Japan

Geheimtipp bei Tokio: Besuch beim größten Buddha der Welt

Zugegeben: Seit 2002 ist er nicht mehr der allergrößte Buddha der Welt. Aber mit seinen 120 Metern ragt der Ushiku Daibutsu nahe Tsuruga, nur eine Stunde von Tokio entfernt, doch sehr eindrucksvoll aus der Landschaft. Wir konnten nicht widerstehen und haben ihm einen Besuch abgestattet.

Tokio Tagestrip Ushiku Daibutsu

Gigantischer Geheimtipp: der Ushiku Daibutsu bei Tokio

Eigentlich hatten wir einen straffen Plan gehabt: Start mit dem Campervan in Narita, Großeinkauf im Supermarkt und dann Abfahrt nach Norden, in Richtung Nikko. Dort wollten wir noch vor der Abenddämmerung ankommen, um einen schönen Stellplatz für unsere erste Übernachtung im Campervan zu finden.

Tatsächlich schraubten wir uns dann in dichtem Abendnebel die zig Serpentinen hinauf zum Tempelort Nikko und parkten in vollständiger Dunkelheit am Ufer des Lake Chuzenji ein – dessen Schönheit wir erst am nächsten Morgen bewundern konnten. Denn: Wir hatten uns ganz klassisch spontan entschieden, einen Zwischenstopp auf unserem Japan-Roadtrip einzulegen, kaum 30 Minuten, nachdem wir in Narita bei JapanCampers gestartet waren.

Ushiku Daibutsu bei Tokio

Fix links rangefahren und den Buddha besucht!

Ushiku Daibutsu: ein Gigant am Straßenrand

Beim Begriff „Giant Buddha“ oder „Daibutsu“ (was dasselbe bedeutet) denken die meisten Japan-Reisenden an den dicken, sitzenden Buddha in Kamakura oder an den noch größeren Buddha, der in Nara im ältesten Holzgebäude Japans, dem Todai-ji, sitzt.

Beide sind ordentlich groß – der Kamakura-Buddha misst 13 Meter, sein Kollege in Nara knapp 15 Meter. Aber jetzt stellt euch mal einen Buddha vor, der soooo groß ist, dass der Buddha in Kamakura in seine geöffnete Hand passen würde! Die Freiheitsstatue in New York würde ihm etwa bis zur Hüfte reichen. Wahnsinn!

So einen gigantischen Buddha erblickten wir also, als wir auf dem Joban Highway von Narita in Richtung Nikko fuhren. Die nächste Abfahrt, Ushiku, nahmen wir unverzüglich, um diese Statue aus der Nähe anzuschauen.

Der Ushiku-Daibutsu, der auch Amitabha (in Sanskrit) oder Amida Nyorai (in Japanisch) heißt und den Buddha des Ewigen Lichts repräsentiert, ist wahrlich riesig – 1100 Meter ragt er in den Himmel hinauf, und das begehbare, mehrstöckige Podest, auf dem er steht, addiert noch einmal 20 Meter dazu.

So clever die Architekten des alten Japan waren; eine Statue dieser Ausmaße hätten sie nicht aufstellen können (sie wiegt mehr als 4.000 Tonnen, allein der Zeigefinger ist sieben Meter lang). Während der Amida Buddha in Kamakura seit dem Jahr 1252 da sitzt und der Buddha in Nara schon ganze 2.000 Jahre alt ist, feiert der Ushiku Daibutsu im Jahr 2017 gerade mal seinen 25. Geburtstag.

Ushiku Daibutsu bei Tokio

Sooo groß ist der Ushiku Daibutsu

Aufgestellt hat ihn die japanische buddhistische Sekte Pure Land, um die Geburt ihres Gründers Shinran zu ehren. Anfangs gefeiert als die größte Statue der Welt, musste er diesen Titel im Jahr 2002 wieder abgeben – die Ehre gebührt nun dem goldenen Spring Temple Buddha im chinesischen Lushan. Auch vom 2. Platz rutschte er im Jahr 2008, abgelöst vom Laykyun Setkar Buddha in Myanmar.

Aber die größte Buddha-Statue in Japan ist der Ushiku Daibutsu noch immer. Und das finden die Japaner so spannend, dass sie in Scharen hierherströmen, um… was eigentlich zu tun?

Ushiku Daibutsu Giant Buddha Tokio

Der Beweis: größter Buddha, wo gibt! Also, in Japan.

Was kann man am Ushiku Daibutsu machen?

Ja, er ist groß. Da kann man schon einige bewundernde Fotos machen. Aber die Besucher sollen doch noch mehr Erlebnis geboten kommen, und vor allem wollen sie Geld ausgeben und Souvenirs kaufen – was zu einem gelungenen Ausflug in Japan eben dazugehört.

Am Ushiku Daibutsu kann man also zuerst nach Herzenslust auf einer kleinen Einkaufsstraße Omiyage (Souvenirs, die typisch für die Region und die besuchte Attraktion sind) erwerben, Eis essen und einen kleinen Imbiss zu sich nehmen. Man kann Stempelbücher kaufen und sie mit Stempelbildern füllen. Man kann hölzerne „emo“-Plaketten kaufen, einen Wunsch draufschreiben und die Plakette dann an ein Gestell hängen, wo die Geister der Ahnen hoffentlich für eine Stippvisite vorbeischauen und ein, zwei Wünsche erfüllen.

Ushiku Daibutsu Tokio

Emo kaufen und beschriften…

Ushiku Daibutsu Tokio

…und dann aufhängen und hoffen!

Man kann Räucherstäbchen kaufen und anzünden, und man kann in dem kleinen Park am Fuß der Statue am Rand eines Teiches flanieren und riesige, hungrige Karpfen füttern. Einen (sehr) kleinen Tierpark mit Spielplatz und großem Picknickplatz gibt es auch.

Ushiku Daibutsu Tokio Karpfen

Diese Karpfen sind verrrry hungrrrry!!

Und, die Krönung: Man kann den Ushiku Daibutsu, der nämlich hohl ist, von innen besteigen! Das kostet läppische 800 Yen und war unser erstes touristisches Ereignis auf dieser Japan-Reise, also gönnten wir uns das.

Begrüßt von einem langen (ausschließlich) japanischen Sermon, der wahrscheinlich von der Bedeutung des Daibutsu erzählte, gelangten wir durch eine stimmungsvolle Lichtshow und einige Ausstellungsräume im Podest (zu sehen unter anderem: eine Nachbildung der mannshohen Zehe des Buddhas, interessante Fotos vom Bau der Statue und natürlich das Zertifikat aus dem Guinness-Buch der Rekorde) zu einem Fahrstuhl, der uns auf Brusthöhe des Buddhas (85 Meter) brachte.

Ushiku Daibutsu bei Tokio

Sphärische Light-Show im Fuß des Ushiku Daibutsu

Ushiku Daibutsu bei Tokio

Und so sieht es im zweiten Stock aus: tausende Mini-Buddhas!

Hier war leider Schluss – wir konnten nicht, wie erhofft, vom Kopf der Statue schauen, sondern nur durch zwei schießschartenähnliche Löcher in Brust und Rücken. Da die Region Ibaraki landschaftlich leider nicht allzuviel zu bieten hat, hielt sich die Spektakularität in Grenzen. Angeblich kann man von hier oben an klaren Tagen den Tokyo Skytree sehen.

Ushiku Daibutsu Tokio

Die Aussicht ist… schmal

Auf dem Weg nach unten wurden wir dann noch durch die drei darunterliegenden Etagen geführt (typisch Japan: Man folgt einem mit Pfeilen markierten Rundgang, von dem nicht abgewichen werden darf; dafür sorgen an strategischen Punkten sehr freundliche Damen, die den Weg weisen) und durften unter anderem eine Wand mit 3.000 goldenen Buddha-Statuen bewundern.

Die japanischen Besucher widmeten sich anschließend noch der Kalligrafie; wer am schönsten den Satz „Namu Amida Butsa“ (übersetzt: „Ich finde Zuflucht im Amida Buddha“) nachmalen kann, hat gewonnen.

Ushiku Daibutsu bei Tokio

Kalligraphie steht in Japan hoch im Kurs

Lohnt sich ein Besuch des Ushiku Daibutsu?

Die Ausmaße der Buddha-Statue sind unglaublich und den Abstecher vom Highway haben wir nicht bereut. Auch den Eintritt in den Park um den Daibutsu herum haben wir gern bezahlt, es hat Spaß gemacht, den Buddha von allen Seiten zu bewundern, Räucherstäbchen in Japans größter Räucherschale anzuzünden und den großen Gong zu läuten – was man in einem buddhistischen Tempel eben so macht.

Ushiku Daibutsu bei Tokio

Für wohlgesonnene Ahnen räuchern…

Ushiku Daibutsu Tokio

… und die Glocke läuten – ist erlaubt und macht richtig Krach!

In das Innere der Statue zu gehen, ist aber unseres Erachtens ziemlich überflüssig. Erstens muss man hier an Wochenenden und Feiertagen wohl ziemlich lange anstehen und zweitens wird man – wenigstens als Nicht-Buddhist und Nicht-Japaner – hier drinnen wenig Erleuchtung finden. Die Aussicht von oben ist lange nicht so toll wie die von unten.

Seht ihr also auf eurer Fahrt von Tokio nach Norden einen riesigen Buddha am Straßenrand aufragen, dann nehmt die Abfahrt Ushiku und schaut ihn euch an! Danach könnt ihr stolz sagen, dass ihr den größten Buddha Japans und die drittgrößte Statue der Welt gesehen habt; und da der Buddha in vielen (älteren) Reiseführern noch gar nicht erwähnt wird, habt ihr sogar einen echten Geheimtipp entdeckt. Check!

Ushiku Daibutsu bei Tokio

Wirklich mächtig gewaltig: der Ushiku Daibutsu bei Tokio

Ushiku Daibutsu: Anfahrt und Kosten

Öffnungszeiten: 9.30-16.30 Uhr an Wochentagen, bis 17 Uhr an Wochenenden (Oktober bis Februar nur bis 16 Uhr)

Am 15. August findet am Fuß des Buddha ein Feuerwerk statt – das lohnt sich bestimmt!

Eintritt: 500 Yen (300 Yen für Kinder ab Vorschulalter) nur für den Park, 800 Yen/400 Yen für Park und Buddha-Inneres

Ohne Eintritt könnt ihr über die weitläufigen Friedhofsanlagen rund um den Park spazieren und den Buddha aus etwas weiterer Entfernung sehen. Im Winter ist der Eintritt 100 Yen niedriger.

Ushiku Daibutsu bei Tokio

Der Park rund um den Ushiku Daibutsu ist ganz nett

Anfahrt:

Mit dem Auto über den Joban Expressway, Ausfahrt Ushiku oder Tsuchiura; wenn ihr ein japanisches GPS-Gerät habt, könnt ihr als Ziel die Telefonnummer 029-889-2931 eingeben.

Mit dem Zug: von Tokio Ueno Station mit JR Joban Line Tsuchiura Station, dann 10 Minuten weiter nach Ushiku, von dort etwa 30 Minuten per Bus (Achtung, der letzte Bus fährt schon gg. 16 Uhr zurück)

Viel Spaß!

Ushiku Daibutsu bei Tokio

Ein Besuch beim Ushiku Daibutsu – uns hat es gefallen!

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