Dresden: Heimatreisen

Sachsen-Roadtrip: 11 atemberaubende Stationen in 14 Tagen

Ihr wollt mal wieder einen Roadtrip machen, mit Stopps in wilder Natur und blitzenden Metropolen, Orten voller Geschichte und exotischen Kulturen? Unser Sachsen-Roadtrip mit 11 Stationen wird euch die Augen öffnen, wie bunt das als braun verschriene Bundesland im Südosten Deutschlands ist. Ein Wörterbuch könntet ihr allerdings wirklich brauchen; wenn nicht für die diversen sächsischen Dialekte, dann für Sorbisch!

Sachsen-Roadtrip

Unser Sachsen-Roadtrip bietet wunderschöne Natur, viel Kultur und Geschichte

Euer Sachsen-Roadtrip: die Route

Es ist sehr gut möglich, das südöstlichste Bundesland auf einem Roadtrip zu erkunden und dabei jeden Tag neue, aufregende Landschaften, Städte und Kulturdenkmäler zu besuchen. Dazu kommt: Das Reisen in Sachsen ist preiswerter als im Westen, vor allem wegen der preiswerteren Unterkünfte und der günstigeren Verpflegung. (Uns Einheimischen fällt das eher auf, wenn wir Nordrhein-Westfalen oder Hamburg besuchen – boah, ist das teuer!)

Die etwa 700 km lange Route lässt sich sehr gut in kurzen Etappen mit dem Auto oder auch mit dem Zug abfahren – das 9-Euro-Ticket lässt grüßen!

Das sind eure 11 Stationen: Leipzig – Chemnitz – Fichtelberg – Freiberg – Meißen – Dresden – Sächsische Schweiz – Oybin – Görlitz – Bautzen – Torgau

Sachsen-Roadtrip

Über Berg und Tal, Brücken und Täler führt unser Sachsen-Roadtrip mit 11 Stationen

Dauer: Wir würden euch 10 bis 14 Tage empfehlen, damit ihr jede Station in Ruhe entdecken könnt. Es ist aber kein Problem, einzelne Stationen auf eurem Sachsen-Roadtrip wegzulassen oder abzukürzen.

-> Hier sind unsere sehr beliebten Tipps für Ausflugsziele in Sachsen

Die beste Jahreszeit für einen Sachsen-Roadtrip: immer! Sowohl im Frühling als auch im Herbst könnt ihr die Farben der Natur in den schönen Landschaften und Parks in Sachsen genießen, außerdem ist es dann nicht so heiß wie im Sommer. Der Winter in Sachsen bietet relativ zuverlässig Schnee; wenigstens im Süden des Freistaats, wo das Erzgebirge nahtlos nach Tschechien weitergeht und man auf den Kammwegen und dem Fichtelberg super Wintersport machen kann.

Nach eurem Sachsen-Roadtrip werdet ihr euch fragen, warum ihr das nicht schon viel früher gemacht habt, wetten?

Die 11 Stationen auf eurem Sachsen-Roadtrip

1. Station: Leipzig

Der Sachsen-Roadtrip beginnt im Nordwesten von Sachsen in Leipzig. Das ist nicht nur die größte bzw. bevölkerungsreichste Stadt Sachsens und seine heimliche Kulturhauptstadt. Leipzig ist auch per Bahn und Autobahn sehr gut an den Rest Deutschlands angeschlossen und damit ein guter Start für euren Sachsen-Roadtrip. Der Hauptbahnhof von Leipzig ist eine Augenweide – geht mal rein, auch wenn ihr nicht mit dem Zug nach Sachsen gefahren seid!

Leipzig Hauptbahnhof

Der Leipziger Hauptbahnhof ist riesengroß

Die Innenstadt von Leipzig mit der historischen Nikolaikirche (hier begann sozusagen die Wende von 1989!) und dem Gewandhaus ist genauso sehenswert wie die Alte Spinnerei voller moderner Kunst, der verwunschene Karl-Heine-Kanal voller Paddelboote und SUPs oder die alternative „Karli“ (die liebevolle Abkürzung für die Karl-Heine-Straße, die ins linke Szeneviertel Connewitz führt). Auch das trutzige Völkerschlachtdenkmal, das im Südosten der Leipziger Innenstadt aufragt und bis aufs Dach bestiegen werden kann, ist einen Besuch wert.

Ganz zu schweigen vom Leipziger Zoo mit dem Gondwanaland: Mindestens einen halben Tag werdet ihr da drinnen festhängen, wenn ihr es wagt, mit euren Kindern reinzugehen. Überlegt es euch gut – die werden nie mehr raus wollen!

Deutschland Sehenswürdigkeiten Doppelgänger

Die Tropenerlebniswelt Gondwanaland im Zoo Leipzig © Zoo Leipzig

Bei schönem Wetter solltet ihr noch einen Bade- oder Paddeltrip ins Leipziger Neuseenland dranhängen: Das ist ein riesiges Netz von miteinander verbundenen Braunkohle-Tagebauen, die nun renaturiert und geflutet werden und in den nächsten Jahren zu einer künstlich-natürlichen Seenlandschaft werden sollen.

Ein inzwischen recht bekanntes Highlight des Neuseenland ist die schwimmende VINETA-Kirche auf dem Störmthaler See. Genauso spannend und fotogen ist eine Tour durch den Bergbau Technik Park, eine ehemalige Braunkohle-Fördergrube zwischen dem Markkleeberger und dem Störmthaler See. Habt ihr dafür keine Zeit, könnt ihr zwischen dem Schladitzer und dem Werbeliner See das riesige Schaufelrad des SRS 6300 bestaunen – einst einer der größten Bagger der Welt.

2. Station: Chemnitz

Nur eine Stunde Fahrt (bzw. 85 km) sind es von Leipzig nach Chemnitz: Die frisch gekürte europäische Kulturhauptstadt 2025 ist weit mehr als ihr zweifelhafter Ruf als Heimat der Abgehängten und Wendeverlierer (zum Beispiel ist es die Geburtsstadt meines Vaters, in dessen Ausweis allerdings noch Karl-Marx-Stadt steht). Karl Marx ist auch heute noch eines der bekanntesten Gesichter in Chemnitz – sein riesiger Kopf, der „Nischel“, steht seit 51 Jahren an der Brückenstraße vor der „Parteisäge“ und ist tatsächlich die zweitgrößte Porträtbüste der Welt – ein echtes Highlight eures Sachsen-Roadtrips!

Sachsen-Roadtrip Chemnitz

Der Nischel alias Karl Marx Monument ist das Highlight von Chemnitz © Depositphotos.com

In Chemnitz steht übrigens auch das höchste Bauwerk Sachsens: Es handelt sich um den 301 m hohen Schornstein des Heizkraftwerks Chemnitz-Nord, der lustig bunt in den Himmel ragt.

Im historischen Zentrum der Industriekultur Sachsens gibt es einiges zu sehen, wenn ihr euch für Geschichte und/oder Kunst interessiert. Immerhin ist Chemnitz ein Zentrum der Jugendstil-Architektur und des Expressionismus. Im Kaufhaus „Schocken“, das ein Hauptwerk der Klassischen Moderne ist, befindet sich das SMAK – das staatliche Museum für Archäologie, in dem ihr die 300.000 Jahre alte Geschichte der menschlichen Besiedlung Sachsens erkunden könnt – das lohnt sich!

Sachsen-Roadtrip Chemnitz

Der Theaterplatz von Chemnitz sieht nicht (mehr) nach DDR aus © Depositphotos.com

Psst: Autofans sollten auf der Fahrt nach Chemnitz unbedingt noch einen Abstecher nach Zwickau machen, wo das August-Horch-Museum Audi- und Trabi-Fahrer*innen gleichermaßen begeistert!

Und noch ein Tipp für alle Weltall-Fans: Im tiefsten Südwesten von Sachsen liegt das Vogtland, das ebenfalls einen Abstecher wert ist. Hier warten nicht nur wunderschöne dichte Wälder zum Wandern, sondern auch deutsche Raumfahrt-Geschichte: In Morgenröthe-Rautenkranz (das Örtchen heißt echt so!) wurde Sigmund Jähn geboren, der 1978 als erster Deutscher ins Weltall flog. Was waren wir in der DDR darauf stolz!

Die größte deutsche Raumfahrtausstellung ist trotz ihrer abgeschiedenen Lage überraschend cool und bietet unter anderem das originale Trainingsmodul des Basisblocks der Raumstation MIR, wo bis in die 2000er-Jahre viele Kosmonauten und Astronauten für ihren Einsatz übten.

Raumfahrtmuseum Morgenröthe Rautenkranz

Das Raumfahrtmuseum in Morgenröthe-Rautenkranz ist galaktisch gut!

3. Station: Fichtelberg

Wenn man schon im Vogtland ist, gehört der höchste Berg Sachsens und Ostdeutschlands mit auf die Route. Der 1.214 m hohe Fichtelberg liegt direkt auf der tschechischen Grenze – wenn ihr also deutlich günstiger essen und/oder übernachten wollt, dann quartiert euch im Nachbarort Klinovec ein. Der Kurort Oberwiesenthal auf der deutschen Seite ist Deutschlands höchstgelegene Stadt!

Im Winter kann man hier oben fantastisch skifahren (Schneegarantie!), im Sommer gibt es für Outdoor-Fans einiges zu sehen. Eine Fahrt mit der Fichtelberg-Schwebebahn (älteste Luftseilbahn Deutschlands!) ist für jedes Fitnesslevel geeignet.

Sachsen-Roadtrip Fichtelberg

Traumblick von der Bergstation der Fichtelberg-Schwebebahn © Depositphotos.com

4. Station: Freiberg im Erzgebirge

Vom Vogtland geht es auf der deutschen Seite weiter durch das sächsische Erzgebirge, und zwar durch ein hübsches kleines Dorf nach dem anderen: In Annaberg-Buchholz oder Wolkenstein könnt ihr gern anhalten und zum Beispiel das Besucherbergwerk Frohnau oder den Frohnauer Hammer anschauen.

Dann kommt ihr nach Freiberg: Hier begann Sachsens Weltruhm, als im 11. Jahrhundert die ersten Silberminen entdeckt wurden. Für Kinder sind in der hübschen kleinen Stadt nicht nur die Schaubergwerke direkt am Stadtrand spannend, sondern auch die „terra mineralia“ voller Glitzersteine. Einen halben Tag seid ihr da drinnen locker beschäftigt!

Sachsen-Roadtrip Freiberg

Das Rathaus auf dem schmucken Marktplatz von Freiberg © Depositphotos.com

Sachsen-Roadtrip Erzgebirge

Das Erzgebirge bietet neben viel schöner Natur auch eine Menge (Bergbau-) Geschichte

5. Station: Meißen

Eure nächste Station ist das Städtchen Meißen an der Sächsischen Weinstraße. Was heute eine beschauliche Kleinstadt mit einer wirklich wunderhübschen Altstadt ist, war lange Zeit die wichtigste Stadt in Sachsen – vielleicht sogar die erste. Der Meißner Dom, der heute weithin sichtbar auf einem Felsvorsprung über der Elbe thront, war seit dem Jahr 968 Sitz des Landesbischofs. Hier gibt es uralte kirchliche Orden und Klöster, und daneben natürlich die von August dem Starken gegründete, weltberühmte Meißner Porzellanmanufaktur.

Sachsen-Roadtrip Meißen Albrechtsburg

Meißen ist voller verwunschener Gassen und überraschender Ausblicke

Eine eher unbekannte Meißner Spezialität ist übrigens der Meißner Fummel: Das ist ein sehr zartes Gebäck, ähnlich wie ein Windbeutel, das komplett hohl ist. Es diente den sächsischen Kurfürsten angeblich als Test der Zuverlässigkeit ihrer Kuriere, die das empfindliche Gebäck unbeschadet abliefern mussten. Im Biergarten unterhalb des Meißner Albrechtsburg wird der Meißner Fummel nicht serviert, trotzdem ist ein Zwischenstopp bei Kaffee oder Bier hier oben Pflicht!

Sachsen-Roadtrip Meißen Frauenkirche

Tipp: Wenn ihr Wein mögt und Zeit habt, wandert ein wenig durch die Meißner Weinberge und schaut in den Besenwirtschaften vorbei, die hier an Sommertagen ihren Wein anbieten. Auch der Blick von der Boselspitze, einem einsam über der Elbe aufragenden Felsen, ist sehr hübsch – an Wochenenden allerdings sehr überlaufen.

6. Station: Dresden

Nur 30 Minuten S-Bahn-Fahrt von Meißen entfernt liegt Dresden. Sachsens Landeshauptstadt hat so viel zu bieten, dass ihr euch hier für mindestens zwei Nächte einquartieren solltet (man könnte allerdings auch täglich von Meißen aus hinfahren, gern auch per Fahrrad auf dem Elberadweg!)

In Dresden gibt es so viel zu sehen, dass ich hier gar nicht erst anfangen will. Eine Anregung bekommt ihr in meinem Blogbeitrag 3 Tage in Dresden, wobei ich euch besonders die Dresdner Neustadt ans Herz legen möchte. Für noch mehr Tipps abseits der Touristenmassen (und die können sich in der Altstadt wirklich drängeln!) schaut am besten in meinen Reiseführer Heimatmomente: 55 Mikroabenteuer in und um Dresden*.

Sachsen-Roadtrip Dresden

Nicht nur Sachsens Hauptstadt Dresden bietet reichlich Geschichte

Lohnenswerte Abstecher von Dresden, die nur 10 bis 30 Minuten entfernt liegen, sind übrigens die Weinstadt Radebeul mit einem der schönsten Ausblicke auf Dresden und/oder Moritzburg!

Dresden im Herbst Radebeul

Von den Weinbergen in Radebeul nach Osten geblickt

7. Station: Sächsische Schweiz

Die nächsten mindestens zwei Tage auf eurem Sachsen-Roadtrip gehören der Sächsischen Schweiz. Hier habt ihr die Qual der Wahl: Welchen der zum Klettern und Kraxeln einladenden Tafelberge und Sandsteinfelsen wollt ihr besteigen?

Die westliche Sächsische Schweiz ist das Gebiet der Tafelberge wie Königstein, Lilienstein und Pfaffenstein, die einzeln sehr eindrucksvoll aus den sanften Feldern rund um Rathen, Wehlen oder Langenhennersdorf ragen. Während Rathen dank der Bastei ein absoluter Touristen-Hotspot ist, werdet ihr in Langenhennersdorf, Pfaffendorf oder im Bielatal nahe der tschechischen Grenze fast allein sein – und ebenfalls wunderschöne Sandsteinformationen sehen, keine Angst.

Bastei Sächsische Schweiz

Die Bastei bei Rathen ist das unbestrittene Highlight der Sächsischen Schweiz

Die östliche Sächsische Schweiz heißt auch Hintere Sächsische Schweiz und ist eine ganz andere Gegend: Zwischen Bad Schandau, Schmilka und Sebnitz erstreckt sich der unter strengem Naturschutz stehende Nationalpark Sächsische Schweiz mit dichten Wäldern und Felsmassiven wie den Schrammsteinen, dem Großen Winterberg und den Zschand, der über die grüne Grenze direkt in die Böhmische Schweiz auf tschechischem Nationalgebiet übergeht.

Hier warten anspruchsvollere Touren mit coolen Klettersteigen auf euch, weniger Besucher, aber auch deutlich mehr tote Bäume, die dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen sind. Einige Wege in der Hinteren Sächsischen Schweiz sind deshalb dauerhaft gesperrt, weil es zu gefährlich ist, hier zu laufen.

Stiegen in der Sächsischen Schweiz Häntzschelstiege

Das lohnende Finale der Häntzschelstiege: der Blick auf den Falkenstein

Sächsische Schweiz Herbst

Sonnenuntergang in der Sächsischen Schweiz ♥

Wir haben sehr viele (einfache) Wandertipps für die Sächsische Schweiz und stellen unsere liebsten Wanderungen in der Kategorie Sächsische Schweiz auch einzeln vor.

8. Station: Zittauer Gebirge

Achtung, ihr verlasst jetzt Deutschland! Von der Sächsischen Schweiz führt euch der Sachsen-Roadtrip nämlich durch einen kleinen Zipfel Tschechiens – der mit der Böhmischen Schweiz ebenfalls ausgesprochen hübsch ist – in den äußersten Osten von Sachsen. Das ist der deutlich kürzere und einfachere Weg, als über kurvige Forststraßen durch die Hintere Sächsische Schweiz zu zuckeln. Außerdem habt ihr so Gelegenheit, günstig(er) aufzutanken und irgendwo Böhmische Knödel zu futtern ;-)

Das sieht doch aus wie in der Sächsischen Schweiz?! Denken viele, wenn sie das Zittauer Gebirge bei Oybin erblicken. Ja, hier stehen ganz ähnliche Felsen in der Gegend herum, aber die sind deutlich höher. Die Lausche ist mit 792 m der höchste Berg östlich der Elbe, hier gibt es sogar ein Skigebiet im Winter.

Sachsen-Roadtrip Zittauer Gebirge

Instagram-Hit: Das Berghotel über dem Kurort Oybin © Depositphotos.com

Sachsen-Roadtrip Zittauer Gebirge

Das Zittauer Gebirge ganz im Osten von Sachsen © Depositphotos.com

Das Zittauer Gebirge ist zwar regional sehr beliebt, bekommt aber deutlich weniger Touristen ab als die Sächsische Schweiz. Seid ihr in der Ferienzeit unterwegs, könnt ihr in diesem Ausläufer der Sudeten also eher noch eure Ruhe haben als rund um Rathen und Bad Schandau. Cool ist, dass man hier bei Wanderungen ganz selbstverständlich die Grenze nach Tschechien überquert, es gibt keinerlei Kontrollen – das ist Europa, Freunde.

-> Bei Planet Hibbel bekommt ihr ein paar hübsche Eindrücke vom Zittauer Gebirge.

9. Station: Görlitz

Nun seid ihr im äußersten Osten Deutschlands angekommen! Das Städtchen Görlitz, das gegenüber seiner Schwesterstadt Zgorzelec an der Neiße und damit an der polnischen Grenze liegt, ist der östlichste Halt auf diesem Sachsen-Roadtrip. Es sei denn, ihr wollt noch einen Abstecher nach Zentendorf machen, was wir Familien mit Kindern unbedingt und dringend ans Herz legen! Hier wartet nämlich die buntgeringelte Kulturinsel Einsiedel bzw. die Geheime Welt von Turi Sede und wird euch unter absoluter Garantie verzaubern.

Kulturinsel Einsiedel Turi Sede

Wer noch mehr Zeit und Lust auf ein Natur-Abenteuer hat, der sollte hier außerdem einen halben Tag zum Schlauchboot-Rafting auf der Neiße einplanen. Dabei paddelt ihr die ganze Zeit direkt auf der Grenze zu Polen entlang und kommt auch durch das Gelände der Kulturinsel.

Apropos Görlitz: Auch die Stadt selbst ist eine Augenweide, nehmt euch mindestens einen halben Tag Zeit, um durch die historischen Gassen zu bummeln und die imposanten Gründerzeitgebäude zu bewundern. Es gibt fast keine andere Stadt in Deutschland, in deren Stadtgebiet so viele Baustilphasen nebeneinander erhalten sind wie in Görlitz. Kein Wunder, dass hier schon viele Filme gedreht wurden – bei einer geführten Tour durch „Görliwood“ werden euch die bekanntesten Drehorte gezeigt.

Sachsen-Roadtrip Görlitz

Die Peterskirche und die Friedensbrücke über die Neiße sind nur 2 Sehenswürdigkeiten in Görlitz © Depositphotos.com

Ach ja: Die Instagrammer unter euch werden sicher noch einen Abstecher in den Kromlauer Park machen wollen. Da steht nämlich die berühmte Rakotzbrücke oder auch Teufelsbrücke, die mit ihrer Spiegelung im Teich einen perfekten Kreis ergibt.

10. Station: Bautzen

Vom tiefen Osten gelangt ihr in Nullkommanix nach Bautzen, das mit seiner verwinkelten Altstadt und der sehr exotisch wirkenden sorbischen Kultur nochmal etwas Zeit verdient. Bis 1868 hieß diese Stadt offiziell Budissin, heute steht auf dem Ortseingangsschild „Bautzen/Budysin“. Auch alle anderen Schilder in und um Bautzen sind zweisprachig. Ein Großteil der Sorben lebt in diesem Gebiet in Sachsen, eine weitere Gruppe (die Wenden) leben im südlichen Brandenburg.

Macht einen Stadtbummel, bewundert die Alte Wasserkunst, geht ins Senfmuseum (kein Sachse isst etwas anderes zur Bratwurst als Bautzner Senf!) und probiert im Restaurant „Wjelnik“ sorbische Spezialitäten. Rund um Bautzen, das als Zentrum der sorbischen Kultur gilt, liegen hübsche Dörfer und Kleinstädte wie Kamenz, Rosenthal oder Panschwitz-Kuckau, außerdem gibt es hier mit dem Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft ein echtes Eldorado für Vogel-Fans. Ich sag nur Fischadler!

Auf Familien wartet im nahegelegenen Kleinwelka ein doppeltes Highlight: Zum einen gibt es hier den Saurierpark Kleinwelka mit hunderten lebensechten Saurier-Modellen, einem riesigen Wasserspielplatz und einer echt gruseligen „Lost World“, zum anderen kann man Deutschlands größten Irrgarten bezwingen.

Saurierpark Kleinwelka

Im Saurierpark Kleinwelka

11. Station: Torgau

Die letzte Etappe eures Sachsen-Roadtrips ist mit ca. 150 km fast die längste, dank durchgehender Autobahn aber schnell geschafft. Das Städtchen Torgau in Nordsachsen ist ein Muss für alle, die sich nur ein winziges Bisschen für deutsche Geschichte interessieren.

Diese 1.000 Jahre alte Stadt steht ganz im Zeichen der Reformation, vor allem das Schloss Hartenfels ist ein Muss für Besucher. Aber auch wenn euch Martin Luther egal ist (seine Frau Katharina starb in Torgau, nachdem sie auf der Flucht vor der Pest von ihrer Kutsche gestürzt war!), bleibt Torgau ein spannendes Pflaster: Genau hier reichten sich am 25. April 1945 amerikanische und sowjetische Soldaten am Ufer der Elbe die Hände und beendeten so den Zweiten Weltkrieg.

Sachsen-Roadtrip Torgau

Torgau mit Schloss Hartenfels an der Elbe © Depositphotos.com

Mit der elften Station endet euer Sachsen-Roadtrip – mit dem ihr locker einen ganzen Sommerurlaub füllt.

Tipps für euren Sachsen-Roadtrip

Eine Packliste für euren Sachsen-Roadtrip fänden wir zwar etwas übertrieben. Aber einige Tipps haben wir dennoch: Nehmt auf jeden Fall eine gute Straßenkarte mit ODER ladet die Onlinekarte für Google Maps auf euer Handy herunter, damit ihr auch ohne Mobilfunknetz navigieren könnt. Das ist in vielen Teilen Sachsens nämlich leider recht dünn!

Vielleicht packt ihr euch auch einen Sachsen-Reiseführer* ein, wobei jede einzelne eurer Roadtrip-Stationen so spannend ist, dass sie ihren eigenen Reiseführer hat.

Sachsen-Roadtrip

Lust auf einen Sachsen-Roadtrip? Dann los!

Was besondere Bedürfnisse angeht: Als Veganer*innen bekommt ihr außerhalb von Großstädten in Sachsen nach unserer Erfahrung schnell Probleme oder müsst euch zumindest eingehend mit dem Restaurant-Personal unterhalten.

Und, das schreiben wir hier nur sehr ungern: Menschen mit dunkler Hautfarbe kann es vor allem in Ostsachsen durchaus passieren, dass sie schief angeschaut werden, doofe Sprüche ernten oder sich gar bedroht fühlen. Bautzen und Görlitz sind Hochburgen der Corona-Leugner, die Impfquote in Sachsen ist eine der niedrigsten bundesweit und was hier nach 2015 an einigen Orten abging, dafür muss man sich als Sachse schämen. (Tun wir auch.)

Sachsen ist aber auch: weltoffen, äußerst vielfältig, bunt und solidarisch mit anderen Kulturen. Auch in Bautzen und Görlitz. Und diese Menschen freuen sich sehr auf euren Besuch!

Jenny

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