Reiseplanung und Vorbereitung

Reisen mit Kindern – Pro und Contra

„Wollt ihr wirklich mit den Kindern…?“ Immer dieselbe Frage von besorgten (kinderlosen) Freunden und Eltern: Soll, kann, darf man mit Kindern große Reisen unternehmen? Abgesehen von dem wackeligen Argument der Gefährlichkeit (Wo stand das World Trade Center? Eben.) wägen wir mal die Vor- und Nachteile ab, die man vor einer Reise* bedacht haben sollte.

*Unter Reisen verstehen wir hier „echtes“ Reisen: nix Bungalow am Baggersee, nix Kurztrip nach Malle mit Kinderbetreuung. Stattdessen Neues entdecken, Unbekanntes wagen, Risiken eingehen. Man könnte sagen: Ist es Urlaub, dann ist es keine Reise. Versteht sich von selbst, oder?

Reisen mit Kindern ist toll, aber auch anstrengend. Da gibt es nichts zu diskutieren. Wer meint, diesen Fakt ignorieren zu können, wird keine Reise erleben, sondern einen Horrortrip. Insbesondere nervig sind:

  • die zusätzliche Belastung der Reisekasse durch eigene Sitzplätze, eigenen Eintritt, eigene Mahlzeiten im Restaurant …
  • die zusätzliche Belastung des Rückens bzw. des Platzes im Auto/Flugzeug durch zusätzlich nötiges Gepäck; mit dem Wachstum der Kinder wächst auch das nötige Gepäck, umgekehrt müssen diese selbst ab ca. 3 Jahren (addiere 2 Jahre bei Müdigkeit und langen Laufstrecken) wenigstens nicht mehr herumgeschleppt werden
  • das Zanken mit Geschwistern und das (gemeinsame!) Maulen über alles Mögliche
  • ab ca. vier Jahren: pausenloses Quatschen und „Warum?“-Fragen; potenziert durch die Zahl der mitgeführten Kinder
  • die gefürchteten Fragen „Wann sind wir denn daaa?“ und „Wie lange dauert es noch?“

Weltwunderer Milford SoundKinder benötigen auf Reisen nicht nur genauso viel Aufmerksamkeit und Fürsorge wie zu Hause, sondern eher noch mehr; besondere Situationen bringen noch mehr Intensität mit sich und sind daher mindestens doppelt so anstrengend wie allein:

  • spontanes Erkranken (von Eltern UND Kindern) – der Super-GAU auf Reisen, vor allem in medizinisch weniger entwickelten Gegenden, wo ja in der Regel im Umkehrschluss die interessantesten Krankheiten zu erwerben sind
  • Laufen: Gefahr des Verlierens oder Weglaufens, evtl. Tragen oder Mitzerren notwendig, erhöhtes Nerv-Potenzial wegen Fußmüdigkeit, Erklärbedarf, Gut-zureden-Bedarf, Ablenkungsbedarf …
  • Fahren/Fliegen: Gefahr des Verlierens oder versehentlichen Vergessens beim Ein- und Aussteigen, zusätzliches Organisieren (und Bezahlen) von Tickets, Sitzplätzen und Gepäck; steil erhöhtes Nerv-Potenzial, je länger und ereignisärmer die Fahrt wird, Gefahr von „Ich muss mal – ganz dringend!!“
  • Essen: neben der Notwendigkeit stetiger und regelmäßiger Zufuhr (je kleiner die Kinder, desto häufiger) reicht die Nerv-Palette von schlichter Verweigerung (was das Kind nicht kennt, isst es nicht) über notwendige Schonkost-Beschaffung (kein Thai-Curry für unter Zehnjährige!) bis zu bedauerlichen Unverträglichkeitsreaktionen (Brechdurchfall nach unbekanntem Essen kommt bei Kindern doppelt so schlimm), und natürlich das beliebte Thema „Benehmen im Restaurant“; seufz…
  • Schlafen: nicht nur, dass wenigstens für die Größeren eigene Betten gebucht werden müssen; Kinder brauchen mehr Schlaf als Erwachsene, sehen dies aber entweder nicht ein (Stichwort „Ich bin aber gar nicht müde!“) oder tun dies nicht gleichzeitig mit den Eltern (Stichwort „Mama, Papa, ich bin schon wahach!“); Ergebnis: anstrengende Tage, kurze Nächte; und Sxx neben schlafenden Kindern macht wirklich nur halb so viel Spaß

WeltwundererDa Kinder Kinder und keine kleinen Erwachsenen sind, beschäftigt man sie heutzutage lieber entwicklungsgerecht und kommt ihren Bedürfnissen entgegen, als sie glatt zu ignorieren oder wegzuschimpfen. Diese erfreuliche Entwicklung bringt es bei Reisen leider mit sich, dass man als Erwachsener auf schöne und erstrebenswerte Aktivitäten und Genüsse zugunsten der lieben Kleinen verzichtet. Oft ist es unumgänglich, auf Sachen wie:

  • anstrengende oder gefährliche Wanderungen, Bootstouren, Tauchausflüge usw.,
  • Thrills wie Bungee Jumping, Skydiving etc.,
  • intensive kulturelle Erkundungen (Museumsführungen, Theater- und Galeriebesuche etc.),
  • teure Restaurantbesuche und Nachtleben und/oder
  • Selbstfindungskurse

zu verzichten. Ein ganz dickes Contra hier, wenn man es nicht schafft, entweder abwechselnd mit dem anderen Elternteil aktiv zu werden oder die Kinder (je älter, je besser) doch irgendwie einzubeziehen. Die machen mehr mit, als man denkt!

Reisen mit Kindern ist aber auch etwas ganz Besonderes und ein Erlebnis, auf das man, wenn man die Lütten schon einmal hat, ganz bestimmt nicht verzichten sollte! Womit wir bei den einmaligen Vorteilen wären, die kinderlose Reisende niemals erleben:

  • das bereiste Land und die Menschen dort von einer anderen, privateren Seite kennenlernen: mit Kindern ist man langsamer und abseits der großen Ströme unterwegs, findet viel schneller Anschluss und Unterstützung und wird weniger als typischer Tourist behandelt (und abgezockt)
  • viel mehr Spaß! Nie habe ich auf Reisen so viel gelacht und gestaunt, bevor ich mit Kindern unterwegs war
  • das zufriedene Gefühl, seinen Kindern Wissen weiterzugeben – wie man Ditschersteine wirft, einen Bogen baut, ein Feuer entfacht …
  • das heimelige Gefühl, wenn man nach einem langen Urlaubstag gemeinsam schweigend um ein Lagerfeuer sitzt und in die Sterne schaut
  • das entspannte Gefühl, ohne jeden Zeitdruck den Kindern beim Spielen und Entdecken zuzuschauen; oder mitzumachen beim Staunen, Planschen, Pfützenspringen
  • das stolze Gefühl nach der Rückkehr, ein Abenteuer erlebt und überstanden zu haben
  • der Respekt anderer Reisender: „Die trauen sich was!“ (und der Stolz auf sich selbst, weil man sich getraut hat)
  • das schöne Gefühl nachher, wenn man ein Erlebnis „in Familie“ gemacht hat und noch Jahre später davon reden kann
Die White Dunes in Mui Ne (Vietnam) kann man bewundern - oder stundenlang drin herumtollen

Die White Dunes in Mui Ne (Vietnam) kann man bewundern – oder stundenlang drin herumtollen

Mrs. Blab von „Snaps and Blabs“ fasst es prägnant zusammen:

„Traveling has little to do with logic and calculations. It’s an experience, full of ups and downs, crying and laughter, easy beach days and crushing summer noons under heavy backpacks. It is full of surprises, unknowns and plans that don’t go quite as planned.

Doing it with kids changes none of that, it only makes the experiences stronger – the laughter is louder, the backpacks heavier, the hard times lower and the a-ha moments can bring tears of joy flowing down your sweaty from the tropical heat cheeks.

It‘s traveling multiplied.”

1 Kommentar

  • Kenne die Situation mit den Kindern im Urlaub sehr gut. Mit meinem Mann und unseren Töchtern ( fünf und neun Jahre alt) war die Reise zwar anstrengend, aber sobald wir im Hotel angekommen waren, hatten wir den Reisestress vergessen. Die Umgebung, die Angebote für die ganze Familie und das leckere Essen haben uns allen sehr gut getan 🙂

    Gruß Dora

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