Wohnmobil in Neuseeland

Kindersitz in Neuseeland: diese Regeln müsst ihr kennen

Der erste Schritt ist geschafft: Ihr habt einen Camper für eure Neuseeland-Reise gefunden. Nun ist Spezialwissen für Eltern gefragt: Welcher Kindersitz muss, darf, sollte ins Wohnmobil? Und braucht euer Vorschulkind überhaupt noch einen Kindersitz in Neuseeland?

Unterwegs ohne Kindersitz - so lieber nicht

Unterwegs ohne Kindersitz – so lieber nicht (c) Weltwunderer

Kindersitz im Camper: Das sind die Regeln in Neuseeland

In Neuseeland gilt wie in Deutschland: eine Person, ein Sitzplatz. Wobei es in Neuseeland allerdings nicht unbedingt sein muss, dass dieser Sitzplatz auch über einen Gurt verfügt – viele landwirtschaftlich genutzte Pick-ups und “Utes” haben so etwas ja gar nicht.

In Neuseeland müsst ihr strenggenommen nur für Kinder bis sieben Jahre einen Kindersitz mitschleppen oder ausleihen; ob ihr das verantworten wollt, müsst ihr mit eurem Gewissen ausmachen.

Die neuseeländische Straßenverkehrsordnung sagt:

Kinder bis 7 Jahre müssen in Neuseeland mit einem Kindersitz gesichert werden, der an ihr Alter und ihr Körpergewicht angepasst ist, ansonsten dürfen sie nicht mitfahren.

Das wird dann noch etwas genauer aufgeteilt:

  • Babys bis 9 Kilogramm oder 6 Monate müssen in einer rückwärts gerichteten Babyschale („baby capsule“) sitzen bzw. liegen. Werden sie auf dem Beifahrersitz transportiert, darf dort kein Airbag aktiviert sein, sonst droht Lebensgefahr!
  • Kinder bis 7 Jahre bzw. 18 kg Gewicht gehören in einen Kindersitz bzw. „Baby Seat“ (psst, nicht den Älteren verraten!).
  • Kinder bis 8 Jahre bzw. 26 kg sollten einen „Booster Seat“ benutzen – wenn einer vorhanden ist. Das sind die bekannten Sitzerhöhungen, die mit einem normalen Dreipunktgurt gesichert werden.
  • Kinder zwischen 8 und 14 Jahren müssen angeschnallt sein. Ist im Auto kein Gurt vorhanden, müssen sie auf der Rückbank sitzen. Ist die Rückbank bereits besetzt oder gibt es gar keine (z.B. in Pick-ups), dürfen sie dann halt auch vorn sitzen.
  • In Taxis und Tourbussen, wo es häufig gar keine Sicherheitsgurte auf der Rückbank gibt, dürfen Kinder jeden Alters ungesichert mitfahren.

Zur Erinnerung: Kindersitz-Regeln in Deutschland

In Deutschland müssen alle Kinder bis 12 Jahre ODER 1,50 m Körpergröße einen passenden Kindersitz benutzen. Das Gewicht ist egal! Sitzerhöhungen sind zwar aus prüftechnischen Gründen auf 36 kg beschränkt, aber wenn euer Kind schwerer ist, muss und darf es trotzdem auf einer Sitzerhöhung sitzen, solange es unter 12 Jahren oder 1,50 m ist.

Verwendet ihr für euer Baby einen der neuen iSize-Sitze, müssen sie bis zum Alter von 15 Monaten darin rückwärts sitzen oder liegen. In Babyschalen mit den älteren Prüfsiegeln 03 oder 04 müssen sie bis zum Alter von 9 Monaten rückwärts transportiert werden. Solche Sitze werden seit September 2017 nicht mehr neu für den Markt zugelassen.

Kindersitz in Neuseeland kaufen oder selbst mitbringen?

Im Gegensatz zu Australien akzeptiert Neuseeland nicht nur Kindersitze, die mit dem Prüfzeichen „Australian Standard“ versehen sind, sondern auch das europäische ECE-44-Zeichen und das FMVSS-213-Siegel der USA. Ihr könnt also durchaus euren eigenen Sitz mitbringen.

Pro: Wer den eigenen Autokindersitz auch im Flugzeug nutzen will, sollte das auf jeden Fall tun und den Sitz dann direkt auch für das Wohnmobil nutzen. Der Hauptgrund dafür: Viele der vermieteten Kindersitze sind schon älter und in keinem guten Zustand; ob der Sitz bereits an einem Unfall beteiligt war, erfährt man vom Personal an der Mietstation nichts und in der Regel bekommt man auch keine Hilfe bei der Installation (angeblich aus Versicherungsgründen).

Contra: Die allermeisten in Deutschland vertriebenen Kindersitz-Modelle sind sowieso nicht „for use in aircraft“ zugelassen, nützen im Flugzeug also nichts. Und es ist auch nicht sicher, dass ihr euren eigenen Kindersitz auf den Sitzen des Wohnmobils installieren könnt!

-> Hier haben wir uns mit dem Thema Kindersitz leihen oder mitbringen ausführlicher beschäftigt

Welche Kindersitze in Neuseeland sind im Camper erlaubt?

  • Babyschalen sind nicht bei allen Camper-Vermietern erlaubt.
  • Baby Seats passen nur auf bestimmte Sitze im Wohnmobil, nämlich die mit Ankerpunkten (Tether Straps) versehenen.
  • Sitzerhöhungen für ältere Kinder passen auf (fast) alle Sitze im Campervan. Einige Vermieter verbieten aber, Kinder bis 8 Jahre auf dem Beifahrersitz zu transportiert; das kann mit der Konstruktion des Airbags zusammenhängen und sollte sicherheitshalber beachtet werden.
  • Ab 8 Jahren dürft ihr eure Kinder nur mit dem Sicherheitsgurt sichern, sie können dann auch vorn sitzen.

Achtung: Camper in Neuseeland haben fast nie Isofix-Befestigungen an den Sitzen. Um einen “Baby Seat” zu befestigen, braucht es also

a) einen Kindersitz zur Universalbefestigung mit Dreipunktgurten und

b) einen Kindersitz mit Top-Tether-Riemen, der an einem Haken an der Rückseite des Sitzes (oder im Kofferraum) befestigt wird. Sobald die Sitze im Wohnmobil über diese Haken verfügen, muss der darauf verwendete Kindersitz auch damit gesichert werden!

-> So baut man den Kindersitz in Neuseeland im Camper ein

Kindersitz mit Ankergurt befestigen - gar nicht so einfach

Kindersitz mit Ankergurt befestigen – gar nicht so einfach

Diese Kindersitze sind „for use in aircraft“

… und damit auch prinzipiell zum Installieren in einem neuseeländischen Campervan geeignet sind folgende Modelle:

Modell Preis Gewicht Testnote Stiftung Warentest/ ADAC Testjahr

Babyschalen

Bébé Confort Pebble 179,00 € 4,0 kg baugleich mit Maxi Cosi Pebble (weiter unten)
Concord Ion (Achtung: NICHT Concord Airsafe von 2014!) 112,00 € 4,1 kg gut (2,2) 2007
Doona+ (Simple Parenting) 330,00 € 7,0 kg gut (2,4) 2015
Kiddy Evolution Pro mit Isofix-Basis Base 2 199,00 € 4,8 kg gut (1,9) 2014
Kiddy Evolution Pro2 199,00 € 4,8 kg gut (1,9) 2014
Maxi Cosi Citi (nicht mehr erhältlich) –   – –  – 
Maxi Cosi Citi (SPS) 99,00 € 2,7 kg gut (2,0) 2007
Maxi Cosi Mico (nicht mehr erhältlich) –    ausreichend (4,0) 2001
Maxi Cosi Pebble 179,00 € 4,0 kg gut (2,3) 2014
Recaro Privia 175,00 € 4,0 kg sehr gut (1,3) 2014
Römer Baby Safe Plus / B06 (nicht mehr erhältlich) 3,8 kg gut (2,0) 2006
Römer Baby Safe Plus SHR (nicht mehr erhältlich) 3,9 kg gut (2,1) 2009
Storchenmühle Maximum (nicht mehr erhältlich) –    ausreichend (4,1) 2009
Takata Mini (baugleich: Picomino Mini) 229,00 € 4,4 kg gut (1,7) 2013

iSize (0-12 kg, 45-75 cm)

Maxi Cosi Pebble Plus (baugleich mit Bébé Confort Pebble Plus) 260,00 € 4,5 kg sehr gut (1,6) 2015

Gruppe I

Britax Römer Eclipse 145,00 € 7,3 kg nicht getestet
Römer King QuickFix     befriedigend (2,8) 2003
Kiddy Energy Pro 200,00 € 5,1 kg gut (1,6) 2010
Kiddy Phoenixfix Pro (nicht mehr erhältlich) –  6,4 kg nicht getestet
Kiddy Phoenixfix Pro 2 199,00 € 6,5 kg sehr gut (1,4) 2013

Gruppe I/II

Luftikid (Eitel Plastic) (nicht mehr erhältlich) 0,7 kg mangelhaft (5,4) 2008

Gruppe I/II/III

Kiddy Comfort Pro (nicht mehr erhältlich) 7,2 kg gut (2,1) 2008
Kiddy Guardian Pro 270,00 € 7,0 kg gut (2,0) 2010
Kiddy Guardian Pro2 270,00 € 7,3 kg gut (1,8) 2011
Kiddy Guardianfix Pro 269,00 € 7,7 kg mangelhaft (5,5) – gut bei Befestigung mit Isofix! 2012
Kiddy Guardianfix Pro2 270,00 € 7,7 kg gut (2,1) 2012

Gruppe II/III

Kiddy Discovery Pro (nicht mehr erhältlich) 6,6 kg gut (2,1) 2008
Kiddy Cruiserfix Pro 170,00 € 7,3 kg gut (1,7) 2011
Kiddy Smartfix 219,00 € 7,2 kg gut (1,8) 2015

(Quelle: KidsAway.de)

Die Wohnmobil-Vermieter haben bei rechtzeitiger Buchung garantiert die für ihre Fahrzeuge zugelassenen Kindersitze auf Lager; natürlich gegen eine Gebühr, die zwischen 20 und 100 NZ$ liegen kann. Es kann sich unter Umständen lohnen, einen passenden Kindersitz vor Ort zu kaufen oder zu leihen – Babyfachgeschäfte wie „Baby on the move“ bieten diesen Service in den großen Städten an. (Und wenn ihr ein Auto oder einen Campervan kauft, anstatt zu mieten, braucht ihr natürlich sowieso einen eigenen Kindersitz.)

Ob das Installieren eines speziellen Kindersitzes im Campervan eurer Wahl möglich und erlaubt ist, solltet ihr auf jeden Fall vor der Buchung recherchieren; am besten durch eine persönliche Nachfrage beim Vermieter. Nicht jeder Sitz ist für die Verwendung mit jedem Kindersitz zugelassen!

9 Kommentare

  • Ich habe 2013 auf unserer Tour einen US-Kindersitz gekauft (9-18kg), der sowohl in- als auch gegen die Fahrtrichtung montiert werden kann. Er ist beckengurttauglich und hat eine Flugzeugzulassung. Wir haben ihn 2013 und 2014 jeweils auf unserer Touren im Wohnmobil genutzt, die übrige Zeit lagerte er dunkel, trocken und kühl im Haus.

  • Hallo! Ich habe noch eine Verständnisfrage. Wir wollen unsere Kindersitze mitnehmen und haben einen Juicy Condo gemietet. Müssen die Kindersitze (voraussichtlich Maxi Cosi Citi SPS / Kiddy Modell? – noch nicht gekauft) auch über einen Top Tether verfügen? Dann wären ja nicht alle oben genannten Modelle zur Installation in einem neuseeländischen geeignet?

    • Hallo Liliane, kein Autositz ist gleich, deshalb solltet ihr auf jeden Fall bei eurem Vermieter nachfragen, ob die Sitze für die Kinder mit Top Tether ausgestattet sind. Wie im Text beschrieben ist, heißt es in diesem Fall automatisch, dass nur Kindersitze mit Top-Tether-Befestigung verwendet werden dürfen. Und richtig, darüber verfügen die allermeisten in Deutschland zugelassenen Sitze nicht. Ich kann dich aber beruhigen: Eine Babyschale wie den Maxi Cosi Citi könnt ihr auch ohne Haken legal installieren.

  • Wir hatten uns damals bereits zuhause dazu entschieden, unsere eigenen Sitze mitzunehmen und haben es wirklich nicht bereut. Unser Vermieter BRITZ hatte jedoch auf alle Fälle 2 Sitze für uns vorbereitet. Sahen eigentlich ganz gut aus, aber wie gesagt, wir hatten ja unsere Sitze eh dabei. Die durften wir zusätzlich zum übrigen Gepäck im FLugzeug mitnehmen, so dass das gewichtmässig kein Problem war.
    Wir sind bei früheren Reisen schon mehrere Mal ganz schön reingefallen. Da hat man uns wirklich die ältesten Modelle (Typ “Made in West-Germany”!!!) bzw. nicht altersgerechte Modelle angedreht, so dass wir diesmal kein Risiko eingehen wollten. Hat sich auf jeden Fall gelohnt!

  • Wir hatten einen Sitz vorgebucht bei thl (Maui, Britz und co), dann vor Ort (Christchurch) war denen egal was für einen wir nehmen. Sprich wir durften ins “Lager” gehen und uns einen aussuchen. Rein optisch gab es da schon riesige Unterschiede. Die Wahl fiel auf ein neuwertig aussehendes Modell, was von seinen Eigenschaften auch unserem deutschen Modell entsprach.

    • Da hattet ihr ja Glück – bei uns gab es keine Auswahl (mehr?) und die Kindersitze sahen durchaus abgeranzt aus – wenn auch noch augenscheinlich alles in Ordnung war.

  • Das Problem kann sein, dass die Kindersitze, die die Campervan- und Autovermieter vermieten, schon extrem abgejuckelt sein können und oft auch nur die billigsten Modelle sind. Diese Erfahrung haben wir nicht nur in Neuseeland, sondern auch bereits in vielen anderen Ländern gemacht. Manchmal sitzt das Kind dann direkt auf dem Plastik ohne Polsterung (das kann bei langen Fahrten schon ganz schön übel sein …) oder die Gurte lassen sich nicht mehr richtig einstellen. Wir haben es in Australien und auch in Neuseeland so gehandhabt: Wir haben bei Buchung angegeben, dass wir einen Kindersitz brauchen, aber uns vorbehalten, diesen letztendlich nicht zu nehmen. In beiden Ländern ging das. Wir haben dann auch tatsächlich in Australien (dem ersten Land, in dem wir waren) den Kindersitz vom Vermieter nicht genommen, sondern sind zum nächsten Kinderausstatterladen gefahren und haben einen Kindersitz gekauft. Weil wir länger dort geblieben sind, hat sich das auch gelohnt. So wussten wir auch, dass es kein Unfallkindersitz ist :-)
    Und im Laden haben wir dann auch ähnlich einfache Kindersitze gesehen wir die, die wir zum Mieten von der Autovermietung angeboten bekommen haben, für nur 30 AUS Dollar. Das Ausleihen wäre teurer gewesen!!!
    In Neuseeland, wo wir im Anschluss waren und wo wir unsere australischen Kindersitze letztendlich eingesetzt haben, haben wir uns trotzdem die Leihsitze zeigen lassen. Wir waren froh, dass wir unsere eigenen dabeihatten. Aber natürlich ist das auch Ansichtssache – wer in Deutschland nicht so pingelig ist, der wird wahrscheinlich auch mit den Leihsitzen glücklich werden.

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