Produkte Rund ums Wohnmobil

Das leidige Thema Autokindersitz auf Reisen – unsere Suche nach der eierlegenden Wollmilchsau

Ihr werdet es schon mitbekommen haben: Wir verreisen hin und wieder, mal mit dem Auto, mal mit dem Flugzeug. Und wir haben ein kleines Kind dabei (plus zwei größere). Wie und womit wir dieses zukünftig im Flugzeug und im (Miet-) Auto sichern, darüber wird im Hause Weltwunderer eifrig diskutiert. Die Streitpunkte lauten: Geld, Aufwand, Sicherheit. Wollt ihr mitlesen?

WeltwundererDas Weltwunderbaby ist nun fast ein Jahr alt und entwächst so langsam der Babyschale, in der es den Ostseeurlaub 2014 noch sehr zufrieden verbrachte (wie schnell die Zeit vergeht…). Nun steht der Umzug in den nächsten Autokindersitz an – und nach kurzer Beschäftigung mit der Thematik steht für uns fest, dass dies nur ein Reboard-Sitz sein kann.

Neben den vielen Vorteilen haben Reboarder jedoch einen großen Nachteil: Es gibt keinen, den man im Flugzeug verwenden darf. Sie passen darüber hinaus nicht in jedes Mietauto und sind auch oft ganz schön schwer und sperrig – zu aufwendig für eine Fernreise, wenn ihr mich fragt.

Wie nun also das Kind auf unserer Japan-Reise sichern?

Prinzipiell gibt es drei Möglichkeiten, um Kinder im Flugzeug zu sichern – sofern sie auf einem eigenen Sitzplatz sitzen natürlich. Zwar kann man Kinder unter 2 Jahren auf dem Schoß transportieren und viele Eltern machen das, weil sie dann nur etwa 10 % des Ticketpreises bezahlen. In ihrer Freude über den günstigen Flug fragen sie sich kein einziges Mal, ob so ein Schlaufengurt, der das Baby beim Aufprall einzig daran hindert, ungebremst durch die Kabine zu schießen, wirklich eine gute Idee ist.

Ich kürze das mal ab: Nein, ist es nicht – es ist die schlechteste Idee aller Zeiten! (Na gut, vielleicht sind die Amis noch verrückter, bei denen ihr euer Baby mit bloßen Händen festhalten sollt. Von Fliehkräften haben die offenbar noch nichts gehört da drüben.) Für uns: völlig inakzeptabel.

Nun also die drei Möglichkeiten für uns:

1. normaler Beckengurt: Das ist erst sicher ab 1,25 m Körpergröße (also mit etwa 7 Jahren), unabhängig vom Gewicht. Hier geht es darum, dass die Beckenknochen weit genug ausgebildet sind, um den Beckengurt weit genug unten zu halten, falls es einen Aufprall oder eine Turbulenz gibt.

Geht es nach den Airlines, dürft ihr gern alle Kinder ab zwei Jahren völlig ohne zusätzliche Sicherung auf ihren Sitz setzen. Für uns: inakzeptabel. Im Fall des Falles erleiden so kleine Kinder schwere Bauchverletzungen, weil der Beckengurt für sie eben eher ein heftig einschneidender Bauchgurt ist. Das Crashtest-Video des TÜV musste ich mir nur einmal ansehen, dann war ich überzeugt.

2. Autokindersitz: Sofern es einen eigenen Sitzplatz gebucht hat, kann ein Kind dort in einem normalen Kindersitz Platz nehmen – Babyschale, Gruppe-I-Sitz oder Gruppe-II/III-Sitz ist egal, Hauptsache das Siegel „for use in aircraft“ pappt dran und die Airline akzeptiert das Modell. Ach ja, und vorausgesetzt natürlich, der Sitz passt auf den Flugzeugsitz; nicht selbstverständlich, wie man diesem Erfahrungsbericht bei Reisezoom entnehmen kann.

Jede Airline macht hier ihre eigenen Vorgaben; selten sind diese nachvollziehbar, müssen aber befolgt werden. Unsere Lektionen aus früheren Flügen: unbedingt vorher auf der Website schlau machen oder auch beim Kundenservice eine schriftliche Bestätigung anfordern, dass der Sitz installiert werden darf. Und dann trotzdem nochmal auf Diskussionen einstellen, weil das Kabinenpersonal offenbar weder Kontakt zum Bodenpersonal noch Zugang zu den Airline-internen Richtlinien hat.

3. CARES Gurt: Diese günstige Kompromisslösung mit vielen Vorteilen lässt sich nur für Kinder zwischen einem und etwa vier Jahren verwenden auch nicht bei allen Airlines; sie müssen selbst sitzen können, zwischen 10 und 20 Kilo wiegen und dürfen maximal 1 m groß sein, sonst sitzt der Gurt nicht mehr richtig.

Ich fasse zusammen: Weltwundertochter, jetzt 10 Jahre alt, ist definitiv groß genug für den normalen Beckengurt.

... eigentlich ist sie schon fast groß genug, um selbst Auto zu fahren ;-)

… eigentlich ist sie schon fast groß genug, um selbst Auto zu fahren 😉

Weltwundersohn ist ein Wackelkandidat: Mit seinen 1,20 m könnte er noch eine Sitzerhöhung gebrauchen, die den Beckengurt weit genug unten hält. So empfiehlt es der TÜV Rheinland. Aber die Airlines erlauben das nicht. Also hier: volles Risiko.

Eine praktische Alternative ist eventuell der BoostAPak, der sich auch als Sitzerhöhung im Mietauto nutzen lassen würde – in Japan gibt es für Kinder über sechs Jahre zwar keine Kindersitz-Pflicht mehr, aber mein besorgtes Mutterherz kann das nicht so recht akzeptieren.

Nun kommt das Weltwunderbaby: Im Sommer wird es über ein Jahr alt sein, sitzen kann es schon lange und mehr als 10 kg bringt es dann sicherlich auch auf die Waage. Der CARES-Gurt bietet sich also an, aber nach einem Praxistest im Reisebüro (wo es witzigerweise Flugzeugsessel als Wartestühle gibt) scheint sie den noch nicht so recht zu akzeptieren.

Allerdings haben wir ja das Glück, bereits einen wunderbaren „for use in aircraft“ geeigneten Kindersitz zu besitzen – und zwar den Kiddy Guardianfix Pro 2 mit Fangkörper. Wie toll wir den finden, muss ich mal in einem eigenen Bericht erzählen.

Im Auto wird er momentan vom Weltwundersohn als Gruppe-II/III-Sitz ohne Fangkörper genutzt, WW-Baby liegt in der Babyschale daneben. Aber bald darf sie auch rein – und wenn wir in Japan ein Auto mieten, könnten wir den Kiddy dort gleich weiterverwenden. So ein Fangkörpersitz ist zwar kein Reboarder, aber für kleine Kinder immer noch besser geeignet als ein normaler vorwärtsgerichteter Sitz mit Fünfpunktgurt.

Weltwunderbaby: momentan noch happy in Rückenlage, aber nicht mehr lange

Weltwunderbaby: hier noch happy in Rückenlage, aber nicht mehr lange

Nun das große Aber: Einen Großteil unserer Reiseroute durch Japan werden wir wohl mit dem Zug und anderen öffentlichen Verkehrsmitteln absolvieren. Dabei ist ein immerhin 8 kg schwerer Autokindersitz so nützlich wie… ähm… ihr wisst, was ich sagen will.

Die Diskussion sieht also momentan so aus:

Kiddy-AutositzCARES-Gurt
maximale Sicherheit im Fliegerakzeptable Sicherheit im Flieger
sperrig und schwer, wenn nicht gebrauchtgeringes Packmaß und Gewicht, wenn nicht gebraucht
im Mietauto und in Taxis zu verwendenextra Kindersitz in Mietautos und Taxis nötig -> Extrakosten

 

Wie würdet ihr euch entscheiden?

 

Update: Es kam dann am Ende alles anders – wir fuhren nicht Zug, sondern Campervan, wo wir einen Kindersitz ganz super gebrauchen konnten. Und wir entdeckten drei Wochen vor der Abreise das Doona Travel System, das die gesamte Diskussion neu aufrollte und uns als Kombination aus Babyschale und Gelegenheits-Reisebuggy restlos überzeugte. Der Kiddy-Sitz muss nun bis zum nächsten Flug warten – aber der kommt bestimmt!

4 Kommentare

  • Hallo. Danke für den interessanten Artikel. Wir stehen vor genau dem gleichen Problem. Brauchen für unseren 1-jährigen einen Sitz, mit dem man viel reisen kann. Pendeln zwischen Deutschland und Dubai. Welchen Sitz habt Ihr denn am Ende gekauft?
    Vielen Dank. Cornelia

    • Hallo Cornelia,
      für unsere Einjährige haben wir damals das Doona Travel System benutzt und waren total happy. Leider passt sie da nun schon lange nicht mehr hinein, weshalb wir von vorn nach der eierlegenden Wollmilchsau suchen müssen… :-/

    • Hi Jenny,
      Danke für die schnelle Antwort.
      Ich habe jetzt einen Kiddy Phoenixfix 3 bestellt (hat Flugzeugzulassung, ist in Klasse I fast der leichteste und kleinste), unser Sohn passt in den Doona leider nicht mehr rein – wenn ich den doch nur vorher gesehen hätte! Bin 1 Jahr mit McLaren und MaxiCosi hin- und hergeflogen … Das hätte mir das Leben einiges einfacher gemacht 🙂

  • Endlich habe ich es geschafft diesen ausführlichen Artikel zu lesen… wow und ich sehe schon, beim Thema Sicherheit der Kinder in Auto und Flieger sind wir auch einer ähnlichen Wellenlänge 🙂

    Nun aber zum Dilemma, meine Lösung dafür ist klar: Luftikid, gebraucht kaufen, am besten 2x.
    Für das Baby wäre vielleicht ein „kleiner“ Fangkörper für Mietwagen und Taxi + Cares im Flieger eine Überlegung wert. Ich möchte hier mal den Römer Vario in die Runde werfen.

    Aber man kann es drehen und wenden wie man will, die ideale Lösung gibt es leider nicht 🙁

    Liebe Grüße, Marc

Hier kommt deine Meinung rein.