Kennt ihr das King Country in Neuseeland? Außer den weltberühmten Waitomo Caves ist diese Region auf der Nordinsel fast unbekannt. Wir zeigen euch 11 spannende Orte im King Country, wo ihr mit hoher Wahrscheinlichkeit keinem Touristen begegnen werdet.

King Country bei Waitomo: Hier warten viele Überraschungen!
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Grün, grün, grün reihen sich Hügel und Wälder aneinander, säumen den kurvigen Highway bis zum Horizont, der an den knallblauen, unendlich hohen Himmel stößt. Orte gibt es wenige, dafür viel Gegend. Wie schön es im abgeschiedenen King Country auf der Nordinsel Neuseelands ist, hat sich noch nicht herumgesprochen; die meisten Besucher brausen in einem Ritt hindurch und halten allenfalls für einen Kurzbesuch an den Waitomo Glowworm Caves.
Abseits dieses Mega-Highlights sind die wenigen nennenswerten Orte des King Country, wie Te Kuiti oder Otorohanga, bei Touristen unbekannt. In den Siedlungen wie Piopio oder Mōkau findet man auch heute noch ein Neuseeland, das in den guten alten 1960er-Jahren stehengeblieben zu sein scheint.

Und los geht die Reise durch das King Country!
Dabei ist das King Country reich an versteckten Naturwundern – und extrem arm an Besuchern. Kaum zu glauben, dass nur einen Kurztrip von Auckland entfernt eine Region liegt, die den meisten Reiseführern nur eine Randnotiz wert ist.
Umso besser für euch, wenn ihr Neuseeland abseits der ausgetretenen Pfade kennenlernen wollt!
Inhalt
Wo liegt das King Country in Neuseeland?
Schaut euch mal eine Landkarte der Nordinsel an – der große Fleck zwischen Hamilton und New Plymouth, zwischen der Tasman Sea und dem Lake Taupō, wo man fast nichts sieht außer Grün und einigen minikleinen Ortschaften, das ist das King Country.
So ungefähr jedenfalls – offizielle Grenzen hat der Landstrich nicht, denn er ist kein offizieller Verwaltungsdistrikt. Ihr wisst, dass ihr das King Country betreten habt, wenn ihr südlich von Otorohanga seid oder nördlich von Taumaranui.

Und manchmal trifft man ein Schweinchen hinterm Zaun…
…und woher kommt der Name?
Warum hat das King Country diesen interessanten Namen? Er bezieht sich auf einen echten König, aber nicht etwa auf einen englischen!
Jetzt müssen wir ein bisschen Neuseeland-Geschichtsunterricht machen: Die Māori sind eigentlich kein einheitliches Volk, sie kamen über Jahrhunderte verteilt nach Neuseeland und lebten als unabhängige Stämme – die erbitterte Kriege führten und sich gegenseitig versklavten, aßen oder ausrotteten. Sie begannen sich erst als ein Volk zu verstehen, als ein gemeinsamer Feind in ihr Land kam: die Engländer, die Neuseeland gern haben wollten und es Stück für Stück kauften.
Anders als die Aborigines in Australien setzten sich die kriegerischen Māori heftig zur Wehr, und sie beobachteten ihren Feind genau; vor allem nach dem Vertrag von Waitangi, der ihnen das Recht an ihrem Land bestätigt hatte. Den Vertrag hatten zahlreiche Maori-Chiefs unterzeichnet, viele andere aber nicht – und diese Uneinigkeit nutzten die Engländer clever aus, um die Stämme gegeneinander auszuspielen (sie führten sogar Kriege mit modernen Waffen untereinander).
Die Idee war: Gäbe es einen König, der alle Māori-Stämme repräsentierte, dann könnte dieser auf Augenhöhe mit der englischen Königin Victoria verhandeln und sich über den Landraub durch die Engländer beschweren.
1859 wurde dann der erste Māori-König gekrönt: The Wherowhero war Chief der Ngāti Maniapoto, die um Waitomo herum lebten. Die Engländer waren wenig begeistert von der Kingitanga-Bewegung; sie sahen das als Beleidigung ihrer eigenen Königin an. Es kam zu immer schlimmeren Konflikten.
In den Neuseelandkriegen starteten die Engländer ab 1863 eine Invasion der Waikato-Region. Bald musste sich der (bereits zweite) Māori-König Tāwhiao mit seinen Getreuen nach Westen zurückziehen. Er drohte, jeden Pākehā zu töten, der die Grenzlinie des Pūniu River überschritt. Für die Engländer war der Landstrich daher jahrelang tabu, hier wurden deutlich weniger Siedlungen gegründet – was man auch heute noch sieht.
Wir lernen: Das King Country verdankt seinen Namen dem Māori-König, der bei seinen Verwandten der Ngāti Maniapoto im Exil unterkam.

Hier versteckte sich also einst der Maori-König…
Erst ab 1881, als die “Rebellen” ihre Waffen niederlegten und der Landvermessung des King Country für den Bau einer Eisenbahnstrecke zustimmten, wagten sich mutige Forschungsreisende in das „verbotene Land“ vor. Sie entdeckten das Höhlensystem von Waitomo und erkundeten die Vulkane Mount Ngauruhoe und Mount Ruapehu, die die Grenze des King Country nach Osten markieren.

Mount Ruapehu markiert die Ostgrenze des King Country
Den Māori-König gibt es übrigens bis heute! Seit 2024 ist es eine Königin, nämlich Nga wai hono i te po, deren Residenz wie von Anbeginn das Örtchen Ngāruawāhia ist – ganz knapp nicht im King Country, ein Stück nördlich von Hamilton.
Reisen im King Country
Wie reist man am besten durch das King Country? Heute wird man zwar nicht mehr von wütenden Maori bedroht, dafür von der mangelhaften Infrastruktur. Außer Te Kuiti oder Otorohanga ist kaum ein Ort an das Fernbus-Netz von InterCity angebunden und der Northern Explorer Zug bringt euch ebenfalls nur nach Otorohanga (immerhin!).
Highlights im King Country wie die Waitomo Caves werden mehrmals täglich von Tour-Bussen aus Auckland (und vielleicht auch Rotorua) angefahren; auf einem Tagesausflug ab Auckland könnt ihr also immerhin ein bisschen King-Country-Luft schnuppern.
Für den Großteil der versteckten Schönheiten, die wir euch gleich zeigen werden, braucht ihr aber definitiv ein eigenes Auto oder einen Camper.
Wer nur fix durchfahren will, dem empfehlen wir eher ein Mietauto – viele der Straßen im hügeligen King Country sind schmal und kurvig, ein Auto fährt sich hier deutlich bequemer und schneller.
Wollt ihr ein paar Tage bleiben, ist ein Camper die bessere Wahl; damit könnt ihr auch abseits der größeren Orte auf Campsites oder Freedom Camping Spots übernachten. Unterkünfte wie Motels und Bed and Breakfasts* sind im King Country dünn gesät!
11 Highlights und Geheimtipps im King Country
Im King Country liegt nicht nur viel (blutige) Geschichte, sondern auch das eigentliche Neuseeland. Hier warten keine dampfenden Thermalfelder, keine schneebedeckten Vulkangipfel oder andere Spektakularitäten; dafür gibt es viele unentdeckte kleine Paradiese am Wegrand, die ihr ganz allein entdecken könnt, ohne euch über Massentourismus zu ärgern (große Ausnahme: die Waitomo Glowworm Caves).
Waitomo Caves: Ruakuri Cave und Ruakuri Bushwalk
Wir fangen an mit dem Ort, denn alle Neuseeland-Reisenden kennen und die meisten auch besuchen – von einem Geheimtipp kann daher keine Rede sein, wenn wir die Waitomo Glowworm Caves vorstellen. Aber wartet ab!
Wer Glowworms in Neuseeland sehen will und wenig Zeit hat, der kann die Waitomo Caves gern besuchen. Man sieht hier auf einer angenehm kurzen Tour, die aus Rundgang und Bootsfahrt besteht, wirklich viele Glowworms, und das in Tagesausflugs-Distanz von Auckland. Wir haben die Waitomo Caves als Neuseeland-Neulinge besucht und waren sehr begeistert (in der Nebensaison war es auch gar nicht so voll).
-> Hier könnt ihr euren Besuch der Waitomo Caves reservieren* (was empfehlenswert ist angesichts der Massen!)

Der Eingang zu den Waitomo Caves deutet die Massen an, die hier ankommen
Mit kleinen Kindern empfehle ich die Waitomo Caves weniger, weil das Erlebnis wegen der vielen Besucher arg durchgetaktet ist – da muss man funktionieren, und vor allem auf Stichwort still sein!
Gleich neben dem Massentourismus der Waitomo Glowworm Caves warten allerdings noch weitere Höhlen, die deutlich weniger Besucher sehen: Bei einem geführten Rundgang durch die Ruakuri Cave habt ihr eure Ruhe und erlebt die Magie der Tropfsteinhöhlen, könnt euch mehr Zeit lassen und könnt die Glow-worms fotografieren – all das ist in den Waitomo Caves nicht möglich. Ihr verzichtet im Gegenzug auf die Bootsfahrt auf dem spiegelglatten schwarzen See und seht insgesamt weniger Glowworms als in den Waitomo Caves.

Die deutlich wenig besuchte Ruakuri Cave © Depositphotos.com
Auch die abgelegene Aranui Cave könnt ihr besuchen. In dieser “trockenen Tropfsteinhöhle” seht ihr keine Glowworms, mit etwas Glück aber die abnormal große Cave Weta – und für Kinder wird hier eine spannende Schatzsuche angeboten! Mit 2 Stunden ist dieser Höhlenbesuch deutlich länger als die anderen.
-> die Tour durch die Aranui Cave buchen*

Der Eingang zur Aranui Cave sieht richtig spannend aus, oder?
Jetzt noch unser Geheimtipp: Der Ruakuri Bushwalk führt euch völlig kostenlos von außen um die vielen Höhlen im Waitomo-System herum und ist perfekt für eine kurze Wanderung mit Kindern – man läuft und kraxelt durch dichten Märchenwald, überquert immer wieder kleine Brücken und läuft hoch über dem rauschenden Fluss an Felswänden entlang, zwei- oder dreimal geht es auch durch Felsentunnel mit Höhlenfeeling hindurch.
Das Highlight zeigt sich in der Abenddämmerung: Dann leuchten Glowworms an den feuchten Felswänden und Baumstämmen auf, Bummeln lohnt sich also!
Übernachtungstipp: In der vom YHA betriebenen Juno Hall* könnt ihr kleine Backpacker-Zimmer mieten oder auf der Wiese euren Camper abstellen und die Sanitäranlagen im Hauptgebäude nutzen. Gleich um die Ecke von den Waitomo Caves ist es hier sehr familiär und gemütlich!
Kawhia – Hot Water Beach
Die nördliche Grenze des King Country wird vom Kawhia Harbour gebildet, der sich südlich von Raglan weit ins Land hinein zieht. Am äußersten Ende dieses Naturhafens liegt das Örtchen Kawhia.

Welcome to… Kawhia
Hier landete einst das Tainui-Waka, mit dem die Vorfahren der heute hier lebenden Maori aus dem legendären Hawaiki herkamen; angebunden wurde es damals an einem Pohutukawa-Baum, der immer noch steht und einer der größten Neuseelands sein soll. Bei den Maori hat Kawhia deshalb bis heute eine große Bedeutung, und sie stellen auch einen Großteil der Bevölkerung.

In Kawhia ist die Maori-Kultur sehr sichtbar
In Kawhia selbst ist nicht viel los; der Ort hat ja auch nur knapp 300 Einwohner. Nachdem ihr ein wenig herumgebummelt seid und vielleicht einen Blick in das winzige Museum geworfen habt, fahrt ihr deshalb gleich weiter zum eigentlichen Grund dieses langen Abstechers (ja, Kawhia liegt am Ende einer Sackgasse): Der Ocean Beach westlich des Ortes wird auch Te Puia Hot Springs genannt, und genau diese findet ihr dort.

Kawhia Ocean Beach bei Mistwetter…
Genau wie am Hot Water Beach bei Hahei auf der Coromandel Peninsula liegen unter dem Sand des Strandes heiße Quellen, die 2 Stunden vor und nach dem Ebbe-Tiefstand zugänglich werden – grabt ihr dann an der richtigen Stelle, sprudelt kochend heißes Wasser hervor und ihr könnt euch euer eigenes Spa bauen.
Anders als am Hot Water Beach auf Coromandel seid ihr in Kawhia beim Buddeln und Relaxen höchstwahrscheinlich allein; und der endlos breite schwarze Strand, der von hohen Dünen begrenzt wird, ist deutlich eindrucksvoller. (Anders als am Hot Water Beach müsst ihr den genauen Ort der Hot Springs aber auch länger suchen, weil nicht schon zig Leute drinsitzen, und eure Schaufel selbst mitbringen!)

Ocean Beach in Kawhia bei schönem Wetter
Otorohanga – Kiwiana Town und Kiwi House
Das Städtchen Otorohanga ist sozusagen das Tor zum King Country; und damit Touristen hier auch anhalten, anstatt einfach weiter zu den Waitomo Caves zu fahren, hat sich Otorohanga selbstbewusst zur Kiwiana-Hauptstadt deklariert.
Unter Kiwiana versteht man Alltagsgegenstände, Kleidung und Gerichte, die “typisch Neuseeland” sind; vor allem typisch für die “good old days” der englischstämmigen Neuseeländer*innen, die man heute getrost als Boomer bezeichnen darf; vergleichen könnte man es mit der Ostalgie ehemaliger DDR-Bürger, die heute noch Russisch Brot und Rotkäppchensekt feiern, weil es sie an früher erinnert.
Was besonders typisch Kiwiana ist, seht ihr bei einem Bummel durch Otorohanga: angefangen beim Wellblech-Kiwi am Ortseingang und dem Ed Hillary Walkway am Bahnhof (hier hält übrigens der Northern Explorer, der von Auckland nach Wellington fährt!) über den riesigen Pukeko namens Nancy am Seeufer bis zum “Kiwiana Mural” an der Maniapoto Street.

Der Blechkiwi ist das Wahrzeichen von Otorohanga © iTravelNZ unter CC-by-2.0
Außerdem hat Otorohanga ein Kiwi-Haus, in dem tagsüber künstliche Nacht herrscht – so kann man die nachtaktiven, scheuen Vögel in ihrem Habitat beobachten, ohne sie zu stören und ohne dafür Stunden und Tage im nächtlichen Wald zu warten. Neben den knuffigen Kiwis seht ihr noch viele andere (tagaktive) einheimische Vögel und natürlich auch die Tuatara-Echse.
Das Kiwi-Haus in Otorohanga gibt es bereits seit 1971 und es ist die größte private Vogelsammlung in Neuseeland; hier werden auch Kiwis gezüchtet, nicht nur gehalten. Mit eurem Eintritt leistet ihr also einen wichtigen Beitrag zur Arterhaltung.
-> Hier geht es zur Kiwi House Website
Piopio – Hairy Feet Waitomo
Hobbit-Fans aufgepasst! Im King Country liegt ein Mega-Highlight, das sich mit dem Hobbiton Movie Set durchaus messen kann – nicht in puncto Besucherzahlen, sondern spektakulärer Drehorte!
Auf der Farm der Familie Denize wurden zahlreiche Szenen aus dem “Hobbit: Eine unerwartete Reise” gedreht und später dann auch für die Serie “Die Ringe der Macht“.

Die Hobbit-Tour mit Hairy Feet Waitomo macht richtig Spaß
Bei einer geführten Tour, die nur samstags 10 Uhr startet (und auch nicht jede Woche!), erfahrt ihr in einer kleinen Gruppe unglaublich viel über die Filmdrehs, könnt selbst an Bilbos Stelle sein Schwert Stich halten, die zauberhafte Landschaft der Mangaotaki Rocks bewundern und im kleinen Shop dann nach Herzenslust Souvenirs kaufen.
Ich war nach der Tour mit Hairy Feet Waitomo ganz verzaubert, und unserer Leserin Ljubi ging es genauso – sie hat schon 2016 eine Review zu dieser Hobbit-Location für uns geschrieben.

In den Fußstapfen von Bilbo unterwegs
Kosten: Ein Ticket für eine geführte Tour kostet 70 NZ$, Kinder zahlen 40 NZ$. Meldet euch frühzeitig an für euren Wunschtermin!
Anfahrt: „Hairy Feet Waitomo“ liegt im Hinterland von Piopio (am SH 3) an der Mangaotaki Road 1411; biegt im Ort links von der Kaka Street ab und fahrt noch ca. 14 km auf der Mangaotaki Road weiter; das letzte Stück ist sehr steil und eng!
-> Bucht eure Tour mit Hairy Feet Waitomo*
Geheimtipp: Waitanguru Falls
Wenn ihr eh schon von Piopio auf der Mangaotaki Road in Richtung Denize Bluffs gefahren seid, könnt ihr auf der kurvigen Straße auch gleich noch ein Stück weiter in die Wildnis hineinfahren. Etwa 5 km nach der Farm der Denize-Familie erreicht ihr einen kleinen Parkplatz und ein grün-gelbes DOC-Schild, das auf die Waitanguru Falls hinweist – ein echter Geheimtipp, denn hierher verirrt sich kaum jemand, und Durchgangsverkehr gibt es auch keinen.
Der Weg zu den Waitanguru Falls führt recht steil bergab, zwischendrin auch über hölzerne Treppen – bei oder nach Regen müsst ihr gut aufpassen, damit ihr nicht ausrutscht. Unten wartet dann eine kleine Aussichtsplattform, von der ihr den überraschend hohen Wasserfall bewundern könnt.

Die Waitanguru Falls bei Piopio: eines unserer Neuseeland-Highlights
Wem das nicht genügt, der kann auch direkt an den Fuß des Wasserfalls klettern, das ist nicht schwer – und sich ordentlich nass spritzen lassen ;-)
-> zum Waitanguru Falls Walk auf der DOC-Website
Mangapohue Natural Bridge
Entlang der Te Anga Road, die von Waitomo bis an die Westküste führt, warten eine ganze Menge kleiner Highlights, die ihr auf einem Roadtrip durch das tiefste King Country verbinden könnt. Etwa 25 km nach den Waitomo Caves findet ihr am Straßenrand den Wegweiser zur Mangapohue Natural Bridge – haltet hier unbedingt an!
Wir waren schon bei unserer ersten Neuseelandreise total geflasht von der verwunschenen Schönheit dieser kleinen Ecke: Man läuft etwa 10 Minuten über einen Plankenweg, der sich durch knorrige Baumstämme, herabhängende Luftwurzeln und dichte Farnwedel windet, entlang des leise murmelnden Mangapōhue River, dann gelangt man über eine Hängebrücke in einen saalhoch aufragenden, 17 m langen Felsentunnel – der Rest einer Höhle, von der noch die Stalaktiten zu sehen sind. Abends sieht man hier an den Wänden einen blauweißen Sternenhimmel aus „glow-worms“ leuchten.

Die atemberaubende Mangapohue Natural Bridge © itravelNZ unter CC 2.0
Hinter dem Tunnel wird es noch schöner: Durch sonnengewärmte Hügel windet sich das Flüsschen, dessen Ufer von Baumfarnen beschattet werden; dazwischen spitzen seltsam glatte, schwarze Felsen aus dem Gras, auf denen ohne Weiteres ein Zauberer mit Bart und Hut sitzen und ausruhen könnte. Nur die Schafköttel unter euren Füßen erinnern daran, dass ihr nicht in Mittelerde seid. (Seit einigen Jahren darf man das Land hinter dem Felsentunnel nicht mehr betreten, was wirklich sehr schade ist.)
-> zum Mangapohue Natural Bridge Walk auf der DOC-Website
Marokopa Falls
Nur ein paar Kilometer weiter haltet ihr schon wieder an – diesmal für einen Wasserfall, der überraschend groß ist! Auf Instagram wird er neuerdings von den Kiwi-Influencern als DER neue Geheimtipp herumgereicht und soll der schönste Wasserfall Neuseelands sein, aber keine Sorge: Den 30-km-Abstecher von Waitomo nehmen immer noch nur wenige Touristen.
Die Marokopa Falls sind beeindruckende 35 Meter hoch und fallen in einer hübsch breiten Kaskade in ein kleines Felsenbecken. Der Weg vom Parkplatz ist nicht einmal 600 m lang, glaube ich – also auch mit kleinen Kindern ein schöner, einfacher Ausflug.

Die Marokopa Falls bei Waitomo © Depositphotos.com
-> zum Marokopa Falls Walk auf der DOC-Website
Geheimtipp: Omaru Falls
Eine wirklich hübsche Wanderung führt mitten im Nirgendwo zu den Omaru Falls, die ähnlich wie die Marokopa Falls in einer breiten Kaskade zu Tal stürzen; allerdings sind sie mit 45 Metern deutlich höher.
Der Omaru Falls Walk ist 1,7 km lang (hin und zurück) und führt ohne große Herausforderungen (bis auf den letzten Anstieg) durch Farm- und Buschland in ca. 30 Minuten zu einem Aussichtspunkt oberhalb des Wasserfalls. Man gelangt zwar nicht allzu nah an den Wasserfall heran, dafür seid ihr auf dem Omaru Falls Walk mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit total allein und könnt auf dem Weg dorthin noch eine Badepause im Mapiu River einlegen.

Die Omaru Falls sind noch ein echter Geheimtipp
Anfahrt: Vom SH 4 biegt 30 Autominuten südlich von Te Kūiti die Omaru Road ab und führt nach 700 Metern zu einem kleinen Besucherparkplatz (lasst hier keine Wertsachen im Auto!).
-> zum Omaru Falls Walk auf der DOC-Website
Pureora Forest mit Timber Trail
Das große Waldgebiet des Pureora Forest, der bis 1946 ein Nationalpark war, bildet die Ostgrenze des King Country und wird (genauso wie der Rest) kaum von Touristen besucht – wenn ihr hier wandert oder radelt, werdet ihr fast nur Kiwis treffen (also Neuseeländer – die scheuen Vögel sind in dieser Region aber auch zu finden, genau wie der seltene Kokako). Und es lohnt sich, herzukommen – nach wie vor stehen eine Menge riesiger, uralter Rimu- und Totara-Bäume, die der jahrzehntelangen Abholzung entgangen sind. Diese wurde übrigens erst Ende der 1970er-Jahre dank des mutigen Protests von Umweltschützern gestoppt, die sich in die Baumwipfel setzten.
Den Mount Pureora könnt ihr auch als absolute Wandermuffel “besteigen”, der Weg vom Mini-Parkplatz an der Link Road ist nur 2,6 km lang und steigt mäßig an. Oben habt ihr einen extrem weiten Blick über das King Country: vom Mount Taranaki im Westen bis zum Mount Ruapehu im Osten, außerdem seht ihr den Lake Taupo.
Eine recht einfache Wanderung ist die zum Centre of North Island, die euch – ihr ahnt es – zum geografischen Mittelpunkt der Nordinsel führt. Außerdem könnt ihr im Park auf dem Pouākani Tōtara Tree Walk den größten noch lebenden Tōtara sehen, der einen Umfang von 12 Metern hat! In der Waitara Lagoon spiegeln sich die Baumriesen im stillen Wasser.

Mit dem Rad über die Mangatukutuku Bridge auf dem Timber Trail © Robin Capper unter CC-by-NC 2.0
Der 84 km lange Timber Trail ist ein echt cooler Radweg, der vollkommen abseits von Autostraßen verläuft und euch auf den Spuren alter Holzfäller-Wege durch die schönsten Landschaften des Pureora Forest führt; dabei fahrt ihr über acht eindrucksvolle Hängebrücken.
-> Hier geht es zur Website des Timber Trail
Mokau
Auf dem SH 3 erreicht ihr ca. 50 km nach Piopio die Westküste – und hier bietet das Ferienörtchen Mokau einen natürlichen Zwischenstopp an, denn der breite Strand mit seinem tiefschwarzen vulkanischen Sand will in Ruhe erkundet werden.

Teenie im Sonnenuntergang am Mokau Beach
Ein Stück weiter im Süden – das ist dann schon die Region Taranaki – erreicht ihr die spektakulär steilen Steilküsten mit den fantastisch geformten Felsensäulen der Three Sisters am Tongaporutu Beach und noch ein Stück weiter warten die White Cliffs.

Traumhaft: die Three Sisters am Tongaporutu Beach
-> Tongaporutu Beach: der schönste Strand Neuseelands?!
Früher fuhren Touristen gern auf dem Mokau River, der hier ins Meer mündet. Im Frühjahr (also Ende September) seht ihr an der Flussmündung Whitebait-Fischer mit großen Netzen oder Keschern im Wasser stehen; es gibt dann in den Fish-and-Chips-Takeaways und Pubs der Gegend überall frische Whitebait Patties (-> warum wir Whitebait Patties nicht mehr essen).
Ihr seht – das King Country auf Neuseelands Nordinsel ist viel zu faszinierend, um einfach durchzufahren. Nehmt euch zwei, drei Tage Zeit und genießt euren Neuseeland-Roadtrip abseits der ausgetretenen Pfade!

Das King Country in Neuseeland: voller Überraschungen!
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