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April 2019: Neuseeland-News, Monatsrückblick und Klima-Challenge

Nun hat es das Klima also auch in den Titel unserer monatlichen Rubrik geschafft. Kein Wunder, der Klimawandel hat uns im April enorm beschäftigt. Was uns noch so umgetrieben hat im vergangenen Monat und was in Neuseeland passiert ist, lest ihr in der vierten Ausgabe unserer Blog-Schau für 2019!

Christchurch Godley Head totes Schaf

Frohe Ostern aus Neuseeland! Ähäm.

Monatsrückblick: Was war los in Neuseeland im April 2019?

Nach dem 1.-April-Schocker, auf den wir fast reingefallen wären – ein abgehackter Wanaka-Tree rutschte schon um kurz nach Mitternacht in meine Facebook-Timeline! – wurde die Stimmung erst einmal wieder etwas besinnlicher.

Wanaka Tree CaptureNZ

April, April! © CaptureNZ

Am 5. April wurde in Neuseeland „Gumboot Friday“ gefeiert, wobei der Anlass für die bunte Gummistiefelei eher wenig feierlich ist: Trotz all seiner Schönheit und der von uns Deutschen so gelobten guten Schulen verzeichnet Neuseeland eine der weltweit höchsten Suizidraten bei Jugendlichen. Indem am 5. April die NeuseeländerInnen (inklusive Premierministerin Ardern!) Gummistiefel tragen, wollen sie nicht nur ihre Solidarität mit allen Menschen zeigen, die an Depressionen leiden, sondern auch selbst nacherleben, wie sich das Leben mit einer Depression anfühlt: als würde man die ganze Zeit durch tiefen Schlamm stapfen.

Geld gesammelt wurde an dem Tag natürlich auch, um Kindern und Jugendlichen dringend benötigte Beratungstermine bei Psychologen verschaffen zu können – momentan beträgt die Wartezeit selbst in dringenden Fällen nämlich bis zu sechs Monate.

Taihape Gumboot

Mit Gummistiefeln kennen sich die Neuseeländer aus…

Am ersten April-Wochenende stellte dann endlich auch Neuseeland seine Sommer- auf Winterzeit um und beendete damit offiziell die Sommersaison. Da bei uns bekanntlich schon ein Wochenende eher die Uhren zurückgedreht wurden, endete damit auch die seltsame Zwischenphase, in der wir von Neuseeland elf Stunden entfernt sind – jetzt sind es bis Ende September wieder zehn Stunden.

Und noch eine Meldung aus dem Lager Vermischtes: Das geografische Zentrum Neuseelands, das ihr bisher auf dem Botanical Hill bei Nelson besichtigen konntet, ist knapp 150 km nach Norden gerutscht und befindet sich nun in den Tararua Ranges nördlich von Wellington. Daran ist kein Erdbeben schuld, sondern eine Neuvermessung: Neuseeland ist ja neuerdings sein eigener Kontinent, und wenn man dessen Grenzen zugrundelegt, liegt die Mitte eben am Mount Reeves Track. Geheimtipp! 😉

Ostern war in Neuseeland natürlich auch, mitsamt Osterferien und den traditionellen Süßigkeiten von der Kultmarke Whittaker’s. Die machen übrigens keine Schoko-Eier, sondern: Schoko-Kiwis. Außerdem isst man in Neuseeland in der herbstlichen Osterzeit gern Hot Cross Buns (-> hier geht es zum Rezept) und Feijoas – kennt ihr die schon?

Christchurch Godley Head Lämmer

Psst – Osterlämmchen sind scheu!

Der Rest ist schon wieder Klimawandel: Starke Regenfälle an der Westcoast – die durch die krasse Hitzewelle im Sommer entstanden sind – hatten Ende März die Waiho Bridge weggerissen. Das Video war beeindruckend. Noch beeindruckender war für uns allerdings die Nachricht, dass diese 170 Meter lange Brücke nur 18 Tage nach dem Zusammenbruch bereits wieder aufgebaut war! Auf lange Sicht werden sich die Bewohner der Westcoast (und die Tourismusanbieter an den beiden Gletschern!) jedoch etwas einfallen lassen müssen, denn die Überflutungen in dieser Region häufen sich und die Straße von Haast nach Franz Josef ist der einzige Zugang von Süden.

Und doofe Menschen: Die Mermaid Pools in Matapouri sind ab sofort nicht mehr zugänglich. Warum sich der Gemeinderat gezwungen sah, die Felsenbecken für Besucher zu sperren? Nun, es kamen einfach zu viele, und die schauten nicht nur, sondern setzten sich rein in die Pools, hinterließen dort Müll und Schlimmeres. So langsam kommen uns diese Geschichten ja sattsam bekannt vor – trotzdem macht es einen immer wieder traurig…

Wir wollen diese Rubrik aber lieber mit einer guten Meldung schließen. DOC und das Naturschutzprojekt Janszoon haben Anfang April drei Inseln vor der Küste des Abel Tasman National Park offiziell für schädlingsfrei erklärt – das jahrelange Fallenstellen war erfolgreich. Im nächsten Schritt können vielleicht wieder Kiwis und andere am Boden lebende Vögel hier angesiedelt werden!

Abel Tasman Awaroa Inlet

Bildschöner Abel Tasman National Park – hier gibt es Hoffnung für die Natur! © Nelson Tasman Tourism

Reise-Familien unterwegs in Neuseeland im April 2019

Die Sommersaison ist endgültig zu Ende und selbst der Herbst verabschiedet sich so langsam. Wer goldene Nachmittagssonne genießen will, der muss nächtliches Frösteln und immer wieder hässliches Regenwetter in Kauf nehmen – und das tun nicht viele reisende Familien, wenn wir nach den Meldungen in unseren Facebook- und Instagram-Accounts gehen.

Die Globusbummler sind von ihrer Elternzeitreise schon ein Weilchen zurück, haben aber ganz frische auf ihrem Blog darüber berichtet – besonders die Vorher-Nachher-Vergleiche der Erfahrungen sind interessant!

Ninas Neuseeland-Erlebnisse haben wir hier schon mehrfach geteilt, aber diesen Ansatz von ihr fanden wir spannend: Sie vergleicht zwei Besuche an derselben Attraktion im Abstand von mehreren Jahren – und ratet mal, ob sich an den Pancake Rocks etwas verändert hat! (Ja, der Clickbait-Köder ist ziemlich fies…)

Auf Instagram ist kaum noch eine Familie in unserer Timeline in Neuseeland unterwegs. Schaut mal bei Melri und ihren Jungs vorbei, oder beim Papa hoch drei – ob die wissen, dass sie gerade beide in der Golden Bay sind?

Was war los im April 2019 bei den Weltwunderern?

Die Weltwunderfrau hat im April Geburtstag und wurde anlässlich der inzwischen nicht mehr so schmeichelhaften Zahl auf dem Kuchen zu einer Überraschungs-Auszeit nach Rügen entführt – ganz allein vom besten Mann der Welt, ohne die Kinder.

Was wir bei arktischer Kälte und Sturm gelernt haben: Wir mögen die Ostsee bitte nur im Sommer und Frühherbst. Andere Menschen finden Strandspaziergänge mit anschließendem Wiederauftauen in der Sauna offenbar erholsam und romantisch, wir finden es einfach nur zu kalt. Brrr.

Rügen Selbstporträt

Brrr, Rügen im April ist eiskalt!

Ein Besuch der Gedenkstätte und der Ruinen von Prora trug wenig zur inneren Erwärmung bei; wir haben hier wohl das am schlechtesten gestaltete Museum von ganz Deutschland entdeckt, glauben wir. Dass dem Bund die Erhaltung dieser Gedenkstätte keinen Cent wert ist, sieht man eindrucksvoll. Wir haben hier immerhin gelernt, dass Prora zu keinem Zeitpunkt seinem ursprünglichen Zweck diente, nämlich als Hotel für die Massen während der Nazi-Zeit. Gewohnt haben hier nur Soldaten der Wehrmacht, der NVA und der sowjetischen Streitkräfte.

Rügen Prora Strand

Prora: deprimierend

Rügen Mönchgut Strand

Eine Überraschung: diesen Geheimtipp-Strand verraten wir euch nicht 😉

Deutlich wärmer war es zum Glück dann in der Osterwoche, als ich mal wieder solo mit meinen Kindern nach Wien gereist bin – vorbildlich ökologisch und bequem mit dem Zug. Was wir euch für euren Besuch in Wien mit Kindern empfehlen können, haben wir schon erzählt; über das unglaublich nachhaltige und dabei superschicke Hotel, in dem wir übernachtet haben, schreiben wir auch noch einen Beitrag.

Unser Wien-Fazit: Was für eine tolle Stadt für einen Städtetrip mit Kindern! Das machen wir ganz bestimmt noch einmal. Und schwupps, war der April wieder vorbei.

Albertina Wien

Weltwunderer und Klimawandel: unsere persönliche Challenge

Im April ist mir die volle Bedeutung der Klimakrise bewusst geworden, dank Artikeln wie diesem hier. Ich bekomme da wirklich teilweise Atemnot, kann nachts nicht schlafen und habe ständig einen Kloß im Magen. Ich ertappe mich sogar dabei, meine im Sterben liegende Omi zu beneiden, dass sie all den zukünftigen Mist nicht mehr miterleben muss.

Und ich werde sooo wütend, wenn ich unsere regierenden Politiker ständig nur beschwichtigen, ablenken und schönreden höre. Haben die keine Kinder? Haben die keine Angst? Schämen die sich nicht??

Was mir hilft, um nicht durchzudrehen? Gute Nachrichten – denn die gibt es auch! – und selbst aktiv werden.

Wir haben immer noch kein neues Auto gekauft und sind inzwischen bei der Entscheidung angekommen, dass wir vorerst beim Leben ohne Auto bleiben werden. Wenn wir unsere Reiseziele nicht per Zug, Flixbus oder S-Bahn erreichen können, mieten wir uns halt ein Auto. Das ist zwar immer noch nicht das Gelbe vom Ei, reduziert unseren CO2-Fußabdruck als Familie aber schon mal gewaltig.

Bahnhof Neustadt Treppe

Nachhaltig reisen mit Kindern geht überraschend gut!

Apropos: Wir haben endlich unsere Neuseeland-Flüge kompensiert. 800 Euro hat Atmosfair für unsere fünf Tickets ausgerechnet, die wir in mehreren Tranchen abgestottert haben. Tut weh im Portemonnaie, aber gehört für uns von jetzt an zum Fliegen automatisch dazu. Genauso wie unsere Grundregel, dass wir nur (teures) Biofleisch kaufen, hilft uns das ganz von selbst beim Selbst-Einschränken.

(-> Hier habe ich genauer erklärt, was das CO2-Kompensieren beim Fliegen bringt.)

Atmosfair Zertifikat

Unser Atmosfair-Zertifikat über die erste Hälfte der CO2-Kompensation des Neuseeland-Flugs

Kleine Schritte für mehr Umweltschutz und Nachhaltigkeit kann jeder ziemlich einfach im Alltag unterbringen, auch wenn man sein eigenes Auto behalten muss: ein plastikfreies Bad ist easy umgesetzt, unverpackt einkaufen geht zumindest bei Obst und Gemüse, Käse und Fleisch auch im ganz normalen Supermarkt – wir gewöhnen uns gerade an, immer ein paar Behälter dabeizuhaben.

Entscheidend für das Klima ist aber die Einschränkung bei Fleisch und Milchprodukten, sagen die Klima-Experten. Das machen wir sowieso schon. Unser Fleisch kaufen wir jetzt einmal pro Woche über die Marktschwärmer, eine regionale Initiative, bei der Bio-Bauernhöfe und Betriebe aus unserer nächsten Umgebung ihre Produkte auf Bestellung in die Stadt bringen. Kurze Wege und so. Gibt es das bei euch auch?

Aktiv werden heißt aber auch und vor allem, politisch etwas zu verändern. Für uns Normalos heißt das, mehr demonstrieren – dafür gibt es ja in letzter Zeit genügend Anlässe. Und klar, auch als Mama gehe ich zu den Fridays for Future mit! Für uns Eltern gibt es aber inzwischen auch die „Parents for Future„, deren Petition an den Bundestag ihr unbedingt noch unterzeichnen solltet.

Und natürlich sollten wir alle unser Kreuz auf dem Wahlzettel für die Europa-Wahlen Ende Mai machen – dort wird sich entscheiden, wie die Klimapolitik der EU in den nächsten kritischen Jahren aussehen wird. Wir haben nur noch knapp zehn Jahre Zeit, um entscheidende Änderungen umzusetzen, und die bisher regierenden Parteien haben eindrucksvoll gezeigt, dass sie dazu nicht bereit und/oder in der Lage sind.

Leute, ich hab echt Bammel vor der Zukunft… aber ich bin auch ziemlich gespannt. Wir leben in aufregenden Zeiten!

3 Kommentare

  • Hihihi, bei dem deutschlandweit am schlechtesten gestalteten Museum mit Eintrittspflicht gebe ich euch bei Prora recht! Schade, dass euch die Ostsee bei Mistwetter auch sonst nicht gefallen hat.

    Auch bezüglich Klimakrise… Ich hatte meine Panikattacken da schon zur Abizeit um die Jahrtausendwende und hab nie Verständnis dafür geerntet. Aber selbst jetzt marschiert meine ländliche Umgebung da eher ignorant in die Sackgasse und beschwert sich bei Wassernotstand und Garten-gieß-Verbot lieber über das schlechte Management der Kommune als über die Ursachen. „Fridays for Future“ ist bei uns auch maximal einmal im Monat, weil es für die Kids so aufwändig ist, sowas dezentral auf die Beine zu stellen. Aber immerhin gibt es das überhaupt. Und Silas bezahlt die 2,50 Euro für den Bus zur Demo jedes Mal stolz von seinem Taschengeld. Ob es letztlich was hilft? Ich hab mein Leben zum Glück von vornherein so gestaltet, dass ich es nach Strich und Faden genossen habe, solange es ging (aber möglichst klimaneutral, ohne Fliegen und so). Aber wer so egoistisch war, trotzdem Kinder in die Welt zu setzen, ist jetzt natürlich moralisch doppelt so sehr verpflichtet, zu kämpfen…

  • Meine Güte,
    habt ihr einen ereignisreichen Monat hinter euch!
    Irgendwie hatte ich weltfremder Dummi immer im Hinterkopf, dass in Neuseeland die Welt noch relativ in Ordnung sein möge … offenbar bin ich entweder hoffnungslos romantisch oder sehr, sehr naiv …
    Ihr habt total Recht: Jeder kann/MUSS etwas tun. Es gibt genügend Möglichkeiten.
    Wir zum Beispiel sind keine typischen Demonstranten – aber wir haben auch in diesem Jahr wieder Blumenwiesen für Insekten und Bienen angelegt, unterstützen gern die Bruder Ei-Initiative des Superbio-Marktes, haben immer einen Haufen Obst- und Gemüsenetze im Supermarkt dabei – oder kaufen gleich direkt auf dem Bauernhof ein. Irgendwas kann jeder tun und leisten … aber es will halt nicht jeder einsehen, dass es immer enger wird …
    Ich hoffe, dass wir irgendwann die Kurve kriegen als Gemeinschaft – aber wenn ich ehrlich bin, bin ich nicht sehr optimistisch …
    Dir trotzdem liebe Grüße!
    Ines-Bianca

  • Wow, 800 Euro weniger im Portemonnaie tun echt weh! Ihr seid wirklich tapfere Klima-Piraten! Aber recht habt ihr ja total. Ich finde es auch beängstigend, dass nun echt Klima-Notstand ausgerufen wird. Da sind wir wohl von dem Szenario, dass um die Jahrtausendwende mal entwickelt wurde mit riesigen Völkerwanderungen aufgrund des Klimawandels gar nicht mehr weit entfernt… Eigentlich sind die Gefahren seit Jahrzehnten bekannt. Aber gefühlt hat sich in der Politik und im öffentlichen Bewusstsein seitdem fast nichts getan. Ob sich jetzt was ändert???
    Liebe Grüße
    Angela

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