USA

Oregon-Roadtrip: 3 aufregende Wochen im Pacific Northwest

WBei USA-Reisen steht Oregon meist nicht an erster Stelle – vielen Reisenden ist der Bundesstaat gar nicht bekannt. Das ändern wir jetzt und zeigen euch unsere Route für einen Oregon-Roadtrip in knapp 3 Wochen.

Oregon-Roadtrip Astoria am Strand

(Fast) alle Weltwunderer am Ende unseres 3-wöchigen Oregon-Roadtrips in Astoria

Was wir denn in Oregon wollen, wurden wir vor unserem Oregon-Roadtrip des öfteren gefragt. Fast niemand kennt den US-Bundesstaat, der an der Westküste zwischen Kalifornien und Washington liegt. Und ich gebe zu: Ich hatte vorher von Oregon auch nur eine sehr schemenhafte Vorstellung, vor allem gespeist aus einem (!) Instagram-Foto von einem wilden, breiten, von Nadelbäumen gesäumten Strand.

Aber schon eine kurze Recherche ließ mir sozusagen das Wasser im Mund zusammenlaufen: Oregon hat alles, was Naturfreunde so mögen. Kilometerlange raue Strände, dichte Urwälder und weite Steppenlandschaften, tief eingeschnittene Flusstäler mit spektakulären Wasserfällen, einsame Bergseen und atemberaubende Vulkankrater, sogar eine echte Wüste gibt es!

Oregon Coast Port Orford Strand

Für seine wilden Pazifik-Strände ist Oregon berühmt

Eine Route für unseren Oregon-Roadtrip zu basteln, auf der wir alle Naturwunder und Must-sees von Oregon sehen könnten, war ziemlich knifflig. Diese verteilen sich nämlich recht gleichmäßig über ganz Oregon, das immerhin 255.000 km² groß und damit der neuntgrößte Bundesstaat der USA ist (zum Vergleich: Damit ist Oregon zwar deutlich kleiner als Deutschland, aber immer noch größer als Großbritannien). Und wer nicht täglich 500 km fahren will, der hat ein Planungsproblem.

Diverse Schwierigkeiten, die sich erst vor Ort auftaten, warfen unsere grob geplante Route dann direkt wieder um – alles auf Anfang hieß es, dank einer Mega-Hitzewelle mit Temperaturen über 40° C im Inland, einer Leichtathletik-WM in Eugene, die Motelpreise in schwindelerregende Höhen trieb und nicht zuletzt einer Autovermietung, die uns ohne Vorwarnung ohne Auto stehenließ (danke für gar nichts, Hertz!).

Oregon-Roadtrip Brücke am Mt St Helens

Das Ergebnis, das wir euch als unsere Route für 3 Wochen Oregon mit Kindern präsentieren, ist daher alles andere als perfekt. Wir haben zwar unheimlich viele verschiedene Landschaften gesehen und herrliche Eindrücke mit nach Hause gebracht, aber ganz Oregon haben wir mitnichten gesehen – wir kommen also definitiv wieder.

Für einen Sommer-Roadtrip mit Kindern, mit täglichen Fahrtzeiten von (meistens) unter zwei Stunden und viel Zeit für spontane Entdeckungen am Wegrand ist unsere Oregon-Route aber ziemlich gut geeignet. Zum Nachfahren könnt ihr sie hier auf der Karte anschauen:

Das müsst ihr für euren Oregon-Roadtrip wissen

Bevor ihr euren Oregon-Roadtrip startet, solltet ihr ein bisschen über den „Beaver State“ im Pacific Northwest (PNW) wissen.

💡 Wo liegt Oregon?

Oregon liegt im Nordwesten der USA, an der Küste des Pazifiks zwischen Kalifornien (im Süden) und Washington (im Norden). Im Osten grenzen noch Idaho und Nevada an. Bis auf die nördliche Grenze, die dem Lauf des Columbia River folgt, sieht Oregon aus wie ein mit dem Lineal abgemessenes Viereck – selbst die Küste verläuft fast schnurgerade.

Oregon-Roadtrip Highway

Auf den Highways außerhalb der großen Städte ist nicht viel los – und es geht immer geradeaus

💡 Welche Städte liegen in Oregon?

Oregons größte Städte liegen alle nicht weit von der Küste entfernt in der langgezogenen Schwemmland-Ebene des Willamette River (angeblich die fruchtbarste Region DER WELT).

Portland ganz im Norden ist mit ca. 600.000 Einwohnern die bekannteste und größte Stadt Oregons, hier landen auch internationale Flüge (teilweise direkt aus Deutschland). Oregons Hauptstadt heißt Salem – mit nur 175.000 Einwohnern ein regelrechtes verschlafenes Nest. Die älteste Stadt wiederum ist Astoria, in der nordwestlichsten Ecke.

Oregon-Roadtrip Coos Bay

Coos Bay ist eine Kleinstadt wie alle anderen in Oregon…

Portland Pioneer Square

…während Portland eine echte Großstadt ist (und trotzdem recht verschlafen wirkt)

💡 Die beste Reisezeit für Oregon

Wir waren im Hochsommer in Oregon und haben ein enormes Temperaturspektrum erlebt. Die schon erwähnten 40° C sind für den Großteil von Oregon ungewöhnlich (gewesen), da der Bundesstaat in der gemäßigten Klimazone liegt. Ja, die Sommer in Oregon sind warm und trocken, aber normalerweise nicht so heiß.

Extreme Hitze und Kälte sind eigentlich nur im gebirgigen Inland zu erwarten, wo auch die Oregon Badlands und die Alvord Desert liegen – aber dank Klimawandel herrschen jetzt eben auch in küstennahen Regionen über Wochen schweißtreibende Temperaturen im Sommer. Da hilft nur baden, was in den vielen Flüssen und Bergseen eine echte Freude ist.

Oregon Klamath Lake mit Pelikan

Im riesigen Klamath Lake baden vor allem Pelikane und Kormorane

Wir fanden es an der Küste von Oregon am angenehmsten, mitunter haben wir dort aber regelrecht gefroren: Mehr als 20° C waren hier kaum einmal, abends trugen wir Fleece- und Regenjacken übereinander und wunderten uns nicht mehr, dass es in den Motels gar keine Klimaanlagen gab – die braucht es an der Oregon Coast offenbar nie.

Das liegt vor allem am berühmt-berüchtigten Nebel, der jeden Morgen bis weit in den Mittag über der Küste liegt, stellenweise für wirklich null Sicht sorgt und die Luft ordentlich abkühlt. Richtiges Badewetter ist in Oregon auch im Hochsommer eher selten – aber der Pazifik ist eh so kalt, dass nur Hartgesottene und gute Schwimmer ins Wasser gehen sollten.

Oregon Coast Straße mit Nebel

Nebel, Nebel, Nebel – die Oregon Coast ist regelrecht mystisch

Beim nächsten Mal würden wir Oregon im Mai/Juni oder aber im September/Oktober besuchen, dann ist es im Inland nicht so heiß und es sind auch keine Sommerferien – die für (wirklich komplett) ausgebuchte Campsites im ganzen Land sorgen und auch die Motelpreise in beliebten Regionen in die Höhe treiben.

Im Winter wird es im Inland von Oregon in den Bergen eiskalt, viele Straßen sind dann wegen Schnee gesperrt (teilweise bis in den Mai/Juni hinein), also auch nicht ideal für einen Roadtrip. Die rauen Küsten sind allerdings im Winter eine echte Augenweide, haben wir uns sagen lassen – Stürme sorgen dann für spektakuläre Wellen.

Oregon Agate Beach Welle

Aber auch im Sommer spritzt es an der Oregon Coast gewaltig!

💡 Verkehrsregeln in Oregon

Egal ob ihr wie wir im Mietauto oder im Wohnmobil durch Oregon fahrt, diese Regeln gelten auf den Straßen (nicht nur, aber auch in Oregon):

  • Die Höchstgeschwindigkeit auf Oregons Highways ist 65 (manchmal auch 70) mph (etwa 104 bis 112 km/h). Innerorts fährt man fast immer 25 mph (ca. 40 km/h).
  • Vorfahrt an gleichrangigen Kreuzungen hat das Auto, das zuerst da war.
  • Der Grüne Pfeil gilt an jeder roten Ampel für Rechtsabbieger, auch wenn es nicht extra dransteht.
  • Einen haltenden Schulbus darf man nie überholen, auch nicht, wenn er auf der Gegenfahrbahn steht!
  • Kinder unter 12 Jahren dürft ihr unter keinen Umständen allein im Auto lassen.
  • Selbst tanken ist in Oregon verboten – also bleibt im Auto sitzen und lasst die Tankwarts ihren Job machen. Trinkgeld wollen die übrigens auch keins!

Gut zu wissen: Es gibt keine Maut-Straßen („toll roads“) in Oregon. Nur auf der Bridge of the Gods und auf der Hood River-White Salmon Interstate Bridge in der Columbia River Gorge mussten wir 3,50 US$ Toll bezahlen.

Und auch gut zu wissen: Die Oregonians (und wahrscheinlich alle US-Amerikaner) fahren sehr gesittet. Es wird weder gedrängelt noch gehupt oder geschnitten. Allerdings fahren auf den Highways alle 5 bis 10 mph schneller als das Limit – da muss man sich halt anpassen…

Oregon im Rückspiegel

Autofahren ist in Oregon ganz einfach und macht Spaß

💡 5 interessante Oregon Quick Facts

  1. Oregon ist der 33. Bundesstaat der USA, er wurde erst 1859 gegründet.
  2. Marihuana ist frei verkäuflich: Genauso wie in Kalifornien und Washington kann man in Oregon seit 2014 Marihuana in sogenannten Weed Shops ganz normal kaufen – „for medicinal and recreational use“, wie die Werbeschilder versprechen. Vielleicht sind die Menschen deshalb so entspannt?
  3. Es gibt keine Mehrwertsteuer. Was auf dem Preisschild steht, müsst ihr auch bezahlen – anders als in Kalifornien oder Washington beispielsweise.
  4. Waffen dürfen offen getragen werden. Uns erscheint es ziemlich widersprüchlich, dass in einem so toleranten Staat wie Oregon gleichzeitig von jedermann Waffen getragen werden dürfen, und das sogar offen – das ist in den USA eher selten.
  5. Es gibt superviele Deutsche in Oregon. Nein, wir reden hier nicht von Touristen – die haben wir kaum gesehen. Sehr oft werdet ihr auf die Angabe eures Herkunftslandes die begeisterte Antwort bekommen, dass die Eltern, Großeltern oder weitere Urahnen eures Gegenübers aus Deutschland kommen. Alternativ war derjenige als Soldat in Deutschland stationiert. Tatsächlich haben 19,2 % der Gesamtbevölkerung in Oregon deutsche Vorfahren.
Schild am Walmart in Oregon

Oregonians sind entspannt und freundlich – solange keine Waffen gezogen werden…

Ist Oregon sicher?

Jetzt haben wir über Waffen und frei verkäufliche Drogen geschrieben, da muss die Frage gestellt werden. Was Drogendelikte und Diebstahl angeht, sind die Kriminalitätsraten in Oregon hoch bis sehr hoch. Die in den USA übliche Nachrichtenstrategie „only bad news are good news“ und superviele warnende Schilder tun das ihre dazu, dass man sich unsicher fühlt.

Dennoch haben wir uns in 3 Wochen Oregon (und Washington, und Kalifornien) nirgends unsicher, unwohl oder gar bedroht gefühlt. Nicht einmal die wirklich vielen Obdachlosen und Drogensüchtigen, die in fast jeder größeren Stadt auf den Bürgersteigen herumstehen oder dort zelten (!), wirken irgendwie bedrohlich.

Dazu passte die fast nicht wahrnehmbare Polizeipräsenz – wir haben in der ganzen Zeit vielleicht einen oder zwei Streifenwagen gesehen. (Einen davon haben wir selbst gerufen, weil uns eines Nachts aus dem Auto unsere Kamera gestohlen wurde… weshalb ihr hier auch nur Handyfotos von Oregon sehen werdet.)

Jeep mit Kindersitz in Oregon

Sicherheit wird in Oregon großgeschrieben ;-)

Oregon-Roadtrip planen: Das solltet ihr beachten

Ein paar wichtige Lektionen, die wir vor und während unseres Oregon-Roadtrips gelernt haben, wollen wir euch nicht vorenthalten:

  • Plant eure Route lange vorher, vor allem wenn ihr campen wollt. Sehr viele Campsites in Oregon sind schon 6 Monate im Voraus ausgebucht!
  • Wenn ihr die Oregon Coast befahren wollt (und wer will das nicht), dann fahrt von Nord nach Süd – so kann die/der Beifahrende nämlich direkt aufs Meer sehen und knipsen. -> Schaut mal bei Julias Journeyz, wie schön das aussieht!
  • Nutzt einen Meilen-Kilometer-Umrechner, wenn ihr mit den Messgrößen nicht vertraut seid. Die Meilen-Angaben täuschen sehr.
  • Bedenkt bei der Streckenplanung, dass ihr deutlich langsamer fahrt als in Deutschland – und auch als die 65 mph, die vorgegeben sind.
  • Besonders im Inland von Oregon fahrt ihr lange Strecken ohne Siedlungen oder gar Städte zwischendurch. Einkaufen und Tanken immer, wenn es sich anbietet!
  • Im Sommer kann es in Oregon unglaublich heiß werden, dann sind Aktivitäten draußen sehr anstrengend. Auch im Wald!
  • In Oregon gibt es jeden Sommer viele (und immer mehr) Waldbrände. Fahrt ihr in die Cascades hinein, solltet ihr vorher immer die Wildfire Maps für aktuelle Infos anschauen (die offizielle Karte zeigt aber dem Frühsommer erschreckend viele Brandherde an). Selbst wenn Wildfires 100 km entfernt sind, kann das die Sicht deutlich verschlechtern – wichtig für Bergwanderungen.
  • Einen 4WD oder einen riesigen Pickup braucht ihr in Oregon nicht.
  • Was ihr braucht, sind 5-Dollar-Noten – das ist die „day use fee“ in sehr vielen State Parks, die nicht immer mit Kreditkarte bezahlt werden kann. Wer mobiles Internet hat, kann sie evtl. auch direkt online bezahlen.
  • Ein Jahrespass für die Nationalparks lohnt sich nicht, wenn ihr nur in Oregon unterwegs seid. Hier gibt es nämlich nur einen einzigen Nationalpark.

Ihr seid im Camper unterwegs? Dann lest vorher auch noch unseren Wohnmobil-Guide für die USA!

Nummernschild aus Oregon mit Blauwal

Eines von vielen tollen Sonder-Nummernschildern in Oregon

Unser Route: Oregon-Roadtrip in 3 Wochen

Puh, nach so vielen Informationen geht es nun aber endlich los mit unserem Oregon-Roadtrip! Wir stellen euch die Etappen kurz vor; zu einigen Stationen wird es demnächst noch eigene Beiträge geben.

Oregon-Roadtrip Highway

Let’s hit the road!

Tag 2: von Seattle über Vancouver nach Portland

400 km/250 Meilen

Disclaimer: Unser Oregon-Roadtrip startete gar nicht in Oregon, sondern in Seattle (die Flüge dorthin waren einfach günstiger als nach Portland). Wir sind aber von Seattle ohne Zwischenstopp – mit einem sehr empfehlenswerten Schlenker zum Mount Saint Helens – nach Portland gefahren, weil wir uns in unseren 3 Wochen Urlaubszeit ganz auf Oregon konzentrieren wollten.

Mount Saint Helens mit Auto

Der Abstecher zum Mount St Helens hat sich definitiv gelohnt

Fun Fact: Portland liegt am südlichen Ufer des Columbia River, der hier auch die Grenze zu Washington bildet. Direkt gegenüber liegt – Vancouver! Falls ihr also keine Zeit habt, von Seattle nach Norden ins „richtige“ Vancouver zu fahren, habt ihr hier einen durchaus hübschen Doppelgänger.

Tag 4: Portland – Columbia River Gorge – Salem

220 km/136 Meilen

Natürlich haben wir uns für Portland einen Extra-Tag Zeit gelassen, die Stadt ist nämlich wirklich schön. Was genau man in Portland machen kann, erzählen wir in einem eigenen Blogbeitrag.

Portland Springbrunnen und Hochhäuser

Die Salmon Street Fountain war unsere Rettung an einem heißen Tag in Portland

Hier sind schon mal ein paar Ideen für Portland:

  • Powell’s City of Books (der größte Buchladen DER WELT)
  • Streetfood essen am Pioneer Square
  • Portland Art Museum
  • Voodoo Donuts essen (wobei Blue Star oder Pips der neue heiße Scheiß sein sollen)
  • Pittock Mansion mit Traumblick auf die Stadt und den Mt Hood
  • Hoyt Arboretum und Japanischer Garten im Washington Park

Die mit Abstand größte Attraktion von Portland ist aber der Ausflug in die Columbia River Gorge: ein wunderschönes, tief in den Fels eingeschnittenes Flusstal mit der größten Konzentration an Wasserfällen in den gesamten USA.

Columbia River Gorge Blick vom Beacon Rock

Der Blick auf die Columbia River Gorge vom Nordufer (bzw. ein paar Meter drüber)

Vorsicht: Im Sommer ist es hier so voll, dass man neuerdings Zeitslots vorbuchen muss, um die 113 km lange Strecke auf der Oregon-Seite zu befahren und auf den Parkplätzen halten zu dürfen, von denen man zu insgesamt 75 Wasserfällen wandern kann (Mandy aka Travelroads hat das 2017 gemacht, als noch keine Permit nötig war – lasst euch verzaubern!).

Wir sind deshalb direkt mal am nördlichen Ufer der Columbia River Gorge entlanggefahren, also auf Washington-Gebiet. Dort haben wir ganz in Ruhe den Beacon Rock bestiegen, sind dann an der Bridge of the Gods auf das südliche Ufer hinübergefahren und weiter nach Salem – mit einer kurzen Wander-Unterbrechung zu den Wahclella Falls.

Wahclella Falls in der Columbia River Gorge

Die tosenden Wahclella Falls sind nur einer von 74 Wasserfällen in der Columbia River Gorge (und waren ohne Permit zu besuchen)

Tag 5: Salem – Silver Falls State Park – Oakland

262 km/163 Meilen

Die Hauptstadt von Oregon ist zwar durchaus nett, bietet aber nicht viel Sehenswertes. Wir brachen deshalb gleich nach dem Frühstück auf zum Silver Falls State Park, der ein Stück im Inland südlich von Silverton liegt. Hier kann man auf einem ca. 14 km langen Rundweg – dem Trail of Ten Falls – ganze zehn Wasserfälle sehen, und der Großteil von diesen ist wirklich beeindruckend.

Wir genossen hier nicht nur die Wasserfälle, sondern (es war ein Sonntag) auch den Einblick in die amerikanische Freizeitkultur. Der State Park war sehr gut besucht, aber auch sehr gut auf Besuchermassen eingerichtet. Wir haben gestaunt!

Tag 6: Oakland – Diamond Lake – Chemult

198 km/123 Meilen

Um weiterzukommen, sind wir am Vorabend vom Silver Falls State Park auf dem Highway 5 gleich noch ein Stück nach Süden gefahren bis Oakland (nein, nicht das in Kalifornien!). Von hier bogen wir dann morgens auf den Highway 138 ab, der uns als Rogue-Umpqua Scenic Byway in die High Cascades führte – die Bergkette, die Oregon von Norden nach Süden durchzieht und als Wetterscheide fungiert.

Rogue Umpqua Scenic Byway Oregon

Der Rogue Umpqua Scenic Byway führt immer am Fluss entlang – aber nicht immer durch intakten Wald…

Wir durchquerten den Umpqua National Forest, ein riesiges geschütztes Waldgebiet, das allerdings in vergangenen Jahren arg von Waldbränden in Mitleidenschaft gezogen wurde. Die verkohlten Baumstämme können die Sonne nicht mehr abhalten, weshalb es mitten in diesem Wald, im Gebirge auf 1.500 m Höhe, unglaublich warm war.

Unsere kurze Wanderung zu den Toketee Falls war eine echt schweißtreibende Angelegenheit, und auch unsere Abstecher an (und in) den Umpqua River sorgten nur kurz für Abkühlung.

Oregon Umpqua Toketee Falls

Mit einer kurzen, aber schweißtreibenden Wanderung zu erreichen: die Toketee Falls

Umso schöner war das ersehnte Ziel unserer Tagesetappe: der Diamond Lake. Eingebettet zwischen die Gipfel des Mt Bailey und Mt Thielsen liegt dieser flache, klare Bergsee wie ein Kitschbild da und lädt zum Baden ein – was wir uns nicht zweimal sagen ließen.

Oregon Diamond Lake

Fotos können die Weite und Stille der Landschaft nicht einfangen, genauso wenig wie das herrlich warme Wasser im See

Ganz erstaunt waren wir, dass wir hier fast allein waren – denn in unmittelbarer Nachbarschaft liegt eine der größten Attraktionen von Oregon. Die hoben wir uns aber für den nächsten Tag auf.

Tag 7: Chemult – Crater Lake National Park – Klamath Falls

174 km/108 Meilen

Die Nacht hatten wir in Chemult verbracht, einer echt amerikanischen Highway-Town mit geschätzten zehn Einwohnern und einem sehr rustikalen Motel. Da man auf dem Gelände des Crater Lake National Park nicht übernachten kann (außer man ergattert ein Zimmer in der Lodge), mussten wir außerhalb übernachten und morgens 40 km in den Nationalpark hineinfahren – und 30 US$ Eintritt bezahlen.

Das Geld, die umständliche Anfahrt und auch das Warten am Eingang haben sich absolut gelohnt. Als wir am Rand des Kraters standen, in dem der Crater Lake tiefblau und still liegt (übrigens Amerikas tiefster See!), fehlten uns schlicht die Worte, und so ging es auch den (zahlreichen) anderen Besuchern. Ich habe in meinem Leben schon viele Naturwunder gesehen, und der Crater Lake steht wirklich ganz oben in dieser Liste.

Crater Lake National Park Oregon

Crater Lake mit Wizard Island – die Atmosphäre hier oben war unbeschreiblich

Vielleicht noch besser als der Blick von oben auf den See war das eiskalte Bad darin, das wir uns mit einem sehr anstrengenden Abstieg zum Bootsanleger (hier fahren in Nicht-Corona-Zeiten Boote zur kleinen Wizard Island hinüber) und einem noch anstrengenderen Wiederaufstieg erkauften.

Für die Weltwunderer-Kinder war der Crater Lake übrigens ebenfalls das Highlight unseres Oregon-Roadtrips – nicht nur wegen des Badens, sondern vor allem wegen der fast handzahmen Streifenhörnchen, die man am Ufer füttern konnte.

Crater Lake mit Streifenhörnchen

Die sehr neugierigen Chipmunks waren das Highlights der gesamten USA-Reise für die Weltwundertochter

Tag 8: Klamath Falls – Crescent City (Kalifornien)

300 km/186 Meilen

Klamath Falls ist mit seinen breiten Straßen und den bunt gestrichenen Art-deco-Häusern eine sehr typische Oregon-Stadt und durchaus einen Spaziergang wert. Wir waren hier nach unserer Runde um den Crater Lake spät abends angekommen und fuhren am Vormittag nach einem Besuch des riesigen Klamath Lake weiter – in Richtung Kalifornien.

Durch steppenähnliche Landschaften ging es zurück an die Küste

Die ständig steigenden Temperaturen trieben uns quasi zurück an die Küste. Auf der Route 66 (jaha!) passierten wir die Shakespeare-Stadt Ashland und fuhren dann auf dem Redwoods Highway entlang des Rogue River, während unser Auto-Thermometer immer höher kletterte. In Cave Junction sprangen wir quasi dampfend in den herrlich kühlen Illinois River und zweifelten kichernd den Wetterbericht an, der für die nur 85 km entfernte Küste nur noch 16° C ansagte.

Welcome to California Schild

Wir sind in Kalifornien!

Tatsächlich war es aber so – sobald wir die Grenze zu Kalifornien passiert hatten (wo wir durch einen Kontrollpunkt geleitet wurden und unser von Fruchtfliegen infiziertes Obst abgeben mussten), fiel die Temperatur schneller, als wir es glauben wollten.

Angekommen am Pazifik, mussten wir in Crescent City schleunigst unsere warmen Sachen herauskramen und saßen dann bibbernd bei Sonnenuntergang mit unseren Takeaway-Burritos am Meer.

Crescent City Harbour Sonnenuntergang

Der erste Sonnenuntergang an der Westküste – wie kalt es war, sieht man nicht!

Tag 9 bis 18: auf dem Pacific Coast Highway 101 nach Norden ♥

586 km/364 Meilen

Der Grund, warum wir so weit nach Süden gefahren waren, hieß eigentlich: Redwoods. Die gibt es im südlichen Oregon zwar auch, aber im Jedediah Smith Redwoods State Park sind die Bäume doch um einiges höher und zahlreicher.

Dieser Abstecher gab uns aber auch die Gelegenheit, die komplette Oregon Coast von Süd nach Nord abzufahren, und dafür hatten wir sagenhafte 10 Tage Zeit.

Oregon Coast Bandon

Die Oregon Coast (hier bei Bandon): unglaublich vielfältig und wunderschön

Da es diesen Beitrag sprengen würde, wenn ich alle unsere Stopps, Übernachtungen und Erlebnisse an der Oregon Coast einzeln aufschreibe, hier nur eine kurze Auflistung und später dann (versprochen!) ein ausführlicher eigener Blogbeitrag dazu:

  • Crescent City (CA): Jedediah Smith Redwoods State Park
  • Brookings: Samuel H. Boardman State Scenic Corridor
  • Agate Beach in Port Orford
  • Face Rock in Bandon
  • Oregon Dunes in Florence
  • Sea Lion Caves am Heceta Head
  • Hobbit Trail
  • Thor’s Well bei Yachats
  • Oregon Coast Aquarium in Newport
  • Neskowin Ghost Forest
  • Munson Creek Falls
  • Fort Stevens State Park in Astoria
Oregon Dunes in Florence

Eines der Highlights an der Oregon Coast: die Oregon Dunes in Florence

Tag 18/19: Astoria – Olympia/Seattle (Washington)

285 km/177 Meilen bis Seattle

Mit Astoria an der Mündung des Columbia River hatten wir nicht nur den nördlichsten Punkt der Oregon Coast erreicht, sondern auch unsere Rundreise durch Oregon (fast) geschlossen.

Außerdem verließen wir hier über die gewaltige und doch elegante Astoria Megler Bridge den Bundesstaat Oregon und fuhren über Washingtons Hauptstadt Olympia zurück nach Seattle, wo wir noch drei weitere Tage blieben.

Welcome to Washington

Der Zustand des „Welcome to Washington“-Schildes entsprach so gar nicht seiner Bedeutung für uns

Oregon Astoria Megler Bridge

Die gewaltige Astoria Megler Bridge verbindet Oregon und Washington

Astoria hat uns übrigens durchaus positiv überrascht: Das Städtchen liegt sehr hügelig zwischen zwei Flussmündungen und wird durch die Landzunge des Fort Stevens State Park vor dem Pazifik abgeschirmt. Von der Astoria Column, die über dem Stadtzentrum aufragt, hat man einen fantastischen Rundblick.

Astoria Column Blick auf Youngs Bay

Blick von der Astoria Column auf die Youngs Bay

Oregon in 3 Wochen: unser Roadtrip in Zahlen

  • 1.500 Meilen/2.414 km
  • 3-mal getankt für je ca. 120 US$
  • 21 Übernachtungen in 16 Motels – fast immer zu fünft in 2 Betten
  • 3 mal länger an einem Ort geblieben (plus 5 Tage in Seattle)
  • 4 Restaurantbesuche, 12x Takeaway-Essen
  • unser Gepäck für 5 Personen: 1 große Reisetasche, 3 kleine Rucksäcke, 1 Handgepäcks-Koffer, 1 Fototasche
  • unsere Ausgaben: deutlich über 10.000 Euro (wie sich das zusammensetzt, lest ihr in einem eigenen Beitrag)
Vollgepacktes Auto

Arg viel Gepäck hatten wir nicht, oder? ;-)

Reiseführer und Tipps für eure Routenplanung

Am liebsten lese ich für die Routenplanung zuerst mal einen Reiseführer, um einen Überblick zu bekommen. Reiseführer für Oregon allein gibt es auf dem deutschen Markt nicht, der Staat wird immer zusammengefasst – entweder mit Kalifornien und Washington zur Westküste USA*, mit Washington zum Pacific Northwest* oder ganz allgemein als USA – der Westen*.

Wir haben uns erst direkt vor Ort eingedeckt mit Oregon-Reiseführern. Am hilfreichsten fanden wir diese hier:

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Dann gab es noch diverse Blogs, von denen wir uns für unseren Oregon-Roadtrip inspirieren ließen, zum Beispiel:

Unser Oregon-Roadtrip: 3 Wochen Abenteuer!

Unsere Reise durch Oregon war wahrscheinlich die letzte, die wir als Weltwunderer-Familie mit allen 3 Kindern gemeinsam machen. Unsere Älteste wird bald 18 und geht dann sicherlich eigene Wege.

Portland Hoyt Arboretum

Unser Teenie wird wohl in Zukunft allein verreisen…

Allen drei Kindern (und uns Eltern sowieso) hat der Oregon-Roadtrip wahnsinnig gut gefallen – auch wenn in den USA durchaus nicht alles Gold ist, was glänzt. Die krassen sozialen Unterschiede, das offensichtlich komplett fehlende Umweltbewusstsein so vieler Menschen und die Versiegelung riesiger Flächen für Parkplätze und hässliche Siedlungen haben uns immer wieder tief betroffen gemacht.

Oregon-Roadtrip Parkplatz mit Auto

Tristesse mit Auto und viel Asphalt: das ist (auch) Oregon

Gleichzeitig waren wir fasziniert und verzaubert – von der unglaublichen Weite und Größe des Landes und der Schönheit seiner Natur, aber auch von der Offenheit und Freundlichkeit der Oregonians. Wir erinnern uns sehr gern an unzählige nette Schwätzchen, freundliche Kommentare und wirklich interessierte Nachfragen nach unserer Herkunft. (Und wir sind nicht die einzigen – lest mal bei Heike vorbei, die im Sommer 2021 durch Oregon gelaufen ist!)

Es gibt so viele unglaublich schöne Orte und Regionen in Oregon, dass uns fast täglich die Münder offen standen. Und dabei haben wir noch nicht einmal die Hälfte von Oregon gesehen!

We’ll be back – um es mit Arnie zu sagen ;-)

Oregon-Roadtrip Rückspiegel

Bis zum nächsten Mal, Oregon!

Jenny

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