Reiseplanung und Vorbereitung

Was ihr über das Wetter in Neuseeland wissen müsst, um einen perfekten Urlaub zu haben

Der größte Fehler, den ihr auf eurer Neuseeland-Reise machen könnt, ist gleichzeitig der häufigste: Ihr schätzt das Wetter falsch ein. Das kann so ziemlich alles nach sich ziehen, von der falschen Kleidung im Gepäck bis zu wochenlangem Dauerregen und mieser Laune im feuchtkalten Campervan. Wir erklären euch das neuseeländische Klima samt El Nino und haben Tipps für eure Reisevorbereitung.

Weltwunderer New Zealand Kapiti Coast

Wenn Neuseeland-Reisende überhaupt enttäuscht sind von ihren Erlebnissen down under, dann hat das meistens mit dem „falschen“ Wetter zu tun:

  • Gebuchte Unternehmungen oder Aktivitäten, auf die man sich gefreut hatte, konnten nicht stattfinden wegen Regen, zu starkem Wind oder Schnee.
  • Es regnete ständig, so dass man kaum draußen aktiv sein konnte und keine schönen Fotos zustande bekam.
  • Es war nachts ordentlich kalt, so dass man im Campervan ständig gefroren hat.
  • Und: Die berühmten grünen Hügel waren gar nicht grün, sondern gelblich verdorrt.

Wie konnte es dazu kommen – und wie vermeidet ihr solche Enttäuschungen? Ganz einfach: mit der richtigen Vorbereitung. Auch im regnerischen Frühling oder im kalten Herbst könnt ihr eine wunderbare Neuseelandreise machen.

Neuseeländische Wetter-Experten drücken sich gern farbenfroh aus – und so hört man vielerorts den Vergleich von Neuseelands Wetter mit einem trotzenden Zweijährigen. Gerade noch bei strahlender Laune, kippt es unvermittelt in stürmische Wut oder heulendes Elend um.

Das stimmt tatsächlich – nirgends auf der Welt haben wir bisher so viel verschiedenes Wetter am selben Tag erlebt. In Neuseeland ist es nicht ungewöhnlich, morgens bei strahlendem Sonnenschein draußen zu frühstücken, während eines heftigen Schauers zusammenzupacken, bei frischem Wind loszuwandern und nach einem frösteligen Nachmittag abends wieder entspannt in der Sonne zu sitzen.

Wie es gute Eltern mit ihren Kindern tun, solltet ihr auch mit dem neuseeländischen Wetter umgehen – mit ein paar Tricks bleibt man dauerhaft auf der heiteren Seite und umgeht die Wutanfälle und Trotzattacken.

Weltwunderer Milford Sound Sun schönes Wetter

Schönes Wetter am Milford Sound – gibt es!

Das Klima Neuseelands verstehen – und für die Reiseplanung nutzen

Neuseeland liegt auf der Südhalbkugel und hat vier Jahreszeiten – ganz ähnlich wie wir es von daheim kennen. Nur sind sie hier halt andersherum:

  • Der Frühling beginnt etwa im September. Diese Jahreszeit ist (vor allem auf der Nordinsel) mild, aber sehr feucht und wechselhaft. Teilweise heftige Wintereinbrüche sind bis in den November keine Seltenheit.
  • Der Sommer beginnt offiziell im Dezember. Während er in den meisten Teilen des Landes die trockenste Jahreszeit ist, gilt das nicht für den Süden der Südinsel: Hier regnet es am seltensten im Winter. Und während es im Sommer tatsächlich sehr warm und sogar heiß werden kann, sind kühlere Tage keine Seltenheit. Vereinzelt kommt es im Süden der Südinsel sogar zu Hagel- und Schneestürmen.
  • Der Herbst beginnt etwa im März, ABER: Auf der Nordinsel kann im März noch herrlichster Spätsommer herrschen, mit dem großen Plus der Nebensaison. Vielreisende beschreiben den Herbst oft als die schönste Jahreszeit in Neuseeland, aber Achtung: Die grünen Hügel auf der Nordinsel können dann schon ordentlich verdorrt aussehen.
  • Der Winter beginnt etwa im Juni. Während das auf der Nordinsel vor allem Regen bei Temperaturen um die 10° C bedeutet, kann es im Landesinneren der Südinsel klirrend kalt sein. Die beste Zeit zum Skifahren ist im August, wenn es genug geschneit hat. Mit Glück findet man noch bis in den frühen Oktober genug Schnee – und mit Pech zieht sich der Winter auch auf der Nordinsel noch bis in den späten September.

Soweit, so gut. Nun kommt die neuseeländische Spezialität, die vor allem aus der Form der beiden Inseln und ihrer isolierten Lage im Pazifik herrührt. Weil Neuseeland so unglaublich schmal und lang ist, herrscht im Süden des Landes ein komplett anderes Klima als im hohen Norden – und da es kaum stabilisierende Landmassen gibt, wechselt das Wetter dramatisch schnell. Niederschlag und Sturmtiefs ziehen vom Ozean (meist aus Richtung Westen) ungebremst heran und regnen sich mit Wucht ab, sind aber meist genauso schnell wieder vorbei, weil sie nirgends festhängen.

Mit einer Ausnahme: Die doch sehr hohen Southern Alps, die sich über die gesamte Südinsel ziehen, fungieren prächtig als Wolkenstopper. Das Ergebnis ist berühmt-berüchtigt: Im Fiordland und an der West Coast staut sich die gesamte Nässe des Pazifiks, so dass es dort fast jeden Tag regnet und dichter Regenwald die Landschaft prägt. Dahinter, auf dem gebirgigen Plateau von Otago und Central Canterbury, bleibt es dagegen sehr trocken – und kalt. Auf einer Entfernung von weniger als 100 km fallen westlich der Alpen 4 bis 10 Meter (!) Regen pro Jahr, im Osten dagegen nur 50 cm. Duh.

 

Spezialfall: El Niño in Neuseeland

Und schließlich gibt es noch El Niño – das berühmte, alle paar Jahre wiederkehrende Großwetterereignis aus dem Pazifik, das überall auf der Welt für teils extreme Wetterlagen sorgt und für viele Naturkatastrophen verantwortlich gemacht wird.

Obwohl Neuseeland von El Niño generell weniger stark betroffen ist als etwa sein Nachbar Australien, gibt es doch eine relevante Tendenzen: Sommerliche Westwinde fallen in diesen Perioden stärker aus oder kommen häufiger vor, was für Dürre an den Ostküsten und stärkere Regenfälle im Westen sorgt. Im Winter kommt der Wind dann eher aus der Antarktis herauf und sorgt entsprechend für mehr Kälte. Auch der Frühling und der Herbst erleben stärkere und häufigere „southwesterlies“, die zu mehr Regen, Kälte und lokal längeren Dürreperioden führen.

Und während das Wetter in Neuseeland im Allgemeinen eher schlecht vorausgesagt werden kann, weil es eben extrem wechselhaft ist, sind die Phänomene, die von El Niño hervorgerufen werden, relativ stabil. Lest ihr im neuseeländischen Wetterbericht also etwas von El Niño, dann könnt ihr euch auf diese Voraussage ziemlich gut verlassen.

Generell gesagt, sind El Niño-Jahre für Reisende keine gute Sache. In letzter Zeit haben sich diese Wetterphasen gehäuft, obwohl sie nach wie vor unregelmäßig sind. Für den bevorstehenden Winter 2015/16 (also den auf der Nordhalbkugel) ist ein El Niño mit 95%-iger Wahrscheinlichkeit sicher (Quelle) – in Neuseeland könnt ihr euch also auf entsprechende Wetterlagen einstellen.

Weltwunderer Bad Weather Mount Cook New Zealand

Eine Sturmfront zieht zum Mount Cook herüber – und wir fahren mittenrein

Wo es auch in der Nebensaison schön (warm und trocken) ist

Da, wo die Sonne scheint, ist es warm und wolkenfrei, und der Boden wird genug aufgewärmt, damit es auch nachts frostfrei bleibt – genau das Wetter, das wir alle auf unserer Neuseeland-Reise gern haben wollen. (Aber Vorsicht, schützt euch und die Kids vor der UV-Strahlung!)

Wie findet ihr nun die Sonne?

Am einfachsten ist es natürlich, wenn ihr zwischen Januar und März nach Neuseeland kommt – der Hochsommer ist, wir erinnern uns, im größten Teil des Landes die trockenste Jahreszeit.

Aber auch im neuseeländischen Frühling oder Frühherbst, wenn die Flüge günstiger sind und wir europäischen Eltern vielleicht die verlängerten Herbst- oder Winterferien der Kinder für einen Neuseeland-Besuch nutzen könnten, gibt es verlässliche Sonneninseln!

© NIWA New Zealand

© NIWA New Zealand

Die gesammelten Sonnenscheinstunden auf der Karte zeigen euch genau, wohin ihr fahren könnt, wenn ihr es warm haben wollt:

  • Zuverlässigen, dauerhaften Sonnenschein findet ihr am ehesten in der Gegend um Nelson und Blenheim auf der Südinsel.
  • Auf der Nordinsel sind das Northland, die Bay of Plenty und das East Cape bis hinunter zur Hawke’s Bay und die Küste von Taranaki Garanten für gutes Wetter, auch im Frühling und Herbst.
  • Nur mit sehr viel Glück werdet ihr dagegen an der West Coast, genauer: zwischen Haast Pass und Hokitika, oder auch im Fiordland einen Sonnenschein-Tag erleben (es ist aber möglich!).

Auch dort, wo oft die Sonne scheint, fällt aber in Neuseeland durchaus viel Regen – also jetzt statistisch gesehen. Wichtig ist daher auch zu wissen, wo in Neuseeland der meiste Niederschlag fällt. Das ist ebenfalls sehr unfair verteilt, wie die nächste Karte zeigt:

© NIWA New Zealand

© NIWA New Zealand

Wenn ihr auf der Südinsel zuverlässig trocken bleiben wollt, lautet die Grundregel: Haltet euch von der Westküste fern. Auf der Nordinsel ist der Niederschlag vom Herbst bis zum Frühling recht gleichmäßig über die Landmasse verteilt, allenfalls die Gegend um Napier und die nördliche Kapiti Coast bleiben vergleichsweise trocken.

 

Zieht gerade eine Regenfront über die Inseln, während ihr in Neuseeland seid, gibt es zwei Strategien:

  • Studiert die Regenradar-Satellitenbilder (zum Beispiel auf www.metservice.com) oder die Webcam-Feeds von Niwa oder Surf.co.nz und fahrt dorthin, wo es nicht regnet – schon 50 km weiter kann das Tageswetter ganz anders aussehen.
  • Zeigt das Regenradar, dass eine Flucht aussichtslos ist (oder dass der Regen in den nächsten Stunden sowieso aufhören wird), dann fügt euch und nutzt die nasse Zeit für passende Aktivitäten: Ihr könntet eine Höhlentour machen, ein Thermalbad oder ein Aquarium besuchen, ins Museum gehen oder auch kurzfristig Skifahren – Skigebiete gibt es auf beiden Inseln!

 

Die richtige Reisevorbereitung für die Nebensaison

Wenn ihr im Frühjahr oder Herbst nach Neuseeland kommt, könnt ihr Glück haben und perfektes Wetter bekommen – aber garantiert ist das nicht. Noch weniger als im Sommer, wo das Wetter trotz durchschnittlich hoher Temperaturen ebenfalls wechselhaft ist!

Zur cleveren Reisevorbereitung gehören also vor allem folgende Wetterstrategien:

  • Bucht einen schlechtwettertauglichen Campervan: mit Standheizung und guter Isolierung, der groß genug ist, um darin auch mal einen Regentag zu überdauern und feuchte Kleidung aufzuhängen.
  • Wollt ihr Kälte-Inseln wie das Bergland der Südinsel oder Regenlöcher wie die West Coast besuchen, dann bucht euch dort eventuell lieber eine feste Unterkunft (aber Vorsicht: Auch Motels und Hotels in Neuseeland sind oft nicht allzu gut isoliert!). Alternativ könnte man auch ein Ferienhaus mieten und von dort aus mit dem Auto Ausflüge machen, wie es Annette mit ihrer Familie getan hat.
  • Da sich das Wetter oft kurzfristig ändert, solltet ihr euch anpassen können – was schwierig wird, wenn ihr die Fährüberfahrt, Hotels oder Aktivitäten schon fest gebucht und bezahlt habt. In der Nebensaison könnt ihr bei all diesen Dingen sehr spontan sein, es muss fast nichts im Voraus reserviert werden.
  • Internet für unterwegs ist essentiell, weil ihr jederzeit das Wetter checken können müsst!
  • Packt die richtige Kleidung ein – hier haben wir eine Menge Tipps für euch dazu.
  • Perfekt für traurige Kinder, die wegen schlechten Wetters nicht baden können: Wetsuits mit langen Beinen und Ärmeln. Damit könnt ihr den Nachwuchs ohne schlechtes Gewissen und drohende Lungenentzündung in den Pazifik lassen, auch wenn gerade kein Strandwetter ist.
  • Wetterabhängige Unternehmungen wie Helikopterflüge oder Whale-Watching-Touren werden oft kurzfristig abgesagt oder verschoben. Blöd, wenn ihr dafür nur einen einzigen Tag oder gar nur ein paar Stunden auf eurer Reiseroute eingeplant habt. Besser ist es, entweder spontan vor Ort bei gutem Wetter zu buchen (in der Nebensaison ist das nie ein Problem, und tolle „scenic flights“ oder Bootstouren könnt ihr in vielen Teilen des Landes machen) oder euch einen Zeitpuffer einzuplanen.

Am allerwichtigsten: Seid flexibel und spontan. Auch der Wetterbericht in Neuseeland kann sich irren, und oft klart es überraschend doch auf und wird herrlich warm, obwohl Regen angesagt war. Nutzt solche Gelegenheiten und zieht einfach los – immerhin seid ihr nicht aus Zucker, und im schlimmsten Fall werdet ihr halt nass.

Lake Wakatipu near Queenstown

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