Neuseeland-Reisetipps

Neuseeland im Winter: mehr als Skifahren

Neuseeland kann auch ganz andere Erfahrungen bieten als die immer gleichen Reiseführer-Impressionen: als Winterdestination. Wer in Deutschland keine Zeit zum Skifahren hat(te), der kann sich für den Sommer ein billiges erschwingliches Flugticket sichern und Neuseeland im Winter erleben.

Winter in Neuseeland

Winter in Neuseeland: wunderschön! © alexchasingdreams/Pixabay

Damit wir uns nicht missverstehen: Mit Sommer meine ich den europäischen. Von Juni bis September, wenn wir hier im Freibad sitzen und unsere Skiausrüstung einsam im Keller liegt, herrscht auf der anderen Seite der Erde Winter.

Wobei Winter in Neuseeland relativ ist: Im Norden der Nordinsel wird es auch im Winter nicht kälter als 10° C, oft sind es über 20° C. Und Schnee sehen die meisten Neuseeländer nur, wenn sie gezielt ins Gebirge fahren.

So hart ist der Winter in Neuseeland

Habe ich gerade geschrieben, der Winter in Neuseeland sei nicht kalt? Stimmt nicht ganz – tagsüber und draußen ist es nicht unbedingt kalt, aber dafür nachts und drinnen!

Das liegt nicht etwa daran, dass die Häuser im Freien stehen, wie das bekannte Sprichwort sagt, sondern an der weltweit bekannten und belächelten Unfähigkeit der Neuseeländer, ihre Häuser wetterfest zu bauen.

Auch oberhalb des Gefrierpunkts sinkt die gefühlte Temperatur weit unter jenen, wenn es feucht ist und starker Wind weht. Mit beidem ist Neuseeland im Winter reichlich gesegnet.

Für Reisende heißt das: Ohne Zentralheizung, Isolierung und doppelt verglaste Fenster ist es in vielen günstigeren Hostels und Bed and Breakfasts im Winter recht frisch. Das Ausstattungsmerkmal „Heizdecke inklusive“ sollte euch dahingehend alarmieren!

Erkundigt euch vor der Buchung nach der Art der Heizung eurer Unterkunft und akzeptiert weder Heizlüfter noch Ofen!

Und übrigens: Die Neuseeländer jammern im Winter genauso über die Kälte in den Häusern wie die Touristen, das hat also nichts mit der größeren Naturverbundenheit der Kiwis zu tun.

Eure einzige Rettung: warme und wasserfeste Kleidung, von der ihr genug einpacken solltet.

-> Hier berichtet Christine, die in Gisborne lebt, vom grausamen Winter in Neuseeland.

Neuseeland im Winter

Lake Heron in Canterbury im Winter © Ashburton District Tourism

Bedenkt außerdem vor eurer Reise, dass die Tage im Winter in Neuseeland genauso kurz sind wie hier bei uns. Bei (neuseeländischer) Winterzeit wird es erst ab 8 Uhr hell und gegen 18 Uhr schon wieder dunkel – umso eher, je weiter ihr nach Süden kommt.

Euer Reisetag wird dadurch deutlich kürzer – außerhalb der großen Städte ist abends nichts los (und nichts beleuchtet). Viele Attraktionen schließen außerhalb der Saison ihre Tore früher oder komplett, viele Wanderwege sind nur eingeschränkt oder gar nicht begehbar.

Ihr hockt also ziemlich oft drinnen in eurer Bude. Regnet es dann auch noch in Strömen und man bekommt Sommerfotos aus der Heimat aufs Handy, kann das die Urlaubslaune deutlich trüben!

Neuseeland im Winter

Mount Ruapehu, tief verschneit © Penny Egleton

 

So toll ist der Winter in Neuseeland

Kommt ihr damit zurecht, bietet Neuseeland im Winter einen einzigartigen Vorteil: Es ist kein Tourist da!! Was vor zehn Jahren noch egal gewesen wäre, ist im Zeitalter des Massentourismus in Neuseeland nicht zu unterschätzen.

Die Abwesenheit von Touristen und Sonne bringt einen weiteren Vorteil hervor: Die Neuseeländer legen viele Festivals auf die Winterzeit. Das beginnt mit dem Neujahrsfest der Maori: Matariki wird im Juni im ganzen Land gefeiert und ist einzigartig für Neuseeland – das erlebt ihr ganz exklusiv!

 

Andere tolle Events im Winter sind das renommierte Winter-Festival, die Gay Ski Week und das LUMA Light Festival in Queenstown, das brandneue Winter-Festival “Elemental” in Auckland, die iD Dunedin Fashion Week oder “Wellington on a Plate”. Wer Wein, gutes Essen, Kunst und Party mag, der ist im Winter in Neuseeland überraschend gut aufgehoben.

Skifahren in Neuseeland Queenstown

“standard” heißt dieser Schnappschuss am Coronet Peak © Alan Lam unter CC 2.0

Im Winter per Wohnmobil durch Neuseeland?

Na klar – günstiger bekommt ihr die Dinger nie! Im Winter kann man sich auch mal was gönnen und ein Luxusmodell wählen, das im Sommer unbezahlbar wäre. Und das ist auch gut so: Euer Miet-Wohnmobil sollte nämlich auf jeden Fall für die Nutzung im Winter ausgestattet sein. Das heißt: mit ordentlicher Dämmung, Teppichboden zur Isolierung und einer Standheizung, die auch bei ausgeschaltetem Motor läuft.

Einen guten Winterschlafsack solltet ihr vorsichtshalber von zu Hause mitbringen.

Winter in Neuseeland ist für Gelegenheits-Wohnmobilisten zwar von Vorteil, weil dann viel weniger Verkehr herrscht – das reduziert das Unfallrisiko deutlich.

Andererseits: Die Straßenbedingungen sind im Winter oft schlechter, weil sie – gerade auf der Südinsel – häufig über Pässe und durch einsame Gegenden führen. Wenn ihr dann mit dem ungewohnt großen und schweren Wohnmobil unterwegs seid, können Schnee und Glätte schnell zum Problem werden.

Achtet beim Mieten eures Fahrzeugs darauf, dass Schneeketten an Bord sind! Die Straße zum Milford Sound und einige Pässe sind im Winter wegen Sturm und Lawinengefahr (oder gar Lawinenabgang!) häufig gesperrt.

Einige abgelegenere Skigebiete (z. B. Tukino bei Turangi am Mount Ruapehu) sind nur mit Allradantrieb zu erreichen; so ein Gefährt müsst ihr aber nicht für eure gesamte Neuseelandreise buchen.

Skifahren in Neuseeland Raiaka River Valley

Blick auf das Rakaia River Valley im Winter © Greg Hewgill unter CC 2.0

Skifahren in Neuseeland – wie geht das?

Im Northland und der Bay of Islands könnt ihr auch zwischen Mai und September (relativ) mildes Wetter genießen, während im Vulkanmassiv des Tongariro National Park und in den Southern Alps auf der Südinsel richtig gute Wintersportbedingungen warten.

Die Skigebiete im Zentrum der Nordinsel liegen zwischen 2.300 und 1600 m Höhe und umfassen drei (Tukino) bis 100 km Pisten, die vier Pisten am Mount Taranaki beginnen bei 1.700 m. Die Skigebiete auf der Südinsel liegen alle in den Southern Alps, jeweils auf 1.800 bis 2.000 m Höhe.

Die Skigebiete in Neuseeland genießen einen hervorragenden Ruf – wenigstens auf der Südhalbkugel. Klar, mit St. Moritz oder Val d’Isère können sich Treble Cone und Mt Hutt nicht messen. Die neuseeländischen Skigebiete sind ausnahmslos kleiner und bieten weniger moderne Liftanlagen. Wobei da in den letzten Jahren viel investiert wurde!

Mt Hutt, Coronet Peak und Cardrona bieten jeweils 40 km Pisten, während zum Beispiel im Awakino Ski Field über dem Waitaki Valley nur 5 km befahrbar sind.

Das macht sie aber gerade so sympathisch, finden viele Skifahrer; hier gibt es kein Gedränge am Lift und auf den clubeigenen Pisten ist man so gut wie allein unterwegs.

Dazu kommen einige Vorteile am Skifahren in Neuseeland:

  • Einige Skigebiete im Süden sind so abgelegen, dass man sie nur zu Fuß erreicht. “Off the beaten Track” auch beim Skifahren sozusagen!
  • Der Blick von den Remarkables über das Umland ist grandios, von Mt Hutt schaut man über die Canterbury Plains bis ans Meer.
  • Neben Skifahren sind in Neuseeland noch viele andere Wintersportarten möglich: das allseits bekannte Snowboarden und Langlaufen, aber auch Snow Kiting, Tourenski und Schneeschuhlaufen.
  • Ein exquisiter Spaß ist in Neuseeland noch relativ erschwinglich: Das Heliskiing-Gebiet in Wanaka ist das zweitgrößte der Welt!
  • Wegen der geringen Entfernungen zwischen den 21 Skigebieten auf der Südinsel kann man mehrere an einem Tag befahren; dafür gibt es extra Kombi-Tickets von NZ Ski.
  • Ebenfalls wegen der kurzen Distanzen kann man Skifahren auch mal als schnelle Zwischendurch-Aktivität einplanen. Weil man ja eigentlich gar nicht zum Skifahren hergekommen ist…
  • Der Schnee fällt in Neuseeland meist nur in den Bergregionen (wo die Skigebiete liegen), die Täler sind in der Regel schneefrei und recht warm. Habt ihr also keine Lust auf Skifahren, könnt ihr auch das „Winterurlaubs-Feeling“ vergessen.

Der einzige Nachteil am Skifahren in Neuseeland (wenn man so will): Anders als in Europa, wo man Unterkünfte in Hülle und Fülle direkt an der Piste buchen kann, sind den allermeisten neuseeländischen Skigebieten keine Unterkünfte angegliedert. Seid ihr nicht Mitglied in einem Skiclub und könnt das Vereinshaus nutzen, müsst ihr also ein Hotelzimmer oder einen Campingplatz im nächstgelegenen Ort beziehen. Aber der ist ja meist nicht weit entfernt und viele bieten auch Shuttle-Services zu den Skigebieten an.

Tipp: Eure eigene Skiausrüstung im Flugzeug mitbringen oder eine vor Ort leihen? Hier lohnt sich ein Preisvergleich. Je nach Fluglinie können für Sportgepäck mit Sperrgut-Maßen wie Skier und Snowboards jedenfalls empfindliche Gebühren anfallen; bei Air New Zealand ist das selbstverständlich kostenlos.

Plant nicht zu fest: In den letzten Jahren ist es immer wieder passiert, dass der Schnee in Neuseeland auf sich warten ließ. Eigentlich beginnt die Skisaison Mitte Juni, im August ist die Schneedecke dann perfekt. Wenn ihr Pech habt, müsst ihr aber auf den ersten Schnee bis Anfang August warten. Wenn ihr aber unbedingt jetzt gleich skifahren müsst, dann versucht es doch in der SnowPlanet-Skihalle in Auckland ;-)

Ach, und keine Angst wegen Skiunfällen und geizigen Unfallversicherungen: Wer in Neuseeland einen Unfall hat, wird auf Staatskosten gerettet (auch per Helikopter!) und ärztlich versorgt. Die staatliche Unfallversicherung ACC gilt auch für Touristen.

So, und jetzt ab ins Reisebüro! Flüge nach Neuseeland und Miet-Campervans sind im Winter – äh, im Sommer – ein ganzes Stück günstiger!

2 Kommentare

    • Oberwiesenthal mag da durchaus besser sein – aber wer in einem großen Skigebiet in den Alpen fährt, vielleicht noch auf dem Gletscher, der sollte sich gegenüber einem NZ-Reisenden nicht wirklich umwelt-moralisch besser fühlen. :-P Deshalb ja mein Argument: Skifahren in NZ, wenn man grad sowieso da ist. Nicht extra deswegen.

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