Camping

So findet ihr bequem und zuverlässig einen Campingplatz in Neuseeland – versprochen

In Neuseeland gibt es tausende Campsites, da findet sich für jeden Geschmack und auch für jeden Geldbeutel die passende. Nur wie genau stellt man das an – einen passenden Campingplatz finden, wenn man im Wohnmobil unterwegs ist? Wir erklären es ganz genau.

Weltwunderer Campingplätze in Neuseeland DOC White Horse Hill

Wenig Komfort, viel Blick: DOC Campsite White Horse Hill am Mt Cook/Aoraki

Wir lieben Neuseeland, es ist unserer Meinung nach das perfekte Land für Roadtrips. Im Gegensatz zu Europa, den USA oder auch Japan müsst ihr als Reisende euren Campingplatz für den Abend weder vorher reservieren oder gar bezahlen, noch braucht ihr eure Route an vorhandenen Übernachtungsgelegenheiten auszurichten.

Wer mutig ist und Zeit hat, fährt einfach aufs Geradewohl durchs Land und hält gegen Nachmittag Augen und Ohren offen. In 90 Prozent der Fälle werdet ihr mit dieser Methode einen akzeptablen, höchstwahrscheinlich sogar schönen Campingplatz finden, auf dem ihr saubere Sanitäranlagen, eine gut ausgestattete Gemeinschaftsküche und einen Spielplatz genießt.

Für alle anderen Fälle gibt es mehrere Möglichkeiten, mit denen ihr ganz einfach einen geeigneten Stellplatz auftut.

Wie suchen wir eine Campsite in Neuseeland?

Wer online ist, ist klar im Vorteil. Für alle anderen ist es jedoch ebenfalls nicht schwer, in Neuseeland einen Campingplatz für die Nacht zu finden! Ewiggestrige, die tatsächlich noch ohne Smartphone oder Tablet auf Reisen gehen (Scherz!), bekommen in Neuseeland hilfreiche Tipps von vielen Quellen.

Weltwunderer Campingplätze in Neuseeland Marahau Abel Tasman

Camper-Idyll mit Tropenfeeling in Marahau am Abel Tasman National Park

1) Camping-Apps

Von Rankers über CamperMate bis WikiNZ gibt es inzwischen diverse Apps fürs Smartphone, die den geneigten Nutzer bequem per GPS-Navigation zum Campingplatz der Wahl führen – nachdem man seine genauen Präferenzen hinsichtlich dump station, Komfort-Niveau und anderer Kriterien gefiltert hat.

Der Vorteil: einfach, bequem, praktisch, und in der Regel mit Offline-Karten auch ohne aktuell vorhandene Netzabdeckung nutzbar. Crowdsourcing-Apps bieten sogar die Möglichkeit des Mitmachens, indem man seine eigene Bewertung von Campingplätzen hochlädt. Perfekt für die deutsche Neigung zum Meckern 😉

Der Nachteil: Man braucht nun mal ein Smartphone, um Apps zu nutzen. Und das muss mit mobilem Internet und Strom für den Akku versorgt werden. Manche müssten es sogar eigens kaufen, und das wäre dann deutlich zu viel Aufwand, wenn man doch nur einen Campingplatz suchen möchte.

2) Auskunft in der i-Site

Die Touristinformation, deren Büros ihr ebenfalls in jedem größeren (oder touristisch interessanten) Ort findet, kann euch natürlich ganz genau sagen, welche Campingplätze es in der Gegend gibt, wie ihr hinfindet und ob sie euren Wünschen entsprechen.

Der Vorteil: Die netten Mitarbeiter können auch gleich anrufen und checken, ob noch Stellplätze frei sind. In der Hochsaison keine schlechte Idee!

Der Nachteil: Diese Informationsquelle steht euch nur zu den Öffnungszeiten der Büros zur Verfügung, und die sind typisch neuseeländisch – ab 17 Uhr wird der Bürgersteig hochgeklappt und alle gehen angeln!

3) Jason’s Book

Diese kostenlose Broschüre im handlichen A5-Format war unser Campingplatz-Führer im Jahr 2011 (als wir tatsächlich noch ohne Smartphone-Apps unterwegs waren). Ihr könnt sie überall mitnehmen, wo Broschüren und Flyer herumliegen – also am Flughafen, an jedem Campingplatz, an Tankstellen, in Buchläden…

Der Vorteil: Ihr könnt die Campsites einer Region anhand ihrer Informationen (oft gibt es auch ein Foto) schon vorher kurz vergleichen und müsst keine kostbare Online-Zeit investieren. Die Preisangaben sind hier fast immer akkurat, weil das Jason’s Book jährlich neu erscheint. Und: Im Heft finden sich auch viele Rabattgutscheine und Voucher, die ihr nutzen könnt.

Der Nachteil: Es sind nicht alle neuseeländischen Campsites hier eingetragen.

4) Straßenkarten

Ein klassischer Auto-Atlas von HEMA, Whitcoulls oder dem Automobilclub AA ist für Selbstfahrer in Neuseeland dringend zu empfehlen; verlasst euch bloß nicht komplett auf Google Maps! (Stichwort Netzabdeckung, Aktualität der Software, Handy-Akku!) Auf den sehr detaillierten Straßenkarten sind in der Regel Campingplätze, dump stations und andere wichtige Punkte mit Symbolen eingezeichnet.

Der Vorteil: Ihr seht auf einen Blick, wo auf eurer Route Campsites liegen.

Der Nachteil: Ihr seht halt nicht, was das für Campsites sind. Aber hey, das Leben ist ein Abenteuer!

5) DOC-Broschüren

Das Department of Conservation (aka Umweltministerium) gibt praktische Broschüren aus, auf denen die mehr als 200 staatlich verwalteten Campsites eingezeichnet sind. Ihr könnt sie vor Ort in einem DOC Office (gibt es in jedem größeren Ort) mitnehmen oder gleich von zu Hause aus als PDF-Dateien herunterladen.

Der Nachteil: Hier sind nur die DOC Campsites verzeichnet.

6) Nette Kiwis

Ihr sollt natürlich weder eure Camping-Zukunft aus einer aufgeschnittenen Kiwi lesen, noch aus den nächtlichen Rufen der Kiwi-Vögel eine Empfehlung zu deuten versuchen. Aber fragt doch einfach beim Auschecken auf eurem Campingplatz nach Empfehlungen der Betreiber – oft geben die euch dann gleich noch Grüße und einen Rabatt-Gutschein mit. Auch DOC-Ranger (die ihr abends oder frühmorgens beim Kassieren der Campsite-Gebühr trefft) und ganz normale Einheimische sind gute Informationsquellen für schöne Stellplätze.

Der Vorteil: Fragen kostet nichts und bringt manchmal tolle Geheimtipps.

Der Nachteil: Kiwis schicken euch manchmal in vorauseilender Nettigkeit irgendwo meilenweit in die Pampa, nur weil sie nicht zugeben wollen, dass sie keine Ahnung haben. Checkt ihre Empfehlungen also vorsichtshalber auf eurer Straßenkarte ab, bevor ihr stundenlange Umwege macht.

7) Nicht zu empfehlen

Die gängigen Reiseführer sind unserer Erfahrung nach für die Suche nach einem Campingplatz unbrauchbar. (Auch der von uns vielgelobte Lonely Planet macht da keine Ausnahme.) Sie verzeichnen nur eine sehr kleine (und nicht immer nachvollziehbare) Auswahl an Campsites und nennen selten den richtigen Preis.

Weltwunderer Campingplätze in Neuseeland Muriwai Beach

Muriwai Beach Motorcamp: Hier gehen wir nicht mehr weg!

Müssen wir Campingplätze vorbuchen?

Unsere Erfahrung sagt eindeutig: Jein.

Wir sind einmal im September/Oktober durch Neuseeland gereist und einmal von Anfang Januar bis Anfang März. Weder in der „shoulder season“ noch in der Hauptsaison (die offiziell exakt so lange dauert wie die neuseeländischen Sommerferien, also von ein paar Tagen vor Weihnachten bis Ende Januar) hatten wir Probleme, einen akzeptablen Stellplatz für die Nacht zu finden.

Ein paar klitzekleine Ausnahmen gab es, müssen wir zugeben:

  • An Wochenenden in der Region Auckland kann es auch im Spätsommer noch schwierig werden, einen schönen (!) Campingplatz zu finden. Vor allem die günstigen Campsites in den wunderschön gelegenen Regional Parks sind dann tatsächlich schon alle vorgebucht. Wir haben hier einen genervten Abend damit verbracht, nacheinander drei Campsites anzusteuern, von denen uns die letzte (in Sandspit) gnädig noch eine Nische am Straßenrand freigemacht hat.
  • In Gegenden, wo es einfach sehr wenige Campingplätze gibt, kann es an Wochenenden und über Weihnachten eng werden. Wir haben das im Tongariro National Park erlebt, wo wir abends am „Whakapapa Holiday Park“ ankamen und mit viel Glück den allerletzten freien Stellplatz am Rand eines Abgrunds bekamen. Es war uns irgendwie nicht bewusst gewesen, dass es hier oben nur diesen einen Campingplatz gibt!

Wenn ihr Last-Minute-Suchaktionen vermeiden wollt, kann es zu solchen Stoßzeiten nicht schaden, schon morgens oder gar ein paar Tage vorher auf dem Campingplatz eurer Wahl anzurufen (die meisten haben auch eine Website mit Kontaktformular oder Booking Engine).

Ist eure Wahl auf eine DOC-Campsite der Standard-Kategorie gefallen, könnt ihr nur die Daumen drücken und möglichst frühzeitig am Platz erscheinen. Dort heißt es „first come, first served“. Und wenn ihr euren Platz einmal besetzt habt, solltet ihr das Wohnmobil dort auch nicht mehr wegbewegen – Handtuch hinlegen wie am Hotelpool zählt nicht!

Weltwunderer Campingplätze in Neuseeland Moke Lake Queenstown

Am Moke Lake bei Queenstown war wirklich genug Platz

Wie finden wir aber einen „guten“ Campingplatz?

Am besten ist es natürlich, selbst zu schauen. Der Unterschied zwischen Broschürenfotos und Realität kann erschreckend – oder überraschend sein. Also nicht gleich einchecken, sondern erst einmal einen Rundgang über den Platz machen!

An der Rezeption bekommt ihr eigentlich immer einen Lageplan, auf dem die Caretaker für euch markieren, wo Plätze frei sind und wie ihr euch zurechtfindet. Damit ausgerüstet, lasst ihr dann euren Expertenblick über das Gelände schweifen und wägt folgende Kriterien ab:

  • Wie viele Stellplätze sind noch frei?
  • Wie viel „personal space“ ist zwischen den Plätzen? (Schön sind Hecken oder andere Pflanzen, die euch Sichtschutz geben; die helfen aber nichts gegen nächtliche Feiern fröhlicher Kiwi-Familientreffen!)
  • Gibt es freie Picknickbänke in der Nähe eurer eigenen Campsite, an denen ihr draußen bequem essen könnt?
  • Wie ist die „Communal Kitchen“ ausgestattet? Könnt ihr dort auch gleich essen?
  • Gibt es ein „Shelter“ oder einen Gemeinschaftsraum, in dem ihr euch bei schlechtem Wetter aufhalten könnt, wo Gesellschaftsspiele, Bücher oder ein Fernseher zur Verfügung stehen?
  • Sind die Toiletten sauber? (Nach unserer Erfahrung sind sie das grundsätzlich immer.)
  • Kosten die Duschen extra? Wie viel, und wie viel Duschzeit bekommt ihr für euer Geld?
  • Wo ist der Spielplatz? Finden eure Kinder allein dorthin und wieder zurück?
  • Hat es einen Pool? (Wenn ja, wie warm ist das Wasser?)
  • Gibt es mobilen Internet-Zugang und wenn ja, auch von allen Stellplätzen?
  • Wie aggressiv ist das örtliche Entenrudel? (Kein Scherz – draußen zu frühstücken, kann ausgesprochen anstrengend werden, wenn man dabei von fordernden Entenschnäbeln gezwickt wird!)
  • Wann ist Check-out und wie streng wird diese Zeit genommen?

Welche Ausstattung ihr auf neuseeländischen Campingplätzen erwarten könnt und was Camping in Neuseeland kostet, erzählen wir euch in diesen Beiträgen:

Wie und wo habt ihr in Neuseeland die schönsten Campingplätze gefunden? Haben wir einen wichtigen Tipp vergessen? Wir freuen uns auf eure Kommentare!

5 Kommentare

  • Das sind sehr wertvolle Tipps =).

    Neuseeland ist schon lange ein Reisetraum von mir. Wie viel bezahlt man in Neuseeland eigentlich für ein Prepaid?
    Wenn man die App verwenden möchte, dann bräuchte man ja doch Internet vor Ort.

    Viele Grüße

  • Sind drei Monate mit CamperMate gut gefahren! Allerdings solltet ihr nicht zu viel Zeit mit dem Lesen der Kommentare verbringen. Viele (gerade schlechte) Einträge haben scheinbar einen Streit oder ein Fehlverhalten des Campers zur Folge. Ansonsten werden Camper nämlich nicht von Besitzern der Plätze angeschrien oder bedroht und erhalten Platzverweise. Wer so etwas in die Kommentare schreibt, hat schon viel Mist gebaut.
    Wir haben uns eher auf Lage und Ausstattung verlassen und waren damit immer gut bedient. Der Wechsel/Mix zwischen kostenlosen Plätzen, günstigen (meist DOC-Plätzen) und teuren Campgrounds (Kiwi oder Top10) ist sehr zu empfehlen. Wem es beim Freedom Camping an der Dusche mangelt, der sollte bei CamperMate mal „öffentliche Dusche“ suchen, oft ist ein Schwimmbad ganz in der Nähe und für 3-4 Dollar gibt’s erst den Whirlpool und dann die Dusche. 🙂

  • Hi Jenny,
    super Zusammenstellungen an notwenidigen Informationen zum Finden von (guten) Campgrounds! Wir haben bei den Apps vor allem mit CamperMate sehr gute Erfahrungen gemacht. Dort sind neben den Campgrounds – die nach Kategorien (v.a. Self-Contained/ Non-Self-Contained) getrennt angezeigt werden können – noch viele andere nützliche Dinge einblendbar (WIFIs/ Public Showers/ Points of Interest/ Tankstellen).

    Eine weitere Ausnahmesituation ist aus unserer Sicht übrigens generell die Weihnachtszeit (v.a. die Feiertage). Da sind sowohl die Holiday-Parks extrem voll (und ausgebucht) gewesen, als auch DOC Sites. Hier heißt es dann für HP vorbuchenu und bei DOC Sites nicht zu spät hinkommen und ggf. darauf achten eine DOC Site zu wählen, bei der ein Maximum an Tagen definitiert ist, die man verweilen darf. Ansonsten kann es schnell passieren, dass Langzeit-Camper (die die gesamten Ferien dort verbringen) den meisten Platz besetzen. Bestes Beispiel war dafür bei uns Kinloch/ Glenorchy.

    Liebe Grüße
    David

    • Hallo David, danke für deine wertvollen Ergänzungen! Der Hinweis mit der maximalen Zahl von Belegungstagen ist sehr klug, darauf waren wir noch gar nicht gekommen. Da, wo es stark fluktuiert, ergibt sich auch schneller mal ein freies Plätzchen!

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