Anreise: Rund ums Fliegen

Fliegen ohne Pass – (wie) geht das?

Wenn man einen Partner hat, der sich mit Terminen und Behörden schwertut, kann es durchaus mal passieren, dass kurz vor dem Abflug wichtige Dokumente für die Ein- und Ausreise fehlen oder nicht mehr gültig sind. Was tut man in einem solchen Fall?

Der normale deutsche Reisende braucht für einen Flug nach Neuseeland kaum offizielle Dokumente. Deutschland hat ein sogenanntes „Visa-Waiver-Abkommen“ mit Neuseeland, das Aufenthalte zu touristischen Zwecken bis zu drei Monaten ohne Visum ermöglicht.

Neben dem Reisepass möchten die Flughafenbehörden nur zwei Dinge bei der Einreise sehen: ein Rückflugticket (bzw. die E-Ticket-Nummer) oder einen anderen Beleg für die Weiter- bzw. Rückreise nach spätestens drei Monaten sowie den Nachweis über ausreichende Finanzmittel für den Aufenthalt im Land (als Schätzwert gelten 1.000 NZ$ pro Person und Monat). Das ist allerdings eine theoretische Aussage – wir mussten bisher noch nie einen Kontoauszug oder unsere Bargeldbestände vorlegen.

Aufgepasst: Die neuseeländischen Behörden möchten bei der Einreise einen Pass sehen, der noch mindestens ein halbes Jahr gültig ist – und zwar für jede einreisende Person, auch für die Kinder. Hier kommt es mitunter zu Problem(ch)en:

1)      Huch, mein Pass ist abgelaufen (oder nicht mehr lange genug gültig)!

In diesem durchaus sehr misslichen Fall muss man nicht verzweifeln. Eine Fülle von Ersatzdokumenten kann noch immer erworben werden – es kommt, wie so oft, nur auf den Preis an.

Express-Reisepass

Wer spätestens zwei volle Werktage vor Abflug bemerkt, dass sein Reisepass abgelaufen ist, der kann einen normalen neuen Reisepass per Express beantragen. Der kostet mit Express-Zuschlag schlappe 91 Euro und braucht ab offizieller Beantragung genau 48 Stunden.

Ob er dann auch bereits in der zuständigen Behörde abgeholt werden kann, ist allerdings nicht gesagt! Einmal ausgestellt, gilt er wie der normale Pass zehn Jahre lang.

Vorläufiger Reisepass

Den vorläufigen, grünen Reisepass stellen die Passämter aus, wenn weniger als zwei Tage Zeit bis zur Abreise sind. Er ist ab Ausstellungsdatum höchstens ein Jahr gültig und man kann damit auch nicht in die USA einreisen, aber dafür kostet er auch nur 26 Euro.

Schnäppchenjäger aufgepasst: Es kann sein, dass sich die Behörde einen Beleg für die Dringlichkeit der Ausstellung zeigen lässt, etwa das Flugticket! Kann man so etwas plus den abgelaufenen Pass (oder einen Personalausweis) sowie die üblichen zwei Lichtbilder vorlegen, hat man nach zwei Stunden das rettende Dokument. Nicht vergessen: Das zuständige (!) Meldeamt muss natürlich geöffnet haben!

(Aufatmen ist angesagt, wenn das Reiseziel Belgien, Frankreich, Griechenland, Italien, Liechtenstein, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Portugal, Schweiz, Slowenien oder Spanien ist: In diese Länder kann man laut Bundespolizei auch reisen, wenn der Pass oder der Personalausweis nicht länger als ein Jahr abgelaufen ist.)

2)      Huch, mein Pass ist weg!

Geht der Flug schon in wenigen Stunden oder bemerkt man seine Trantutigkeit Vergesslichkeit erst am Flughafen, hilft die Bundespolizei (der frühere Bundesgrenzschutz), der für EU-Bürger einen Reiseausweis als kurzfristigen Passersatz ausstellt. Hierfür sind wieder Personalausweis oder ein anderer Identitätsnachweis sowie ein Lichtbild nötig, nach einer halben Stunde und Zahlung von 8 Euro kann es losgehen.

Aber halt: Der Notreiseausweis ist nur gültig für die Dauer der aktuellen Reise, maximal jedoch drei Monate! Man kann außerdem keine Visa hineinkleben und er wird von einigen Staaten nicht als Reisedokument anerkannt. Auf dieser Liste der Bundespolizei sticht Neuseeland nicht als akzeptierendes Land hervor…

Anders sieht die Sache aus, wenn man den Pass im Urlaubsland verloren hat: Dann wird vom Deutschen Konsulat ebenfalls ein Reiseausweis als Passersatz ausgestellt, der aber nur für die Wiedereinreise nach Deutschland gültig ist.

Am Flughafen von Frankfurt/Main (Terminal 1, Halle B (Ankunft)) kann man sich in einem solchen Fall an den „Dokumentenservice“ wenden, der Passagieren bei der Neuausstellung verlorener Pässe hilft oder sich um fehlende Visa kümmert.

3)      Huch, mein Kind hat noch keinen eigenen Pass!

Vorbei sind die Zeiten, als man Kinder einfach auf Reisen mitnahm oder sie in den eigenen Pass eintragen ließ. Seit 2007 müssen sich auch Babys selbst ausweisen. (Achtung, Ausnahme: Ist ein Kind bereits vor 2007 in den Elternpass eingetragen worden und noch unter 16 Jahre alt, genügt das als Personaldokument!)

Statt des alten Kinderausweises gibt es dafür den Kinderreisepass. Er kostet 13 Euro, ist sechs Jahre oder höchstens bis zum 12. Lebensjahr gültig und kann bis dahin für jeweils 6 Euro und ein neues Passbild verlängert bzw. aktualisiert werden. Auch Babys müssen ein (relativ) biometrisches Passbild haben.

Wer mit Kind in die USA reisen möchte, der braucht den schicken E-Pass für Erwachsene, der auch biometrische Angaben wie Fingerabdrücke enthält. Der ist eigentlich erst für Kinder ab 12 Jahren vorgesehen, kann aber auch für kleinere Kinder ausgestellt werden – denen erlässt man sogar die Fingerabdrücke. Mit 37,50 Euro ist der E-Pass allerdings recht happig und dazu noch für Kinder maximal sechs Jahre gültig – ohne Verlängerungsoption.

Lasst euch auf dem Meldeamt bitte keinen Quatsch erzählen: Der E-Pass bzw. normale Reisepass ist für Kinder wirklich nur dann nötig, wenn ihr mit ihnen in die USA einreisen (oder dort zwischenlanden) wollt. Für alle anderen Reisen, auch nach Neuseeland, genügt der Kinderreisepass.

Einziges Manko: Der Kinderreisepass kann nicht elektronisch gescannt werden. Ihr könnt also nicht die automatische Passkontrolle an einigen Flughäfen nutzen, und Grenzbeamte in Japan oder Timbuktu werden angesichts des Passes vielleicht die Stirn runzeln und ein wenig länger brauchen.

Für die Beantragung des Kinderreisepasses müsst ihr mit dem Kind (!), dem anderen Sorgeberechtigten (!) oder dessen Vollmacht, der Geburtsurkunde und einem biometrischen Passbild auf dem zuständigen Meldeamt erscheinen – und zwar drei bis sechs Wochen vor Reiseantritt!

Extrem wichtig ist bei Kindern der prüfende Blick auf das Bild im Pass: Sieht das Kind noch so aus wie auf dem Foto? Wenn nicht, muss der Kinderreisepass mit neuem Bild verlängert werden – und das mitsamt allen oben genannten Dokumenten und natürlich rechtzeitig.

(Ihr werdet immer eine Familie finden, die mit ihrem Sechsjährigen und einem Baby-Passbild ohne Probleme durch die Welt gereist ist. Aber es gibt auch Fälle, in denen Familien die Einreise von strengen Grenzbeamten verweigert wurde – und wollt ihr wirklich aus Bequemlichkeit und um 6 Euro zu sparen, so etwas riskieren?)

2 Kommentare

  • Noch als Anmerkung zum epass (Reisepass) für Kinder. Uns wurde gesagt, dass die USA den auch nur akzeptiert, wenn das Foto aktuell ist (bzw. man das Kind darauf auch erkennen kann). Also ist er im Zweifelsfall auch nicht 6 Jahre nutzbar, obwohl vielleicht noch gültig.

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