Anreise: Rund ums Fliegen Persönliches

Fliegen ohne Pass, die verschwundene ESTA und andere krasse Urlaubserlebnisse

Wer erzählt nicht gern von seinen Urlaubserlebnissen, je verrückter, desto besser? Die besten Geschichten, die wir in letzter Zeit erlebt haben, passierten alle an Flughäfen – und waren in dem Moment, als sie passierten, gar nicht witzig!

Airport Newark Manhattan View

Stundenlanges Warten am Flughafen von New York… aber wenigstens mit schöner Aussicht!

Ohne Pass und Personalausweis nach Italien: (fast) kein Problem!

Es ist schon eine Weile her, aber ich erinnere mich noch lebhaft an das Gefühl, als mir am Flughafen Schönefeld die Gesichtszüge entgleisten: Ich stehe an der Security-Kontrolle, will meinen Personalausweis herausziehen – und er ist nicht da.

Nach kurzem Verzweifeln und nachfolgendem Abwägen, welche Strategie wohl nun sicherstellen könnte, dass ich meine beste Freundin nicht allein zum Mädels-Wochenende nach Mailand schicken muss, entschließen wir uns zu arschcoolem Vorgehen: Wir zücken unsere Handy-Bordkarten (denn wir haben uns vorbildlich schon Tage vorher online eingecheckt) und eilen durch die Kontrolle. Nach Pass oder Personalausweis fragt uns keiner der Beamten.

Auch beim Boarding winkt uns die nette Dame von Easyjet zu unserer großen Erleichterung einfach durch – die Bordkarte genügt offenbar, um nach Italien zu fliegen.

Auf dem Rückflug war man nicht ganz so achtlos: Da wurde ich vor dem Boarding stirnrunzelnd gefragt, wo denn mein Pass sei. Den hätte ich wohl verlegt, gerade erst bemerkt, und es sei ja nun Sonntag, wohin also gehen, fing ich an zu lamentieren – und wurde augenrollend durchgewinkt. In Italien wollte man mich wohl nicht behalten. Uff!

(Dies gesagt, möchte ich euch nicht raten, nun eure EU-Reisen ohne Personaldokument anzutreten! Es ist die Ausnahme, nicht die Regel, dass man ohne eine solche Kontrolle ins Flugzeug steigen darf. Vor allem mit Kindern wird da nach meiner Wahrnehmung immer nachgeprüft.)

Fliegen ohne Pass

Im VIP-Caddy über den Flughafen

Wofür die hübsche japanische Angestellte von Air China so unglaublich lange brauchte, ist uns bis heute nicht ganz klar – sie schien Probleme zu haben, die nicht elektronisch lesbaren Kinderreisepässe in ihr System zu bekommen.

Dann war da noch unser Kindersitz, den wir auf dem Hinflug dank TÜV-Siegel und deutschem Bodenpersonal in der Kabine hatten nutzen dürfen – was nach den Richtlinien von Air China allerdings gar nicht vorgesehen ist (da steht allerdings auch nicht, dass es verboten sei).

Bis die hilflos lächelnde Service-Dame eine weniger freundliche zuständige Dame aufgetrieben und die mit uns durchdiskutiert hatte, dass wir den Autositz tatsächlich NICHT mit in die Kabine nehmen durften, vergingen weitere Minuten – und jetzt war es schon ganz schön knapp für uns, rechtzeitig zum Gate zu kommen!

Anders als an einem gewissen deutschen Flughafen, wo man vom Personal nur dämliche Berliner Sprüche kassiert, wurden für uns in Tokio Haneda zwei (!) Elektro-Caddys geordert, die uns sanft piepsend über den Flughafen zum richtigen Gate brachten – wo wir stolz wie die englische Königin herniederstiegen und als letzte Passagiere an Bord gingen.

(Mit dem CARES-Gurt, den ich in der Kabine fies grinsend als Geheimwaffe aus dem Rucksack zog…)

Airport Haneda Caddy

Mit Caddy über den Flughafen Haneda – cool!

Pass und Autoschlüssel vergessen: ein Autorennen quer durch Mallorca

Fliegen ohne Pass, das kann klappen – wusste ich ja seit meiner Mailand-Reise. Aber wenn die Passagiere ohne Pass unsere drei Kinder waren, während wir selbst immerhin unsere Personalausweise vorzeigen konnten – knifflig.

Das Problem reichte aber noch weiter, wie wir mit zunehmendem Erschrecken an der Mietwagenstation des Flughafens in Palma feststellten: Wir hatten offenbar nicht nur unsere Reisepässe, sondern auch den Autoschlüssel unseres eigenen Autos am Morgen im Ferienhaus liegengelassen. Das Auto brauchten wir aber, um nach der Landung in Berlin heim nach Dresden zu fahren.

Unsere Finca lag im Hinterland von Pollenca – also die maximale Inselbreite zwischen uns, den Pässen und dem Schlüssel. Während die Kinder laut aufheulten und ich überlegte, in welches Hotel wir am besten einchecken könnten, stieg der Weltwundermann ins Mietauto zurück und trat aufs Gas.

Er hatte genau 1,5 Stunden Zeit, um von Palma de Mallorca nach Pollenca und wieder zurück zu fahren, das Mietauto abzugeben und die Sicherheitskontrolle zu passieren. Die Pässe und den Autoschlüssel wollte die Vermieterin der Finca derweil bei der Polizeistation in Pollenca deponieren.

Der Routenplaner gibt für die Strecke von Palma nach Pollenca (einfach) 45 Minuten an.

Während wir am Flughafen eincheckten, die gemieteten Kindersitze abgaben und durch die Security gingen (wieder, ohne einen Pass vorzuzeigen!), zählten wir schwitzend die Minuten rückwärts. Die Zeit zum Boarding kam – und auf der Anzeige entschuldigte sich Easyjet für eine Verspätung!

Genau diese Minuten genügten dem rasenden Weltwundermann, der sich in der Zwischenzeit auch noch für einen Steinschlagschaden am Mietauto rechtfertigen musste, den wir nicht verursacht hatten – dank Handyfoto erfolgreich abgewendet. Noch nie haben ihn die Kinder mit solchem Jubel in die Arme geschlossen wie dort am Gate, wo wir anschließend noch in aller Ruhe einen Kaffee trinken konnten.

Danke, Easyjet, für deine zuverlässigen Verspätungen! 😉

Unsere Lektion: Immer, immer, immer kontrollieren wir ab jetzt alle Schubladen und Schrankfächer, bevor wir abreisen. 

Mallorca Bergstraße Belem

Die Straßen auf Mallorca eignen sich nicht unbedingt für schnelle Fahrten…

Die verschwundene ESTA für den USA-Flug

Ein Grund, warum ich mich so lange gegen eine Reise in die USA gesperrt habe, ist die Einreise-Erlaubnis, die man für eine solche Reise benötigt. Die muss online und gegen Zahlung von 17 $ beantragt werden und was die USA dort alles wissen wollen, finde ich eine Unverschämtheit.

-> Hier steht ganz ausführlich, wie man eine ESTA beantragt

Um nach New York zu kommen, nahmen wir das alles zähneknirschend in Kauf und druckten uns etwa zwei Tage nach Beantragung der ESTA die zugemailte Bestätigung pflichtbewusst aus. „Antrag genehmigt“, stand da in Großbuchstaben.

Das war aber ganz egal, wie ich beim Check-in in Berlin vollkommen entgeistert erfahren musste: Auch wenn ich den Papier-Ausdruck hatte, war meine ESTA bei Icelandair „nicht im System gespeichert“. Das hieß: Ich durfte nicht in die USA fliegen.

Es sei denn! Meine einzige Chance war, binnen 25 Minuten (so viel Zeit hatte uns der extrem überforderte Check-in bis zum Boarding gelassen, wir hatten noch nicht einmal die Security passiert) von Terminal C zu Terminal A zu rennen und dort eine Express-ESTA zu beantragen. Dafür musste ich lediglich alle Informationen (inklusive Adresse unserer Unterkunft, Passnummer, Namen der Eltern…) noch einmal auf einen Zettel schreiben, die dann von einer sehr ruhigen Mitarbeiterin sehr langsam abgetippt wurden, und erneut eine Gebühr bezahlen – diesmal waren es happige 40 Euro.

Dann hieß es warten… und warten… und nach etwa fünf Minuten (gefühlt waren es fünfzig!) schließlich „Ja, Sie haben die ESTA.“ Ohne einen Beleg in der Hand rannte ich wieder zurück zu Terminal C, drängelte mich an den Passagieren des mittlerweile nächsten Fluges vorbei zum Check-in-Schalter und erhielt dort mit mitleidigem Blick meinen Boarding Pass – denn vor mir lag ja noch die Sicherheitskontrolle, an der sich etwa 400 Menschen stauten.

Dass ich es doch nach New York geschafft habe, verdanke ich der extremen Verspätung dieses Fluges, der eine Stunde später losging als geplant – was uns auf dem Rückweg dann nicht mehr so gut passte!

Lektion: Wenn ihr in die USA fliegt, checkt für euren Flug so früh wie möglich online ein – da wird nämlich schon angezeigt, ob das möglich ist oder nicht. Wenn nicht, könnt ihr in aller Ruhe am Flughafen eine neue ESTA beantragen (wobei ihr euch immer noch über das zu viel gezahlte Geld ärgern könnt).

Airport Berlin Tegel Flugfeld

Flughäfen in Berlin: da erlebt man selten schöne Geschichten…

Überraschungs-Stopover in Island

Es scheint nämlich so zu sein, dass im Sommer, wenn es in den Morgenstunden oft Gewitter gibt, der Flugplan von Newark nach Island fast jeden Tag gewaltig durcheinander kommt. Icelandair (und zwar nur Icelandair) schafft es dann nicht, pünktlich in New York zu starten, worauf die Flieger mehr als eine Stunde später in Island landen und diverse Anschlussflüge verpassen.

So ging es am Morgen unserer Zwischenlandung, an dem eigentlich 1,5 Stunden Zeit zum Umsteigen gewesen wären – der Flieger aus New York landete fünf Minuten, nachdem der Weiterflug nach Berlin gestartet war.

Mit dem Einschalten des Handys erreichte uns denn auch gleich eine freundliche Nachricht, dass unser Flug auf den nächsten Morgen umgebucht worden sei – yay, ein ganzer Tag Stopover in Island, mit Hotel und Verpflegung! (Plus, hoffentlich, eine Entschädigung nach EU-Fluggastverordnung von 600 Euro pro Person.)

Leider waren in Island Ende Juni nur knappe 10° C und Nieselregen, was mit unserer New Yorker Sommergarderobe nicht gut zusammenging. Geschweige denn von den niederzukämpfenden Tränen, weil wir nun noch einen Tag länger auf das Wiedersehen mit unseren Kids verzichten mussten… und dem nicht unerheblichen Schlafmangel nach einem sechsstündigen Flug in der Economy Class, wo an Schlafen ja nicht zu denken ist.

Worum uns also alle Welt beneidete, darauf hätten wir gern verzichtet – obwohl wir beim fröstelnden Herumstolpern in Reykjavik durchaus angetan waren von dem, was wir da sahen.

Lektion: Auch wenn man aus dem Sommer in den Sommer fliegt – eine Fleecejacke, lange Hosen und feste Schuhe im Gepäck können nie schaden. 

Airport Island

Unfreiwilliger Stopover in Island – passiert auch immer zur unpassendsten Zeit…

Was für Flug-Geschichten habt ihr denn schon erlebt, mit oder ohne Kinder? Erzählt uns eure verrückten Urlaubserlebnisse!

Psst: Noch mehr verrückte Urlaubserlebnisse sammelt die Blogparade „Dein verrücktestes Urlaubserlebnis“ auf dem norwegisch-deutschen Familienreiseblog Mit Kind im Rucksack!

3 Kommentare

  • Ja, das mit ESTA fand ich irgendwie auch ein bisschen schräg… vor allem, weil es ja heißt, dass es trotzdem keine Garantie sei und man noch abgewiesen werden könne. Sehr lustig fand ich dann bei Immigration, wie die zuständige Beamtin einen Plauderton vortäuschte, um auszuhorchen, ob denn unsere „Geschichte“, was wir in den USA machen wollten, glaubwürdig sei…

    Vorsichtshalber hatte ich alle ESTA Unterlagen ausgedruckt und auch auf dem Handy den Browser geöffnet. Womit es keine Probleme gab war, dass ich mit meinem Sohn (der den Nachnamen seines Vaters hat, während ich meinen bei der Hochzeit behalten habe) alleine unterwegs war — da hatte ich mit mehr Fragen gerechnet, aber da steht ja auch notfalls in den ESTA Unterlagen, dass ich die leibliche Mutter bin.

    Mit Kind mit ohne (gültigem) Pass reisen haben wir zwei Mal geschafft — das erste Mal kurz nach 9/11, wo den Grenzbeamten noch nicht so klar war, dass sich die Sicherheit bei Flugreisen von nun an stark verschärfen würde… da haben wir unsere damals noch sehr kleine Tochter einfach unter dem Tresen durchgeschleust, ich glaube, der zuständige Beamte hatte sie noch nicht mal bemerkt. Und das zweite Mal war der Pass von meinem Sohn schon seit… anderthalb Jahren oder so abgelaufen und Kroatien so gerade eben noch nicht in der EU… Bei der Rückreise war mein Sohn dann doch sehr nervös, ob es noch klappen würde, durch die Kontrolle zu kommen…

    In China heißt es, sollen Ausländer ihren Pass immer mitführen, was ich aber nicht mache… Meistens reicht, dass ich ihn abfotografiert auf dem Handy habe.

    Cheers,
    Corinna

  • Wow,

    das sind ja gesammelte Erfahrungen, die ich nicht brauche. Mal abgesehen von der ein oder anderen Verspätung ist bei uns immer alles gut gegangen. Gott sei Dank auch beim ESTA, wo wir mittlerweile eigentlich mal eine Dauerkarte gebrauchen könnten.

    Pässe und Schlüssel liegen lassen, das könnte mir aber auch passieren. Zum Glück habe ich die beste Ehefrau der Welt, die mir dann immer alles hinterher trägt.

    LG Thomas

    PS: Danke noch für den Link.

    • Ach, weißt du: Nachher sind es ja immer ganz coole Geschichten, die man seinen Enkeln erzählen kann 😉 Richtig schlimme Sachen sind uns beim Fliegen ja zum Glück noch nie passiert. *Toi, toi, toi*

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