Norwegen

Norwegen mit Kindern – ist das wirklich so teuer? Unsere 5 wichtigsten Spartipps

Neuseeland steht auf unserer Rangliste der Länder immer ganz oben, aber Norwegen folgt nicht weit dahinter. Das Land im hohen Norden macht dem Land im tiefsten Süden mit seiner wilden und unberührten Natur ordentlich Konkurrenz. Trotzdem haben wir lange gezögert, hinzufahren – es soll ja so unheimlich teuer sein. Mit ein paar Spartricks hat unser Budget für fast vier Wochen Roadtrip locker gereicht.

Weltwunderer Norway Hardangervidda

Norwegen Spartipp Nummer eins: Reisezeit

Wir haben unsere Norwegenreise mit Kindern am 25. Juli angetreten, also im Hochsommer. Entsprechend knackevoll waren auch die Campingplätze an der schwedischen Ostseeküste (mit Ausnahme von Tanum Camping – seufz…). Sehr überrascht waren wir daher, als wir in Norwegen eigentlich durchweg auf fast menschenleere Campingplätze stießen – die Saison wäre hier schon vorbei, sagte man uns.

Reisen in der Nebensaison ist natürlich der Hit fürs Budget – wir zahlten oft weniger und konnten uns die schönsten Stellplätze aussuchen.

Dass zu Hause in Deutschland noch Sommerferienzeit war und Hochsaison herrschte, hatte für uns noch einen weiteren Vorteil: Wir konnten unsere Wohnung problemlos zwischenvermieten und sparten so einen ordentlichen Teil unserer Fixkosten ein.

Fast allein beim Angeln am Eidfjord

Fast allein beim Angeln am Eidfjord

Norwegen Spartipp Nummer zwei: eigenes Fortbewegungsmittel, eigene Anfahrt

Norwegen ist von Deutschland zum Glück nicht allzu weit entfernt; wenn da nicht die Ostsee bzw. Nordsee zu überqueren wären. Mit dem eigenen Auto kommt man trotzdem budgetschonender herum als etwa mit einem Flug nach Oslo und einem Mietwagen – die Preise für Letztere sind in Norwegen astronomisch. Aus demselben Grund verbietet sich auch das Mieten eines Wohnmobils vor Ort (ein eigenes von daheim mitzubringen, ist dagegen ein klasse Spartrick!).

Wie nun aber hinkommen? Natürlich mit der Fähre. Welche für euch die beste Route bietet, hängt natürlich vom Startort ab – wir haben sowohl die sehr preiswerte, etwa drei Stunden lange Überfahrt von Sassnitz nach Trelleborg mit Stena Line getestet (109 Euro für uns alle für eine Nachmittagsfahrt im Flexi-Tarif) als auch die ziemlich teure Übernachtfahrt von Oslo nach Kiel mit der luxuriösen Colorline (380 Euro für uns alle mit Innenkabine, Verpflegung kostet extra).

Je nach Route, Überfahrtsdatum und -uhrzeit schwanken die Preise enorm. Wer hier Kosten sparen will, der muss zeitig recherchieren und entweder in der Nebensaison fahren oder halt die kürzere Überfahrt wählen und dafür mehr Selbstfahrzeit investieren.

Ein Stück Schweden oder Dänemark selbst zu durchfahren, ist nicht wirklich schlimm. Die etwa 360 km von Hirtshals nach Kiel oder 600 km von Trelleborg nach Oslo schafft man theoretisch in ein bis zwei Tagen. Aber dann verpasst man die wunderschöne schwedische Ostseeküste (und das Wikingerdorf Foteviken) – also nehmt euch lieber ein paar Tage mehr Zeit.

… und das Benzin? Das kostet in Norwegen zwar ungefähr so viel wie in good old Germany, ABER: Weil die Höchstgeschwindigkeit auf den meisten Straßen bei 70 km/h liegt (iiik!), fährt man automatisch sehr sparsam. Unser Durchschnittsverbrauch sank im Laufe der Zeit unter 5 Liter – Wahnsinn!

Auch die Mautkosten waren am Ende wesentlich niedriger, als wir befürchtet hatten. Hier muss man sich vor der Einreise nach Norwegen bei einem automatischen System anmelden, das per Foto-Auswertung die Mautgebühren für befahrene Straßen von der Kreditkarte einzieht. Die Abrechnung, die wir im November (!) erhielten, zeigte, dass wir nur wenige Mautstrecken befahren hatten; der Großteil der Kosten war in und um Oslo angefallen (wo wir zum Beispiel mehrmals durch einen völlig überflüssigen Tunnel gefahren waren, aaahh…).

Weltwunderer Hardangervidda

Norwegen Spartipp Nummer drei: Camping!

Der Vorteil am eigenen Wohnmobil ist klar: Da drin kann man auch schlafen. In unserem Kombi ging das nicht, aber wir hatten ja unser Zelt dabei – und das haben wir fast jeden Tag auf einem anderen Campingplatz aufgebaut. Norwegische Campingplätze ähneln frappierend den neuseeländischen „holiday parks“: Die meisten sind in Privatbesitz, nicht allzu groß und oft recht familiär.

Die Kosten für unsere Übernachtungen lagen meist um die 200 NOK, mit einigen schönen Ausnahmen wie Morustranda, wo wir nur 120 NOK bezahlten. Duschen kostete meist eine Extra-Gebühr von 5 bis 8 NOK, aber die sanitären Anlagen waren immer picobello sauber und oft gab es noch eine Gemeinschaftsküche mit Kochmöglichkeiten, einen Spielplatz usw.

Camping ist natürlich kein Zuckerschlecken: Wenn es regnet (was es zum Glück nur selten tat) oder kalt ist, macht es mit Kindern keinen Spaß. Je weiter wir nach Norden kamen, desto kälter wurden die Sommernächte, was im Baumwollschlafsack im Zelt natürlich keinen von uns freute. Als wir dick eingepackt in alle unsere Sachen plus Schlafsäcke plus Decken trotzdem die Nacht durchbibberten und erst mit der Wärme der ersten Sonnenstrahlen in wohlig-warmen Schlaf sanken, mussten wir unsere Route daher wohl oder übel wieder gen Süden richten. Ach, wie gern hätten wir ein (beheizbares) Wohnmobil gehabt! Für eine feste Hütte, die es auf den meisten Campingplätzen gab, waren wir zu geizig.

Traumblick aus dem Zelt auf den Hardangerfjord

Traumblick aus dem Zelt auf den Hardangerfjord

Norwegen Spartipp Nummer vier: Lebensmittelversorgung

Die Preise für Lebensmittel, vor allem für Frisches wie Obst, Gemüse, Milchprodukte und Fleisch, sind in Norwegen tatsächlich krass hoch. Das gilt besonders für importierte Waren, die hier oben nicht wachsen, und natürlich vor allem für kleinere Geschäfte in kleineren Orten.

Wir begegneten diesem Umstand, der uns als Familie natürlich besonders hart anging, mit drei Strategien:

Strategisch einkaufen: Die günstigsten Preise findet man in fast jedem Land in Großmärkten am Stadtrand, samstags kurz vor Ladenschluss. Wir streiften zu diesen Zeiten also mit kritischem Blick durch die Märkte, suchten nach Sonderangeboten und kauften nur Eigenmarken. Ein Essensplan, auf dem wir ungefähr notiert hatten, welche Gerichte es in den nächsten Tagen geben sollte, half gegen Spontankäufe. Und Quengelware fiel natürlich komplett aus. So machte das Einkaufen zwar überhaupt keinen Spaß, ruinierte uns aber auch nicht.

Selbst vorsorgen: Wir hatten unser Auto noch in Deutschland mit Lebensmitteln aus dem Discounter vollgestopft bis unters Dach – ganz in echt, so voll war unser Auto noch nie gewesen, die Kinder saßen eingequetscht zwischen Klappkisten und Tüten, die sich im Lauf unserer Reise dann langsam leerten. Nahezu alles, was haltbar war, haben wir nach Norwegen eingeführt – bis auf Alkohol, dessen Einfuhr nach Norwegen angeblich sehr streng kontrolliert wird. Uns winkte man an der Grenze einfach durch, was wir mit Zähneknirschen quittierten; aber die Preise für das abendliche Dosenbier des Weltwundermanns stellten sich im Supermarkt als gar nicht sooo schlimm heraus.

Nicht essen gehen: und zwar konsequent. Wir sind in drei Wochen Norwegen nur einmal in ein McDonalds eingekehrt und haben Eis für die Kinder gekauft, ansonsten wurde eisern verzichtet. Bei umgerechnet 4 Euro für ein kleines Stück Apfelkuchen in einem Stehimbiss fiel das aber gar nicht so schwer.

Selbstversorgung: Das hat wirklich Spaß gemacht! Wir denken noch heute gern und mit Schmatzen an die superleckeren Himbeeren, Blaubeeren und Moltebeeren zurück, die wir auf vielen Campingplätzen und in den Wäldern gesammelt haben. Ein fader Frühstücks-Porridge wird mit frisch gepflückten Beeren zur Delikatesse, der Weltwundermann kochte uns sogar eigene Beerenkonfitüre! Was uns leider nicht gelang, war der Fischfang – wer hier mehr Angelglück hat als der Weltwundermann, der es wirklich ausdauernd versuchte, der kann noch viel mehr sparen.

Es ist angerichtet!

Es ist angerichtet!

Norwegen Spartipp Nummer fünf: Do it yourself

.. und zwar in Sachen Freizeitgestaltung. Stadtbesichtigungen mit Cafébesuchen und Shopping sollten sparsam eingestreut werden, für den Besuch des Aquariums in Bergen haben wir umgerechnet 70 Euro bezahlt (schluck).

Norwegens grandiose Natur macht es zum Glück leicht, sie ohne zusätzliche Kosten zu erkunden. Natürlich heißt es aufpassen: Die Sicht über den 150 m hohen (bzw. tiefen) Vöringsfossen bekommt man zum Beispiel von der einen Seite für einen Eintrittspreis von 40 NOK, von der anderen Seite (und zwar viel spektakulärer!) für lau. Der Parkplatz am Preikestolen kostet 100 NOK, das ist eine Frechheit – muss aber sein, wenn man 600 m geradeaus nach unten schauen will. Und ein kleines Motorboot zu leihen, um sich den Hardangerfjord mal ein bisschen näher anzuschauen, schlug mit krassen 600 NOK in unser Budget…

Hier kostenlos: Blick von oben auf den Voringsfossen

Hier kostenlos: Blick von oben auf den Voringsfossen

Aber die meisten Dinge in der freien Natur kann man in Norwegen kostenlos tun: wandern, im Fluss angeln (wenn man unter 16 ist!), Moltebeeren sammeln, im Fjord baden, von krass hohen Felsen fallen schauen … und genau diese Dinge sind es, an die wir uns noch heute gern erinnern.

Norwegen mit Kindern ist ein wunderbares Reiseziel – und nicht teurer als ein „klassischer“ Sommerurlaub mit Flug und Hotel.

Norwegen mit Kindern Spartipps

10 Kommentare

  • Bei allem Respekt – sich den Kofferraum mit Lebensmitteln vollhauen, den Müll in Norwegen zurücklassen und das dann noch als „Spartipp“ zu deklarieren…….Wird oft empfohlen, ist aber einfach nur peinlich. Wer in Norwegen clever einkauft und kocht, kommt auch so gut über die Runden. Ein fremdes Land kennen lernen zu wollen, das schließt auch eine andere Esskultur mit ein. Uns haben Norwegenurlaube mit Kindern jedenfalls nicht an den Bettelstab gebracht.

  • Wie macht ihr das alle um bei Fähren soviel zu bezahlen 😀 Ich halte das so: am Rügen Mukran nach Schweden, von dort über die Süd-Nord-Europastraße weiter. Café und Restaurant brauch ich nicht, für das Flair muss der Einkaufsmarkt reichen 😉 Parkgebühren hin oder her, die Kommunen sind nun eben auf die Touristen angewiesen, die dort alles platt trampeln und ihren Müll hinterlassen. Dafür ist das Panorama kostenlos, also…so what? Auf Rügen muss auch an jeder Ecke gelöhnt werden, so ist das im Urlaub.

    grüße Markus

  • Fähren sind nur so teuer, wenn man z.B. mit Kabine von irgendwo aus Deutschland direkt nach Norwegen fährt- z.B. Hirtshals- Kristiansand bekommt man für zwischen 80- 120€ wenn ich mich nicht irre… Das man dann halt die 900km bis zur Nordspitze Dänemarks aus Mitteldeutschland fahren muss, ist halt so… Nur die „ähnlichen“ Benzinpreise kann ich nicht ganz nachvollziehen! Und die nicht soooo schlimmen Preise für Dosenbier- zumindest als ich letztes Jahr im Winter noch in Alta war, waren die mehr als gepfeffert 😛

    • Naja – günstig ist halt immer relativ. Wenn du für ein Bier im Café über 6 Euro bezahlen sollst, dann findest du 2,50 Euro für eine 0,5-l-Dose im Supermarkt schon günstig 😉

  • Hey Jenny, erstmal großes Lob für deinen Blog… Bin heraus durch Zufall drauf gestoßen, und find ihn total interessant und gut geschrieben… Dafür alle Daumen hoch !!!
    Vielleicht hab ich auch noch einen ganz guten Spartip…
    Wer sich in Oslo wirklich vieeeel ansehen will, mit öffentlichen Verkehrsmittel von einem Punkt zum nächsten will und sich auch das lästige Anstehen für Museums Tickets o.ä. sparen will, der sollte an eine Oslo Karte denken.
    Ich hab sie mir letztes Jahr für 3 Tage in Stockholm gegönnt. Auf den ersten Blick sicherlich nicht ganz billig, ich hatte die Kosten allerdings nach 1,5 der 3 Tage wieder raus.
    Damit hatte ich dann in jedem Museum “ freien“ Eintritt und könnte direkt an der Schlange vorbei zum
    Eingang, die Stadtführung per Bus und Boot war im Preis und sämtliche Bus und Bahnfahrten vom Womo Stellplatz in die Stadt bzw. weiter dann von Punkt zu Punkt.
    Wer sich also wirklich vieeeeel anschauen möchte ( hab ich nur gemacht wegen dieser Karte, ansonsten wäre mir wohl jedesmal der Eintritt zu teuer gewesen) sollte sich da mal genauer informieren .
    Ganz liebe Grüße und macht weiter so !!! Isa

  • Tolle Tipps, liebe Jenny! Aber ich muss jetzt nochmal doof fragen. Wann seid Ihr denn dort gewesen, daß in Norwegen schon wieder Nebensaison war? Ende August in den September hinein? Wir werden im Juli dort sein. Fällt wohl mal wieder in die totale Hochsaison. :/ Außerdem ohne eigenes Auto, weil uns Trondheim zu weit weg war. Da ist man vom Rheinland aus schon mal 3 Tage unterwegs. Und ie Fähre hätte uns auch locker 800 € inkl. Auto gekostet. Dafür haben wir das Glück meistens umsonst wohnen zu können, weil wir bei Familie übernachten werden. 🙂 GlG, Nadine

    • Liebe Nadine, nix September – wir haben doch ein Schulkind! Wir sind am 30.7. in Norwegen eingereist und am 18.8. wieder raus. Ich hab extra nachgeschaut 😉 Aber wenn ihr für die Unterkünfte eh nix zahlt, macht das doch nichts. 800 Euro für die Fähre??? Gulp.

  • Hach ja, Norwegen! Bis vor kurzem stand das noch ganz oben für einen Trip im Sommer (wie ich eben gelernt habe, in der Nebensaision). Aber nach ein paar Tagen Schweiz ist der ganzen Familie im Moment die Lust vergangenen 🙂 Nochmal ein hochpreisiges Land zehrt zu sehr am Sparwillen.
    Die Fahrt mit ColorLine haben wir übrigens schon mal gemacht. Da gibt’s direkt bei der Buchung schon einen preislichen Vorgeschmack auf Norwegen. Aber ist schon geil damit zu fahren.
    Trotz allem, tolle Spartipps, die sich ohne weiteres auch auf andere Länder anwenden lassen.
    Liebe Grüße,
    Marc

  • Hihi, den blöden Tunnel am Ortsausgang von Oslo kennen wir auch… 🙂

    Deine Beschreibung des Zeltens hat mir mal wieder klar gemacht, dass das echt nix für mich ist… Jugendherbergen sind für etwas bequemlichkeitsorientiertere Urlauber auch noch eine ganz gute Alternative in Norwegen.

    Liebe Grüße von der Algarve,
    Lena

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