Dresden: Heimatreisen

Klettersteige im Elbsandsteingebirge: durch die Wilde Hölle

Richtig klettern auf einem Klettersteig – das geht in der Sächsischen Schweiz, obwohl sie nicht höher als 500 Meter ist, ganz hervorragend. Der große Vorteil am Elbsandsteingebirge: Die Klettersteige sind kurz und können meist ohne Ausrüstung bezwungen werden. Wie verschieden die Ansprüche der “Stiegen” sind, haben wir unfreiwillig herausgefunden – bei unserer Tour durch die Wilde Hölle nach Schmilka.

Carolafelsen Schrammsteine

Aussicht vom Carolafelsen: die Belohnung für den Marsch durch die Wilde Hölle

Die Hintere Sächsische Schweiz ist vielleicht noch spektakulärer als die Vordere, die aus Reisekatalogen für ihre Tafelberge und die Bastei bekannt ist. In etwa einer Stunde erreicht man von Dresden aus Bad Schandau oder Schmilka – zwei kleine Orte an der Elbe kurz vor der Grenze zu Tschechien. Im Felsengebiet nördlich der Elbe, der “Nationalpark-Kernzone”, warten weniger kindertaugliche Kurzwanderwege wie in Rathen oder Wehlen, sondern eher die “richtigen” Wanderungen – und dazu noch viel Kletterei. Es gibt sogar einige sehr herausfordernde Klettersteige, die nur in einer Richtung begangen werden dürfen, um Stau zu vermeiden.

So ein richtiges Abenteuer mit Kletterei hatten sich meine Kinder gewünscht, die normales Wandern sterbenslangweilig finden. Ich hatte gehorcht. Unsere Route führte uns (zum Teil abseits der Wanderwege) vom Kirnitzschtal hinter Bad Schandau durch die Wilde Hölle hinauf auf den Carolafelsen und wieder hinunter nach Schmilka. Diese kindertaugliche Wanderung (die Teilnehmenden waren 6 und 12 Jahre alt) bedeutete sehr viel Kraxelei, wurde aber ausgiebig gelobt und in etwa 4 Stunden bewältigt.

Wilde Hölle Kirnitzschtal

Anstrengend, aber machbar: die Wilde Hölle mit Kindern

Klettersteig-Abenteuer: die Wilde Hölle mit Kindern

So sah die geplante Route aus: Vom Kirnitzschtal stiegen wir über den Malerweg (ja, der führt hier auch entlang) in die Wilde Hölle ein – einen einfachen Klettersteig, für den man keine Ausrüstung braucht und den auch kleinere Kinder schon gut schaffen. Oben angelangt, ging es weiter zum Carolafelsen, wo eine Hammer-Aussicht wartet. Der nächste Punkt war der Einstieg zur Rübezahlstiege, die wir dann nach Schmilka hinabsteigen wollten. Insgesamt 7,3 km, das wäre in 4 Stunden locker zu schaffen, auch mit meinen Kids. Auf der Karte seht ihr die geplante Strecke.

Dass das nicht klappen konnte, wissen Experten jetzt schon – alle anderen freuen sich über den Spoiler.

Start im Kirnitzschtal: mit der Straßenbahn!?

Das Kirnitzschtal ist eine steil in die Sandsteinfelsen eingeschnittene Schlucht, die der gleichnamige Bach geschaffen hat, der in Bad Schandau in die Elbe mündet. Entlang dieses Tals bzw. der gewundenen, sehr schmalen Straße gibt es mehrere Einstiege zu beliebten Wanderwegen. Die Wanderparkplätze sind allerdings winzig und an Wochenenden oder in den Ferien zuverlässig schon um 10 Uhr komplett zugeparkt. Parken am Straßenrand geht aber nicht – denn die Kirnitzschtalstraße ist nicht nur schmal, sondern hier fährt auch noch eine Straßenbahn!

Diese historische Bahn zuckelt seit 1898 (!) einmal alle halben Stunden (ab Ende Oktober dann nur noch alle 70 Minuten) vom Bad Schandauer Kurpark zum Lichtenhainer Wasserfall. Zwischendurch hält die kürzeste Straßenbahnlinie Sachsens an 7 Haltestellen und damit allen strategischen Wanderweg-Einstiegen (hier geht es zum Fahrplan). Für uns Auto-Verzichter optimal, denn so sparen wir uns nicht nur die Parkplatzsuche, sondern können auch Wanderungen von A nach B machen.

Kirnitzschtalbahn

Die Kirnitzschtalbahn zuckelt seit über 100 Jahren durch das Kirnitzschtal

Wir also in Dresden in die S-Bahn gestiegen, nach einer knappen Stunde und noch einer 20-minütigen Fährfahrt über die Elbe (plus Wartezeit auf die Fähre!) in Bad Schandau angekommen, durch den Ort zum Startbahnhof der Kirnitzschtalbahn gelaufen, mit dieser weitere 30 Minuten gefahren… gähn. Zugegeben, es dauert insgesamt ganz schön lange. Aber immerhin mussten wir keinen Parkplatz finden und konnten direkt loslaufen!

(Pro-Tipp: Der Bus 241 braucht ab dem S-Bahnhof Bad Schandau 25 Minuten und ist damit nicht nur deutlich schneller, sondern auch günstiger, weil er anders als die historische Bimmelbahn im Tagesticket der VVO enthalten ist. Man kann auch direkt in Pirna einsteigen.)

Durch die Wilde Hölle auf den Carolafelsen

Start unserer Mini-Abenteuer-Wanderung war der Beuthenfall. Von hier liefen wir auf dem als Malerweg markierten Pfad erst einmal bergauf durch den vor Nässe tropfenden Herbstwald des Dietrichsgrunds, bis zur Wegkreuzung mit dem Unteren Affensteinweg. Hier ging es nach rechts, weiter bergauf – aber nichts von Kletterfelsen zu sehen. Die Laune sank bedrohlich…

Kirnitzschtal Beuthenfall

Auf geht’s vom Beuthenfall in den Dietrichsgrund

Noch fix um die hoch aufragende Brosinnadel herum, an der bei herbstlichen 10° Celsius ausnahmsweise keine Kletterer zu sehen waren, und dann sahen wir schon den Abzweig zur Wilden Hölle.

Wilde Hölle Brosinnadel

Die Brosinnadel im kurz einsetzenden Nieselregen

Dieser Klettersteig, der sich zwischen dem Ameisenturm, dem Wilden Kopf  und dem Hauptdrilling hindurchquetscht, ist ein relativ einfacher Aufstieg und eine Alternative zur wesentlich anspruchsvolleren Häntzschelstiege, die quasi parallel etwas weiter nördlich verläuft.

Für meine Kids war sie genau richtig – wir stiegen über hohe Felsbrocken, einige Treppen und Leitern hinauf, mussten ein paar Eisenklammern im Felsen bewältigen und ein paar große, wagemutige Schritte über harmlose Felsspalten machen. Nichts, was mich allein als sichernde Person für meine Sechsjährige überfordert hätte, und auch gar kein Problem für Höhenängstliche (die wir eh nicht dabeihatten, der Papa war ja zu Hause geblieben).

Wilde Hölle Kirnitzschtal

Schmale Pfade führen zu den besten Aussichten!

Wilde Hölle Kirnitzschtal

Wilde Hölle: der Einstieg (man beachte unsere perfekte Ausrüstung)

Wilde Hölle Kirnitzschtal

Es wird steiler…

Wilde Hölle Schrammsteine

Wilde Hölle Schrammsteine

Sogar ein paar Eisenkrampen sind zu besteigen

Wilde Hölle Schrammsteine

… aber die sind nicht allzu schwierig

Wilde Hölle Schrammsteine

Obwohl, im Rückblick…?

Leider ist die Wilde Hölle schon nach 650 Metern bezwungen – hier oben trifft sie auf den Schrammsteinweg.

Carolafelsen Schrammsteine

Geschafft!

Wir stiegen noch eine weitere laaange Treppe hinauf und gelangten schließlich auf den Carolafelsen, dessen Ausguck rechts vom Weg winkte. Zwar hatten die erneut jammernden Kinder (“Das war’s schon mit dem Klettern? Das war ja eher eine Lahme Hölle!”) keine Lust, aber wenn Mama Aussicht gucken will, dann machen wir das.

Und es hat sich gelohnt, oder?

Carolafelsen Schrammsteine

Wahnsinns-Aussicht vom Carolafelsen

Der 458 m hohe Carolafelsen ist der höchste in der Gruppe der Affensteine. Hier eröffnet sich eine fantastische Aussicht auf die Torsteine und die Schrammsteinaussicht, den einzeln aufragenden Falkenstein und links daneben die Hohe Liebe – es war so klare Sicht, dass wir sogar direkt dahinter den Lilienstein erkennen konnten.

Der Herbstwind pfiff aber, also machten wir, dass wir weiterkamen. Nach 400 m passierten wir die Kreuzung mit dem Abzweig zur Heiligen Stiege – die führt auf 953 Stufen hinab nach Schmilka. Dort wollten wir am Ende auch gern ankommen und wieder in die S-Bahn steigen, aber als Weg dorthin hatte ich eine andere Route ausbaldowert – und zwar mit Klettern.

Um den Einstieg zur Rübezahlstiege zu finden, liefen wir also auf dem Reitsteig weiter geradeaus durch den Wald. Am Abzweig zum Frienstein, der mit 455 m ebenfalls ordentlich hoch ist, schlugen wir uns auf nicht markierten Trampelpfaden in den Wald und entdeckten den “Kleinen Kuhstall“, ein hübsches Loch im Felsen neben einer ausgeschilderten Boofe (das ist eine Höhle, in der man biwakieren, also übernachten darf – eine Spezialität der Sächsischen Schweiz, die ich in meiner Jugend sehr häufig ausgeübt habe).

Schmilka Rübezahlstiege

Der Kleine Kuhstall ist wirklich winzig im Vergleich zum richtigen Kuhstall, der etwa 5 km nordwestlich liegt

Schmilka Rübezahlstiege

Wanderpfade, die nicht ausgeschildert sind – spannend!

Dann aber endlich mal nach unten, der Nachmittag wurde langsam trüber!

Nach Schmilka über die Rübezahlstiege Heilige Stiege

Den Einstieg zur Rübezahlstieg im bunten Herbstwald fanden wir schnell, er war mit einem roten Wanderweg-Zeichen markiert. Dann ging es durch den Wald und über immer größere Felsbrocken immer steiler und immer waghalsiger bergab.

Schmilka Rübezahlstiege

Rübezahlstiege: Toller Ausblick, aber wo geht es hier lang?

Schließlich standen wir stirnrunzelnd auf einem winzigen Felsplateau, das steil wie ein Sprungbrett nach vorn abfiel. Hier konnte es doch nicht weitergehen?! Etwa 30 Meter unter uns sahen wir Wanderer laufen, zwischen den Felsen zu meinen Füßen sah ich ein kleines Loch. Aber da würden wir unmöglich durchpassen, und darunter war es dunkel!

Schmilka Rübezahlstiege

Hier ging es nicht weiter

Das ungute Gefühl in meinem Bauch ließ sich nicht länger leugnen: Wir steckten fest, die Sonne würde bald untergehen und mit zwei Kindern konnte ich nicht noch mehr Kletterei riskieren. Schweren Herzens kehrten wir also um, kletterten und liefen den ganzen Weg bis zum Abzweig wieder zurück – immerhin 1,8 km – und stiegen dann doch über die Heilige Stiege ins Tal, was noch einmal knapp 3 km waren.

Schmilka Heilige Stiege

Trübe Aussichten: die Heilige Stiege als Notlösung

Hier seht ihr unsere endgültige Route vom Kirnitzschtal bis nach Schmilka (ohne den schmachvollen Abstecher zur Rübezahlstiege).

Die Heilige Stiege heißt zwar auch Stiege, ist aber nur eine elend lange Treppe. Und Treppensteigen ist bergab genauso anstrengend wie bergauf, kann ich euch sagen – vor allem mit Alte-Mutter-Knien. Hier setzt schon bald das bekannte und gefürchtete Phänomen der “Nähmaschine” ein, das Wanderer in der Sächsischen Schweiz kennen: Vom ewigen Treppensteigen fangen die Beine unkontrolliert zu zittern an, wie die Nadel an einer Nähmaschine.

Bewährte Tricks dagegen: seitlich versetzt steigen, ab und zu mal rückwärts steigen und immer wieder die Beine ausschütteln!

Schmilka Heilige Stiege

Treppen, Treppen, Treppen…

Das geht ganz gut, weil immer wieder Felsabsätze zum Pausieren und Staunen einladen: Die Aussichten über den Heringsgrund sind wunderschön, auch im trüben Nachmittagslicht des Spätherbstes. Wer aufmerksam Ausschau hält, der entdeckt auch den Einstieg zur Bussard-Boofe, wo man mit fantastischem Weitblick in einer großen offenen Höhle übernachten kann (ohne Feuer!).

Heilige Stiege Schmilka

So sieht die Heilige Stiege im Sommer aus

Ist das untere Ende der Treppenstufen erreicht, führt der Weg durch den Heringsgrund immer weiter sanft bergab durch den Wald, bis er nach 2 km im hübschen Bio-Dorf Schmilka herauskommt. Mit den allerletzten Strahlen der Herbstsonne erreichten wir dort die Fähre, die uns über die Elbe zum S-Bahnhof brachte. Uff, Abenteuer geschafft!

(Noch nicht ganz: Am S-Bahnhof erfuhren wir, dass wir den letzten Zug des Tages erwischen würden – und dass es egal gewesen wäre, wenn wir wie geplant eine Stunde eher angekommen wären. Alle vorigen Züge waren nämlich ausgefallen, weshalb der Bahnsteig mit an die 100 verfrorenen Wanderern überfüllt war…)

Schmilka Fähre

Uff, gerade noch geschafft!

Im Nachhinein habe ich erfahren: Die Rübezahlstiege darf man gar nicht bergab begehen. Aber das kleine Loch zu unseren Füßen wäre tatsächlich der Weg nach unten gewesen – so, wie ihn die App angezeigt hatte. Tja – man sollte sich eben doch nicht blindlings auf die Technik verlassen! Selbst bergauf hätten wir die Rübezahlstiege, so unvorbereitet und ohne sichernde Klettergurte, wohl gar nicht geschafft.

Welche Klettersteige und Stiegen im Elbsandsteingebirge habt ihr schon bezwungen? Könnt ihr uns welche empfehlen?

-> Hier sind noch viel mehr Tipps für Wanderungen mit Kindern in der Sächsischen Schweiz (natürlich immer mit Kraxel-Einlagen)

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