Freedom Camping

Freedom Camping in Neuseeland

Freedom Camping, also „wild campen“, das ist Camping, wie es ursprünglich gedacht war: Man stellt das Zelt (oder den Campervan) irgendwo auf (oder ab), wo es schön ist und macht es sich gemütlich. Gerade mit Kindern waren diese Gelegenheiten für uns das Schönste am Reisen. Was gibt es Erhebenderes, als ganz allein, inmitten grandioser Berge oder an einem wild tosenden, unendlichen Meer in den Nachthimmel zu schauen und die eigene Endlichkeit zu erleben?

… den Morgen ganz für sich zu haben, ohne Fremde im Waschraum und den widerlichen Geruch gebackener Bohnen von nebenan? Sich zu fühlen wie Abel Tasman oder James Cook, als sie das erste Mal den neuseeländischen Regenwald betraten? Aber auch: Was gibt es spannenderes für verwöhnte Städter und ihre Kinder, als wirklich ganz rudimentär, ohne fließendes Wasser, Toiletten und Elektrizität zurechtzukommen?

Reisende, die ein enges Budget haben oder so viel unberührte und menschenleere Natur wie möglich erleben wollen, lieben Freedom Camping – und Neuseeland ist der prädestinierte Ort dafür. Viel Platz, wenige Menschen und eine Mentalität des Machen-Lassens. Die Highways sind gesäumt mit zig „scenic spots“, „nature reserves“ und „scenic reserves“, die alle mindestens mit einem kurzen Driveway und einigen Parkplätzen aufwarten, um die „scenic view“ in Ruhe genießen zu können. Und ein Wohnmobil ist ideal zum Freedom Camping, weil man es nicht umständlich aufbauen muss (Stichwort Regen und Sturm!), weil man immer noch ein wenig Luxus hat (Stichwort Kochen und Licht) und immer noch ein wenig Sicherheit (Stichwort Angst im Dunkeln…).


Dazu kommt ein gut ausgebautes Netz an öffentlichen Toiletten, die in der überwältigenden Mehrzahl picobello sauber sind. Auf der Nordinsel sind an diese Häuschen in Strandnähe sogar Duschen angeschlossen, wo sich Surfer und Schwimmer das Salz abspülen können. Abgerundet wird das verlockende Angebot vom Kiwi-Nationalsport „Picknicken im Park“, der zu gepflegten Rasenflächen mit Picknickbänken und BBQ-Grillplätzen allerorten führt. Der Wildcamper muss sich in Neuseeland sozusagen nur noch an den gedeckten Tisch setzen. Ein Wohnmobil mit eingebauter Toilette und Dusche ist nett, aber nicht unbedingt nötig, wenn man auf Komfort verzichten kann.

Das System des Freedom Camping funktioniert allerdings nur, so lange genügend schöner Platz vorhanden ist und nicht zu viele Leute vorbeikommen, die es dort schön finden. Leider scheint es dem Durchschnittsmenschen unmöglich zu sein, sich an die einfache Regel „Hinterlasse einen Ort so, wie du ihn vorfinden willst“ zu halten, und so kommt es fast überall irgendwann zum Unvermeidlichen: Müll und Fäkalien. Verständlich, dass die Besitzer der schönen Plätze diese möglichst schön erhalten wollen – und daher nach schlechten Erfahrungen (oder um diese gleich zu vermeiden) das Freedom Camping auf ihrem Grund und Boden verbieten.

Als wir das erste Mal in Neuseeland waren, konnte man noch an recht vielen Stellen wild übernachten – am Straßenrand in kleinen Ortschaften (also direkt am Strand), an Seeufern in der Einöde, auf Parkplätzen … Acht Jahre später waren wir überrascht: Fast jede Stelle, die wir als geeignet für eine Übernachtung ansahen, war mit einem Warnschild versehen: No camping, no overnight staying. Wo außerhalb von Ortschaften keine Schilder mehr standen, waren viele Flächen und Felder mit Zäunen umrandet, weil es in Neuseeland viel mehr selbständige Bauern gibt, die ihr Privatgelände gern privat halten möchten.

Die Kampagne „Camping our way“ betont, wie viele schöne Campingplätze es in Neuseeland gebe und bemüht sich sehr, sehr doll, Reisende vom Freedom Camping abzuhalten.

Wir wären aber nicht in Neuseeland, wenn man sich nicht im Gegenzug extrem bemühen würde, Touristen zufriedenzustellen. Seiten wie diese oder diese listen zahlreiche Stellen in Neuseeland auf, an denen man umsonst übernachten kann.

Daneben gibt es je nach Region unterschiedliche Regeln zum Freedom Camping. Hier kann man sich je nach Reiseroute belesen, wo man eventuell kostenlos übernachten darf. Nicht vergessen: Auch DOC-Campsites der Basic-Kategorie kosten nichts!

Eiserne Grundregeln des Freedom-Camper-Verhaltens sind:

  • Nicht auf Privatgelände campen
  • Die Campingstelle nicht als Toilette oder Dump Station benutzen (Wohnmobile mit einer Toilette werden hier klar lieber gesehen, wo es keine Public Toilet gibt)
  • Keinen Müll hinterlassen – dazu gehört natürlich auch, kein Feuer anzumachen, wo es aus Waldbrandschutzgründen verboten ist, und alle Feuer ordentlich zu löschen
  • In abgelegenen Gebieten auf die persönliche Sicherheit achten! (Ja, auch in Neuseeland gibt es Mord und Vergewaltigungen…)

Die überall anzutreffende Devise lautet:

„If in doubt, assume nothing – always ask a local“.

Es kann nicht schaden, bei den Leuten persönlich nach einer Übernachtungsmöglichkeit zu fragen – Kiwis sind ja prinzipiell sehr hilfsbereit. An den „Elephant Rocks“ hinter Oamaru, die auf Privatgelände liegen, hing zum Beispiel ein freundlicher Hinweis, man könne gern bei den Besitzern anrufen, wenn man hier seinen Campervan aufstellen wolle. Und in Tairua boten uns Pete und Suzy an, auf dem Rasen hinter ihrem Ferienhaus am Ocean Drive zu wohnen…

Reisende Kiwis sind nicht so zimperlich wie obrigkeitshörige Deutsche; die meisten lachten, als wir sie nach den Konsequenzen für verbotenes „overnight staying“ fragten. Wenn wir Pech hätten, würden wir eben nachts vom örtlichen DOC Ranger geweckt und gebeten, wegzufahren. Es ist uns nie passiert, aber wir waren auch nicht in der Peak Season und kaum in der Nähe von Städten unterwegs, wo die Kontrollen naturgemäß sicherlich häufiger ausfallen. An anderer Stelle habe ich von empfindlichen Geldbußen und gemeinnütziger Arbeit als Strafe gehört. Ich rufe also explizit NICHT dazu auf, an Stellen zu übernachten, wo kein Freedom Camping gewünscht ist!

Fazit: Echtes Freedom Camping ist heute in Neuseeland so selten möglich, dass man es nicht ins Budget einkalkulieren sollte. Sicher findet man dennoch ab und zu einen hübschen Platz, dann kann man sich freuen. Die Chancen sind auf der weniger dicht besiedelten Südinsel höher und in der Nebensaison drücken Anwohner und Behörden eher ein Auge zu.

23 Kommentare

  • Toller Artikel! Auf Neuseeland war ich bisher nur einmal um zu fischen, aber das Camping dort im Zelt ist auf jeden Fall eine Erfahrung wert. Beim nächsten mal wird es bestimmt mal ein Camper werden 😉

  • Hallo!
    Ich würde gerne im November nächstes Jahr alleine mit einem kleinen Campervan durch Neuseeland reisen. Bin mir aber noch unsicher, ob das für mich als Frau sicher genug ist. Vor allem beim Freedom Camping. Kann mir da jemand weiterhelfen?
    Ich wäre für Antworten echt dankbar!
    Liebe Grüße

  • Ach wie schön ist das denn ? Da kommt echte Freiheit auf, und zeigt aber auch in welchen Regelwahn Deutschland verfallen ist. Kein Wunder das immer mehr Menschen auswandern wollen. Sicher ist im Ausland auch nicht alles rosig, aber auf die Art zu campen ist schon Einzigartig. Schöner Bericht.

    • Hallo Lisa! Schön, dass du dich noch einmal gemeldet hast, und danke für den Buchtipp! Ob dort andere/bessere/mehr Freedom Camping Spots verzeichnet sind als in unserer Tabelle…? Das Buch erscheint ja leider erst im Februar 2013, und auch der Preisvergleich fällt deutlich zu unseren Gunsten aus 😉

  • Hey Lisa, auch wenn dein Post hier schon ne Weile her ist würde ich auch gern wissen wo ihr da genau gestanden habt 😉
    Viele Grüße
    Sebastian

  • Hallo Feli, hallo Weltwundererfrau
    , habe jetzt erst gesehen, dass ich Antworten habe… Also an die Standplätze kann ich mich so nicht erinnern, aber wir haben einfach einsame Straßen oder Plätze ohne „no overnight camping“ Schilder gesucht. Manchmal hat es etwas länger gedauert, aber gefunden haben wir immer was. Wir standen auch schon auf großen Ausbuchtungen von Straßen, z.b am Queen Charlotte Drive, mit exklusiven Blick über Picton. Geht alles irgendwie 😉 Das Wetter im September war okay. Auch mal Regen, aber grundsätzlich noch viel Sonne. Konnten an manchen Tagen sogar in Flipflops laufen. In manchen Höhenlagen war es aber auch ganz schön kalt, vor allem nachts. Dann wurde eben in Jogginghose und Fleecepulli geschlafen. Die Heizung haben wir jedoch nie gebraucht ( nur die richtige Kleidung). Grundsätzlich ist der September empfehlenswert. Da ich schon 2x im September dort war, fliegen wir diesmal im April 2013. Ein kleiner Camper reicht völlig, möglichst für 4 Personen. dann kann man das obere Bett als Stauraum nutzen. Eine Dusche und tragbare WC braucht man nicht, man kann problemlos öffentliche Duschen/WCs benutzen. Oder man geht zum duschen auf einen Campingplatz. Falls ihr noch Fragen habt, habe ich jetzt das Häkchen für Kommentarabos gemacht 😉
    LG
    Lisa

    • Hallo, wir möchten auch zwischen April bis Anfang Mai nach Neuseeland Reisen. Neuseeland ist uns aber recht unbekannt und da wir nur ca 18 Tage bleiben können ( Reiszeit ist schon abgezogen ) wären wir für einige Routentips ganz glücklich. Macht es Sinn in dieser relativ späten Jahreszeit von Christchurch nach Auckland zu Reisen ( Camper mit Dusche und freicampen sollte sein ) oder besser eine Runde auf der Nordinsel ? Auf der Südinsel soll es ja in dieser Zeit schon wettermäßigetwas unangenehm sein. Für alle Ratschläge sei voraus Dank verteilt

    • Hallo Micha, bis April schreibe ich bestimmt noch was zur Routenplanung 🙂 Bis dahin nur so viel: Ja, ich würde sehr empfehlen, eure Reise auf die Nordinsel zu beschränken, besonders wenn ein Campervan Pflicht ist. Bei nur 18 Tagen artet alles andere in Stress aus – und da ist das Herbstwetter noch gar nicht eingerechnet…

  • Falls Lisa sich nicht meldet: Wir fanden das Wetter Anfang Oktober frühlingshaft, von kühl bis warm. Nachts ohne Standheizung aushaltbar (mit Ausnahme von Gebirgen!). Ein Heizlüfter war in unserem Britz-Campervan mit dabei, Schlafsäcke hatten wir keine extra mit.
    Und Toilette und Dusche – wenn ihr auf Campingplätzen seid, total überflüssig, aber wenn ihr viel Freedom Camping machen wollt, wäret ihr damit auf der legalen Seite (und würdet evtl. das Extrageld wieder einsparen?). Eine Abwägungssache also.
    Wir reisen in Gedanken mit euch, Feli!

  • Hi,
    echtes Freedom Camping ist heute in Neuseeland tatsächlich noch möglich. Wir haben es im September/Oktober 2011 tatsächlich 4 Wochen lang geschafft, nicht einen Campingplatz zu besuchen. Man muss nur etwas mehr Zeit einplanen bei der Suche eines geeigneten Platzes.

    • Wow, Lisa,
      das ist ja echt eine Leistung! Magst du uns exklusiv eure Standplätze zum Nachahmen verraten? (Auch gern per E-Mail, denn das dürfte die Kommentarbox sprengen…) Oder noch ein bisschen mehr darüber erzählen, warum ihr so sparsam wart?

    • Hi Lisa,
      Wir würden auch gerne im September und Oktober mit dem Campervan durch Neuseeland reisen. Ich mache mir ein wenig Sorgen bezüglich der Temperaturen. Ist es da noch sehr kalt, vorallem Nachts? Und ist es ratsam eine Standheizung oder so zu haben? Eure Standplätze würden mich auch interessieren. Und ist es sinnvoll einen Campervan mit Toilette und Dusche zu haben? Die ohne sind nämlich um einiges billiger.

      Schon mal vielen Dank für deine Antwort.
      Lieben Gruß

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