Meinung Nachhaltig reisen

Ich reise, also bin ich?! Warum uns Reisen nicht glücklich machen wird

Wer auf Reisen Erlebnisse sammelt, anstatt Dinge zu besitzen, ist ein besserer Mensch? Pustekuchen. Wir sind reingefallen auf einen romantischen Mythos – und hängen genauso im Konsum-Hamsterrad wie alle anderen. Warum Neuseeland kein Land ist und unsere Reiselust auf Ausbeutung beruht.

Ostsee Sonnenuntergang Smartphone

Ist Reisen nicht auch nur Konsum?

Disclaimer: Der Anstoß für diesen Artikel ist das Buch “Eine kurze Geschichte der Menschheit” von Yuval Hariri* [Amazon-Affiliatelink], aus dem ich im Folgenden ab und zu zitiere und eben auch Gedankengänge übernommen habe. Lesen!

Reisen gilt ja heutzutage als Universalheilmittel gegen alle möglichen Krankheiten der Zivilisation – raus aus dem Hamsterrad, free your mind, geh über deine Grenzen, entfalte dein wahres Potenzial… Wir haben sogar einen Beitrag mit einer Menge schöner Reisezitate für Familien auf dem Blog, die genau das auf poetische Weise ausdrücken.

Aber ist Reisen wirklich so moralisch einwandfrei, so Anti-Mainstream und unverzichtbar für die Entwicklung eines freien Geistes? Ich stelle hier eine steile These auf, für die ich bestimmt heftigen Gegenwind ernte:

Reisen ist, genau betrachtet, einfach eine weitere Spielart des Konsumzwangs, verpackt in ein romantisches Gewand.

Neuseeland

Klassische Kommerzialisierung: Wer will nicht glücklich sein?

Waaas? Aber ich reise doch aus innerem Antrieb und kaufe eben NICHT ständig sinnlose Dinge! Quatsch. Wer sich all die Reisemagazine, die Influencer und die Kampagnen der Tourismus-Organisationen anschaut, der erkennt schnell: Auch hier geht es um viel Geld. Das Corona-Virus hat die Tourismus-Industrie in die Knie gezwungen und dabei Milliarden Euro vernichtet.

* Zur Klarstellung: Ich spreche hier bewusst gar nicht vom Pauschaltourismus. Pauschalreisende, die jedes Jahr eine Woche all inclusive in Ägypten entspannen oder es am Ballermann krachen lassen wollen, sind wenigstens so ehrlich, das zuzugeben. Sie wollen Unterhaltung oder Entspannung, relativ egal wo, und dafür bezahlen sie, genau wie fürs Nagelstudio oder den Fernseher.

Sind Reisende automatisch „bessere“ Menschen?

Reisen war früher, also zu Zeiten von Goethe und Schiller oder auch noch meiner Eltern, die 1970 im Trabi nach Bulgarien gefahren sind, eine anstrengende Sache. Rein körperlich war es anstrengend, lange Strecken in Verkehrsmitteln zurückzulegen, die dafür nicht gedacht waren. Es war beschwerlich und nervig, Unterkünfte zu finden, und man akzeptierte, was man bekam (normalerweise nicht viel). Es war schwierig, Grenzen zu passieren (denn man brauchte die richtigen Scheine, Visa und Erlaubnisse dafür), in fremden Sprachen zu kommunizieren, mit den lokalen Essgewohnheiten zurechtzukommen, Währungen umzurechnen etc.

All das ist heute gar kein Problem mehr. Wir packen Reisepass und Kreditkarte ein, steigen in ein online gebuchtes Flugzeug unserer Wahl, landen am anderen Ende der Welt (beschweren uns dabei über das maue Entertainment-Programm), bestellen dort wegen Kulturschocks erst einmal im McDoof einen Big Mäc (auf Englisch) und suchen dann fix bei Booking.com ein Hotelzimmer. Natürlich eines mit möglichst guten Bewertungen.

Und damit beschreibe ich keine Pauschalreise, sondern den Beginn eines Backpacking-Trips, wie ihn heute so viele coole junge Leute und noch coolere junge Familien antreten, vorzugsweise in Richtung Südostasien.

Reisezitat Goethe

Schon Goethe wusste Bescheid

Ich bestreite nicht, dass es Reisende gibt, die immer noch so reisen wie olle Goethe. Denen schicke Hotels und schöne Pools, coole Selfies am Strand, Naturwunder mit Besucherterrassen und der Neid der Daheimgebliebenen total egal sind. Die per Anhalter oder Regionalbus durch fremde Länder ziehen und die Einheimischen kennenlernen, denen sie beim Couchsurfing begegnen und auf ihrer Farm helfen.

Aber die Mehrheit der heutigen Reisenden sind doch eher die „Traveller“, die vor allem gute Insta-Fotos schießen wollen, die stolz sind auf 100 Länderstempel in ihrem Reisepass – und vor allem: verächtlich auf die „Normalos“ im Hamsterrad herabblicken.

Dabei vergessen oder übersehen sie sehr gern, dass ihr cooler Lifestyle unter Palmen nur möglich ist, weil die Lebenshaltungskosten in Ländern der Zweiten und Dritten Welt sehr niedrig sind. Gibt es einen moralischen Unterschied zwischen denen, die von billigen Hotels in Thailand profitieren und denen, die von Billigklamotten aus Bangladesch profitieren?

-> auf VICE gibt es noch eine schöne Abrechnung, warum Reisen uns zu schlechteren Menschen macht

Reisen = Romantik + Kapitalismus

Ich versuche auf diesem Blog seit mehr als zehn Jahren, meine Begeisterung über das Reisen zu vermitteln. Weil ich fest daran glaubte, dass Reisen (mit und ohne Kinder) per se etwas Gutes ist, von dem ich meine Leserinnen und Leser gern überzeugen will.

Und weil ich dachte, das Bedürfnis danach, die Welt zu entdecken, würde meinem eigenen Wesen entspringen, meiner Neugier auf die Welt. Ich dachte, die Reiselust sei ein Teil meines Selbst.

Reisezitate

Schlechtes Gewissen? Gern inklusive.

Ich war mehr als überrascht, sogar regelrecht verunsichert, als ich „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ von Yuval Noah Harari las. Der israelische Historiker schreibt darüber, wie stark der Mensch durch Kultur geprägt wird. Was wohl wirklich einzigartig für unsere Spezies ist: Wir erschaffen uns ein erdachtes System von Regeln und Glaubenssätzen, und dann glauben wir so fest daran, dass diese Rahmenbedingungen für uns wirklich werden (jeder Soziologe weiß das, und das macht Soziologie auch so spannend!).

Zum Beispiel Geld: Es funktioniert nur, weil wirklich jeder Mensch daran glaubt, dass bedruckte Papierstücke und Metallscheiben einen Wert haben. Auf diese Weise wurden technologische und kulturelle Höchstleistungen möglich, aber auch Mord, Kriege und unfassbar viel Leid.

Oder Kuhmilch: Die trinken wir pflichtbewusst, weil uns die Oma, die Werbung und der Kinderarzt sagen, dass es gesund ist. Wir vergessen dabei nur, dass Kuhmilch a) die Muttermilch eines anderen Säugetiers ist, die wir ernährungsphysiologisch gar nicht brauchen können, und dass b) ein Großteil der Weltbevölkerung keine Kuhmilch trinkt und trotzdem prima klarkommt. (Abgesehen von c), dass es unfassbar viel Leid bei den Kühen und Kälbern verursacht und d), dass wir durch Massentierhaltung unseren Planeten zerstören.)

Was Soziologen wissen: Viele Dinge und Gewohnheiten, die uns wie naturgegebene Gesetze erscheinen, sind “nur” Kultur. Das kulturelle System, also die Gemeinschaft, prägt uns bis in unsere innersten Gedanken und Gefühle (Angst vor Spinnen ist hier ein gutes Stichwort).

Auch das Reisen bzw. der Wunsch danach, die Welt zu entdecken, ist laut Hariri keine individuelle Sehnsucht einzelner Personen. Im Gegenteil.

Reisen ist eine Mode unseres Zeitalters.

Nichts an der Reiselust ist irgendwie natürlich oder logisch. Ein Schimpanse würde nicht im Traum daran denken, einen Erholungsurlaub auf dem Territorium der Nachbar-Horde zu machen, oder eine Entdeckungstour nach Europa.

Die Pharaos im Alten Ägypten gaben Vermögen für den Bau von repräsentablen Grabmälern aus und quälten dafür tausende Sklaven zu Tode. Dabei hätten sie mit ihrem Reichtum auch Luxuskreuzfahrten nach Babylon oder Phönizien machen können, um die Hängenden Gärten der Semiramis oder andere Weltwunder zu besichtigen.

Noch nicht einmal unsere Großeltern fanden es erstrebenswert, jedes verlängerte Wochenende in eine andere Stadt zu fahren und dort die „10 coolsten Cafés“ auszuprobieren. Sie sammelten auch keine Stempel in ihrem Reisepass (wenn sie einen hatten). Die Welt erkundeten sie vom Sofa aus, etwa mit den Abenteuerromanen von Karl May.

Reisezitat Adventure

Roald Amundsen fiel offenbar nicht auf die Romantisierung rein

Wenn wir heutzutage viel Geld für Reisen ausgeben, tun wir das nicht aus innerem Antrieb heraus.

Wir reisen, weil wir an einen romantischen Mythos glauben.

Die Reise-Romantik sagt uns, wir müssten so viel erleben wie möglich, um das meiste aus unserem Potenzial zu machen. Wir sollen uns öffnen für alle möglichen Eindrücke und Emotionen; wir sollen verschiedene Landesküchen probieren und unterschiedliche Musikstile wertschätzen.

Am besten, wir tun das, indem wir komplett aus unserer täglichen Routine ausbrechen, unser vertrautes Leben hinter uns lassen und in möglichst weit entfernte Länder reisen. Nur dort können wir wirklich „eintauchen“ in die fremden Kulturen, Gerüche und Geschmäcker anderer Menschen.

Ständig hören wir begeisterte Reisende berichten, wie ihre Erlebnisse „ihre Augen geöffnet“ und ihr Leben verändert hätten.

Der Trend der Romantik ermutigt zur Vielfalt und zum Entdecken; und er passt ganz wunderbar zusammen mit der Lust am Konsum. Aus ihrer Verbindung ist der unbegrenzte „Markt der Erlebnisse“ entstanden, auf dem die moderne Tourismus-Industrie basiert.

Erlebnisse sammeln – oder kaufen?

Wir Reisenden bilden uns unheimlich viel darauf ein, dass uns Erlebnisse und Erinnerungen wichtiger sind als Immobilien, Schuhe oder ein eigenes Haus. Wir finden, dass unsere Kinder möglichst viele verschiedene Kulturen gesehen haben müssen, um Toleranz und Weltoffenheit zu lernen.

Ist das alles wirklich so viel besser, cooler und unspießiger, als die Natur zu Hause zu genießen, den Sommer am heimischen Badesee zu verbringen und die Welt über Reisereportagen im Fernsehen kennenzulernen? Wir haben zwar keine Ferraris, iPads und Manolo Blahniks. Dafür geben wir ähnliche Summen für Fernreisen aus, mit denen wir uns dann ganz genauso schmücken.

Apropos schmücken: Wer von uns geht denn heute noch in Jeans und Halbschuhen wandern? Trägt zum Skifahren eine normale Winterjacke mit Pudelmütze? Rausgehen heißt heute Outdoor-Sport, und die Wanderschuhe unserer Kinder kosten so viel wie ein Monat Kita-Beitrag. Dafür sind sie wasserdicht, atmungsaktiv und die Lütten könnten damit auf den Mount Everest steigen!

Leute, wir sind sowas von reingefallen auf die Versprechungen einer cleveren Industrie. Der ist es total egal, ob wir uns als Fashionistas inszenieren oder als Frischluftfans – wir alle kaufen eifrig ein, um unseren Lebensstil zu präsentieren.

Lasst euch nicht täuschen: Die Tourismus-Industrie verkauft weder Flugtickets noch Hotelzimmer. Sie verkauft Erlebnisse.

Paris ist keine Stadt, Neuseeland kein Land.

Beide sind Erlebnisse, die wir konsumieren, um unseren Horizont zu erweitern, unser Potenzial zu entfalten und – glücklicher zu werden.

Reisezitat Neuseeland

Fernweh oder Eskapismus?

Über allem spannt sich das System des Kapitalismus, an den wir alle glauben. Wir glauben an das Streben nach Freiheit, und wir arbeiten hart dafür, uns diese mit Geld zu kaufen. Wir stecken bis zum Hals in der Tretmühle, selbst wenn wir glauben, darüber zu stehen. Und was noch schlimmer ist: Wir erkaufen uns diese Freiheit mit der Ausbeutung von Menschen der Dritten Welt, die wir nicht gefragt haben, ob das okay für sie ist.

Das alles sind nicht meine Ideen, sondern die von Yuval Hariri. Aber ich finde sie so überzeugend (und er bringt sie so nüchtern und ohne jeden Vorwurf zu Papier), dass ich kaum etwas dagegen sagen kann.

Einen Wal sehen oder Whale watching?

Beispiel gefällig?

Eines der wundervollsten Erlebnisse, die man meiner bescheidenen Meinung nach auf dieser Erde haben kann, ist es, einen Wal aus nächster Nähe zu sehen. Während einer Bootsfahrt unverhofft den Rücken eines solch gigantischen Tiers aus den Wellen auftauchen zu sehen, dabei an die eigene Winzigkeit erinnert zu werden und gleichzeitig die Verbundenheit mit diesem so fremden und doch recht nahe verwandten Tier zu spüren – das einem auf individueller Ebene so haushoch überlegen ist und das man, als Spezies, bis an den Rand der Ausrottung gebracht hat –, ist eine wahnsinnig erhebende und berührende Erfahrung.

Das wird jeder bestätigen, der dieses Erlebnis bereits genießen durfte. Und hier kommt das Problem: Unglaublich viele Menschen haben bereits das Glück gehabt, einen Wal aus nächster Nähe zu beobachten. Und zwar nicht zufällig, sondern ganz gezielt.

Sie wollten dieses Erlebnis haben, also haben sie es gebucht und bezahlt. Wir übrigens auch. Hätten wir gewartet, bis uns irgendwann bei einer Bootsfahrt zufällig ein Wal begegnet, dann würden wir wohl immer noch warten. Aber das mussten wir ja nicht – wir haben auf ein touristisches Angebot zurückgegriffen, das Menschen in Gruppen auf ein Schnellboot pfercht, anwesende Wale per Sonar aufspürt und sie verfolgt, bis man sie beim Luftholen „erwischt“.

-> Wer es nachmachen will: Auf nach Kaikoura zum Whale Watching mit über 90 % Sichtungswahrscheinlichkeit!

Den perfekten Schnappschuss von der abtauchenden Schwanzflosse haben wir alle gemacht, davon war das vielfache Klicken der Kameras Zeuge. Aber haben wir dieses Erlebnis wirklich als unsere ganz eigene Erfahrung aufgenommen und genossen?

Nein. Wir haben das Foto gemacht, das wir schon zigmal woanders gesehen haben, und das Erlebnis “Whale Watching” zufrieden von unserer Bucket List abgehakt. „Muss man gesehen haben!”, erzählten wir danach begeistert zu Hause. Und vergaßen dabei, dass wir dieses eigentlich einzigartige Erlebnis wie ein paar Socken gekauft und als Reiseandenken ins Regal gestellt haben.

Kaikoura Whale Watching

Whale Watching in Kaikoura – ist das ein echtes Erlebnis? © Gabe Lerner unter CC-BY-SA 2.0

Wollen wir Teil des Problems sein oder Teil der Lösung?

Wenn nun klar ist, dass Reisen auch nur eine andere Art von Materialismus ist, führt das zu der Frage: Ist das denn so schlimm?

Nun ja. Es ist kein Geheimnis, dass der Mensch die ressourcenhungrigste Art auf unserem Planeten ist. In den wenigen Jahrtausenden unserer Existenz haben wir es geschafft, einen Großteil unserer natürlichen Lebenswelt zu zerstören. Wir haben die Oberfläche der Erde tiefgreifend verändert, Berggipfel abgetragen, Seen zugeschüttet und riesige Waldflächen gerodet. Unsere Fortbewegungsmittel verschmutzen die Atmosphäre, Straßen und Städte dringen in die letzten unerschlossenen Gebiete vor.

Unsere Reiselust spielt eine nicht unerhebliche Rolle bei der Zerstörung der Natur. Das ist besonders bitter, weil wir ja genau die unberührte Natur kaputtmachen, die wir eigentlich erkunden wollen.

Wir sind der Stau, wir sind die Ursache für den Kohlendioxidausstoß der Billigflieger, wir sind die Bewohner der hässlichen Bettenburgen an den schönsten Stränden der Welt, wir sind die Quelle des Plastikmülls.

Wir sind ein Teil des Problems, nicht der Lösung.

Yuval Noah Hariri hat in seinen Büchern eine Menge sehr kluger Gedanken und Thesen aufgestellt, über die es sich gründlich nachzudenken lohnt. Am Ende sitzt ihr vielleicht genauso verwirrt da wie ich und fragt euch, warum ihr euch den ganzen Mist eigentlich überhaupt antut, wenn es doch schon ein Fehler der Menschheit war, mit dem Ackerbau anzufangen.

Reisezitate

Eigentlich der einzige sinnvolle Gedanke

Aber Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung!

Wir sollten akzeptieren, dass wir “Reisenden” genauso Opfer des Konsumwahns sind wie alle anderen.

Wenn wir Reisen als Konsum betrachten und nicht als romantisches Erlebnis oder gar Recht auf Selbsterfüllung, dann können wir informiertere Entscheidungen treffen, was wir kaufen wie wir reisen und wohin. Das kann auch helfen, unseren ökologischen Fußabdruck zu reduzieren, etwa indem wir bewusst weniger energieintensive Reisearten und Reiseziele wählen. Ohne uns von Palmenstrand-Romantik oder den “10 Must-dos in XY” blenden zu lassen.

Wir könnten dann erkennen, dass wir Reisenden, obwohl wir uns so tief als eine Gruppe von besonderen, anders denkenden, „besseren“ Menschen fühlen, gar nicht anders sind als die Otto-Normalbürger, die Vollzeit arbeiten, ins Büro pendeln, shoppen gehen und dem neuesten Modetrend hinterherlaufen.

Wie alle Menschen suchen wir in dieser verrückten, kommerzialisierten, turbokapitalistischen Welt nur einen Weg, um glücklich zu sein.

Ich bin sehr neugierig, was ihr zu meinen Gedanken sagt!

6 Kommentare

  • Super Artikel, nach dessen Lektüre ich mir reichlich Gedanken gemacht habe. Da müssten wir eigentlich mal bei einer Flasche Wein drüber philosophieren. Gerne mehr von solchen Beiträgen.
    Liebe Grüße
    Steffi

  • Ein unglaublich toller Artikel! Viele meiner Gedanken konntest du in Worte fassen und selbstverständlich werde ich nun “Eine kurze Geschichte der Menschheit” lesen. Ich liebe kritische Texte und tatsächlich sind wir gerade als Familie auf Langzeitreise. Dennoch – oder gerade deswegen- stimme ich dir in vielen Punkten zu. Wir sind genauso Konsumenten. Und in keinster Weise ist dieser “Lebensstil” besser zu bewerten, als der “normale” Familienalltag. Individual – Reisen und Vanlife sind heute ist ein Massenprodukt. Wir sind Touristen, auch wenn wir gerne so tun, als wären das nur die anderen. Liebe Grüße Jenni

  • Interessanter Artikel, der ich nachdenklich gestimmt hat. Ich bin gleich am Anfang darüber gestolpert, dass Du von der “Begeisterung über das Reisen” schreibst. Vielleicht ist das der Knackepunkt. Aller stürzen sich mit Begeisterung ins Reisen. Da ist es fast schon egal, wohin man reist. Hauptsache, man reist! Warum steht da nicht die Begeisterung für ein Land, ein Ort, für die Menschen im Vordergrund und Mittelpunkt? Vielleicht ist das mit ein Grund, warum ich das Reisen jetzt nicht vermisse. Ich begeistere mich für fast alles, was ich sehen und kennen lernen kann. Das kann ich genauso direkt vor der Haustür wie irgendwo in der Ferne. Ich reise, um mir bestimmte Dinge anzusehen, um etwas über ein Land und seine Kultur zu lernen, nicht um mit instagramablen Fotos zu punkten. Auch wenn ich Jahrzehnte im Reisebüro gearbeitet habe, so habe ich mir meine Reiseziele eher danach ausgesucht, ob sie gerade im Trend waren oder nicht. Dann habe ich immer das Ziel gewählt, was nicht im Trend war, sofern es Sehenswürdigkeiten bot, die meinen Interessen entsprachen. Aber vielleicht ist das auch ein Generationending. Denn ich gehöre der Generation Deiner Eltern an.
    LG
    Ulrike

    • Hallo Ulrike,

      danke für deine Gedanken! Ich finde allerdings nicht, dass die Generation meiner Eltern wegen ihres Alters vor der Romantisierung und dem Konsumzwang gefeit wäre. Im Gegenteil – Senioren sind doch diejenigen, die am meisten herumreisen und das meiste Geld dafür ausgeben (können). Meine Eltern sind jedenfalls seit ihrer Rente gefühlt ständig unterwegs, und die waren vorher auch nicht eben reisefaul.

      Viele Grüße
      Jenny

  • Wirklich interessanter Beitrag! Und nein der Gedanke ist mir weder fremd noch neu und zeigt sich wohl gerade in diesen Krisenzeiten besonders,wie die Reiseindustrie eben eine Industrie ist!
    Wir mit unserer Reiseart, die hauptsächlich öffentliche Verkehrsmittel ausmacht, eben Tagelang im Zug zusammen mit Einheimischen, ja wir teilten uns in der Transsib Abteile mit anderen einheimischen Reisenden, machen es eben ein bisschen anders wie der “normale” Tourist und trotzdem sind und bleiben wir Touristen und damit Konsumenten, dessen sind wir uns bewusst.
    Wir wandern dann eher gerne mal aus, ob Grönland, dort hat mein Mann übrigens eine Wal ganz ohne Watching Tour gesehen, oder Norwegen, wer weiss in welches Land es uns als nächstes zieht.

    Liebe Grüsse von den östlichen Nachbarn
    Ina

Hier kommt deine Meinung rein.

Copyright © Weltwunderer 2016. Created by Meks.