Japan Reisetipps für Japan

Experten-Interview Nr. 3: Japan mit Kleinkind – Tipps vom TinyTraveler

Wie praktisch ist denn das? Just, da wir uns auf die Japan-Reise mit Weltwunderbaby (und zwei weiteren Weltwunderkindern) vorbereiten, stolpern wir über den Reiseblog von Christin. Sie ist gerade von einer ausführlichen Japan-Reise mit ihrem kleinen Sohn zurückgekommen und hat uns freundlicherweise gleich alles gesagt, was wir wissen müssen. Jetzt ist alles ganz einfach!!

Tiny Traveler in Sakurajima

Tiny Traveler in Sakurajima (c) Tiny Traveler

Weltwunderer: Wie ist denn Japan auf eure Wunschliste gerutscht – nicht eben die erste Idee für einen Urlaub mit Kleinkind, oder?

Christin: Tatsächlich hatten wir Japan gar nicht von Anfang an auf dem Radar. Ursprünglich hatten wir einen Trip nach Südostasien geplant. Allerdings hat es nicht mit allen nötigen Reiseimpfungen für Moritz geklappt, so dass wir spontan umgeplant haben und nach neuen Reisezielen Ausschau gehalten haben.

Der Vorteil von Japan war also, dass es zwar ein Land voller asiatischer Kultur ist, aber wir keine zusätzlichen Impfungen mehr für Moritz gebraucht haben. Und da wir eh schon immer mal zur Kirschblüte wollten, haben wir uns dann doch relativ kurzfristig – also einen Monat vor Abreise – für Japan entschieden.

WW: Wie sah eure Reiseroute aus?

Christin: Wir haben uns den Japan Rail Pass geholt und waren mit dem Zug unterwegs. Die Route war Tokyo – Nagoya – Hiroshima – Fukuoka – Kagoshima – Kyoto – Osaka – Yokohama.

WW: Was hat euch an Japan überrascht – positiv und/oder negativ?

Christin: So einiges … Positiv überrascht hat uns auf jeden Fall die enorme Kinderfreundlichkeit in Japan. Schon im Flugzeug waren viele Japaner, die kurz mit Moritz gespielt oder sich einfach mit ihm unterhalten haben. In unserer ersten Nacht in einem Hostel in Tokyo litt Moritz unter dem Jetlag und wollte partout nicht schlafen. Er hat einige Zeit geweint, ohne dass wir ihn trösten konnten. Auf einmal stand mitten in der Nacht die Hostelmutter an unserem Bett – nicht um uns zu sagen, dass wir zu laut seien, sondern weil sie sich Sorgen um Moritz gemacht hat.

Negativ überrascht waren wir tatsächlich davon, wie wenig Japaner englisch sprechen können. Obwohl wir es ja vor der Reise schon gehört hatten, hatten wir es uns nicht so schlimm vorgestellt. Viele Japaner können gar kein Englisch und verstehen nicht einmal die einfachsten Sätze. Und speziell mich als Vegetarier hat auch das Essen sehr negativ überrascht. Ein vegetarisches Gericht ist in einem Restaurant – vor allem auch Dank der großen Sprachbarriere – nur sehr schwer zu finden. Selbst auf einer „Veggie Pizza“ kann auch mal Schinken sein, eben mit mehr Gemüse als sonst … Am Ende waren wir mehr in internationalen Restaurants essen, weil wir uns dort besser verständigen konnten und man beim Italiener oder Inder immer etwas Vegetarisches findet. Oder wir haben selbst gekocht.

WW: Was müssen wir unbedingt einpacken, wenn wir mit Kleinkind nach Japan reisen?

Christin: Eigentlich nichts. In Japan findet ihr alles, was das Kinder- und Elternherz begehrt. Unser Vorrat an Kinderzahnpasta und Kindersonnencreme war auf jeden Fall unnötig. Auch Kinderartikel, von denen man bisher noch gar nichts wusste, findet man in Japan (Zahnpastabonbons für Kinder?!). Auch Kuscheltiere und Spielzeug, vor allem Disney und Hello Kitty, gibt es massenhaft. Unabhängig davon, ob mit oder ohne Kind solltet ihr allerdings ein Wörterbuch und einen starken Magen dabeihaben …

WW: Teuer ist Japan bestimmt trotzdem. Habt ihr ein paar clevere Spartipps für uns?

Christin: Leider keine richtig guten. Unsere Reise war am Ende auch teurer, als wir es vorher gedacht haben. Besonders Lebensmittel sind sehr teuer, und da vor allem Käse und Obst. Es gibt eine Convenience-Store-Kette namens Lawson 100, in der jeder Artikel (bzw. der Grundpreis) 100 Yen kostet. Für die meisten Artikel ist das günstiger als in anderen Läden, allerdings ist die Auswahl auch nicht besonders groß. Allerhand sonstigen Schnickschnack kann man auch in anderen 100-Yen-Shops finden, die relativ weit verbreitet sind.

WW: Wie hat es mit Windeln, Babybrei etc. geklappt?

Christin: Windeln muss man mancherorts ein wenig suchen, denn nicht jede Drogerie hat welche. Auf Babybrei habe ich nicht bewusst geachtet, aber ich meine, im Supermarkt auch welchen gesehen zu haben. Das Wickeln jedenfalls ist in Japan so einfach wie wahrscheinlich nirgendwo, denn öffentliche Toiletten mit Wickeltisch gibt es an jeder Straßenecke. Und die sind auch noch erstaunlich sauber! Toiletten und Wickeltische gibt es übrigens auch an jedem noch so kleinen Spielplatz, da sollte sich Deutschland mal eine Scheibe abschneiden.

WW: Wie klappte es mit der Verständigung bei euch – habt ihr vor der Reise Japanisch gepaukt?

Christin: Wir haben uns im Vorfeld den Japanisch-Sprachreiseführer von Lonely Planet gekauft, dadurch konnten wir im größten Verständigungsnotfall immer noch einfach auf einen Satz zeigen. Das Buch deckt wirklich jede erdenkliche Lebenslage ab. Meist ging es aber auch mit Händen und Füßen oder durch das Herbeiholen von einem (oder mehreren…) Japanern mit besseren Englisch-Kenntnissen.

WW: Wo hat es euch am besten gefallen?

Christin: Eindeutig in Kagoshima! Ursprünglich wollten wir nur zwei Tage dort bleiben, es wurden dann am Ende aber doch acht Tage. Die Stadt liegt im Süden der Insel Kyushu und ist damit relativ weit abgeschlagen von den üblichen touristischen Pfaden. Dort war es bei Weitem weniger voll und chaotisch als in den anderen Städten, die wir besucht haben. Und durch die südliche Lage war es außerdem auch Anfang März schon schön angenehm warm. Die Stadt liegt in an einer Meeresbucht, man kann dort mit etwas Glück Delphine beobachten, und vom örtlichen Aquarium gibt es mehrmals täglich eine öffentliche Delphinshow. Insgesamt hat sich Kagoshima im Gegensatz zu den anderen Orten in Japan wirklich wie Urlaub angefühlt.

Neben der Stadt liegt außerdem die Vulkaninsel Sakurajima, auf die man mit einer Fähre gelangt. Ich bin ja eh immer eher an Natur als an Städten interessiert, aber auch René und Moritz fanden die Insel super. Von einer Aussichtsplattform aus konnten wir ein paar kleinere (ungefährliche!) Eruptionen des Vulkans sehen. Und für Moritz gab es außerdem noch einen tollen Spielplatz mit Dinosaurier-Figuren, in deren Schwänzen die Rutschen waren. Wir haben fast einen ganzen Tag nur auf dem Spielplatz verbracht.

Tiny Traveler Nagoya

Der Tiny Traveler (auf Papas Rücken) vor der Burg in Nagoya (c) Tiny Traveler

WW: Wo fandet ihr es nicht so doll?

Christin: In Fukuoka. Die Stadt sieht aus wie jede andere in Japan und bietet auch sonst nichts Besonderes. Allerdings hatten wir dort aber auch gerade unser Reise-Tief und haben die Stadt nicht so sehr erkundet, wie wir eigentlich wollten.

WW: Was würdet ihr im Nachhinein anders machen?

Christin: Wir würden langsamer reisen. Alle zwei bis drei Tage erneut die Sachen packen und weiterziehen schlaucht ganz schön, vor allem mit Kind. Dann könnten wir auch die einzelnen Orte besser kennenlernen, müssten allerdings auch vorher besser auswählen, wo wir überhaupt hinfahren wollen. Außerdem würden wir uns mehr Mühe geben, ein Fahrrad mit Kindersitz aufzutreiben anstatt die ganze Zeit mit der U-Bahn durch die Stadt zu eiern.

WW: Was hat Japan, was andere Reiseländer nicht haben – speziell auf das Reisen mit Kind bezogen?

Christin: Japan verbindet sehr gut eine europäische Infrastruktur mit einer asiatische Kultur. Für das Reisen mit Kind also ideal, wenn die Familie gerne fremde Kulturen entdecken möchte, aber nicht auf gewohnte Hygienestandards und eine gute Ärztedichte verzichten möchte.

Und wie schon gesagt, ich war sehr begeistert von den vielen öffentlichen Wickelmöglichkeiten überall.

WW: Werdet ihr wieder nach Japan reisen – und wenn ja, wohin?

Christin: Da wir im Moment lieber Gegenden erkunden, die wir noch nicht kennen, stehen erstmal ein paar andere Länder weiter oben auf unserer Reise-Wunschliste. Wenn es uns doch wieder nach Japan zieht, werden wir wahrscheinlich u. a. einen Abstecher nach Okinawa machen. Von der Inselgruppe haben uns unterwegs so viele Touristen und auch Japaner vorgeschwärmt und es hat mich am Ende etwas geärgert, dass wir es nicht mehr dorthin geschafft haben. Aber auch Hiroshima, Kagoshima, Kyoto und Yokohama haben mir gut gefallen und sind auf jeden Fall einen weiteren Besuch wert.

WW: Vielen Dank für die wertvollen Tipps, Christin! Wir werden sie uns zu Herzen nehmen – auch wenn mit unserem Campervan in knapp 3 Wochen wohl nicht von Tokyo bis Kagoshima kommen werden.

Wenn ihr mehr über die Japan-Reise von Christin und ihren beiden Männern lesen wollt, vor allem über „Spezialthemen“ wie die Kinderfreundlichkeit dieses Reiseziels, dann klickt doch mal bei TinyTraveler vorbei!

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