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Leben ohne Auto: unser (unfreiwilliges) Experiment

* Beitrag aktualisiert am:

[Enthält Werbung] Das Auto ist des Deutschen liebstes Kind, heißt es. Das Auto abschaffen, womöglich noch mit Kindern – undenkbar! Aber viele Familien leben ohne Auto ganz wunderbar. Schaffen wir das auch? 2019 startet unser Experiment „Autofrei leben“ – wenn auch nicht ganz freiwillig.

Leben ohne Auto Sonnenuntergang Windräder

Wie wir versuchten, ohne Auto zu leben…

Dieser Beitrag enthält Werbung für CosmosDirekt. Die geschilderten Erlebnisse rund um unser Experiment Autofrei leben sind davon unbeeinflusst und wirklich lesenswert ;-)

Guter Vorsatz: Auto verkaufen, Umwelt retten!

Autofahren ist nicht gut für die Umwelt, das kann niemand bestreiten. Feinstaubbelastung, Dieselskandal und Grenzwerte sind gerade wieder täglich in den Nachrichten.

Also nutzen wir als Familie im Alltag, wo immer es geht, Alternativen: Wir fahren fast alle täglichen Strecken mit dem Fahrrad, was für uns Großstädter kein Problem ist. Die große Tochter fährt mit der Straßenbahn zur Schule und hat eine Abo-Monatskarte. Auch der Sohn fährt, seit er 9 Jahre alt ist, allein mit der S-Bahn zum Training. Das hat den angenehmen Nebeneffekt, dass wir nicht mehr Elterntaxi spielen müssen, mehr Zeit für andere Dinge haben und unsere Kinder selbstständiger werden – volle Punktzahl!

Wofür braucht man ein Auto überhaupt als Familie? Zum Einkaufen -> das erledigen wir zu Fuß oder Fahrrad, den Großeinkauf lassen wir uns bequem nach Hause liefern (bieten viele Supermärkte und Drogerien an und kostet nur einen kleinen Aufpreis). Fürs Herumkutschieren der Kinder -> das geht mit ein wenig Disziplin auch so, siehe oben.

Fähre Autos

Autofahren ist schlecht für die Umwelt, kein Zweifel.

Für Ausflüge und Reisen -> die kann man auch mit dem Fahrrad, mit der S-Bahn oder dem Zug machen. Also, theoretisch. Praktisch ist für uns das Auto genau für solche Dinge das Mittel der Wahl. Nicht überall fährt ein Bus oder ein Zug hin, und unsere Siebensachen selbst zu schleppen, ist mitunter gar nicht möglich (Stichwort Camping).

Aber dürfen wir uns diesen Luxus heutzutage noch erlauben? Sparen wir nicht vielleicht sogar Geld, wenn wir unser Auto verkaufen und auf Carsharing & Co. vertrauen?

Immerhin bezahlen wir jeden Monat mindestens drei Parktickets, weil es in unserem übervollen Viertel gefühlt doppelt so viele Autos wie Parkplätze gibt. Auf teures Tanken, Kfz-Steuern und Versicherungen kann man auch gut verzichten. Ganz zu schweigen vom Wertverlust und spontanen Werkstattbesuchen…

Leben ohne Auto

Das war er, unser schöner Ford S-Max

Auto verkaufen: So geht’s ganz schnell

Abschaffen wollten wir unser Auto also schon lange – aber nicht so plötzlich, wie es dann tatsächlich passierte!

Eigentlich sollte es so laufen: Wir verkaufen unser gebrauchtes Auto, das mit neuem TÜV, neuen Winterreifen und neuer Kupplung (es gab da einen Zwischenfall im Slowenien-Urlaub…) für sein Alter von 12 Jahren noch gut in Schuss war.

Rolf, der schmucke Ford S-Max, war nicht unser erstes Auto. Deshalb wären wir nicht ganz blauäugig an den Auto-Verkauf herangegangen. Trotzdem: Schaut euch mal die vielen Tipps zum Autoverkauf auf der Ratgeberseite von CosmosDirekt an – ich wette, auch alte Hasen lernen hier noch etwas dazu!

Ich hatte keine Ahnung, dass ich noch ein Jahr nach dem Verkauf für Mängel an meinem alten Auto haften muss (nennt sich Sachmängelhaftung), und dass die Fahrzeugfarbe entscheidend für den Wiederverkaufswert ist.

Wann sich Reparaturen vor dem Verkauf lohnen, wie man sein Auto optimal für die Verkaufsanzeige fotografiert und warum eine Motorwäsche zu viel des Guten ist, das sind sehr wertvolle Informationen.

Die hätten wir wirklich gut gebrauchen können, wenn nicht…

… am Abend des 4. Dezembers, der Weltwundermann hatte gerade die Kinder vom Handballtraining abgeholt (-> unnötige Bequemlichkeit…), eine Verkehrsteilnehmerin aus bislang ungeklärten Gründen bei tiefroter Ampel über die Kreuzung gefahren wäre. Mit geschätzten 50 km/h krachte sie ungebremst von rechts in unser Auto.

Nach dem großen Krach fanden sich meine Lieben lebend und unverletzt in einer Wolke aus Staub (von den Airbags) wieder. Ihnen war nichts passiert – bis auf ein paar Schrammen vom Gurt, vom herumfliegenden Handy und vom Airbag, der ordentlich Kraft hat beim Explodieren. Selbst die Brillen, die durch den Aufprall davongeflogen waren, wurden heil wiedergefunden.

Nur unserem treuen Rolf ging es gar nicht mehr gut. Durch den Aufprall hat sich die Karosserie verzogen, der Motorblock ist ein ganzes Stück nach links gewandert – wäre der Weltwundermann eine halbe Sekunde eher auf der Kreuzung gewesen, hätte unser Sohn (der auf dem Beifahrersitz saß) schwerste Verletzungen erlitten.

Ein prüfender Blick des Abschleppwagen-Fahrers auf die traurig herunterhängenden Airbags und das Knäuel, das von der Motorhaube übrig war: „Dän gönnse vorschrottn.“

Autofrei leben Autounfall

…und da war es Schrott, unser schönes Auto.

Und das war’s mit uns und dem Autofahren!

Guter Vorsatz 2019: Wir leben ohne Auto

Der Wert unseres Autos lag noch exakt bei 250 Euro – so viel bekamen wir vom Schrotthändler, der uns den lieben Rolf abnahm. Den Restwert (nicht eben viel, das Auto war ja schon 12 Jahre alt) bekommen wir von der Versicherung des Unfallgegners – irgendwann. Denn die sperrt sich bislang und verzögert jeden weiteren Schritt.

Ist doch aber eigentlich ganz gut, sagte ich: Starten wir einfach unser Experiment Autofrei!

Der Versuch begann ganz super: Unseren geplanten Silvesterurlaub mussten wir nun mit einem Mietauto antreten. Und trotz langfristiger Vorbestellung eines Mittelklassewagens, der ausdrücklich drei separate Rücksitze haben sollte, bekamen wir einen schicken Ford Mondeo. In den weder wir noch unser Gepäck hineinpassten. Am Ende saß ich hinten, damit der Sohn seinen Kindersitz wenigstens auf dem Beifahrersitz benutzen konnte. Und das Gepäck balancierten wir zum Teil auf dem Schoß.

Lektion eins vom Experiment Autofrei: Mietwagen sind mit drei Kindern, von denen zwei einen Kindersitz brauchen, eine riskante Alternative.

Camping mit Auto Österreich

Alles eingepackt für zwei Wochen Camping: Wie machen wir das ohne Auto?

Im Januar hatten wir keine Reisen geplant, wollten aber an den Wochenenden spontan gern ins Erzgebirge, wo viel Schnee gefallen war. Mit dem Zug kommen wir da nicht hin, allenfalls ein Überlandbus fährt nach Altenberg. Von dort in die kleineren Orte und in den Wald müssten wir laufen. Mit dem Schlitten. Puh… Lieber am Donnerstag abend ein Mietauto reservieren, am Freitag abholen und das Wochenende mobil genießen – was für ein Luxus!

Auch preislich. Unter 100 Euro bekommt man selten einen Mietwagen mit fünf Sitzen, und dazu kommt ja noch das Benzin. Welches die schicken PS-Nudeln der Vermietungen, die den Sohnemann begeistern, in schockierendem Maß verbrauchen.

Lektion zwei vom Experiment Autofrei: Wenn wir nur zweimal im Monat für Wochenend-Trips ein Mietauto nehmen, ist das insgesamt teurer, als wenn wir ein gebrauchtes Auto wie unser altes hätten.

Experiment Autofrei Kofferraum Picknick

Picknick aus dem vollen Kofferraum: geht mit einem schicken Mietwagen nicht

Wir brauchen ja aber kein Mietauto, wir können doch Carsharing machen?! Das Prinzip ist super und bestimmt ein gutes Verkehrskonzept für die Zukunft.

In Dresden gibt es genau einen Anbieter dafür. Dessen Stationen sind zwar sehr bequem direkt bei uns ums Eck situiert, und jedes Auto ist zumindest mit einer Sitzerhöhung ausgestattet. Preislich kommen wir aber, wenn wir mit dem Auto etwa zweimal im Monat einen Ausflug machen wollen, nicht günstiger weg, als hätten wir ein eigenes Auto. Haben wir durchgerechnet.

Und jetzt kommt das Problem: Mit unseren drei Kindern finden wir kaum ein passendes Carsharing-Auto an den Stationen vor, wenn wir eines brauchen. Große Mittelklasse-Wagen sind im Fuhrpark selten, und im geburtenreichsten Stadtviertel Deutschlands ist die Konkurrenz um diese Autos groß, vor allem natürlich an Wochenenden.

Lektion drei vom Experiment Autofrei: Carsharing ist eine coole Alternative, wenn man weniger als drei Kinder hat.

Und Taxi fahren? Immerhin gibt es in Dresden jetzt sogar sehr preisgünstige E-Taxis, die man per App bestellt. Aber die haben eben keine Kindersitze an Bord, genauso wenig wie normale Taxis. Eine Taxifahrt mit Kindern ist nur möglich, wenn man sie a) lange vorplant und ein entsprechendes Taxi vorbestellt oder b) auf Risiko fährt und den Kindersitz weglässt. Das dürfen Taxifahrer zwar nicht, machen sehr viele aber trotzdem. Oder sie zeigen stolz ein kleines Sitzkissen vor, auf dem das vierjährige Kind „total sicher“ mitfahren kann. Grusel.

Lektion vier vom Experiment Autofrei: Solange man einen Kindersitz braucht, sind Taxis keine Alternative.

Tuktuk Siem Reap Kambodscha

Taxi ohne Kindersitz – machen wir vielleicht in Kambodscha mal, aber nicht im Alltag zu Hause!

Also Bus und Bahn fahren! Wenigstens innerhalb Dresdens sollte das doch funktionieren. Ja, tut es. Aber es dauert. Für eine Fahrt zur Oma z. B. brauchen wir doppelt so lange wie mit dem Auto, und mit dicker Erkältung oder bei Regen will und sollte auch niemand Fahrrad fahren.

Bei Kälte 20 Minuten an der Haltestelle auf den Bus zu warten, macht auch nicht gesünder. Und sitzt man dann einmal in der proppevollen Bahn, will man sich am liebsten gar nicht an den Haltestangen festhalten und bis zum Aussteigen die Luft anhalten. Denn ringsherum niest und schnieft es…

Berlin U-Bahnhof Hauptbahnhof

Autofrei leben und Öffis nutzen? Geht in Berlin sicher gut.

Und dann kosten die Öffis auch noch ordentlich Geld. Fahre ich mit dem Sohnemann ins Kino, kann ich auf die Kinokarten nochmal 8 Euro für Fahrkarten drauflegen. Für jede Fahrt zum Training kommen 3,30 Euro zusammen (eine Monatskarte lohnt sich bei zweimal Training pro Woche aber noch nicht). Geht es gar ins Umland, z. B. nach Moritzburg zur Aschenbrödel-Ausstellung, kostet eine einfache Fahrt schon für mich allein 4 Euro.

Wenigstens die jüngste Königstochter fährt noch kostenfrei – aber nur bis zu ihrem 6. Geburtstag, und da wird sie noch lange kein Schulkind sein.

Lektion fünf vom Experiment Autofrei: Öffentliche Verkehrsmittel erfordern viel Planung, Extrazeit und ein gutes Immunsystem. Und sie sind überraschend teuer, wenn man sie nur so zwischendurch mal nutzt.

Leben ohne Auto S-Bahn Japan

Gedränge in der S-Bahn finden wir höchstens in Japan cool

Fazit: Leben und Reisen ohne Auto – (wie) kann das funktionieren?

Wir sind von der kurzen Zeit, die unser Versuch läuft, ziemlich ernüchtert. Autofrei leben ist natürlich möglich. Aber es ist schwierig – gerade mit kleineren Kindern und wenn es mehr als zwei sind. Dass es so teuer ist, ohne Auto zu leben, hat uns am meisten überrascht.

Der Verzicht auf das Auto wäre im Alltag wesentlich leichter, wenn die Versorgung mit öffentlichen Verkehrsmitteln besser und preiswerter wäre. Und was hindert Taxi-Unternehmen daran, im Kofferraum jedes Fahrzeugs einen aufblasbaren Kindersitz wie den Nachfolger HY5 vorrätig zu halten?

Längere Reisen haben wir für dieses Jahr natürlich auch schon geplant, und nicht alle werden ohne Auto möglich sein. Wie kommen wir ohne Auto ins Skigebiet, in den Campingurlaub oder ins Ferienhaus mitten im Wald? Das wird spannend.

Leben ohne Auto Straße

Roadtrip ohne Auto – wie soll das gehen?

So, wie es jetzt ist, leben wir wohl nur so lange weiter autofrei, bis wir das Geld für einen neuen Gebrauchten zusammengespart haben.

(Dafür schauen wir dann noch einmal auf die Ratgeber-Seite von CosmosDirekt – da gibt es nämlich auch viele Tipps zum Gebrauchtwagenkauf! Außerdem erfuhren wir mit dem Autokostenrechner genau, was unser Auto uns monatlich gekostet hatte.)

Vielleicht können wir uns ja ein Hybrid-Auto leisten? Über ein Leben ohne Auto denken wir dann noch einmal von vorn nach, wenn wir das Kapitel Autokindersitz abgeschlossen haben.

Was sind eure Erfahrungen zum Leben ohne Auto als Familie? Habt ihr Tipps für uns, wie wir das durchhalten können?

16 Kommentare

  • Hallo,
    wir leben seit 5 Jahren mit zwei Kindern ohne eigenes Auto in verschiedenen Städten (kleiner als Dresden). Mit Mietwagen und Carsharing und Elektro-Lastenfahrrad.
    Eure Lektion 2, also der „business case“ ist falsch. Der von Euch verlinkte Kostenrechner zeigt für den Ford S-Max Kosten von ca. 240€ pro Monat. Ohne Wertverlust, Reparaturen, Teile, Duftbaum, Wäsche, etc… Wenn Ihr da jetzt die neue Kupplung, Winterreifen, Wertverlust und den ganzen Rest mit rein-rechnet, seid Ihr locker bei 300€. Wenn man einen Mietwagen ca. 2-3 Wochen vorher reserviert, dann kostet ein akzeptables Auto 80€ + Sprit, also ca. 120€. Also kann man pro Monat 2.5 mal ein Auto mieten um auf denselben Preis zu kommen und muss sich aber um nichts kümmern. Der Unterschied ist, dass man bei einem eigenem Auto die Kosten nicht so sieht als wenn man bewusst sich ein Auto mietet. Da muss man schon ehrlich rechnen.
    Zum Thema carsharing; ok bei 3 Kindern schwieriger aber flinkster hat in Dresden unzählige Autos. Das man da keinen findet kann ich mir nicht vorstellen.
    Also ich würde mir die Kosten nochmal genau anschauen.
    Grüße

    • Hallo Hans-Peter,

      danke für die Rechenhilfe! Es mag schon sein, dass die Kosten am Ende anders waren als von uns überschlagen – man führt sie sich eben einfach nicht so detailliert vor Augen im Alltag. Wir nutzen jetzt schon seit über einem halben Jahr Fahrrad, Öffis, Mietauto und Carsharing über TeilAuto – und siehe da, es funktioniert doch besser als gedacht und ist auch nicht teurer als ein eigenes Auto! Viel wichtiger als die Kosten sind ja noch die zig anderen Gründe, die für uns inzwischen gegen ein eigenes Auto sprechen – darüber werde ich demnächst nochmal einen neuen Blogbeitrag schreiben.

      Liebe Grüße
      Jenny

  • Vielen Dank für deine Erfahrungen! Wir leben seit einem halben Jahr mit zwei Kindern Autofrei, die nächste TÜV-Prüfung und der liebe Herr Scheuer hatten uns dazu motiviert. Auf unserem Parkplatz bauen wir jetzt in Hochbeeten Tomaten, Salat und Erdbeeren an. Wanderungen ins Umland kann man großartigerweise so planen, dass man bergab laufen kann – das freut die Kinder und zwingt einen nicht, notorisch im Kreis zum Auto zurück zu laufen. Hütten im Wald haben wir auch schon mit dem Bus angefahren – die zwei Kilometer zur Hütte gehen auch mit zwei Kindern, wenn man nicht das ganze Essen mitschleppen muss sondern auf den Tageswanderungen auf dem Rückweg in den Dörfern einkauft und nicht vom heimischen Aldi mitschleppt. Ansonsten hilft uns Car-Sharing, das wir für den Sommerurlaub nach Korsika oder den Skiurlaub in Österreich genutzt haben. Auch das ginge wahrscheinlich ohne Auto, aber a. müsste man planen und b. wäre es vermutlich sinnvoll, sich seine Urlaubsziele nach Erreichbarkeit auszusuchen, aber so schlau sind wir nach einem halben Jahr noch nicht… Obs am Ende günstiger oder teurer ist? Egal, autofrei ist der neue Luxus :)

  • Spannendes Experiment… oder vielleicht auch nicht? Bin gespannt, wie es weitergehen wird! ;-)

    Hab es ja bereits auf fb geschrieben, wir waren schon mal fast 3 Jahre autofrei (damals vor der ersten NZ-Reise, u a um Geld für die Reise zu sparen). Finanziell auf jeden Fall eine positive Maßnahme, gar keine Frage. Autofahren und noch schlimmer Autohaben ist einfach unsinnig teuer! Damals waren die Kids richtig klein. Fast alles musste per Fahrrad und -anhänger erledigt werden, selbst im tiefsten Winter (und in diesen Jahren hatten wir richtig schlimme Winter mit monatelang viel Schnee und Eis…). Da war man schon mal ab und zu an der Grenze der Belastbarkeit… aber letztendlich ging es eigentlich sehr gut. Irgendwelche unsinnigen Fahrten nur mal so hat man einfach nicht gemacht. Wir hatten dann Carsharing, was gut funktioniert hat. Damals war es auch recht günstig. Z.B. zahlten wir für einen Kombi (Volvo V70) von Freitagnachmittag bis Montagmorgen umgerechnet circa 30€ + Kilometergeld. Völlig ok. Heute ist das wesentlich teurer. Dafür gibt es bei uns in der Stadt inzwischen viel mehr Plätze mit Autos, die auch näher an unserem Zuhause liegen. Im Alltag fahren wir sowieso fast nie Auto, und im Urlaub oft Mietautos oder -camper(!). Allerdings sind wir bisher dann oft an den Urlaubsort geflogen… auch nicht gut.

    Zwischenzeitlich hatten wir sogar mal 2 Autos… aber jetzt nur noch eins. Das fährt immerhin mit Biogas, das bei uns lokal aus Abfall hergestellt wird. Die Ökobilanz ist somit recht ok für einen Verbrennungsmotor. Zudem teilen wir uns den Wagen nun seit wenigen Monaten mit unseren Nachbarn. Das klappt bisher richtig gut. Sie haben ihren Wagen verkauft, wir teilen uns die Kosten und hatten bisher keine Probleme. Der Versuch ist aber auch noch recht neu… muss noch ausgewertet werden. Das Auto ist aber inzwischen viel besser ausgelastet und steht nicht nur rum.

    Ganz ohne Auto ist schon hart… man ist es einfach inzwischen wieder gewöhnt, eines fast immer zur Verfügung zu haben, wenn man es braucht. Aber es ging wie gesagt viele Jahre auch ohne.
    Das Gute bei uns ist, dass Taxis immer Kindersitze dabei haben bzw man sie mitbestellen kann. Das ist eine Selbstverständlichkeit und kein Problem.

    Weiterhin viel Erfolg in eurer autofreien Zeit!
    LG aus Schweden,
    Hartmut

  • Ich habe seit knapp 16 Jahren kein eigenes Auto mehr (wohne zwischen Köln und Düsseldorf) und nutze für meine Besuche in Thüringen einen Mietwagen und gelegentlich Mitfahrgelegenheiten und Bahn. Ich selbst fahre täglich Öffis und ja – dort wird gehustet und geschnieft was das Zeug hält. Aber ich habe auch feststellen können das ich das nach 16 Jahren gut ab kann. Ich habe keine Anschaffungskosten und keine „Lebenshaltungskosten“ fürs Auto, ich habe keinen Stress bei der Parkplatzsuche und bin mittlerweile bei allen Carsharing-Anbietern angemeldet. (Übrigens bei Cambio gibts einen Kindersitz). Ich habe letztens auch von einem Konzept gehört wo sich Familien ein Auto teilen. Natürlich bedarf das ein wenig Organisation – aber vielleicht passt es ja für euch. Ich selbst hab keine Familie – bei zwei bis maximal vier Personen (wenn mein Bruder und seine Freundin mitfahren) lässt sich das ganze gut bewerkstelligen. Bin gespannt was bei euch in Zukunft fährt!

    Viele Grüße

    Janett

  • Wie ich ja schon auf Facebook schrieb: Ich habe seit 10 Jahren kein Auto mehr und auch wenn ich Single bin und damit natürlich ne andere Situation habe, als eine Familie, muss ich sagen, dass ich den Zinnober, der ums Autofrei-Leben gemacht wird, nie verstanden habe – v.a. wenn man in der Stadt wohnt. (und ich muss sagen: Wenn ich nen Partner hätte und vielleicht ein Kind das alt genug wäre, wäre mancher Einkauf tatsächlich leichter, denn ich müsste nicht alles selber schleppen ;) )
    Mein Problem ist wahrlich nicht, dass ich kein Auto habe – denn einen Wagen für einen Tag leihen kann man immer und überall – sondern einfach, dass ich selber gar nicht fahre. Ich habe es immer gehasst, selbst zu fahren und jetzt nach 10 Jahren ohne jegliche Übung trau ich mich gar nicht mehr hinter das Steuer eines Mitwagens. Es gibt ein paar wenige Situationen im Jahr, wo ich ein Auto bräuchte: Meist beinhalten diese Situationen meine Katzen oder Ikea :D Und wenn ich selbst noch Auto führe, würde ich mir dafür einfach ein Auto mieten und fertig.
    Wozu soll ich sonst im Alltag ein Auto brauchen? Die Standardfrage ist meist: „Und wie kaufst du ein?“ … mit Beuteln, Rucksack und einem Rollwagen. Fertig. Saft lass ich mir manchmal von einem lokalen Anbieter liefern, eine Gemüsekiste kommt alle 2 Wochen. Und Katzenfutter bestelle ich auch online – weil es Spezialfutter ist. Sonst würd ich das wohl auch nicht.

    Verreisen kann man ohne Auto ganz wunderbar. Ich krieg sogar einen Reiseblog damit voll und habe auch eine eigene Kategorie für das Reisen ohne eigenes Auto (sie heißt etwas pauschal „Reisen mit dem Zug“, obwohl Schiffe und Flugzeuge natürlich auch mal dabei sind ;) )
    Also, A****backen zusammenkneifen. Alles halb so wild. Und man spart so viel Geld!

  • Liebe Jenny,
    ich gebe dir mal noch 3 Tipps fuer die Oeffis in Dresden:
    1. Auf einer Tageskarte fuer einen Erwachsenen (6 Euro im Moment) duerfen 2 Kinder kostenfrei mitfahren.
    2. Kinder muessen nicht ab 6 Jahre bezahlen, sondern erst mit Schulbeginn. Deshalb wollte unser Juengster eigentlich gern noch ein 2. Jahr im Kindergarten verlaengern. ;-)
    3. Es gibt bei genuegend Schnee den Wintersportexpress, der direkt vom Hbf durchfaehrt. Sonst muesste man in Heidenau in den Zug nach Altenberg umsteigen.

    Wir haben uns erst mit dem 3. Kind ein Auto zugelegt, da wir auch genau das Problem mit Carsharing hatten, spontan ein genuegend grosses Auto zu bekommen. Aber wir ueberlegen auch, es nun wieder abzustossen… Ich selber fahr es eh nicht und mache alle (KinderTrainings)Wege mit Fahrrad (oder eben Oeffis bei Schneefall).

    Bis bald,
    Anja

    • Liebe Anja,

      das mit der Tageskarte ist ja ein Supertipp, danke dir!!
      Der Umstieg vom eigenen Auto ist nicht leicht, ich vergleiche das mit dem zuckerfreien Leben – durchaus machbar, aber eben nur mit der Bereitschaft zu Kompromissen und Verzicht. Wir versuchen es weiter…

  • Liebe Jenny,
    ich hätte ja beinahe aus ähnlichen Gründen wie ihr das Experiment Autofrei gestartet. Aber tatsächlich wäre mein Silvesterurlaub im Bayerischen Wald anschließend an den Besuch bei Muttern im Fichtelgebirge praktisch unmöglich geworden. Wie du es schreibst: Bis in die Kleinstädte kommt man noch mit Öffentlichen, aber dort ist Schluss, oder 15 Kilometer werden zu einer Halbtages-Odyssee. Carsharing hatte ich mir auch angeguckt: Ist zumindest bei uns genauso teuer wie ein Mietwagen – also keine Alternative. Ich bin heilfroh, dass mein Onkel gerade seinen Haushalt aufgelöst hat und dabei auch den Zweitwagen abzugeben hatte. Auch wenn der 27 Jahre alt ist: Besser als kein Auto. Sonst ist nämlich schon die Fahrt zu meiner Mutter eine Tagesreise.
    Liebe Grüße
    Gela

  • Hi Jenny, ein wirklich guter, sachlicher und realistischer Bericht, der die Probleme gut aufzeigt, die ohne Auto nun mal entstehen. Nun könnte man das weiterspielen… Wenn eines euer Kinder vielleicht noch im Kinderwagen läge, vielleicht in einem großen Emmaljunga… Viel Spaß den in irgendeinen durchschnittlichen Kofferraum zu bekommen. Oder damit in den Öffis zu fahren. Da stellt man erstmal fest, wie viele Bahngleise keinen rollstuhlfahrergerechten Zugang haben, zumindest in Hamburg ist das äußerst dürftig. Und die Fahrt in der vollen Bahn und im Bus wird besonders zur Rush Hour ein Spaß für alle. Und Taxi fahren? Klar, wer hat nicht immer einen Maxi Cosi dabei ;) wir kommen vom Land und ein Leben ohne Auto mag hier möglich sein, aber es ist unfassbar aufwendig (zu meiner Arbeit bräuchte ich anstatt 15 Min 45 Min…. Wenn mein Mann seinen Kumpel treffen möchte, müsste er mit der Bahn 1,5 Stunden fahren, mit dem Auto 30 min). Besonders mit Kindern ist das meist nicht umsetzbar, außer man möchte sich den ganzen Tag mit nichts anderem mehr als der Planung und Öffi Fahrerei auseinandersetzen.
    Das Essen vom Supermarkt liefern lassen, hört sich einerseits gut an. Andererseits wie wird es vom Supermarkt zu einem transportiert? Genau, mit dem Auto. Ok, wenn gleich mehrere Lieferungen in dieselbe Ecke transportiert werden, mag es umweltschonender sein. Aber wenn der Fahrer den Großteil der Strecke nur für meine Lieferung macht, ist es sinnlos.
    Ich bin gespannt, wie euer Experiment weitergeht.
    Viele Grüße, Nina

  • Ähm, nach Altenberg fährt aber schon ein Zug!
    (Haben wir noch nicht gemacht, und Freunde haben damit Mitte Januar eher schlechte Erfahrungen gemacht – aber trotzdem …)
    Aber für euch notorischen Zuspätkommer eher keine Alternative :-p

    • Ich bin mit diesem Zug sogar schon mal irgendwann gefahren und war auch sicher, dass es ihn gibt. Aber als wir danach gesucht haben, konnten wir eben nur diesen Bus ab Hbf finden…
      Das pünktliche Am-Bahnhof-Stehen schaffen wir tatsächlich schon ganz gut, die aufwendige Planung (wann wohin, wo umsteigen, was kostet das, wie kommen wir zurück) ist da eher der Hass. Und natürlich die zweifelhafte Gesellschaft, die man unterwegs dann so kennenlernt…

  • Mal eine ketzerische Frage: Ist mit fünf Personen ein Auto nicht sowieso umweltfreundlicher als die öffentlichen Verkehrsmittel? Das hängt ja stark mit der Auslastung zusammen und die ist bei 5 Personen doch eher gut.

    • Puh, das ist ja wirklich mal eine interessante Frage… Zumal unser Auto ja auch noch „second-hand“ war, also voll nachhaltig eigentlich Nein, ich denke trotzdem nicht. Es ist ja schon erschreckend, wie viele privat genutzte Autos 99 Prozent des Tages nur herumstehen. Allein dieses Vollstellen des öffentlichen Raums ist schlimm…

  • Ja wir hatten lange kein Auto und da ich keinen Führerschein habe, bin ich im Prinzip Autofrei, vor allem wenn der Mann auf Montage ist. Man gewöhnt sich dran, gut das hier in der Stadt alles Fussläufig ist und da wir sowieso meist mit dem Zug reisen stellt sich im Urlaub die Frage für uns auch nicht, Es ist einfach eine Gewöhnungssache und ich finds zwar bequem mit Auto manchmal, aber ich komme gut ohne Auto klar und wenn man Kinder hat die länger Autofahren wie eine halbe Stunde nur mit Medikamente vertragen, Alternative ist die Spucktüte und Wechselklamotten, verzichtet man auch gerne aufs Auto. Da bin ich mal gespannt wie euer Experiment weiter geht, ich hoffe doch auf eine Fortsetzung.

    LG Ina

  • Also echt jetzt….. Respekt…. auf Flugreisen verzichten ist ja eine Sache. Aufs Auto könnte ich allerdings null verzichten. Zumal wir auf einem Dorf wohnen und der Bus einmal die Stunde kommt. Wenn ich allerdings in Städten wie Kopenhagen oder Haarlem leben würde, könnte ich glaube ich auch gut ohne auskommen. Dort ist die Infrastruktur für Räder extrem gut, die Innenstädte sind autofrei und man kommt auch mit der Bahn gut rum. Man braucht es also nicht wirklich. Davon ist Deutschland allerdings noch mehr als weit entfernt. Ich wollte kürzlich für einen einstündigen Termin mit der Bahn nach Düsseldorf fahren. Die 30 Minuten Fahrt hätten mich 12 Euro gekostet. Da bin ich dann also doch Auto gefahren und das Parkticket hat mich nur 3 € gekostet. Wie soll das eine 5köpfige Familie bezahlen? Das ist Deutschland. Traurig, aber wahr! LG, Nadine

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