Japan

Fushimi Inari Schrein in Kyoto: geht auch mit Kindern

Fotos vom Fushimi Inari Schrein in Kyoto gehören nicht umsonst zu den beliebtesten Motiven auf Instagram. Diese Anlage am Stadtrand wird zwar (wie alles in Kyoto) von Besuchern überrannt, entfaltet aber trotzdem eine ganz eigenartige Magie. Der konnten sich nicht einmal unsere Kinder entziehen.

Fushimi Inari Schrein Torii

Wer kann sie zählen, die zehntausend Torii?

Fushimi Inari Taisha: Was ist das?

Der Fushimi Inari Taisha Schrein gehört zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Kyoto. Allerdings liegt er gar nicht direkt in Kyoto, sondern am südlichen Stadtrand auf einem 233 Meter hohen Berg, dem Mount Inari. Dieser heilige Berg wird von Inari, dem Kami des Reis und des Geschäftserfolgs, bewohnt – und eben diesem Gott (bzw. sind es eigentlich fünf Unter-Götter, die aber alle irgendwie Inari sind) huldigt der Shinto-Schrein.

Die große Anlage, zu der neben diversen Hallen und Schreinen auch ein Friedhof gehört, erstreckt sich bereits seit dem Jahr 794, als Kyoto Hauptstadt Japans wurde, über den Berg.

Ich schreibe immer Schrein und nicht Tempel – und zwar bewusst. In Japan gibt es nämlich buddhistische Tempel und shintoistische Schreine. Die beiden Religionen schließen sich nicht aus; Japaner gehen je nach Anlass mal buddhistisch und mal shintoistisch beten und feiern, wie es eben passt. Sympathisch, oder?

Fushimi Inari Schrein Kyoto Eingang

Ein Fuchs bewacht den Eingang zum Fushimi Inari

Vom Tempeleingang aus bummelt man dann los – durch einen roten Torii, und noch einen, und noch einen…

Die rechteckigen roten Tore, die auf Japanisch Torii heißen, gibt es nicht nur hier im Fushimi Inari Schrein, sie gehören zu jedem Shinto-Schrein. Aber im Fushimi Inari Taisha haben sie sich irgendwie angesammelt. Jeder Gläubige und auch große Unternehmen können so einen Tori spenden und sich damit einen Wunsch erfüllen oder sich für einen erfüllten Wunsch bedanken. Die kleineren Torii kosten um die 400.000 Yen, die eindrucksvollen großen können mehrere Millionen Yen kosten.

Beim Spazieren durch den Wald aus zehntausenden roten Torbögen kann man an der Rückseite der Balken Schriftzeichen entdecken, auf denen die Spender stehen (allerdings halt auf Japanisch). Und die Torii sehen auch nicht alle gleich aus; da gibt es frisch errichtete, die knallrot glänzen, und ältere, von denen die orange verblasste Farbe schon abblättert. Ganz alte Torii in den wenig besuchten Bereichen bestanden nur noch aus morschen Stümpfen; ich nehme an, wer den Dauerauftrag nicht erneuert, den verlässt auch das Glück.

Fushimi Inari Schrein Kyoto Kitsune

Viele kleine Kitsune-Füchslein…

Fushimi Inari Schrein Kyoto Fuchs

Alte Füchse, neue Füchse…

Fushimi Inari Schrein Kyoto Torii

Kleine Torii, ganz kleine Torii…

Das zweite „Markenzeichen“ von Fushimi Inari sind die Füchse („kitsune“). Überall stehen sie als kleine und große Statuen herum und tragen diverse Dinge in ihren Pfoten und Mäulern. Die Füchse sind die Boten des Gottes Inari, also gehören sie natürlich hierher. Füchse sind in Japan generell sehr beliebt. Und weil sie im Volksglauben als weise, magische Tiere gelten, die sich sogar in Menschen verwandeln können, opfert man ihnen gern auch direkt als Gottheiten.

Da der Fushimi Inari Schrein in Kyoto so bekannt und beliebt ist, herrscht hier rund ums Jahr Hochbetrieb. An Neujahr und zum Tag des Pferdes im Februar müssen hier wahre Massen an Besuchern kommen. An diesem heißen Juli-Abend hatten wir Glück: Die meisten Menschen verließen den Schrein gerade (japanische Touristen verlassen ihr Ziel grundsätzlich vor 17 Uhr, danach sind die meisten Anlagen menschenleer) und hinter der Haupthalle waren wir fast allein.

Fushimi Inari Schrein Kyoto

Mystisch und menschenleer: die vielen kleinen Altäre auf dem Mount Inari

Wie kommt man zum Fushimi Inari Schrein?

Aus Kyoto müsst ihr mit dem Zug zur Inari Station fahren und dann noch ein ganzes Stück bergauf durch niedliche Gässchen voller Souvenirshops laufen.

Macht ihr es wie wir und reist im Campervan durch Japan, folgt ihr einfach der (englischen) Ausschilderung und könnt dann direkt vor dem Tempeleingang parken – kostenfrei. Jedenfalls war das 2015 so, als wir abends gegen 18 Uhr hier eintrafen. Wir sind auch immer noch halb überzeugt, dass wir dort über Nacht legal hätten stehenbleiben dürfen; das erschien uns aber so ungeheuerlich praktisch, dass wir dachten „Zu schön, um wahr zu sein“ und uns auf einen sicheren 7Eleven-Parkplatz stellten.

Was kostet der Eintritt in den Fushimi Inari Schrein?

Nichts! Das Tempelgelände ist übrigens auch rund um die Uhr geöffnet.

Fushimi Inari Schrein Kyoto Kitsune Ema

Das sind Ema, also Wunsch-Plaketten zum Selbstbemalen – natürlich in Fuchsform

Fushimi Inari Schrein Kyoto: praktische Tipps

Wenn es euch wie allen deutschen Touristen geht und ihr keine Lust auf Menschenmassen habt, bleiben euch am Fushimi Inari Schrein nur zwei Optionen: entweder ihr kommt bei Sonnenaufgang oder in der Abenddämmerung (und bringt dann sicherheitshalber eine Taschenlampe mit).

Die Wege im Fushimi Inari sind alle asphaltiert, aber es gibt sehr viele Treppen – lasst den Buggy also unten stehen. Die Treppenstufen sind übrigens ziemlich flach; so kann man in einem engen Kimono besser hinauftrippeln. Für Erwachsene ist das gerade beim Absteigen sehr unbequem, für Kinder aber genau richtig.

Fushimi Inari Schrein Kyoto mit Kindern

Hunderte kleine Altäre laden zum Entdecken ein

Snacks, Sushi und Udon-Nudelsuppen gibt es an der Haupthalle und auch auf dem Fußweg zum Bahnhof reichlich zu kaufen. Unterschätzt nicht die Zeit, die ihr auf dem Mount Inari verbringt! Deckt euch vor allem im Sommer auch mit reichlich Wasser ein, das Treppensteigen ist bei der hohen Luftfeuchtigkeit sehr anstrengend.

Dass ihr den Gipfel erreicht habt, erkennt ihr an einer kleinen Plakette am inneren Schrein, die „top of the mountain“ sagt. Hier könnt ihr außerdem das Hauptheiligtum des Schreins anschauen: einen Spiegel. Das ist etwas ganz Besonderes, ihr Banausen – normalerweise wird das Hauptheiligtum nämlich nie offen gezeigt.

Mit Fotos können wir leider nicht dienen, da wir unseren Aufstieg vorzeitig abgebrochen haben – warum, erzähle ich gleich.

Fushimi Inari Schrein mit Kindern: unser Besuch

Beim Eintreten waschen wir uns zunächst vorschriftsmäßig am rituellen Waschbecken, wie wir es im Sensoji Schrein in Tokio gelernt haben. Das macht allen Kindern Spaß und kühlt uns gleichzeitig ein wenig ab.

Fushimi Inari Schrein Kyoto

Gewaltig: der erste Torii

Dann laufen wir beeindruckt durch das reich verzierte Romon Gate. Es steht hier seit 1589! Die gleich dahinter wartende Haupthalle lassen wir links liegen, kaufen an den unvermeidlichen Souvenirständen ein paar Glückskekse, ziehen am ebenso unvermeidlichen Automaten ein paar kalte Getränke und wenden uns nach einem kurzen Weg bergan (hier geht es jetzt erstmal immer bergan – nörgelnde Kinder drohen, wenn ihr sie nicht ablenkt!) gleich nach rechts.

Dort wartet der Wald, und zwar ein doppelter: Bambusstämme, in denen laut Zikaden sirren, riesige Hirschkäfer umherbrummeln und auch die eine oder andere Schabe herumsaust, überziehen den gesamten Berg. Die Wege, die den Wald als dichtes Netzwerk von etwa vier Kilometern Gesamtlänge durchziehen (und auf denen man sich komplett verlaufen kann, wenn man nicht aufpasst – die Beschilderung ist grottenschlecht!), sind aber außerdem gesäumt von den roten Torii.

Fushimi Inari Schrein Kyoto

Und los geht’s durch den Torii-Wald

Nicht alle Wegstücke sind so dicht mit Torii besetzt wie das Senbon Torii („tausende Torii“), bei dem man vor einer schwierigen Entscheidung steht: Welchen der beiden parallel verlaufenden Wege soll man nehmen? Wer die roten Tore zählen will, der hat hier wirklich ein ordentliches Stück Arbeit vor sich. Die Weltwundertochter gab irgendwo bei 150 auf – auch, weil sie feststellte, dass ja auch abseits der Wege an den vielen kleinen Stein-Altären wieder neue Torii standen. Einige waren nur kniehoch…

Um es kurz zu machen: Es soll zwei bis drei Stunden dauern, bis zum Gipfel des Hügels hinauf und wieder hinabzusteigen. Ab etwa der halben Höhe lässt die Zahl der Torii aber deutlich nach. Wir genossen also nach Erreichen des Checkpoints auf halber Höhe des Berges den Panoramablick auf Kyoto und drehten um.

Fushimi Inari Schrein mit Kindern

Wir drehen um und laufen bergab – schön war’s!

Anstatt zielgerichtet nach oben zu steigen, kann man ja auch einfach so auf den vielen Pfaden herumstromern, immer mal einen Blick in einen der vielen verschiedenen Schreine werfen, Tempel-Gongs läuten und zwischendurch über winzige Kätzchen oder gruselige Schaben am Wegrand staunen.

Oder man posiert als Fotomodell für entzückte Japaner, die wiederum als Fotomodell für uns entzückte Europäer herhalten – denn zum Shinto-Schrein gehen Japaner und Japanerinnen auch gern in traditioneller Aufmachung, also im Kimono, auf Holz-Getas und mit kunstvoll aufgetürmter Frisur.

Fushimi Inari Schrein mit Kindern

Fushimi Inari mit Kindern macht Spaß!

Fushimi Inari Schrein Kyoto Geishas

Schick gemacht im Kimono durch den Fushimi Inari Schrein wandeln: typisch japanisch!

In der hereinbrechenden Dämmerung gewann die Atmosphäre von Fushimi Inari noch einmal deutlich an Magie, allerdings wollten wir hier nicht im Stockfinsteren herumirren. Erleuchtet sind nachts nämlich nur die unteren Bereiche rund um die Haupthalle.

Zurück zum Ausgang zu finden, ist zum Glück leicht: Es geht immer bergab.

Den Fushimi Inari Schrein in Kyoto mit Kindern zu besuchen, ist also eine tolle Idee. Wenn man sich Zeit zum Herumlaufen lässt und sich nicht darauf versteift, den Gipfel ersteigen zu müssen, macht ein Besuch dieses Schreins viel Spaß!

Fushimi Inari Schrein Kyoto

Abendstimmung auf dem Fushimi Inari Okuno-in (dem Friedhof)

Wohin uns unsere erste Japan-Reise noch geführt hat, könnt ihr hier nachlesen.

Und wenn ihr ganz systematisch Schritt für Schritt euren Besuch im Fushimi Inari Schrein planen wollt, dann schaut beim Wanderweib vorbei!

4 Kommentare

  • Bei uns als Asienliebhaber steht Japan natürlich auch irgendwann zum Reisen an. Mich fasziniert vor allem in Kyoto der Fushimi Inari Schrein sehr. Ich finde generell in Asien die Ansichten zu den Religionen sehr sympathisch. Es war in Sri Lanka so ähnlich. Christen haben zu den buddhistischen Tempeln auch ihre Blumenopfer gebracht zum Dank an irgendetwas. Das spielte für sie keine Rolle, dass sie keine Buddhisten sind. Sehr schöner Artikel, den ich mit Sicherheit bei meiner Reise nach Japan durchstöbern werde.
    Liebe Grüße, Selda.

  • Man kommt auch mit dem Bus oder der Metro leicht dorthin, wenn man abends fährt, sollte man aber vorher schauen, wann der letzte Bus zurück fährt. Und erfreulicherweise gibt es direkt an der Busstation einen Convenience Store, :-).

    Meine Kinder waren ja zum Zeitpunkt unserer Japan-Reise schon älter, die Jüngste 10. Die einzige Herausforderung für mich war, sie satt zu bekommen, denn nicht alle mochten das japanische Essen gern genug, um hohe Rechnungen für Mahlzeiten in Restaurants zu rechtfertigen. (Die Male, wo wir doch im Restaurant gegessen haben, mussten wir hinterher noch im Convenience Store anhalten, weil nicht alle wirklich satt waren). So war es einmal auf einer unserer Rundgänge ein echtes Highlight, als wir einen großen Supermarkt gefunden haben, wo sich jeder nach Herzenslust bedienen konnte — und gleich hinter der Kasse gab es auch einen Picknick-Bereich…

    Aber sonst war in Japan alles super easy.

    Cheers,
    Corinna

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