Freedom Camping

Freedom Camping – welcher Campervan ist dafür geeignet?

Einen Campervan in Neuseeland mieten ist teuer – sparen kann man mit Budget-Modellen, die weder über eine Toilette noch über einen Wassertank verfügen. Das Problem: Mit so einem Gefährt ist Freedom Camping auch an den dafür erlaubten Stellen in der Regel nicht gestattet – es fehlt der „self containment“-Sticker. Wir sagen euch, von welchen Modellen ihr die Finger lassen solltet, wenn ihr Freedom Camping in NZ genießen wollt.

Na, wer ist hier "self contained"?

Na, wer ist hier „self contained“?

In diesem sehr nützlichen Beitrag haben wir die gesetzlichen Anforderungen an die Fahrzeug-Etikettierung genau erklärt: Wenn keine (korrekte) Plakette draufklebt, ist ein Campervan nicht Freedom-Camping-tauglich (oder nur an sehr wenigen Stellen). Beim Kauf vor Ort kann man das in Ruhe überprüfen, beim Mieten eines Wohnmobils von Deutschland aus ist hingegen nicht immer ohne Weiteres zu erkennen, ob da eine Plakette drankleben wird (oder man vergisst einfach das Nachfragen).

Die Grundregel: keine Toilette, kein Freedom Camping

Sehr gemein: Ein Großteil der legalen Freedom Camping Spots in Neuseeland bietet ausgezeichnete Toiletten und hin und wieder auch Duschen und Trinkwasser. Trotzdem bestehen die meisten Gemeinden darauf, dass hier nur „Self contained“-Campervans über Nacht stehen dürfen.

Wer mit seinem Campervan Freedom Camping in Neuseeland praktizieren und dabei auf der legalen Seite bleiben will, der muss eine „self containment“-Plakette vorweisen können. Diese gibt es zuvörderst nur dann, wenn euer Campervan euch autark, das heißt ohne Verwendung von Hilfsmitteln aus der Umgebung, aber auch ohne Beeinflussung der Umgebung, über mindestens drei Tage versorgen kann.

Toilette leeren - das Los des "self contained"-Campers (c) FlickR/Marco Gomes

Toilette leeren – das Los des „self contained“-Campers (c) FlickR/Marco Gomes

Jeder Campervan ohne eingebaute Toilette mit Abwassertank sieht damit automatisch alt aus; eine tragbare Campingtoilette (ein sogenanntes „portaloo“) erfüllt diesen Zweck nicht automatisch!

Das Kriterium: Die Toilette muss drei Tage „Befüllung“ aushalten. Dafür muss sie mindestens drei Liter „Abwasser“ pro Person fassen können.

Dasselbe gilt für die Trinkwasserversorgung: Ihr braucht einen Wassertank für Frischwasser und einen für Abwasser (sogenanntes „grey water“), der für mindestens drei Tage hält – dafür werden vier Liter pro Person und Tag angesetzt.

Und: Es genügt nicht, wenn ihr euch eine Chemietoilette besorgt und im Campervan mitnehmt, auch wenn diese die geforderten drei Liter pro Person fassen könnte (bei nur zwei Insassen ist das ja kein Problem).

Es gibt nämlich noch mehr Spezifikationen, die ein „self contained“-Campervan erfüllen muss: Dazu gehören ein Spülbecken, ein Abwasser-Entsorgungsschlauch, der Nachweis ordnungsgemäßer Sauberhaltung des Abwassertanks sowie ein verschließbarer Mülleimer (!).

Eine Dusche, ein Kühlschrank oder ein Gasherd gehören hingegen nicht zu den Dingen, die man fürs Freedom Camping unbedingt an Bord haben muss – uff.

Ungeeignete Campervans

Generell kann man die Regel aufstellen: je kleiner und günstiger, desto ungeeigneter wird ein Campervan fürs Freedom Camping sein.

(c) FlickR/ManMan

(c) FlickR/ManMan

Von unten beginnend, sind vor allem die budgetschonenden kleinen Spaceships und der Jucy Cabana ganz klare Ausscheide-Kandidaten, denn hier handelt es sich im Wesentlichen um ganz normale Autos mit großem Kofferraum (sogenannte Vans), die für Hin-und-wieder-Übernachtungen ein wenig aufgerüstet wurden.

Danach kommen alle Budget-Campervans aus dem Backpacker-Sektor, die aussehen wie klassische Lieferwagen mit Fenstern und auf dem Toyota-Voyager-Chassis basieren. Sie haben zwei bis drei Sitzplätze im Fahrerbereich, einen kleinen Kochbereich mit Waschbecken, ein Bett, das tagsüber zur Sitzecke umgebaut werden muss, keine Toilette und sind nur etwas für Menschen unter 1,80 m Körpergröße. Bekannte Anbieter in diesem Segment sind Wicked, Escape oder Mighty – sehr günstige kleine Gefährte mit teilweise recht coolem Design, aber leider ohne Plakette.

Zwischen diesen beiden „garantiert nicht Freedom-Camping-geeignet“-Klassen und den richtig großen Wohnmobilen steht die „Mittelklasse“ der Campervans auf Toyota-Hiace-Chassis mit hochgezogenem Dachbereich, die als 2-Berth- oder 2+2-Berth-Modelle angeboten werden.

Hier gibt es Modelle, die ein wenig mehr Platz und ein breites Extrabett im Dachbereich bieten (auch große Menschen können dann ein wenig aufrecht stehen), dazu auch im hinteren Bereich Sitzplätze mit Gurten und natürlich eine Wasserversorgung, aber keine Toilette.

Das sind etwa von Britz der Hitop, der Voyager sowie der Venturer und der Trailblazer (die beide sowieso nicht mit Kindersitzen ausgestattet werden können), von Alpha der Hitop oder das 2-Bett-Motorhome (kein Waschbecken), der Apollo Hitop, der 2-Bett-Hitop von Kiwi Campers oder der Cheapa Hitop.

Bei anderen Anbietern könnt ihr beruhigt im Angebot stöbern: Hier sind der Einfachheit halber alle Fahrzeuge „self contained“, auch die Hitops! Dies ist vor allem bei den Luxusmarken wie KEAMaui und Iconic der Fall.

Aber auch der sehr faire Anbieter Wendekreisen schafft es, in die kleineren Hitops und Budget-Modelle gerade ausreichend große mobile Chemietoiletten hineinzuquetschen, alle Fahrzeuge haben die „Self Containment“-Plakette.

Freedom Camping ohne „self containment“-Sticker – auch das geht

Dies gesagt, können Campervan-Fahrer ohne Bord-Toilette trotzdem Hoffnung schöpfen: Es gibt einige Freedom Camping Spots in Neuseeland, an denen ihr nicht „self contained“ sein müsst. Dies gilt natürlich zuerst für alle Basic DOC Campsites, die nichts kosten, aber in aller Regel mit einer Toilette, manchmal auch mit Trinkwasserversorgung ausgestattet sind; daneben existieren einige Stellplätze, die privat oder von Organisationen gestellt werden und nicht den Regelungen der verschiedenen Gemeinden unterliegen.

Unser Tipp: Schaut euch unsere Freedom-Camping-Listen genau an und nutzt diejenigen, die nicht mit „nur für self contained Campervans“ gekennzeichnet sind.

... und manchmal geht es eben gar nicht (c) FlickR/thedailyenglishshow

… und manchmal geht es eben gar nicht (c) FlickR/thedailyenglishshow

15 Kommentare

  • Hallo Alex,
    vom Datum her müsstet Ihr zurück sein, wie war es ohne Zertifikat?
    Stehen vor genau dem Problem mit Mighty Camper. Haben aber noch nicht gebucht. Viel recherchiert und gelesen über Certificate und Fine und letztlich drauf gekommen danach zu suchen. Auch von „immer weniger wilde Stellen“ liest man einiges. Letztendlich habe ich Mighty in NZ angerufen: „definitely no certificate“. Die Frage die wir uns stellen ist: Im Zeitraum Mitte Dezember-bis Mitte Januar in welchem wir reisen werden und Hauptsaison ist: Braucht man unbedingt einen Camper mit Zertifikat um an einer immer weniger werdenden (so liest man) Stellen „wild“ übernachten zu dürfen, auch weil viele andere Camper ebenfalls kein Zertifikat haben und so die DOCs früh voll sind? Einen DOC Platz der nicht online reservierbar ist, kann man früh „belegen“ wenn man dort hinfährt, Envelope ausfüllt und an den Platz hängt (an Stellplatznummer, wie in USA/Kanada) und dann nochmal wegfährt um das Umland zu geniesen? Oder wenn man ein mal am Platz steht sollte man nicht mehr wegfahren weil nicht „belegbar“?
    Ein Camper mit Zertifikat kostet uns 800€ mehr auch weil wir leider spät sind mit Camperbuchung. Lohnt sich das wirklich …
    @Alle: Wer hat letzten Dezember/Januar aktuelle Erfahrungen gemacht? Wie ist es vor Ort?
    Bin dankbar über jeden zeitnahen Beitrag da ich mich entscheiden muss.
    Danke und Grüße
    Tom

    @Welwunderer: Super Seite! Respekt und weiter so, wir Camper sind dankbar für diese Internetseiten

  • Hallo ihr lieben,

    stehe vor einem ähnlichen Problem wie A. Bräuchte etwas Entscheidungshilfe.

    Bin sowohl Neuseeland- als auch Campinganfänger (von gelegentlichem Zelten und einem dreitägigen Wildcampen zu acht in einem 6-Bett-Camper während der Münchner Wiesn mal abgesehen).

    Ende Januar soll’s jetzt aber für 5 Wochen nach NZ gehen. Camper ist schon lange gebucht und dass man für „Freedom Camping“ eine Toilette braucht, wurde uns damals schon gesagt und leuchtet auch ein. Haben uns daher extra für einen „Mighty Deuce“ mit Dusche + Toilette entschieden. Dass man aber auch Plakette / Zertifizierung braucht, habe ich erst hier bei euch erfahren. Und da man auf der Homepage von Mighty nichts dazu findet und sich auch der Mailsupport bisher um die konkrete Beantwortung dieser sehr konkret gestellten Frage zu drücken scheint, gehe ich mal stark davon aus, dass unser Camper die nicht hat.

    Jetzt hätte ich noch ein anderes Angebot von Wendekreisen, sogar gut 1000 Euro günstiger. Allerdings auch für einen deutlich kleineren Camper ohne Dusche und nur mit portabler Toilette. Dafür aber interessanterweise mit Plakette! Zuzüglich der wohl knapp 1000 Euro Stornierungsgebühr für Mighty käme das preislich also aufs Gleiche raus.

    Jetzt ist die Frage aber eben: Wie viel macht das aus? Gibt es viele Orte, an denen wir dann campen könnten, die uns sonst entgehen? Macht man das tatsächlich? Wie oft sind die wirklich toller, schöner, besser gelegen? Würde man wirklich viel verpassen und es bereuhen, nicht dort campen zu dürfen? Oder hat man nicht in der Nähe meist DOC Campsites, die ähnlich schön sind?

    Wie gesagt, bin Anfänger und habe einfach noch keine Vorstellung davon…

    Wiegt der Vorteil der Plakette im kleineren Camper tatsächlich schwerer, als der Vorteil des geräumigeren Campers mit zusätzlichen sanitären Einrichtungen an Bord?

    • Hallo Alex, hast du bei Mighty explizit einen Campervan gebucht, der fürs Freedom Camping taugt, und sie haben dir einen ohne Plakette vermietet? Das ist eine Frechheit, da würde ich sogar über rechtliche Schritte nachdenken, damit ihr kostenfrei stornieren könnt. Ob ihr Freedom Camping machen wollt, hängt ganz von eurem Komfort-Niveau ab. Man kann dann halt nicht duschen und kein WC benutzen (obwohl das nicht mal stimmt, denn oft gibt es saubere öffentliche WCs an den Stellplätzen). Aber aus Erfahrung würde ich sagen: Probiert es unbedingt aus! Mit der App von CamperMate oder unseren Freedom Camping Listen findet ihr viele tolle Plätze, das ist einfach ein ganz anderes Erlebnis als eine Nacht auf dem Campingplatz. Und das mit der Dusche an Bord: Wir sind mit zwei Kindern acht Wochen lang ohne Dusche und Klo zurechtgekommen 🙂 Auf Campingplätzen duscht es sich auch gut, glaub mir. Als Kompromiss würde ich noch vorschlagen, einfach die wenigen Freedom Camping Sites zu nutzen, auf denen ihr keine Plakette braucht. In unseren Download-Dateien ist das extra vermerkt.

    • Wir hatten damals (2011) überhaupt keine Ahnung, was für Regeln gelten und haben uns mehrmals einfach „neben die Strasse“ gestellt…, das war wohl so im Nachhinein nicht immer ganz legal, aber gestört hat es nicht wirklich jemanden denke ich (war ja auch meist weit und breit keiner da ausser uns!!). Wir hatten damals einen recht grossen Camper, mit Dusche und WC. Die Dusche haben wir einmal benutzt, nur um es auszuprobieren und weil die Kinder das so gerne wollten. Macht man aber nicht viel öfter, da hinterher das ganze Badezimmer unter Wasser steht und man die Feuchtigkeit nicht so leicht wieder rauskriegt…
      Das WC haben wir schon ab und zu benutzt, aber auch das so selten wie möglich, da die Entleerung nicht wirklich Spass macht (war immer meine Aufgabe!). Man kann definitiv ohne „Badezimmer“ auskommen, wenn man lieber einen kleineren Camper haben will.

      DOC-Plätze sind spitze und wirklich zu empfehlen, mit der Liste von den Weltwunderern seid ihr sicher gut ausgestattet und findet auch Plätze, wo ihr ohne Plakette stehen könnt (die gab es ja leider damals noch nicht, da die Weltwunderer zeitgleich mit uns in NZ unterwegs waren) und im übrigen kann man sich einfach auf seine Spontanität verlassen. Man braucht nicht immer alles vorzuplanen, das meiste ergibt sich von allein. Einige unser besten Übernachtungsplätze waren gerade die ungeplanten, inoffiziellen Stellen irgendwo am Meer, neben der Strasse, bei Neuseeländern „im Vorgarten“ usw. Viel Spass auf eurer Reise!

    • Vielen Dank für eure Antworten!
      Den Camper haben wir über ein Reisebüro gebucht. Dort hatten wir ihn uns schon bewusst wegen des „Freedom Campings“ für ein Modell mit „Bad“ entschieden und das auch in einem Nebensatz erwähnt. Da jetzt rechtlich drauf pochen möchte ich aber nicht. Von der Plakette wussten wir halt nichts und die meisten Vermieter, Kataloge, Reiseveranstalter erwähnen das ja auch mit keinem Wort. Etwas ärgerlich finde ich, dass Mighty auf der Website unter „Where Can You Camp?“ schon den Eindruck erweckt, man könnte mit den Campern, die eine Toilette haben, quasi überall stehen, und dass sie jetzt auf meine Emailanfragen diesbezüglich nur unklar bzw gar nicht mehr antworten.

      Hab das Reisebüro jetzt noch mal gebeten, ne klare Auskunft dazu einzuholen.

      Wir haben aber beschlossen, das jetzt einfach entspannt anzugehen und einfach das beste draus zu machen, um uns die Reise davon nicht vermiesen zu lassen. Die von euch empfohlenen Apps habe ich schon installiert und auch eure Liste jetzt mal runtergeladen… und dann schauen wir einfach mal, wo wir dann letztendlich überall hin können und wollen.

      Allen anderen Neuseelandinteressierten empfehle ich jetzt eure Seite, bevor sie irgendwas planen oder buchen. 😉

    • Hallo Alex,
      wie war es ohne Zertifikat? Habt Ihr es vermisst? Ist es ein „muss have“?
      Gruß
      Tom

  • Hallo,
    wir müssen uns nun entscheiden…Da wir spät dran sind (fliegen im Januar) haben wir nicht mehr soviel Auswahl an Campern. Einmal den Apollo Endeavour. Der hat keine Plakette fürs freie Campen. Dann der Alpha4Bett, der hat eine. Kostenunterschied 1500 Euro. Wir sind 2 Erwachsene und ein Baby. Lohnt es sich, mehr Geld für den Alpha auszugeben oder ist das Quatsch bei dem der großen Differenz. Finde irgendwie nirgednwo raus, wieviele Plätze es tatsächlich fürs freie Campen gibt…
    Was meint Ihr?

    • Hallo, in unseren Listen findet ihr hunderte von freien Stellplätzen im ganzen Land – die Frage ist nur, ob ihr die durchgehend nutzen wollt. 1500 Euro an Campsite-Gebühren müssen da wieder reinkommen, das ist schon viel. Andererseits ist „freedom camping“ so toll, dass man es wenigstens mal probieren sollte. Es gibt auch ein paar Stellplätze, für die man keine Plakette braucht! Wieso seid ihr denn auf Apollo festgelegt? Mit eurer Konstellation sollte es doch eigentlich kein Problem sein, einen kleinen Campervan mit Plakette zu finden. Habt ihr schon bei Wendekreisen gefragt?

      LG
      Jenny

    • Hallo Jenny,
      es ist einfach alles komplett ausgebucht! Bei Wendekreisen uns auch sonst…Hmmm, tendieren doch zum teureren Campervan, haben voll Lust auf Free camping! Danke für die Antwort!

  • Hey,
    noch eine Frage:
    Wenn ich mir einen Campervan kaufe und ihn so ausrüste, dass alles da ist.
    Wassertanks für schmutz und Frischwasser, ein Spülbecken mit Abwasserschlauch, eien Mülleimer und eine Chemietoilette mit genügend Fassungsvolumen habe.
    kriege ich dann die passende Plakette?
    LG Malte

    • Hallo Malte, die NZMCA hat dazu detaillierte Infos. Inspektion und Zertifizierung kosten 55 NZ$ und es dauert fünf Tage, bis du die Plakette hast. Wenn du mit dem Aufwand leben kannst, lohnt es sich sicherlich!

  • Hey Leute,
    als ich das mit dem Trinkwasser und Schmutzwassertanks gehört habe, habe ich erstmal einen Schreck bekommen.
    „… dafür werden 12 Liter pro Person und Tag angesetzt.“
    Das wären dann ja für 2 Personen ja 72 l wenn ich mich nicht täusche.
    Hab noch ma weiter schlau gemacht und habe erfähen, dass es pro Person und Tag nur 4 l sein müssen. Also nur 24 l.
    LG Malte

    • Hallo Malte, danke für den Hinweis – da hab ich mich tatsächlich vertippt. Schön, dass wenigstens einer aufmerksam liest 😉 Jetzt ist der Text geändert und korrekt.

Hier kommt deine Meinung rein.