Wohnmobil in Neuseeland Reise-Ausrüstung

Den Autokindersitz nach Neuseeland mitnehmen?

! Aktualisiert am 10. Juli 2022

Immer wieder stellen uns Eltern die Frage: Welcher Autokindersitz passt in Neuseeland ins Wohnmobil und darf gleichzeitig mit ins Flugzeug? Oder dürfen wir unseren Sitz gar nicht verwenden? Wir listen ganz genau auf, welcher Kindersitz für euch und eure Familie in Frage kommt – oder ob ihr besser keinen Autokindersitz nach Neuseeland mitnehmt.

Kindersitz nach Neuseeland mitnehmen

Den Kindersitz nach Neuseeland mitnehmen? Kommt drauf an…

Welchen Autokindersitz kann man am besten nach Neuseeland mitnehmen?

Wie gern würden wir einen kurzen, knackigen Ratgeber-Beitrag schreiben, in dem wir euch einfach das eine tolle Kindersitz-Modell mit Flugzeug-Erlaubnis empfehlen, das ihr auf eure Neuseeland-Reise im Campervan mitnehmen könnt.

Leider gibt es dieses eine perfekte Modell nicht. Die Gründe sind diverse:

  • Je nach Größe und Gewicht braucht jedes Kind einen anderen Kindersitz.
  • In Neuseeland werden zwar Autokindersitze mit dem europäischen ECE-Siegel akzeptiert (im Gegensatz zu Australien oder den USA), aber das heißt nicht, dass euer Autokindersitz auch in den nicht-europäischen Campervan passt. Stammt das Chassis aus Asien oder den USA, sind die Sitze unter Umständen mit Top-Tether-Haken ausgerüstet. Und laut neuseeländischem Gesetz muss man diesen Haken zwingend nutzen, wenn man auf dem Sitz einen Kindersitz verwendet (oft sind die Rückenlehnen dieser Sitze anders konstruiert als in normalen Pkws).
  • Einige Campervan-Hersteller oder -Vermieter erlauben keine Babyschalen oder gleich gar keine Kinder bis 8 Jahre auf den Beifahrersitzen. Das liegt oft daran, dass sich der Beifahrer-Airbag nicht deaktivieren lässt, und der ist eben nur für den Schutz erwachsener Beifahrer konstruiert. Oder die Sitze da vorn haben nur Beckengurte, mit denen Kinder nicht gesichert werden dürfen.
  • Jede Airline hat ihre eigenen Vorgaben, welche Kindersitze sie erlaubt.

Um die Entscheidung zu treffen, ob ihr euren Autokindersitz nach Neuseeland mitnehmen solltet oder ob ihr lieber vor Ort einen leiht (oder kauft), müsst ihr mehrere Entscheidungen treffen. Wir versuchen im Folgenden, euch entlang dieser Entscheidungen zum passenden Autokindersitz für eure Neuseeland-Reise zu führen.

Autokindersitz nach Neuseeland mitnehmen Infografik

Einen konkreten Autokindersitz können und wollen wir euch nicht empfehlen. Erstens sind wir keine Experten für den riesigen Markt der Autokindersitze -> dafür legen wir euch die Kindersitzprofis ans Herz. Zweitens wollen wir nicht dafür verantwortlich sein, dass ihr mit dem empfohlenen Sitz dann doch nicht zufrieden seid oder im Flugzeug oder im Campervan damit auf Probleme stoßt.

Und drittens kann es durchaus sein, dass in Zukunft neue Autokindersitze mit Flugzeugzulassung oder anderen tollen Gimmicks auf den Markt kommen und wir in diesem Beitrag nicht rechtzeitig darauf hinweisen – was ja schade für euch wäre.

Speziell für die Verwendung im Flugzeug entwickelte Kindersitze gibt es bisher nicht, bzw. nur einen: den Luftikid Duo, der aber a) nur noch gebraucht erhältlich ist und b) wegen des mangelnden Seitenaufprallschutzes nicht im Auto verwendet werden sollte.

Ihr müsst also selbst schauen, welches Modell ihr nach Neuseeland mitnehmen wollt – aber mit den Tipps, die wir euch zur Auswahl an die Hand geben, fällt euch das hoffentlich leichter.

Wollt ihr den Autokindersitz im Flugzeug benutzen?

Auch wenn das Flugticket für Babys unter 2 Jahren ohne eigenen Sitzplatz sehr günstig ist: Wir empfehlen euch sehr, einen eigenen Sitzplatz für jedes Kind zu buchen und dort einen Kindersitz zu benutzen. Aus Gründen der Sicherheit genauso wie wegen des Komforts. Ein Langstreckenflug nach Neuseeland ist nicht ohne!

JA: Kinder unter 2 Jahren müssen, wenn sie ihren eigenen Sitzplatz während Start und Landung benutzen wollen, dort in einem Kindersitz (oder mit einem Cares-Gurt) gesichert sein. Bei älteren Kindern ist es euch überlassen, ob ihr sie zusätzlich zum Beckengurt sichert. Wir empfehlen euch, bis mindestens zum 5. Geburtstag einen passenden Autokindersitz oder den Cares-Gurt zu benutzen; der TÜV Rheinland wünscht sich das sogar bis zum 7. Geburtstag.

Das Problem: Damit ihr ihn im Flugzeug bei Start und Landung verwenden dürft, muss euer Autokindersitz das TÜV-Siegel „For use in aircraft“ tragen. Ob das der Fall ist, seht ihr direkt am Sitz – oder in der Tabelle mit allen Kindersitz-Modellen, die der TÜV zertifiziert hat. Generell gilt: Für die Flugzeugtauglichkeit muss der Kindersitz mit einem 2-Punkt-Gurt (Bauchgurt) gesichert werden können.

NEIN: Soll der Autokindersitz nicht im Flugzeug verwendet werden, braucht er kein „For use in aircraft“-Zertifikat. Damit erweitert sich das Spektrum der mitnehmbaren Kindersitze deutlich. Allerdings müsst ihr euren Sitz für den Transport im Flugzeug extrem gut verpacken oder versuchen, ihn als Handgepäck mit in die Kabine zu nehmen (Babyschalen dürfen, wenn genug Platz ist, auch in ein Overhead Compartment und können, falls Sitzplätze frei bleiben, dort zumindest während des Fluges benutzt werden).

Mit welcher Airline wollt ihr fliegen?

Mit dem TÜV-Siegel ist es allerdings nicht getan. Einige Airlines erlauben alle Autokindersitze, die das „for use in aircraft“-Siegel des TÜV Rheinland haben, andere wollen das Siegel der amerikanischen Luftfahrtbehörde FAA sehen.

Lufthansa: Hier ist kein Cares-Gurt erlaubt! Es kommt also für Kinder über dem Babyschalenalter nur euer Autokindersitz in Frage. Dieser muss das TÜV-Siegel „for use in aircraft“ haben.

Emirates/Cathay/Etihad: Hier könnt ihr Probleme mit eurer Babyschale bekommen, denn die darf offiziell nur vorwärtsgerichtet eingebaut werden.

-> Hier lest ihr, was andere Airlines für Kindersitz-Regeln haben und was sie im Kleingedruckten verstecken

Wenn eure Airline die Benutzung eures Kindersitzes erlaubt, dann nehmt ihn an Bord mit. Und wenn ihr das schon macht, dann könnt ihr ihn auch gleich im Wohnmobil verwenden.

Wenn eure Airline keinen Kindersitz (oder speziell euren nicht) erlaubt, dann habt ihr die Wahl:

  • Ihr nehmt gar keinen Autokindersitz mit und mietet in Neuseeland einen Autokindersitz von eurem Campervan-Vermieter.
  • Ihr verwendet an Bord den Cares-Gurt* oder den Luftikid, nehmt euren Kindersitz als (kostenloses) Sperrgepäck mit und nutzt ihn in Neuseeland im Campervan.

Ein wunderbarer Notsitz für Taxifahrten, Shuttlebus-Fahrten und Ähnliches ist der Boost-Apak*. Er passt ab etwa 4 Jahren, hat das ECE-Siegel und entspricht damit einer einfachen Sitzerhöhung, mit den genannten Vor- und Nachteilen.

Weltwunderer Fliegen Babyschale Doona

Der perfekte Baby-Kindersitz für Flugzeug und Campervan: das Doona Travel System

Welcher Autokindersitz passt in euren Miet-Camper?

Leider ist nicht immer garantiert, dass euer Autokindersitz in den gemieteten Camper in Neuseeland passt. Das liegt zum einen an konstruktionsbedingten Besonderheiten (Stichwort: 2-Punktgurt-Sitze) als auch am Unterschied zwischen Kindersitz-Modellen in Europa und Ozeanien.

Kleinere Kastenwagen haben in der Fahrerkabine meist nur zwei richtige Sitze. Der mittlere Notsitz ist nur mit einem Beckengurt ausgestattet. Auch auf den hinteren Sitzen lassen sich Kindersitze manchmal nur schwierig einbauen.

Isofix-Ösen gibt es in solchen Campern generell keine!

Besonders, wenn sich diese Sitze (theoretisch) flach umklappen lassen, sind sie dagegen oft mit „Top Tether Anchor“ ausgestattet – und wenn der Haken dran ist, muss er auch benutzt werden, sofern ihr einen Gruppe-I-Sitz verwendet.

Tipp: Am sichersten sind Kinder auf den Sitzen in der Fahrerkabine (wenn es dort nicht aus anderen Gründen verboten ist, den Kindersitz zu befestigen). Reicht das Budget also nicht für ein größeres Wohnmobil, dann gehört das Baby/Kind nach vorn und ein Erwachsener nimmt hinten oder in der Mitte auf dem weniger sicheren Notsitz Platz.

Euer Wohnmobil hat nur Sitzplätze mit Top Tether Anchor? Auf dem deutschen Markt gibt es nur wenige Gruppe-I-Sitze mit Top Tether Straps. Habt ihr keinen solchen Sitz, müsst ihr auf Top-Tether-Sitzplätzen also einen Sitz eures Vermieters benutzen. (Die Crashtest-Ergebnisse solcher Sitze sind im Übrigen bescheiden – wenn ihr also die Wahl habt, dann schnallt euer Kind auf einem anderen Sitzplatz an!)

Ihr müsst euer Kind auf einem Sitzplatz mit Beckengurt platzieren? Das geht bei Babys mit dem Doona Travel System (mit Flugzeugzulassung) und bei älteren Kindern unter Umständen mit dem Diono Radian 5 (ebenfalls mit Flugzeugzulassung) oder dem Britax Römer Max-Way*. Beide Kindersitze sind jedoch im Handel nicht mehr erhältlich.

Die Sitzbänke in der „Ess-Ecke“ von Alkoven-Wohnmobilen sind zwar oft mit Dreipunktgurten ausgestattet und haben nur selten Top-Tether-Haken. Einen Kindersitz könnt ihr dort aber nicht immer (sicher) befestigen. Dafür muss sich zum Beispiel der Tisch während der Fahrt wegklappen lassen; denn als „Fangkörper“ bei einem Aufprall soll er möglichst nicht dienen.

Einige Wohnmobile verfügen über einzelne, drehbare Sitze. Auch wenn es sicherer erscheint: Einen Reboarder dürft ihr auf solchen nach hinten gedrehten Sitzen nicht verwenden! Die Rückwärts-Position dieser Sitze ist nicht für das Sitzen während der Fahrt konzipiert, sondern für das „Wohnen“ zwischendurch.

Erkundigt euch genau beim Vermieter, welche Sitzplätze im Wohnmobil sich für eine Befestigung von Kindersitzen eignen, und zwar mit Dreipunktgurt und in oder entgegen der Fahrtrichtung. Einen Sitz, der seitlich zur Fahrtrichtung gerichtet ist, solltet ihr auf keinen Fall für euer Kind in Betracht ziehen, auch wenn sich dort ein Becken- oder Dreipunktgurt befinden sollte!

Den Autokindersitz nach Neuseeland mitnehmen? 4

Kastenwagen-Van: Kindersitzbefestigung mehr schlecht als recht :-/

Autokindersitz nach Neuseeland mitnehmen oder nicht: Entscheidungshilfe

Fall 1: Ihr reist mit Baby

Eine Babyschale transportiert sich relativ (!) leicht und ist enorm praktisch, auch wenn ihr sie nicht im Flugzeug verwenden wollt. Taxis in Neuseeland stellen nämlich genau wie in Deutschland keine Babyschalen bereit, und auch die allerwenigsten Shuttle-Anbieter (zu Ausflügen, Great Walks etc.) haben welche.

Und wollt ihr wirklich euer süßes Baby wochenlang in einem abgeranzten, schmuddeligen Autositz von zweifelhafter Qualität transportieren, den euch der Vermieter anbietet?

Eine Babyschale solltet ihr auf jeden Fall nach Neuseeland mitbringen, auch wenn ihr sie im Flugzeug nicht benutzen wollt.

Unser ernstgemeinter Herzenstipp für alle Baby-Eltern: Legt euch das Doona Travel System zu. Wirklich!

Fall 2: Ihr reist mit Kleinkind

Im zarten Alter zwischen 2 und 4 Jahren brauchen Kinder noch die Rundum-Unterstützung eines Autokindersitzes der Gruppe 0+/I oder I/II mit Fünfpunktgurt. Am besten ist dieser Sitz auch noch ein Reboarder.

Kindersitze für dieses Alter sind dummerweise meistens die schwersten und sperrigsten, die es gibt. (Ausnahmen: Der Britax Max-Way wiegt nur 7 kg; der Diono Radian 5 lässt sich für den Transport flach zusammenklappen).

Trotzdem: Um im Campervan ordentlich gesichert zu sein, brauchen Kinder den bestmöglichen Schutz. Auch wenn es eine große Schlepperei bedeutet, solltet ihr euren eigenen Kindersitz mitnehmen, wenn es irgendwie geht. Denn wie bei den Babyschalen gilt: Euer Kind soll in diesem Sitz stunden- und tagelang bequem und sicher sitzen und schlafen können.

Wenn ihr ihn in eurem Camper einbauen könnt (Stichwort Top Tether), dann nehmt euren Gruppe-I/II-Sitz von zu Hause mit. Aus der Kiddy-Reihe gibt es mehrere Autokindersitze, die „for use in aircraft“ zugelassen sind.

Wenn euer Autokindersitz nicht in den Camper passt, dann leiht euch einen Sitz von eurem Vermieter, leiht euch einen Sitz bei Babyonthemove.co.nz oder kauft einen Sitz vor Ort. Im Flugzeug könnt ihr (hoffentlich) den Cares-Gurt benutzen.

Fall 3: Ihr reist mit (Vor-) Schulkindern

Für die „Großen“ wird euch die Camper-Vermietung wahrscheinlich nur einen „Booster Seat“ anbieten, das heißt: eine Sitzerhöhung ohne Rückenteil. Laut TÜV Rheinland ist das vollkommen inakzeptabel. Und auch nach unserer eigenen Erfahrung können wir nur sagen: Auf längeren Fahrten, wenn das Kind auch mal im Sitzen einschläft, ist so ein Sitz ohne Rückenteil und Kopfstütze sehr, sehr unbequem.

Kann euch die Camper-Vermietung nicht garantieren, dass euer Kind einen „High Back Booster Seat“ bekommt, nehmt einen Autokindersitz für euer Kind mit. Die Gruppe II/III-Sitze für diese Altersgruppe sind zum Glück etwas leichter und besser zu transportieren als die für jüngere Kinder. Einige Sitze haben eine Flugzeugzulassung, ihr müsst den Sitz also nicht für den Transport verpacken und eine Beschädigung riskieren.

Fall 4: Ihr reist mit Schulkindern

In Deutschland müssen alle Kinder bis zum 12. Geburtstag ODER einer Größe von 1,50 m einen Kindersitz benutzen. In Neuseeland (und vielen anderen Ländern) gilt allerdings nur eine Altersgrenze von 7 Jahren. (Hier findet ihr mehr über die gesetzlichen Vorgaben zu Autokindersitzen in Neuseeland.)

Für Kinder ab 7 Jahre braucht ihr also theoretisch keinen Kindersitz mitzubringen, weil er nicht vorgeschrieben ist. Wir empfehlen euch trotzdem, wenigstens eine Sitzerhöhung (am besten mit Rückenteil) zu verlangen oder mitzubringen, um den Gurtverlauf zu optimieren.

Achtung: Wenn euer Kind schon über 26 kg wiegt, dann schaut bei Leih-Sitzen genau auf das Etikett mit der Gewichtszulassung!

Autokindersitz nach Neuseeland mitnehmen Campervan Otago

Egal, wie ihr euch entscheidet: Habt eine gute Reise!

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Jenny

2 Kommentare

  • Servus, vielen Dank für den gelungenen Beitrag. Habe viele neue Informationen für meine geplante Reise erhalten. Bleibt gesund und freue mich auf neue Beiträge.

  • Hallo Jenny,

    wow, was für ein ausführlicher Bericht. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass das Zubuchen eines entsprechenden Kindersitzes beim Camper Vermieter eine gute Lösung für uns war. So entsprach das Modell den neuseeländischen Anforderungen und passte auch perfekt in den Camper Sitz.

    Viele Grüße,
    Nicolle.

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