Anreise: Rund ums Fliegen

Die Air New Zealand Skycouch: Macht das Sinn mit Kindern?

Fliegen mit Kindern ist nervig. Nicht, weil sich die Kleinen nicht benehmen könnten oder stundenlang durchbrüllen (das tun die wenigsten). Sondern weil es so schwierig ist, Kinder im Flugzeug ordentlich zu sichern. Air New Zealand hat sich darüber Gedanken gemacht – und ist allein deshalb für uns die beste Airline der Welt ♥

Air New Zealand Skycouch

Air New Zealand: die coolste Airline der Welt

Ein Langstreckenflug nach Neuseeland dauert 24 Stunden – mindestens. Diese lange, lange Zeit KANN ein Kind recht bequem in seinem eigenen Kindersitz verbringen, der auf einem eigenen Sitzplatz installiert wird. Bitte nehmt euer Kind nicht auf den Schoß, auch wenn ihr damit 1.000 Euro spart – es ist wahnsinnig anstrengend für alle Beteiligten und sehr, sehr unsicher im Fall von Turbulenzen – die bei einem so langen Flug mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit mal auftreten werden).

Und was ist mit uns Eltern?? Wir sitzen, auch wenn wir unsere Kinder nicht auf dem Schoß halten, stundenlang eingequetscht auf dem engen Flugzeugsitz und riskieren eine Thrombose (und den Wahnsinn durch Schlafentzug).

Air New Zealand hat schon vor einigen Jahren an das Leiden der Eltern auf diesen langen Flügen gedacht und die „Skycouch“ entworfen – erst für Paare gedacht, dann aber zunehmend für Familien: In der Economy Class bucht man dazu eine Reihe von drei Sitzen, die sich zu einer flachen Liegefläche umklappen lassen. Dazu bekommt ihr eine Matratzenauflage, Zudecken und Kopfkissen. Und ein System von Gurten, auf das wir weiter unten eingehen.

Ausgestreckt liegen, die Beine lang machen, nebeneinander kuscheln und herrlich schlafen – das verspricht die Air New Zealand Skycouch und verwandelt die Holzklasse (englisch: „cattle class“) in die „cuddle class“. Aber funktioniert das auch in der Praxis?

Air New Zealand Skycouch

So gemütlich kann Economy sein © Air New Zealand

Schlafen auf der Air NZ Skycouch?

Aufgepasst: Die Air New Zealand Skycouch ist kein „echtes“ Bett, wie ihr es in der Business oder First Class bekommt. Die Sitzbreite der drei Sitze ermöglicht für die allermeisten Erwachsenen kein ausgestrecktes Liegen – die Füße würden auf den Gang baumeln und müssen eingezogen werden.

Und auch wenn die Sitzfläche durch Hochklappen einer Fußstütze enorm verbreitert wird (der Fußraum wird quasi bedeckt), ist die Liegefläche für zwei Erwachsene nur dann breit genug, wenn beide schmal sind und gern kuscheln wollen.

Ganz wichtig: Wenn ihr Pech habt und die vor euch Sitzenden ihre Rücklehnen ganz zurückstellen, habt ihr kaum noch Platz auf eurer Skycouch. Dann ist das Extra-Geld für die Skycouch umsonst ausgegeben. Und ihr könnt nichts tun, um euch gegen diesen Fall zu versichern…

Am bequemsten ist die Skycouch für einen Erwachsenen und ein Kind. Da Familien meist mit zwei Elternteilen und/oder zwei Kindern reisen, müsst ihr vorher die beste Sitzkombination ausknobeln.

Mit 2 Erwachsenen und 2 Kindern könnt und solltet ihr zwei Skycouches buchen:

  • Variante 1: je 1 Erwachsener, 1 Kind pro Skycouch
  • Variante 2: auf Skycouch 1 die Kinder, auf Skycouch 2 die Erwachsenen

Mit 3 Kindern bietet sich folgende Aufteilung der Skycouch-Sitze an:

  • Skycouch 1: 1 Erwachsener, 1 Kind (beide können liegen)
  • Skycouch 2: 2 Kinder
  • Erwachsener 2: eigener einzelner Sitzplatz
  • Alternative: auf Skycouch 2 verzichten und 3 Sitze nebeneinander buchen

Wie sicher ist man im Liegen?

Für Erwachsene und Kinder gibt es eine Spezialsicherung auf der Skycouch. Ein System von Gurten („cuddle belts“), die quer über die Liegefläche gespannt und an den Vordersitzen verankert werden, sichert Passagiere auch im Liegen bei Turbulenzen.

Achtung: Diese Gurte funktionieren nur für 2 Erwachsene, für einen Erwachsenen und ein Kind oder für 2 Kinder. In einer anderen Konstellation dürft ihr die drei Sitze nicht als Skycouch nutzen.

Für Babys ohne eigenen Sitzplatz wurde jetzt ein spezieller Gurt entwickelt. Damit können auch diese liegen bleiben und müssen bei Turbulenzen nicht auf dem Schoß mit dem Loop Belt angeschnallt werden.

Wir finden es klasse, dass Air New Zealand eine solche Sicherungsmöglichkeit entwickelt hat. Die FAA scheint mit den Gurten zufrieden zu sein, immerhin haben sie die Zulassung für die Nutzung bekommen.

Trotzdem: Wir können uns diese Gurte nur für ältere Kinder, die normalerweise mit dem Beckengurt ausreichend gesichert sind, vorstellen. Einfach aus dem Grund, dass man beim Wegklappen der Skycouch (bei Start und Landung) ja nicht die passenden Kindersitze aus der Hosentasche hervorzaubert. Nutzt man die Skycouch, verzichtet man damit automatisch auf die Kindersitze – und das finden wir gerade für Babys nicht empfehlenswert.

Außerdem neu: ein Bassinet für die Skycouch. So hat das Baby ein wenig mehr Platz zum Spielen, ohne andere Passagiere zu nerven, wenn es im Gang oder auf dem Boden herumkriecht.

Noch warten die Neueinführungen auf das Okay der Flugsicherheitsbehörden. Air New Zealand will die modifizierte Skycouch ab Mai 2018 nach und nach in den Boeing 777 und 787-9 Dreamliner ausrollen. Auch andere Airlines sollen die Skycouch als Lizenznehmer nutzen können, die Rede ist bereits von Air China (!!).

Air New Zealand Skycouch

Die Air New Zealand Skycouch selbst getestet: superbequem!

Ist die Air NZ Skycouch für Familien empfehlenswert?

Unser Fazit fällt durchwachsen aus.

Die Vorteile der Air NZ Skycouch für Familien sind ganz klar im Komfort zu sehen: Wenigstens einige von euch werden ausgeruhter in Neuseeland ankommen.

Die Air New Zealand Skycouch hat aber auch einige Nachteile:

  • Sie ist insgesamt teurer als normale Economy-Sitze (wobei der Preisunterschied mit der Personenzahl sinkt)
  • Ihr könnt nicht sicher sein, dass ihr sie im Flieger auch nutzen könnt (Stichwort Vordermann)
  • Sie ist für Babys und Kinder unter 7 Jahren unserer Einschätzung nach nicht so sicher wie das Fliegen im passenden Kindersitz.

Habt ihr die Air NZ Skycouch schon einmal mit Kindern genutzt? Was sind eure Erfahrungen?

Air New Zealand Wolken

Wir wünschen einen guten Flug! © Air New Zealand

1 Kommentar

  • Danke für den ehrlichen Check. Nachdem wir ja sechs sind, hatte ich diese Variante nie wirklich in Betracht gezogen, speziell preislich schien das außerhalb unserer Range. Aber dann sollte ich da mal wieder nachschauen, wenn das preislich abnimmt mit Personenanzahl (was ich spannend finde).

    Das mit dem Eingeklemmt-Problem sollte sich hingegen bei uns lösen lassen, da wir sowieso zwei Reihen bräuchten. Und Air NZ ist sowieso spitze. Da fällt mir ein: Sollte mal wieder die Safety Instruction Videos schauen…;-)

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