicht lange vorreserviert hat.

Drittens: Von Freiheit beim Camping spürt man wenig, weil es an sehr vielen Stellplätzen ziemlich voll und damit eng wird. An beliebten Plätzen drängen sich in der Hochsaison zig Campervans aneinander. Jeder will der erste sein und sichert ab dem frühen Nachmittag eifersüchtig seine Nische. Nachts ärgert man sich dann über Lärm der Nachbarn und die anliegende Toilette quillt bald über (denn auch die mit „self containment“-Zertifikat und eigener Toilette ausgestatteten Camper wollen natürlich gern sparen…).

Schließlich reicht auch das Argument nicht weit, man würde beim Freedom Camping „for free“ campen. Ein Wohnmobil mit „Self containment“-Plakette, ohne die man heutzutage kaum noch Freedom Camping machen darf, kostet ein kleines Vermögen. Vor allem für Familien; und mit der Campervan-Miete ist es ja noch lange nicht getan!

Freedom Camping Neuseeland Strand Fußabdrücke Matata

Leave only footprints – das sollte die Devise beim Freedom Camping sein

Das müsst ihr über Freedom Camping in Neuseeland wissen

  • Es ist NICHT überall erlaubt.
  • Es ist fast immer nur dann erlaubt, wenn ihr einen Campervan mit „self containment“-Zertifikat habt. Achtet bei der Campervan-Miete genau darauf – die Budget-Campervans ohne fest installierte Toilette haben diese Plakette nicht, und ihr könnt sie auch nicht einfach nachrüsten, wenn ihr eine transportable Campingtoilette im Warehouse gekauft habt!
  • Es gibt nicht an jeder Ecke des Landes einen passenden, freien oder schönen Freedom Camping Spot. Außerdem müsst ihr alle paar Tage die Batterien eures Campervans an einer „powered site“ aufladen. Übernachtungen auf Campingplätzen müssen also in eurem Reisebudget einkalkuliert sein, vor allem in der Hauptsaison!
  • Neuseeland ist ein teures Reiseziel. Plant euer Reisebudget großzügig, so dass ihr nicht auf kostenlose Stellplätze angewiesen seid – dann kann es eng werden!

Und bitte: Seid nette, rücksichtsvolle und verantwortungsbewusste Freedom Camper. Verhaltet euch so, wie ihr es von Gästen in eurem Garten oder Stadtpark erwarten würdet. Lest die aufgestellten Schilder und haltet euch an die Regeln. Seid nett und offen gegenüber Anwohnern, die ihr trefft – und versetzt euch in ihre Lage.

Und wenn ihr bemerkt, dass euer Campervan der zehnte, zwanzigste oder fünfzigste an einem freien Stellplatz ist und ihr von der schönen Natur ringsherum gar nichts mehr mitbekommt – dann fahrt weiter auf einen richtigen Campingplatz.

Weltwunderer Neuseeland DOC Campsite Milford Lake Gunn

Idyllische und menschenleere DOC Campsite an der Milford Road (Lake Gunn) – keine schlechte Alternative, oder?

Freedom Camping in Neuseeland sollte für jeden Reisenden möglich sein – aber das wird es in Zukunft nur bleiben, wenn wir alle es nicht täglich und überall im Land tun.

  • Ein Ebook mit über 500 Freedom Camping Spots und Tipps rund ums Freedom Camping in Neuseeland könnt ihr bei uns kaufen.
  • Ein Wohnmobil, das fürs Freedom Camping geeignet ist, könnt ihr über die CamperOase mieten (mit dem Promo-Code WELTWUNDERER bekommt ihr einen Rabatt!)
  • Was ihr für ein Miet-Wohnmobil in Neuseeland an Kosten einplanen müsst, haben wir hier aufgelistet.
  • Was passiert, wenn ihr die Regeln nicht einhaltet, lest ihr hier.

4 Kommentare

    • Liebe Nancy,
      im Moment gibt es das Ebook nicht zu kaufen, weil sich so viele Stellplätze geändert haben und wir mit dem Aktualisieren nicht nachkommen. Daher gibt es lieber gar kein Ebook als eines mit falschen INformationen.
      Mit Apps wie CamperMate, WikiCamps oder Rankers kommt ihr sicherlich auch gut durchs Land!

      Liebe Grüße und gute Reise
      Jenny

  • Vielen Dank für den Beitrag. Das musste mal gesagt werden. Und wir waren leider auch total erschrocken als wir zuletzt in Neuseeland waren. Ich glaube sich an die Regeln zu halten und einfach mal nachdenken würde viel helfen. Wir haben leider auch gesehen wie einfach Müll an Plätzen entsorgt wurde die pro Nacht und Auto nur 5 Dollar kosteten. Incl. Duschen und Toilette wohlgemerkt.
    Wir können euer eBook nur empfehlen. Das hat uns einige schöne Fleckchen beschert.

    • Danke, das freut uns 🙂 Wir sind auch sehr gespannt, in welche Richtung sich diese ganze Sache entwickeln wird…

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