Gut zu wissen Routenplanung

Fähre buchen in Neuseeland: Interislander oder Bluebridge?

Ticket buchen, einsteigen und von der Nordinsel auf die Südinsel (oder umgekehrt) übersetzen – so einfach geht eine Fährfahrt mit Interislander oder Bluebridge in Neuseeland. Oder doch nicht? Eure vielen Fragen dazu zeigen uns, dass hier Informationsbedarf besteht. Na dann!

Interislander oder Bluebridge Fähre

Mit der Fähre über die Cook Strait – aber mit welcher?

Wenn ihr eure Neuseeland-Reise nicht auf eine der beiden Hauptinseln beschränken wollt, müsst ihr mit großer Wahrscheinlichkeit mindestens einmal an Bord einer der großen Fähren gehen, die mehrmals täglich zwischen Wellington auf der Nordinsel und Picton auf der Südinsel verkehren. (Die Alternative wäre ein Inlandsflug, mit dem ihr eure Reiseroute bei wenig Zeit geschickt optimieren könntet – etwa von Auckland direkt nach Christchurch oder von Wellington nach Queenstown.)

Die Überfahrt mit der Fähre dauert in beiden Richtungen etwa drei Stunden und wird mit ziemlicher Sicherheit ein Highlight eurer Neuseeland-Reise sein; wenn der Seegang auf der Cook Strait, also der Meerenge zwischen Nord- und Südinsel, nicht zu stark ist (das könnte dann ein Highlight der anderen Art werden).

Zwar sind Süd- und Nordinsel an der schmalsten Stelle nur 22 km voneinander entfernt, die Cook Strait Fähre nimmt aber eine 90 km lange Route und durchquert dabei unter anderem den wunderschönen, verwinkelten Queen Charlotte Sound. Dass euch dabei Delfine begleiten, ist gar nicht mal selten.

Landet ihr am Fährterminal in Picton neben einem der häufig ankernden Kreuzfahrt-Giganten, ist das ebenfalls ein Erlebnis. Auch die Einfahrt in den Hafen von Wellington ist beeindruckend (und wird mir immer in Erinnerung bleiben, weil mir der Wind dort meine Lieblingsmütze vom Kopf gerissen und fortgeweht hat).

Interislander Fähre Neuseeland

Einfahrt mit der Interislander nach Wellington – Mütze festhalten!

Was kostet die Fähre über die Cook Strait und müssen wir sie vorher buchen?

Im Großen und Ganzen bucht ihr das Ticket für eure Überfahrt am besten einige Wochen im Voraus – je nach eurer Reisezeit. Wollt ihr euch partout nicht festlegen und seid in der Nebensaison unterwegs, könnt ihr nach unserer Erfahrung auch erst wenige Tage vorher buchen oder gar spontan aufkreuzen.

Kleine Anekdote: Auf unserer ersten Neuseeland-Reise hatten wir das Ticket vorbildlich Wochen im Voraus gebucht – und dann den Termin verwechselt. Als wir einen Tag zu spät am Terminal in Wellington erschienen und das auch erst dort feststellten, ernteten wir ein mahnendes Fingerwackeln – und durften trotzdem auf die Fähre fahren. Puh!

Der Buchungsvorgang funktioniert sehr einfach online. Ihr könnt dabei zwischen vier bis fünf Abfahrtszeiten rund um die Uhr wählen. Angeben müsst ihr die Zahl der Passagiere und die Art und Länge eures Fahrzeugs. Bevor ihr euren Campervan gewählt habt, macht die Buchung also keinen Sinn.

Bezahlt wird mit Kreditkarte, und zwar pro Person UND pro Fahrzeug, das ihr mit an Bord nehmt – große Alkoven-Wohnmobile kosten viel, kleine Autos mit umklappbarer Rückbank kosten wenig.

Die Preise schwanken natürlich je nach Termin, Tageszeit, Buchungsklasse und Größe des mitgenommenen Fahrzeugs. Als Familie mit zwei Kindern in einem Wohnmobil solltet ihr mit einem Ticketpreis von mindestens 320 (Bluebridge) bis 350 NZD rechnen – oneway!

Interislander oder Bluebridge Fähre

Ausblick von Deck 10 über den Queen Charlotte Sound

Wie läuft eine Fährfahrt in Neuseeland ab?

Mietwagen-Firmen mit vielen Fahrzeugen sehen es meist nicht so gern, wenn ihre Autos mit auf die Fähre genommen werden. Hier gebt ihr oft direkt am Fährterminal euer Auto ab und bekommt auf der anderen Insel ein neues. Wohnmobil-Vermieter machen solchen Firlefanz nicht, ihr fahrt also mit eurem Campervan direkt in den Bauch der Fähre hinein. (Auf welcher Spur ihr euch dafür einordnen müsst, erfahrt ihr, sobald ihr am Terminal euer Ticket vorgezeigt habt. Keine Angst, das System ist idiotensicher.)

Dann heißt es Gang einlegen und Handbremse anziehen, Alarmanlage abschalten, Gasflasche zudrehen und schnell raus aus dem Wagen, bevor ihr auf den zugewiesenen Parkflächen so eng eingeparkt seid, dass ihr die Türen nicht mehr öffnen könnt. Mit einem kleinen Rucksack, in den ihr die nötigen Dinge für die nächsten drei Stunden gepackt habt, geht ihr dann an Deck – bzw. auf eines der bis zu zehn Decks, je nachdem, was ihr machen wollt.

Wichtig ist nur: Ihr dürft während der Überfahrt definitiv nicht mehr in euer Fahrzeug hinein – nehmt euch also die Zeit, euren Rucksack bedacht zu packen, und zählt eure Kinder durch!

Interislander Fähre Neuseeland

Und was macht man so auf der Fähre…?

Welche Fähr-Anbieter gibt es in Neuseeland?

Das Fähr-Business in Neuseeland oder wenigstens auf der Cook Strait ist in der Hand zweier Anbieter, die beide ein sehr ähnliches Angebot mit ähnlichen Abfahrtszeiten und ähnlichen Preisen haben. Unterschiede zwischen Interislander und Bluebridge Fähre gibt es trotzdem, und ihr solltet sie kennen, bevor ihr bucht.

Die Interislander Ferry

Interislander ist ein Unternehmen der KiwiRail und seit 2008 in staatlicher Hand. Es hat die größeren Schiffe (und zwar drei: die Aratere mit Platz für 230 Pkw und 670 Passagiere, die Kaitaki mit Platz für 600 Pkw und 1.350 Passagiere und die neue Kaiarahi mit Platz für mehr als 600 Pkw und 550 Passagiere), die coolere Werbung und auch die besseren Marketing-Kontakte – oder woran liegt es, dass man automatisch auf Interislander-Fähren gebucht wird, wenn das Reisebüro oder der Campervan-Vermieter das Fährticket für einen bucht?

Interislander Fähre Neuseeland

Ausblick aus dem Skydeck-Café – schick! © Interislander Ferry von Neil unter CC 2.0

Start der Interislander-Fähren ist in Wellington am Aotea Quay, etwas außerhalb vom Stadtzentrum. Mit dem Campervan kommt ihr super hierhin und müsst euch auch nicht erst mitten durch die Stadt lotsen, für Fußgänger ist es etwas umständlicher. Es gibt aber einen Shuttlebus, der euch für 2 NZ$ (?) vom Stadtzentrum aus hinbringt.

Die günstigsten „Web Saver“-Tarife von Interislander bekommen leider nur Neuseeländer und Australier; Touristen haben die Wahl zwischen „Saver Change“-Tickets (die bei Stornierung nur zu 50% erstattet werden) und dem flexibel umbuchbaren „Easy Change“-Tarif. Kinder zwischen 2 und 17 Jahren zahlen einen reduzierten Preis.

Spartipp: Mit der Mitgliedskarte der „Top Ten Holiday Parks“ bekommt ihr auch 10% Rabatt auf Interislander-Tickets.

An Bord der Interislander-Schiffe wird eine Menge geboten, um die Überfahrt bequem und schnell herumzubringen. Für Familien am interessantesten: Die Schiffe bieten kostenlose Indoor-Spielplätze und Spielbereiche, mehrere Eltern-Kind-Räume zum Wickeln und Stillen und Kinos mit aktuellen Kinderfilm-Angeboten. In der Hauptsaison gibt es Bespaßung durch Animateure und Bands spielen an Bord. Ach ja, und einfach nur an Deck sitzen und aufs Meer schauen geht natürlich auch.

Auf einer nur dreistündigen Überfahrt genügt eigentlich ein bequemer Sitzplatz, aber man kann auch einen Platz in der Premium Plus Lounge oder eine Kabine buchen. Dazu gibt es auf jedem Schiff mehrere Bars, Cafés und Ruhebereiche sowie WiFi (allerdings mit einer Beschränkung auf 100 MB und lückenhafter Abdeckung).

Interislander Fähre Neuseeland

Große Schiffe = weniger Seegang

Die Bluebridge Ferry

Auch mit den beiden Schiffen der Bluebridge (die Strait Feronia mit Platz für 150 Pkw und 400 Passagiere und die ähnlich große, umweltfreundliche Straitsman) überqueren zahlreiche Touristen die Cook Strait, aber der Hauptfokus dieses Unternehmens liegt auf dem Transport von Gütern, vor allem auf den Nachtfahrten.

Entsprechend gibt es auf diesen Fähren nicht ganz so viele und coole Annehmlichkeiten – wobei der Unterschied nicht wirklich ins Auge fällt. Auch Bluebridge bietet Kinderspielbereiche, kostenfreie Kinofilme, Essen und Trinken sowie WiFi an Bord. Kinder bekommen außerdem gleich beim Einsteigen ein kostenloses „Activity Pack“ für kleine Piraten.

Achtung: Da die Schiffe etwas kleiner sind, kann es bei starkem Wellengang auf der Cook Strait schon mal etwas wackelig an Bord werden; wer einen empfindlichen Magen hat, der sollte eher die großen, stabileren Interislander-Fähren in Betracht ziehen.

Bluebridge Ferry Wellington

Das Bluebridge-Terminal in Wellington © Bluebridge ferry von wonder_under1 unter CC 2.0

Bluebridge-Tickets werden in drei Buchungsklassen angeboten: Am günstigsten ist „Saver Sail“ (ohne Erstattung bei Stornierung), dann kommen „Super Sail“ (50% Erstattung) und „Flexi Sail“. Bluebridge wird oft als ein wenig günstiger bezeichnet; Familien sollten aber wissen, dass Kinder hier schon ab einem Jahr zahlende Passagiere sind.

Spartipp: Mit einer Nachtfahrt (Start um 2:30 Uhr) könnt ihr sowohl Geld für das Ticket als auch eine Übernachtung in Wellington oder Picton sparen. An Bord könnt ihr Kabinen buchen oder auch in den öffentlichen Bereichen auf Liegesesseln oder auf dem Boden schlafen. In der Regel wird es toleriert, wenn ihr schon vorher auf dem Parkplatz am Fährterminal in eurem Fahrzeug schlaft. Schade nur, dass ihr dabei die wunderschöne Fahrt durch den Queen Charlotte Sound nicht sehen könnt.

Der wichtigste Vorteil von Bluebridge besteht für Fußgänger: Das Terminal dieser Fähre liegt nämlich im Zentrum von Wellington, direkt gegenüber dem Bahnhof. In Picton kommt die Bluebridge-Fähre dagegen etwas außerhalb der Stadt an, Fußgänger werden von hier mit einem Shuttle in das Städtchen gebracht (und umgekehrt: Start ist an der i-Site in Picton).

Interislander Bluebridge Neuseeland

Ziel erreicht: der Hafen von Wellington

Der Vergleich: Interislander oder Bluebridge?

Interislander-FähreBluebridge-Fähre
Wellington-Terminal etwas außerhalb, gut für AutofahrerWellington-Terminal in der City, gut für Fußgänger
Picton-Terminal zentral in der StadtPicton-Terminal außerhalb, mit Shuttle
Fahrten 5mal täglichFahrten 4mal täglich, auch nachts
insgesamt etwas teurer, 2 Tarifeinsgesamt etwas günstiger, 3 Tarife
10% Rabatt mit Top Ten Holiday Parks Card
Kinder zahlen ab 2 JahrenKinder zahlen ab 1 Jahr
größere Schiffe – stabiler bei Seegangkleinere Schiffe – anfälliger für Seegang
etwas größeres Angebot bei Verpflegung und Unterhaltung, vor allem im Sommerdurchschnittliches Angebot bei Verpflegung und Unterhaltung
Interislander Fähre Picton

Die Interislander-Fähre im Hafen von Picton – plötzlich ganz klein neben einem Kreuzfahrtschiff

Wir hoffen, der Überblick hat euch bei der Entscheidung geholfen? Erzählt uns, ob ihr mit Interislander oder Bluebridge gefahren seid, was ihr erlebt habt und ob ihr zufrieden wart!

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5 Kommentare

  • Hallo Weltwunderer!

    Danke für die tolle Übersicht. Wir wollen mit unserem Campervan Ende Januar Anfang Februar von der Nordinsel auf die Südinsel übersetzen. Meint ihr wir sollte im Voraus buchen oder sollten wir bei 1-2-3 Tagen Flexibilität auch direkt ein Ticket bekommen?

    Und noch eine Frage – welche Uhrzeit ist die beste für eine Überfahrt – wann hat man die schönste Aussicht? Morgens? Wird es irgendwann neblig oder diesig? Wann herrschen die tollsten Lichtverhältnisse?

    Vielen Dank, viele Grüße
    Christian

    • Hallo Christian,

      Anfang Februar ist ja noch ganz schön was los, auch wenn die Ferien da schon vorbei sind. Aber wenn ihr terminlich flexibel seid, genügt eine Woche vorher sicher. Wenn ihr ganz spontan seid, könnt ihr euch halt eventuell die Tageszeit nicht mehr aussuchen.
      Frühmorgens und abends ist das Licht immer am besten zum Fotografieren, morgens sind die meisten Delfine unterwegs und ihr habt nach der Ankunft noch den ganzen Tag vor euch, um von Picton gleich weiterzufahren (dort bleiben lohnt eher nicht). Denkt aber daran, dass ihr dann einen guten Stellplatz in Wellington braucht, wenn ihr früh am Hafen sein müsst! Die meisten Campsites sind ein gutes Stück außerhalb der Stadt.
      Anfang Februar habt ihr auch beste Chancen auf Sonnenschein. Aber eben nur Chancen – mit Pech erwischt ihr Sturm und Regen zu jeder Tageszeit 😉

      Gute Fahrt!
      Jenny

  • Danke für die spannende Aufzählung der Vor- und Nachteile. Wir werden erst in ein paar Wochen mit der Fähre von Picton nach Wellington fahren. Wir haben uns (ich werde leider sehr schnell seekrank…) für Interislander entschieden. Dabei war für uns auch der Service wichtig, der für Rollstuhlfahrer (und andere gehbehinderte Passagiere) angeboten wird: man bekommt einen Parkplatz nah zu den Aufzügen und hat auch ein wenig mehr Platz, damit das Aussteigen mit Rollstuhl einfacher ist. Die Anmeldung klappt problemlos (ich hatte die deutsche blaue Parkberechtigung als Scan beigefügt), man erhält eine Betätigung und den Hinweis, bei der Ankunft auf dem Fährplatz nochmals darauf hinzuweisen. Jetzt sind wir neugierig, wie es denn tatsächlich laufen wird!

    • Hallo Zypresse,

      uff, das ist ja nochmal ein ganz eigenes Thema, das du da ansprichst. Toll, dass ihr euch trotz deiner Einschränkung auf die weite Reise macht! Wenn es dir nichts ausmacht, berichte doch nachher kurz über deine Erfahrungen mit der Fähre!

      Gute Reise, Jenny

    • Kurze Rückmeldung von mir:
      unsere Reise mit dem Rollstuhl auf der Interislander Fähre verlief problemlos. Unser Fahrzeug wurde bevorzugt verladen und man bekommt einen Stellplatz in unmittelbarer Aufzugnähe. Mehrere Decks sind via Aufzug erreichbar, Aussen- und Innenbereiche zumindest teilweise rollstuhlgeeignet. Eine entsprechende Toilette ist ebenfalls vorhanden – Fazit: gern wieder Interislander!

Hier kommt deine Meinung rein.