Gut zu wissen Lesen

Unheimlich nützliche Kiwi-Ausdrücke, die ihr zumindest verstehen solltet

Neuseeland hat drei offizielle Sprachen: Englisch, Maori und die Gebärdensprache. Wenn ihr allerdings meint, mit eurem Schul-Englisch in Aotearoa durchzukommen, dann müssen wir sagen: „Yeah nah bro, don’t pack a sad, rattle yer dags and give it a burl, she’ll be fine!“*

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Na, wer kann das lesen? ©Flickr/Broken Piggy Bank

Zuerst: die neuseeländische Lautverschiebung

Nein, hier geht es mal nicht um Plattentektonik und Erdbeben. Die Lautverschiebung kommt in den besten Kulturen vor und hat auch in der deutschen Sprache im Lauf der Jahrhunderte für so manche Veränderung gesorgt. Das Problem mit der neuseeländischen Lautverschiebung ist, dass sie heutzutage auftritt – und zwar in der Form, dass so ziemlich jeder Vokal im Kiwi-Englisch anders gesprochen wird als in dem Englisch, das wir in der Schule lernen oder in TV-Serien hören.

Auf Neuankömmlinge wirkt neuseeländisches Englisch vor allem deshalb unverständlich, weil sich eigentlich jeder Vokal wie ein kurzes oder langes I anhört. Aber es gibt feine Unterschiede!

So wird zum Beispiel das kurze E in Wörtern wie „left“ oder „bed“ eher wie ein kurzes I („lift“, „bid“) ausgesprochen. Das kurze I dagegen in Wörtern wie „bit“ oder „fish and chips“ wird zu einem offenen, dumpfen Ding zwischen A und U, und klingt dann wie „but“ (englisch gelesen) oder „fush end chups“. Ach ja, und das A (das auf englisch zwischen A und Ä changiert) wird natürlich entsprechend zum E.

Kleine Sprachübung: „Peck the pack of pickles“ sagt man in gutem Kiwi-Englisch eher wie „Pick the peck of puckles“. Und wer das kann, der versteht auch den Witz in „Australia 6“.

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Bitte einmal aussprechen! © Flickr/Picklefish

Kiwi-Floskeln, die ihr oft hören werdet

„Kia Ora“ (oft verschluckt zu „Kiora“) – „Hallo“ (auf Maori, wird aber von allen Kiwis benutzt)

„How’s it going, mate/babe?“ – „Wie geht es dir?“ (Ein „mate“ ist ein „Kumpel“, das kann aber auch ein vorbeifahrender Fremder sein, den man ganz nett findet. Ein „babe“ ist … eine Frau.)

„Good on you!“ – Wunderbar, das freut mich für Sie, oder ähnliches Nettes

„Pretty mean, bro!“ – tiefster Kiwi-Slang, der ungefähr „Krasse Sache, du!“ bedeuten könnte.

„She’ll be right!“ – „Das wird schon!“, „Das kriegen wir hin!“ (ohne dass es eine „Sie“ gibt!)

„Ta, cheers!“ – Coole Kiwis sagen so Danke. Ihr solltet das eher nicht verwenden, richtiges Bedanken braucht immer noch „Thank you very much!“

„Drop your gear!“ – Das hört ihr wahrscheinlich eher selten, aber bei einem der vielen Schnorchel- oder Delfin-Schwimm-Ausflüge vielleicht doch mal. Es bedeutet ganz einfach: „Ausziehen!“

„Yeah nah…“ – Ja, nein, was denn nun? Experten meinen, dies würde einfach gar nichts bedeuten. Will euer Gegenüber also nicht so recht mit der Sprache raus, wird er seinen Satz wohl so einleiten. Oder es dabei belassen.

„Come again?“ – „Können Sie/Kannst du das bitte noch einmal sagen?“ Werdet ihr sicherlich häufig benutzen!

„I’ll catch ya later!“ – Hä? Ach so, das heißt einfach: „Auf Wiedersehen.“

New Zealand Slang Language Flickr/Kristina D.C. Hoeppner

Nette Übersetzungshilfe von netten Kiwis © Flickr/Kristina D.C. Hoeppner

Typisch Kiwi

Da die Neuseeländer eine ganze Weile ziemlich abgeschnitten vom Rest der Welt waren, entwickelte ihre Sprache in der Zeit einige Eigenheiten im Vokabular. Dazu gehören Maori-Ausdrücke, Einflüsse aus dem Australischen und Schottischen (viele Einwanderer kamen aus Schottland) und mit der Zeit auch immer mehr Kiwi-Eigenkreationen. So langsam braucht man ein eigenes Wörterbuch, wenn man längere Zeit mit Neuseeländern zu tun hat!

„sweet as“ – super, cool – und wer das verwendet, ist auch gleich selbst total cool 😉

„heaps“ – Ich finde ja, das klingt genauso wie das, was es heißen soll: haufenweise, also einfach „viel“ oder „sehr“, zum Beispiel in „En Zed has heaps of landscape“

„munted“ – ein relativ neues Wort, das in Neuseeland erst seit den Erdbeben von Christchurch vermehrt verwendet wird. Es bedeutet schlicht „kaputt“.

„bevy“, „tinnie“ – Alles wird in Neuseeland niedlich gemacht, natürlich auch ein „Bierchen“ (in der Dose)

„barbie“ – Damit meinen Neuseeländer nicht die berühmte Puppe, sondern ihren geliebten Grill. „Barbecue“ oder BBQ wird wie so vieles andere abgekürzt zu „barbie“.

„cuppa“ – eine Tasse voll… irgendwas, in der Regel Kaffee oder Tee

„ankle biters“ – Die meisten Kiwis sind sehr kinderlieb, deshalb solltet ihr diesen Ausdruck für „kleine Kinder“ nicht in den falschen Hals bekommen. Ist doch eigentlich auch ganz witzig, oder?

„minced beef“ – Nein, das Rindfleisch schmeckt nicht nach Minze, sondern ist kleingeschnitten – oft in einem Pie.

„jandals“ – Jaaa, das wisst ihr alle schon. Wer in Neuseeland Flipflops trägt, ist selber Schuld. (Und die richtig Coolen gehen sowieso immer barfuß.) Vorsicht: Das australische Wort „thongs“ heißt in Kiwi-Englisch String-Tanga!

„togs“ – Wollt ihr in Neuseeland Badesachen kaufen, leihen oder anziehen, dann merkt euch dieses Wort.

„in the wop-wops“ – wer dort wohnt, der wohnt richtig weit draußen. Am A… der Welt, sozusagen. Und da Neuseeland an sich ja schon dort liegt… puh!

Achtung, Missverständnis!

Das Kiwi-Englisch hat nicht nur viele eigene Vokabeln, sondern natürlich auch ganze Redewendungen hervorgebracht, die im Rest der Welt nicht ohne Weiteres verstanden werden. So einige solltet ihr besser kennen, um nicht ins kulturelle Fettnäpfchen zu tapsen.

„Bring a plate!“ – Wenn ihr zu einem informellen, gemütlichen Essen eingeladen werdet, fordert man euch wahrscheinlich auf, etwas mitzubringen. Bitte nicht missverstehen und nur einen Teller mitbringen – es wird ein Beitrag zum Buffet erwartet!

„Just around the corner“ (abgewandelt zu „just down the road“, „just over the hill“ oder sogar „next door“) – Vorsicht, wenn ihr von einem Neuseeländer hört, sein Zuhause oder der Ort, den ihr sucht, wäre „gar nicht weit weg“. Das stimmt fast niemals!

Somewhere near Taupo“ – eine genauso schlimme Angewohnheit von Kiwis, wenn sie euch erklären, wo etwas liegt. Der Hintergrund: Für jemanden, der aus dem großen Europa oder Amerika kommt, muss jeder Ort in Neuseeland „nahe bei Taupo“ liegen.

„Let’s go get some mussels for the barbie!“ – Wenn man euch zu dieser Aktivität auffordert, heißt das höchstwahrscheinlich nicht, dass ihr in den Supermarkt gehen werdet. Eher holt ihr die Muscheln jetzt gleich frisch vom Meer. (Kann kritisch werden, wenn statt Muscheln Fleisch besorgt werden soll!)

„mountain oysters“ – Vorsicht, wenn man euch vorschlägt, dieses Lebensmittel zu besorgen. Es handelt sich dabei um die Hoden von Lämmern!!

„Let’s take a tiki tour (to XY)!“ – Vorsicht, so ein Ausflug kann lang werden. Damit meinen Neuseeländer eine Reise, die kein festgelegtes Ziel hat oder nicht unbedingt dem kürzesten Weg folgt. Der Weg ist hier sozusagen das Ziel – und das finden wir Reisenden doch eigentlich „pretty mean“, oder?

„bush“ – ein so kleines Wörtchen beschreibt etwas so großes: Hier handelt es sich nicht um einen Busch oder ein Gebüsch, sondern um die ganze urtümliche Wildnis, die gleich hinter der Veranda fast jedes neuseeländischen Hauses beginnt.

„… and Bob’s your uncle!“ – Bevor ihr protestiert, euer Onkel heiße ganz anders, beruhigt euch: Der Sprecher meint damit nur „… und fertig.“

„See ya later!“Zwar wird man euch öfters so verabschieden, der Ausdruck (übersetzt „Wir sehen uns später“) heißt aber nicht zwangsläufig, dass man euch wirklich wiedersehen will. Reine Höflichkeit!

 

Klingt kompliziert? Keine Sorge, auch mit Schulenglisch werdet ihr in Neuseeland fürs Erste ganz gut zurechtkommen. Für die Vorbereitung empfehlen wir euch den handlichen kleinen Sprachführer „Kauderwelsch Neuseeland Slang“ vom Verlag Reise Know-How.

New Zealand Slang Flickr/yooperann

Süß, oder? © Flickr/yooperann

*Und hier noch die Auflösung für das Geschwurbel im Eingangstext: „Yeah nah bro, don’t pack a sad, rattle your dags and give it a burl, she’ll be fine!“ heißt ungefähr (!) so viel wie „Hey, mach dich nicht fertig, reiß dich zusammen und versuch es, das wird schon!“

3 Kommentare

  • Eine tolle Artikelidee, die mich sofort gepackt hatte. Jeden einzelnen Ausdruck musste ich mir ansehen und für mich prüfen – so ein witziges Aufdeckspiel wäre da witzig gewesen 😉 vielleicht baue ich mal so etwas – ist bestimmt witzig.

    Liebe Grüße
    David

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