Eure Neuseeland-Reisen mit Kind

Neuseeland als Zwischenstopp: Mit Baby Lola auf Weltreise

Wieder mal haben wir eine Familie aufgetan, die gern von ihrer Neuseelandreise berichten möchte – diesmal aber mit einem wichtigen Unterschied: Jan, Liliane und Lola waren noch unterwegs, während wir das Interview führten und Neuseeland war auf ihrer großen Weltreise nur eines von vielen Ländern. Einen guten Eindruck scheint es trotzdem hinterlassen zu haben …

Familie Kunz am Gillespies Beach

Familie Kunz am Gillespies Beach © Jan Kunz

Weltwunderer: Erzählt doch zuerst bitte ein wenig über eure Familie – wer seid ihr?

Wir, das sind Liliane, Lola und Jan Kunz. Wir sind aus Basel in der Schweiz und seit nunmehr 20 Monaten auf Weltreise.

Lola ist kurz vor der Abreise geboren (und hat sie damit um fünf Monate verzögert!) und feierte Ende September ihren zweiten Geburtstag.

Zu unserer Familie gehört auch noch Nanuk: unser bereits 25 Jahre alter Landrover Defender, der uns nie selten nur ausnahmsweise im Stich lässt.

WW: In welcher Beziehung ist das Reisen mit Kind anders?

Liliane: Da ist fast alles anders als beim Alleinreisen! Das Kind hat immer Priorität. Man muss auf viele Dinge verzichten und den Tagesablauf nach dem Kind richten. Allerdings ist Lola auch ein Türöffner, wir lernen schnell andere Leute kennen. In Neuseeland haben wir viele Familien getroffen, die nur für ein paar Wochen in den Ferien waren. Sie hatten viel mehr Schwierigkeiten mit ihren Kindern, da diese urplötzlich ein anderes Leben hatten und sehr unterschiedlich darauf reagierten. Für Lola ist das Reisen ihr normales Leben und sie ist sehr pflegeleicht.

WW: Das klingt ja herrlich. Ist es nicht auch mal stressig oder doof, wenn man mit Kind reist?

Liliane: Eigentlich nicht, wenn man das auf Neuseeland bezieht. Nach den Entwicklungsländern kam uns Neuseeland so einfach vor – was das Reisen betrifft, zumindest.

Mount Taranaki im Regen

Mount Taranaki im Regen © Jan Kunz

Jan: Wir hatten ziemliches Wetterpech in Neuseeland. Das war anstrengend, hatte aber nichts mit Lola zu tun. Sie hat das kalte Wetter, die Moskitos und Sandflies viel besser weggesteckt als wir. Allerdings hätten wir ohne Lola sicher einige Mehrtageswanderungen gemacht, das ging rein logistisch nicht.

WW: Welche Erwartungen hattet ihr an Neuseeland?

Liliane: Ich wollte dort schon lange einmal hin, weil eine gute Freundin von mir dorthin ausgewandert ist. Somit war ein Besuch aus meiner Sicht schon lange fällig…

Jan: Es war einfach ein weiteres Land auf unserer Weltreise. Da ich vor ein paar Jahren schon einmal da war, wussten wir ungefähr, was auf uns zukommen würde. Spezielle Erwartungen hatten wir nicht, wir wollten endlich mehr campen und wandern gehen. Das war auf dem ersten Teil der Reise nicht immer so einfach gewesen. Und wir wollten vor allem nach dem anstrengenden Indien mal etwas Ruhe haben und uns erholen.

WW: Und wie fand Lola Neuseeland?

Jan: Sie nennt das Land heute „Seeland“ und hat wohl keine konkreten Erinnerungen daran. Sie ist ja noch sehr klein und war damals ja gerade erst knapp über ein Jahr alt. Aber sie hat dort essen gelernt und ihre ersten englischen Wörter. Gefallen hat es ihr vor allem auf der Farm unserer Freunde, wo sie drei temporäre Schwestern hatte und ein Hausschwein, das sie jeden Tag füttern durfte.

WW: Wie viel Zeit habt ihr euch für Neuseeland gelassen – habt ihr alles gesehen?

Jan: Wir hatten unser Auto von Indien nach Auckland verschifft und mussten ziemlich lange warten, bis wir Nanuk nach Erfüllung aller Zollformalitäten wiederbekamen. Zuerst waren wir daher rund drei Monate auf der Nordinsel unterwegs, vor allem in der Gegend von Tauranga, Auckland und Whakatane. Wir sind auch ein Stück an der Ostküste entlang, bevor wir wieder über Auckland an die Westküste bis zum Taranaki gefahren sind. Von dort aus gings mit ein paar Schlenkern nach Wellington und dann auf die Südinsel.

Liliane: Dort sind wir gegen den Uhrzeigersinn die übliche Route gefahren: via Nelson nach Süden bis zum Franz-Josef-Gletscher und dann nach Queenstown, von dort aus quer über die Insel bis zur Otago Peninsula und dann via Lake Tekapo nach Christchurch und  Blenheim. Nach rund sechs Wochen sind wir zurück auf die Nordinsel gefahren und haben dort eine Route durchs Landesinnere, via Tongario, Taupo und Roturoa genommen, bevor wir wieder in Te Puke bei unseren Freunden waren. Danach ging’s auf die Coromandel Peninsula und ins Northland, bevor es wieder von Auckland nach Australien ging. Das waren fast sechs Monate alles zusammen.

WW: Neuseeland ist ja nicht billig – wie viel habt ihr dort ausgegeben, hat das geplante Budget ausgereicht?

Liliane: Das ist eine Frage, die wir noch gar nicht beantworten können, da Neuseeland ja nur ein Teil der Reise war und wir das noch nicht ausgerechnet haben. Wir sind ungefähr in unserem Budget für das erste Jahr geblieben, haben allerdings im Gespräch mit anderen Reisenden festgestellt, dass wir wohl mit dem niedrigsten Tagesbudget von allen unterwegs sind.

Zeltlager mit Nanuk am Gillespies Beach

Zeltlager mit Nanuk am Gillespies Beach © Jan Kunz

Um zu sparen, haben wir in Neuseeland, wann immer möglich, frei gecampt oder auf den DOC Campsites übernachtet. Wir haben immer selber gekocht und unser Essen in den großen Supermärkten gekauft. Touristische Aktivitäten haben wir keine unternommen, das war einfach zu teuer für uns. Im direkten Vergleich zu Australien ist Neuseeland jedoch fast schon als günstig zu bezeichnen.

Jan: Wir raten auf alle Fälle jedem davon ab, das eigene Auto nach Neuseeland zu verschiffen! Man kann dort für wenig Geld ein Auto kaufen und mit diesem ein paar Monate durch die Gegend fahren, einen Geländewagen wie Nanuk braucht es sicherlich nicht.

WW: Ganz konkret: eure Top-Ten-Liste für NZ bitte!

  1. Tongariro Crossing – super Wanderung
  2. Gillespies Beach – Strandcamping, mit Gletschern im Hintergrund
  3. Mount Taranaki – tolle Wanderungen
  4. Northland – gigantische Kauribäume, 90 Mile Beach und tolle Strände
  5. Wellington – für uns die attraktivste Stadt in Neuseeland
  6. Nelson Lakes – tolle Landschaft mit schönen Wanderungen
  7. Farewell Spit – endlose Strände und Babyrobben hautnah
  8. Mount Cook/Tasman Glacier – tolle Bergwelt mit spektakulären Ausblicken
  9. Nordostküste der Nordinsel – wenig Leute und eine schöne, raue Landschaft

WW: Was ist besser: Nord- oder Südinsel?

Jan: Uns hat alles in allem die Nordinsel besser gefallen, was aber nicht bedeutet, dass die Südinsel schlecht wäre. Für uns war am Ende das „Paket Nordinsel“ einfach das bessere.

WW: Auckland oder Wellington?

Liliane: Wellington, das ist überschaubarer und man kann vieles zu Fuß erkunden. Es gab Straßenmusik, eine Fußgängerzone, einen tollen Hafen mit vielen schönen Booten, Straßencafés und Restaurants mit Livemusik. Dazu das tolle Te Papa Museum, das auch noch gratis war!

WW: Neuseeland oder Schweiz?

Jan: Wir bleiben in der Schweiz. Neuseeland wäre zum Wohnen nichts für uns. Es ist sehr weit weg von allem und sehr ländlich. Wir würden dort vieles vermissen, das wir in Europa haben, vor allem kulturelles. Dazu sind unsere Familien und Freunde dort. Und in die Zukunft gedacht, finden wir das Schulsystem und die Freizeitmöglichkeiten in der Schweiz einfach besser. Für uns ist Neuseeland ein tolles Ferienziel, das wir gerne noch einmal besuchen kommen – wohnen tun wir lieber in Mitteleuropa.

WW: Wie würdet ihr Neuseeland auf eurer Reiseroute einordnen – welchen Platz nimmt es in euren Erlebnissen ein?

Jan: Wenn man alle Aspekte berücksichtigt, ist Neuseeland unsere Nummer eins der Länder, die wir bereist haben. Das liegt zum einen daran, dass es ein wirklich ausgesprochen kinderfreundliches Land ist, zum anderen sind die Neuseeländer selbst sehr freundlich. Das fällt vor allem im direkten Vergleich zum Nachbarland Australien auf. Allerdings ist es klar, dass wir in Neuseeland viel erlebt haben, schließlich waren wir fast sechs Monate dort. Nur in Australien waren wir am Ende länger.

WW: Auf welches Gepäckstück würdet ihr beim Reisen mit Kind in Neuseeland nicht verzichten wollen?

Jan: Auf unseren Babycarrier. Damit hat Liliane die kleine Lola überall hingetragen. Er braucht kaum Platz und ist einfach Gold wert.

Liliane: Wir hatten nur einen Gegenstand dabei, der komplett überflüssig war, das war ein elektrischer Wärmer für Babyfläschen und Babybrei. Der hat viel zu lange gebraucht, um (lau-)warm zu werden und war von daher völlig unbrauchbar. Ansonsten haben wir sehr gut gepackt und nichts dabei, das unnötig war. Unsere Reiseplanungen waren, was das betrifft, offensichtlich erfolgreich.

WW: Was ist eure wichtigste Lektion von dieser Reise?

Liliane: Über dieses Thema könnten wir ein stundenlanges Referat halten. Wir haben auf dieser Reise viel über dieses und andere Themen diskutiert und philosophiert. Auf die ganze Reise bezogen ist eine Erkenntnis sicherlich die, dass man mit Zeit viele Probleme lösen kann.

Jan: Mitgenommen haben wir eine Tatsache… nämlich die, dass wir daheim ziemlich verwöhnt sind und dass trotzdem viele Leute am Klagen sind. Der völlig übertriebene Kommerz zu Hause und viele Leute, die dennoch nicht glücklich sind. Dabei braucht man eigentlich wenig, um Spaß zu haben und glücklich zu sein.

Kunzworld.net

Kunzworld.net im Real Life © Jan Kunz

WW: Was würdet ihr anderen Familien empfehlen, die nach Neuseeland reisen wollen?

Jan: Wer Zeit für eine längere Reise außerhalb Europas hat, sollte Neuseeland auf alle Fälle ins Auge fassen. Es ist ein einfaches Reiseland und sehr kinderfreundlich. Die Distanzen sind mit dem Auto längst nicht so groß wie in Australien, Kanada oder den USA. Man muss also nicht so viel Zeit im Auto verbringen und hat mehr Spaß mit den Kindern in der Natur. Wir haben einige deutsche Familien gesehen, die ihre Elternzeit dort verbracht haben, und können das nur so weiterempfehlen. Wir haben so etwas leider nicht in der Schweiz.

Liliane: Weniger ist mehr: Wer nur drei Wochen Ferien hat, dem würden wir Neuseeland nicht empfehlen, die An- und Abreise aus Europa ist einfach zu lang.  Mit Kindern ist man langsamer unterwegs und da kann man sich entweder nicht sehr viel anschauen oder man stresst die Kinder.  Wer mehr Zeit hat, sollte sich trotzdem nicht zu viel vornehmen und sich lieber eine Region herauspicken und diese in Ruhe anschauen. So klein, wie es scheint, ist Neuseeland nämlich nicht.

WW: Würdet ihr diese Reise oder eine ähnliche noch einmal machen?

Jan: Auf alle Fälle – aber wir würden natürlich neue Länder anschauen. Wir würden uns dann eine Region herauspicken und diese zwischen drei Monaten und einem Jahr bereisen. Ideen haben wir schon genügend, obwohl wir noch gar nicht zu Hause sind.

WW: Was sind denn die nächsten Ziele auf eurer Weltreise?

Jan: Jetzt sind wir ja erst noch drei Monate in Australien. Dann werden wir wohl zurück in die Schweiz gehen, uns Job und Wohnung suchen und so weiter. Es wird wohl ein Jahr dauern, bis wir wieder komplett im normalen Leben angekommen sind. Das heißt, die nächsten kleineren Reisen werden in Europa stattfinden. Aber Südamerika, die USA und Japan sind Länder bzw. Regionen, die bei uns ganz oben in der Liste stehen…

WW: Danke für das Interview, ihr beiden – wir wünschen euch und Nanuk viel Glück auf dem Rest eurer Reise!

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