Eure Neuseeland-Reisen mit Kind

Auszeit-Interview: Schulbesuch als Familie in Neuseeland

Eine Auszeit in Neuseeland wird immer beliebter, auch und gerade bei Familien. Wer Respekt vor der Organisation hat, dem bietet Study Nelson eine Rundum-Betreuung an. Kerstin und ihre Familie haben es probiert und sind für drei Monate in Nelson zur Schule gegangen.

Auszeit in Neuseeland Study Nelson

Familie Scholz in Nelson © Kerstin Scholz

Weltwunderer: Liebe Kerstin, stell uns doch bitte zuerst kurz eure Familie vor: Wer seid ihr?

Kerstin: Wir sind eine 4-köpfige Familie mit Papa Steffen, Mama Kerstin und den beiden Töchtern Clara (damals 15 Jahre alt) und Thea (damals 12).

WW: Wie seid ihr auf die Idee gekommen, eine Auszeit in Neuseeland zu verbringen?

Kerstin: Wir wollten unsere Kinder nicht „bloß“ wegschicken, damit sie in einem anderen Land zur Schule gehen. Wir wollten lieber mit den Kindern gemeinsam reisen und einmal aus dem Alltag ausbrechen. Die Frage, wohin, stellten wir uns erst bei der Suche.

Steffen war vor 20 Jahren einmal in Neuseeland gewesen; wir hatten aber nicht unbedingt dorthin gewollt. Als wir etwa ein Jahr vorher eine Bildungsmesse in Bautzen besuchten, sind wir aber auf Study Nelson gestoßen.

WW: Wie hat euch Study Nelson bei eurer Auszeit-Idee geholfen?

Kerstin: Study Nelson gefiel uns von der Betreuung am besten, da sie ihren Sitz direkt in Neuseeland haben. Damit hatten wir eine Adresse, falls unterwegs etwas schieflaufen würde.

Nachdem wir uns für Neuseeland entschieden hatten, suchten wir in Nelson geeignete Schulen für unsere Mädchen aus dem Study Nelson Katalog aus. Dort ist alles schön aufbereitet; die Fächer, die an den einzelnen Schulen angeboten werden, außerschulisches Programm etc.

Wir nahmen Kontakt zu Study Nelson auf und die Programmdirektorin Birgit Neumann rief uns persönlich zurück. Es folgte reger E-Mail-Verkehr, Kostenvoranschläge für die Schulen etc.

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WW: Das klingt rundum perfekt. Hätte das aber nicht vielleicht auch ohne Hilfe geklappt?

Kerstin: Sicher hätten wir all das auch ohne eine Organisation managen können, wenn da nicht der Zeitfaktor wäre. Study Nelson sind tatsächlich die Experten vor Ort. Wenn man sich alles erst aneignen wöllte, was deren Tagesgeschäft ist… Ich denke, das war gut angelegtes Geld.

Wir lernten auch eine Familie aus Berlin kennen (beide Lehrer), die ein komplettes Jahr allein in Neuseeland organisiert haben. Dazu ist der Familienvater zwei Monate vorher hingeflogen und hat sich um Unterkunft, Schule, Visum etc. gekümmert. Da weiß ich nicht, was dann günstiger ist…

WW: Wie viel Vorbereitung war denn für eure Auszeit nötig?

Kerstin: Mit den Vorbereitungen starteten wir ca. 1,5 Jahre vor unserer Ausreise. Die Schulanträge stellten wir noch vor unseren Sommerferien 2015, also 6 Monate vorher. Mitte Januar 2016 startete dann unser Abenteuer Neuseeland.

Schiefgelaufen ist nichts, da uns Study Nelson super unterstützt hatte. Wir wurden nur etwas nervös, als wir Mitte Dezember 2015 noch nicht wussten, wo wir wohnen werden. Das entschied sich dann alles sehr kurzfristig.

WW: Und wo habt ihr dann in Neuseeland gewohnt?

Kerstin: Da wir kurze Schulwege für die Kinder wollten, entschieden wir uns, direkt in der Stadt zu wohnen. Das war gar nicht so einfach. Birgit Neumann hat eine Annonce geschaltet, um eine geeignete Unterkunft für uns zu finden. Sharon, unsere spätere Vermieterin, meldete sich darauf und gab ihr Haus für drei Monate frei. Sie selbst wohnte bei ihrer Schwester, kümmerte sich aber weiter um den Garten (wir durften sämtliche Früchte und Gemüse essen). Das war richtig toll und wir fühlten uns rundum wohl.

Nelson Founders Park

Entzückend: Nelsons historischer Founders Park © Stephen Colebourne unter CC 2.0

WW: Habt ihr auch ein Auto von Deutschland aus besorgt?

Kerstin: Wir brauchten die ganze Zeit kein Auto! Wir haben viel vor Ort in Nelson unternommen. Und um zum Beispiel in den Abel Tasman National Park zu kommen und andere Ausflüge zu machen, sind wir mit dem öffentlichen Bus gefahren.

Außerdem haben wir uns über www.trademe.nz Fahrräder besorgt, so dass wir Thea jeden Morgen zur Schule begleiten konnten.

WW: Ist man ohne Auto aber nicht sehr eingeschränkt, was das Reisen in Neuseeland angeht?

Kerstin: Wir hatten ohne Auto in Neuseeland keine Probleme. An einem verlängerten Wochenende sind wir z. B. mit dem Bus nach Greymouth gefahren, um von dort aus den historischen TransAlpine-Zug nach Christchurch zu nehmen. Von da aus ging es nach Akaroa zum Delphinschwimmen, Robbengucken etc. Dann mit dem Bus weiter nach Picton. In den Marlborough Sounds machten wir eine „Early Bird Tour“ mit, auf der wir ganz reizende Vögelchen beobachten konnten und sogar Pinguine. Den Queen Charlotte Track in den Malborough Sounds sind wir auch gelaufen. Alles ohne Auto!

Nach dem Ende der Schulzeit der Mädchen in Term 2 sind wir dann Mitte April nach Auckland geflogen, haben uns ganz klassisch ein Wohnmobil gemietet und sind über Matamata, Rotorua und Taupo bis nach Wellington gefahren.

WW: Was haben denn Verwandte und Bekannte zu eurer Idee gesagt?

Kerstin: „Ihr seid ja verrückt!“ Die meisten wussten, dass wir von einer Idee nur schwer abzubringen sind. Die meisten haben sich für uns gefreut; Oma und Opa haben sich auch gern um unser Haus gekümmert (und mussten zum Glück keinen Schnee schippen).

Nur eine Lehrerin von Clara musste wohl noch ein bisschen Druck aufbauen, bevor wir zurückkamen; Clara  sollte gleich am ersten Tag ihrer Rückkehr eine Physikklassenarbeit mitschreiben!?

Die Direktorin beruhigte uns; erstmal ankommen und dann wird entschieden, was ggf.  nachgeschrieben werden muss. Sie war überhaupt ganz Klasse; sie vertrat den Standpunkt: Reisen bildet!

WW: Das tun ja leider bei Weitem nicht alle Lehrer in Deutschland… Wie habt ihr denn die Schulzeit in Neuseeland erlebt?

Kerstin: Unser Haus lag fast direkt neben der Central School, wo ich ein Praktikum absolvierte (ich studierte damals BWL im Fernstudium). Das war eine grandiose Erfahrung für mich als Instrumentallehrerin für Blockflöte und Saxophon.

Ich war beeindruckt von der Herangehensweise und wie entspannt und positiv mit den Kindern umgegangen wird. Man legt bereits in der Grundschule viel Wert auf Schlüsselkompetenzen wie Eigenverantwortung, Umgang mit anderen, eigenständiges Denken, Sprachgebrauch und Mitarbeit.

Unsere Tochter Clara (damals 15 Jahre alt) besuchte das „Nelson College for Girls“ und Thea (damals 12 Jahre alt) die Intermediate School.  Unsere Kinder fanden den Schulalltag viel entspannter. Sie mussten erst 8:45 Uhr in der Schule sein und 15 Uhr war Schulschluss. Dabei haben sie keine Hausaufgaben bekommen.

Clara konnte in Nelson Tennis lernen und Thea ging einmal die Woche nach der Schule zum Gerätturnen. Sie hatten sogar mal wieder Langeweile… Thea fing an zu malen und malte die schönsten Mangabilder – ich wusste nicht, dass so ein Talent in ihr schlummerte. Zum Abschluss zeichnete sie jeden ihrer Schulkameraden als Mangafigur und verschenkte die Bilder.

Auszeit in Neuseeland Study Nelson

Ein vielversprechendes Talent! © Kerstin Scholz

Bevor wir nach Neuseeland aufbrachen, ging Thea das 2. Jahr an ein Gymnasium, wo der Leistungsdruck enorm hoch war. Die Schüler hatten so viele Hausaufgaben, dass sie kaum Luft holen konnten. Sie hatte auch kaum mehr Muße für ihr Wunschinstrument Harfe.

In Nelson fanden wir zum Glück eine Harfenlehrerin, so dass Thea Harfenunterricht nehmen konnte. Die beiden sind ein Herz und eine Seele und Thea bekommt heute noch Skype-Unterricht von ihr. Den Harfenunterricht hier in Deutschland haben wir aufgegeben, da Thea regelmäßig demotiviert vom Unterricht wiederkam.

WW: Teenies sind ja doch schon ganz anders als jüngere Kinder; wie hat denn eure Tochter die Trennung von ihren Freunden mitgemacht?

Kerstin: Sie hat über die sozialen Medien Kontakt mit ihren engsten Freunden gehalten. Am Anfang wollte sie nicht so richtig weg – dann wollte sie nicht wieder nach Hause. Vor allem wegen ihr haben wir die Auszeit in Neuseeland auf drei Monate begrenzt; sie wollte ihre Klasse nicht wechseln. Jetzt macht sie ihr Abitur in Wellington…

WW: Urlaub in Neuseeland ist ja etwas ganz anderes, als dort längere Zeit zu leben – oder?

Kerstin: Definitiv! Aufgrund der Schulen und des Praktikums kamen wir ganz anders mit Einheimischen in Kontakt. Ich bin zum Beispiel gern in der Grundschule zum Musikunterricht in die Maori-Klasse gegangen. So lernte ich den Musiklehrer und andere Lehrer kennen. Eines Tages machten alle Maori-Schüler einen Ausflug zum Marae und ich wurde eingeladen.

Wenn man noch nicht dort war, muss man draußen warten, bis die Zeremonie beginnt und alle Gäste hereingeholt werden. Dann gehen alle gemeinsam mit Maori-Gesang in das Gebäude, wobei die Männer vorne Platz nehmen und die Frauen hinten. Das ist Tradition, damit früher, im Falle von Konflikten, die Männer Frauen und Kinder beschützen konnten.

Die Schulklasse saß mit den Lehrern den Gästen gegenüber und führte ein kleines Programm auf. Am Ende folgte der Hongi (Nasenkuss). David Monopoli, Birgit Neumanns Mann (ein „echter“ Kiwi), erklärte später, dass man sich durch den Hongi anders auf sein Gegenüber einlassen kann und dessen Geist „einatmet“, was zu einer ganz anderen Wahrnehmung und Wertschätzung des Gegenübers führt. Für meinen Mann und mich war das ein sehr ergreifendes Ritual.

Später auf der Nordinsel besuchten wir in Rotorua einen Marae bei einer touristischen Führung. Das war sehr interessant, aber lange nicht so berührend wie in Nelson.

Auszeit in Neuseeland Study Nelson Rotorua Marae

Ganz andere kulturelle Erfahrungen… © Kerstin Scholz

WW: Was hat euch am Leben in Neuseeland am besten gefallen? Was nicht so?

Kerstin: Besonders bereichernd fanden wir das Schulsystem. Wir haben gesehen: Es geht auch ganz anders, ohne permanenten Leistungsdruck und ständige Vergleiche.

Thea meldete sich z. B. zu einem Wettkampf im Rückenschwimmen an. Wir Eltern fragten sie zu Hause: „Ja, kannst du denn so gut Rückenschwimmen?“ Worauf wir drei Wochen fast jeden Tag in ein nahegelegenes Schwimmbad gingen und Rückenschwimmen trainierten. Sie kam zum Wettkampf nicht als erste, aber auch nicht als letzte ans Ziel. Es war so schön zu sehen, dass die Schüler selbst ihre Grenzen austesten dürfen und nicht von vornherein „ausgesiebt“ werden.

Die sehr freundliche und gelassene Mentalität hat uns imponiert. Wir haben von den Neuseeländern lernen dürfen: Vieles regelt sich von allein, es muss nicht dauernd irgendetwas reglementiert werden.

Für uns Deutsche war die neuseeländische Gelassenheit anfangs gewöhnungsbedürftig. Umgekehrt fand z. B. Theas Harfenlehrerin unsere deutsche Zahlungsmoral sehr schön 😉

WW: Was sagen eure Kinder zu ihrer Zeit in Neuseeland? Haben sie davon profitiert und wenn ja, wie?

Kerstin: Hundert pro haben unsere Kinder davon profitiert! Als wir zurückkamen, stand für Clara fest: Sie will wieder ins Ausland. Mittlerweile ist sie in Wellington und macht dort mit Study Nelson ihr Abitur.

Thea konnte am Anfang kaum Englisch. Mit der Zeit traute sie sich immer mehr, mit ihren Schulkameraden und Lehrern zu sprechen und Fragen zu stellen – die Grammatik war erstmal egal. Auch ihr Klassenlehrer an der Intermediate School meinte, dass sie sich sehr gut integriert und entwickelt hat.

WW: Wie zufrieden seid ihr im Rückblick mit eurer Auszeit? Hättet ihr im Nachhinein etwas anders machen sollen?

Kerstin: Nein, wir sind sehr zufrieden so, wie es war und wir würden so ziemlich alles wieder genauso machen. Es war für uns alle eine Bereicherung und sehr schön, dass wir so eine Auszeit gemeinsam genießen konnten und als Familie näher „zusammengerückt“ sind.

Wir hatten sogar darüber nachgedacht, unsere Auszeit in Neuseeland zu verlängern; unser Hund Filou, der während unserer Abwesenheit in einer Tierpension lebte, hat uns aber davon abgehalten. Am Ende ist es auch eine finanzielle Frage, und meine Musikschüler wären auch nicht glücklich gewesen, wenn sie noch länger auf mich hätten warten müssen.

City Panorama Nelson

Nelson: wunderschönes Ziel für eine Auszeit in Neuseeland © russellstreet unter CC-BY-SA 2.0

WW: Wie hat die Auszeit in Neuseeland euer Leben und eure Familie verändert?

Kerstin: Wir waren so angefüllt von neuen Eindrücken, aber auch happy, wieder nach Hause zu kommen. Dort holte uns der Alltag schnell ein. Dennoch sind wir jetzt viel gelassener, wir genießen die Natur ganz anders. Beide Kinder und auch wir laufen im Sommer nur noch barfuß. Anfangs gab es in Theas Schule immer Kommentare, auch von den Lehrern, aber mittlerweile ist das akzeptiert.

Thea wechselte die Schule und besucht jetzt ein christliches Gymnasium in freier Trägerschaft. Die Schüler haben dort bereits ab Klasse 5 Blockunterricht, also nur halb so viele Fächer am Tag, weniger Hausaufgaben, eine leichtere Schultasche…

Clara machte nach unserer Rückkehr ihren Realschulabschluss als Jahrgangsbeste, wechselte dann an das hiesige Berufsschulgymnasium und macht nun ihr NCEA in Neuseeland.

Steffen kehrte wieder zurück zu seiner Arbeit. Auch sein Arbeitgeber profitierte von der Auszeit: Als es hieß, Steffen ist nun drei Monate nicht da, wurden Projekte schneller umgesetzt und sein Kollege übernahm andere Aufgaben.

Ich habe meine Kurse alle wieder aufgenommen. Außerdem vertrete ich Study Nelson jetzt als freie Mitarbeiterin auf Messen für den Bereich Neue Bundesländer.

WW: Das klingt nach einer rundum positiven Auszeit mit Study Nelson, die uns große Lust macht, es ebenfalls zu versuchen. Werdet ihr denn noch einmal nach Neuseeland gehen?

Kerstin: Auf jeden Fall! Spätestens wenn Clara mit der Schule fertig ist, werden wir sie alle zusammen besuchen. Durch Study Nelson werde ich sicher auch hin und wieder einen Gruppenflug betreuen.

 Vielen Dank für das Interview, liebe Kerstin!

Ihr wollt ebenfalls mit euren Kindern eine Auszeit in Neuseeland machen? Wenn ihr über den Weltwunderer-Blog den Service von Study Nelson bucht, schicken wir euch als Dankeschön ein Exemplar von 111 Gründe, Neuseeland zu lieben mit persönlicher Widmung!

2 Kommentare

  • Mal eine andere Art Neuseeland zu erleben! Schön das es die Möglichkeit gibt, auch wenn es für jetzt nichts wäre.
    Danke für das interessante Interview!

    LG aus Norwegen
    Ina

    • Liebe Ina,

      meinst du, dass es JETZT für euch nichts wäre oder generell nicht? Das würde mich sehr interessieren, was für euch gegen eine Familienauszeit spricht – oder geht es nur um das Organisierte daran?

      Liebe Grüße,
      Jenny

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