On the road in NZ

Rot-Grün in Neuseeland – kleine Ampelkunde

Unsere kleine Verkehrs-Serie neigt sich dem Ende zu – zum Schluss möchte ich von meiner Lieblingsbeschäftigung als Passant in Neuseelands „Großstädten“ erzählen. Hier gibt es nämlich Fußgängerampeln, und auch die haben ihre Tücken.

Weltwunderer Fußgänger

Unsere erste Ampel-Straßenüberquerung in Christchurch begann mit einem Schreck: Das Gerät schaltete nicht nur auf Grün, sondern teilte das der entfernteren Umgebung (soll ja auch schwerhörige Blinde geben) mit einem ohrenbetäubenden… ja, wie soll man es beschreiben? Es klang wie der Schrei eines urzeitlichen Dschungelvogels, der dann elektronisch in die Länge gezogen wurde. Nicht zu überhören jedenfalls, und man lernt schnell, das schockierte Zusammenzucken ob des Geräusches unauffällig in die Losgeh-Bewegung zu integrieren. Ich für meinen Teil startete also die Straßenüberquerung jedes Mal mit einem kleinen, verschämten Hopser.

„Bei Rot bleibe steh‘n, bei Grün kannst du…“, das haben wir in der Schule gelernt, aber in Neuseeland ist dieser Merksatz eher hinderlich: Wer hier nämlich sofort stehenbleibt, wenn die Ampel auf Rot schaltet, dem bleiben für die korrekte Straßenüberquerung bei echtem Grün nur wenige Sekunden.

Der Unterschied ist philosophisch und reflektiert bestimmt tiefe kulturelle Unterschiede. In Deutschland ist erst Grün, und dann ist Rot. Punkt. In Neuseeland hingegen ist der Übergang von Erlaubt zu Verboten, von Okay zu Gefährlich, von Ja zu Nein fließend – und dem Einzelnen bleibt es überlassen, sich in diesem Spektrum selbst zu entscheiden, wann es ihm zu heikel wird.

Konkret heißt das: Die Ampeln in Neuseeland schalten von Grün erst einmal auf Blinkend-Rot, um zu signalisieren, dass nun aber bestimmt gleich bald Ganz-Rot ist. Nur wann? Die Ungewissheit, wann das Blinken nun aber genau aufhören wird, hat mich beim Straßenüberqueren (und den Händen voll mit gepäckbeladenem Buggy, einer hibbeligen Sechsjährigen und einem noch-nicht-so-schnell-laufen-könnenden-und-auch-gerade-nicht-wollenden Zweijährigen) recht nervös gemacht.

Besser (und fremdkulturfreundlicher) ist das in der City von Auckland gelöst, da zählt die Ampel einen richtigen, lesbaren Countdown: von 20 runter auf Null. So kann man seinem Verkehrstod beruhigt und sekundengenau abgezählt ins Auge blicken. Und wer fit ist, der kann auch bei einer Vierer-Anzeige noch sportlich über die Straße hechten.

Noch besser ist die eingebaute Ökofunktion: Viele Fußgängerampeln, auf die wir trafen, waren nicht rot, sondern aus. Erst, wenn man dann auf einen „Ich will gern rüber“-Button drückt, schaltet sich das Rot ein. Eine sinnvolle Sache, wenn wenige Passanten rüber wollen – aber nicht, weil es so wenige Fußgänger gibt (okay, das fiel uns auch auf), sondern weil die einzigen, die überhaupt auf Rot und Grün warten, Touristen sind. Wer also nicht auffallen will: einfach rübergehen.

Was ganz was Feines schließlich sind die sogenannten „Scrambles“, von denen wir aber nur gaaanz wenige entdeckt haben: Hier schalten gleich mal alle Straßen-Ampeln an einer Kreuzung auf Rot, damit die Fußgänger schräg über die Kreuzung gehen können. Das ist dann netterweise auch auf dem Boden mit breiten weißen Streifen markiert; für die konsistente Verkehrserziehung unserer Kinder („Niemals schräg über eine Kreuzung gehen!“) war es nicht so toll…

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