Where to go in NZ

6 Orte, wo ihr das echte Neuseeland kennenlernt

Zu einer Reise durch Neuseeland gehören eine Menge spektakulärer Orte – schneebedeckte Berge, dampfende Vulkane, goldene Strände… Aber das echte Neuseeland, wo ganz normale Neuseeländer leben, das findet ihr woanders. Wir zeigen euch sechs Orte und Regionen, wo ihr die Seele des Landes spüren könnt – und außerdem nette Menschen kennenlernt.

Bay of Plenty Matata Strand

Das echte Neuseeland finden: vielleicht hier, in der Bay of Plenty?

Zwischen all den Superlativen und Naturwundern in Neuseeland werden die weniger spektakulären Orte oft übersehen. Die sind aber wunderschön – und vielleicht sogar noch schöner, weil ihr sie nicht mit hunderten anderen Touristen teilen müsst. Weil dort ganz normale Neuseeländer leben, die euch gern willkommen heißen.

Dort werdet ihr sicherlich nicht allein unterwegs sein und könnt vielleicht auch nicht nachts allein unter dem weiten Sternenhimmel sitzen. Aber dafür trefft ihr viele neuseeländische Familien, findet Geschäfte und Take-aways, kleine Campingplätze, die seit Jahrzehnten in Familienbesitz sind – eben das echte Neuseeland.

Hier sind sechs Orte und Regionen in Neuseeland, wo die Neuseeländer noch unter sich sind. Außer vielleicht, ihr fahrt dort mal vorbei?!

Hokianga Harbour: Neuseeland wie in der alten Zeit

Die Ostküste der Nordinsel bezaubert mit ihren breiten, weißen Sandstränden und ist nach dem Start in Auckland für die meisten Reisenden die logische erste Wahl. Zumal der SH 1 direkt in die hübsche Bay of Islands und dann weiter zum Cape Reinga führt.

Wollt ihr es anders machen als die meisten Reisenden, dann fahrt von Whangarei auf dem SH 14 und SH 12 an die Westküste hinüber und schaut euch dort das noch weitgehend unentdeckte Northland an.

Tipp: Ihr müsst nicht die gesamte Strecke wieder zurückfahren; mit der Autofähre könnt ihr ein Stück des Hokianga Harbour zwischen Rawene und Rangiora kreuzen.

Diese Region gehört zu den ärmsten und am wenigsten entwickelten des Landes, hier leben (nicht zufällig) auch viele Maori. Für euch Reisende heißt das aber statt wirtschaftlicher Perspektivlosigkeit und fehlenden Arbeitsplätzen: viel unberührte Natur mit dichten Wäldern, in denen die ältesten Kauri-Bäume des Landes stehen und ihr nachts Kiwis hören könnt. Spektakulär hohe Sanddünen, Mangrovenwälder und fast 1.000 Meter hohe Berge rund um die weite Bucht des Hokianga Harbour.

Tane Mahuta Waipoua Kauri Forest

Tane Mahuta im Waipoua Forest © Footprints Waipoua

Hier ist das echte Neuseeland, so wie es früher mal aussah: niedliche kleine Dörfer mit (für Neuseeland) uralten Holzhäusern und Kirchen, und dem Gefühl einer Zeitreise zurück in die 1950er-Jahre.

Oder noch früher: Kohukohu war einer der ersten von Europäern besiedelten Orte Neuseelands, und der Hokianga Harbour soll der Ort sein, von wo Maori-Urahn Kupe nach Hawaiki zurückkehrte, um seinen Stamm nach Neuseeland zu holen.

Außerdem gibt es die idyllischen Kai Iwi Lakes, wo neuseeländische Familien nicht ohne Grund seit Jahrzehnten Urlaub machen. Und Baylys Beach, auf den man mit dem Auto fahren kann und der noch länger ist als der berühmte 90 Mile Beach.

Und ein Geheimtipp: die Koutu Boulders sind nahezu doppelt so groß wie die berühmten Moeraki Boulders!

Koutu Boulders am Hokianga Harbour

© Anita F.

Whakatāne: Geschichte in der Bay of Plenty

Fast jeder, der nach Neuseeland reist, schaut sich die geothermalen Wunder rund um Rotorua an. Und stöhnt (wenigstens insgeheim) über die vielen Touristen dort. Leben auch normale Menschen in Rotorua?

Bestimmt. Aber fahrt doch mal eine Stunde nach Osten und besucht Whakatane, ein herrlich verschlafenes Nest am herrlichen Strand der Bay of Plenty. Whakatane liegt in einer der sonnigsten Regionen Neuseelands und bietet damit fast immer schönes Wetter. Die Lage an der Mündung des Whakatane River und der fast 100 Kilometer lange Sandstrand, an dem ganz normale Neuseeländer Urlaub machen, passen wunderbar dazu.

Bay of Plenty Neuseeland Strand

100 Kilometer Strand – das ist die Bay of Plenty

Die Stadt blickt auf eine überraschend lange Geschichte zurück: Erzählt wird sie von der zarten Statue, die am Hafeneingang vor der Stadt steht. „The Lady of the Rock“ stellt Wairaka dar, die Tochter des Navigators Toroa. Als der und seine Gefährten aus dem Kanu stiegen, das sie von Hawaiki hierhergebracht hatte, drohte das Boot wegzutreiben. Nur das mutige Eingreifen von Wairaka, die als Frau eigentlich nie das Paddel hätte berühren dürfen, rettete den Stamm.

Whakatane war einer der ersten von Maori besiedelten Orte Neuseelands. Das historische Versammlungshaus „Mataatua“ ist 100 Jahre lang rund um die Welt gereist, bis es hier an seiner Heimatstatt wieder dauerhaft errichtet wurde. Eine echte Maori-Empfangszeremonie (ein „powhiri“) muss sein, bevor ihr euch im Inneren umschauen könnt. Lohnt sich!

Das beste liegt aber vor der Küste: Im Meer vor Whakatane seht ihr eine weiße Rauchwolke aufsteigen, die niemals erlischt – weshalb schon Kapitän James Cook beim Vorbeifahren dort einen Punkt auf seiner Karte markierte und ihn „White Island“ nannte. Die Vulkaninsel, die sich unter dem Rauch verbirgt, ist zwar nicht schön, aber wirklich eindrucksvoll – karge, schwefeldampfende Mondlandschaften, so weit das Auge reicht, ein blubbernder Kratersee und die ständige Gefahr eines neuen Ausbruchs, das klingt doch spannend!

Nach White Island/Whakaari kommt ihr mit dem Boot oder per Helikopter, und kleine Kinder sind leider nicht erlaubt (die Schutzhelme und Gasmasken gibt es nur in Erwachsenengröße). Und auch wenn das kein Geheimtipp (mehr) ist, ist es doch immer noch ein ganz besonderes Erlebnis.

Whakatane White Island Whakaari

White Island/Whakaari dampft jahrein, jahraus © Whakatane www.whakatane.com

Neuseeland-Geheimtipp: Wairarapa

Nördlich von Wellington gibt es doch nur langweilige Suburbs, meint ihr? Nicht, wenn ihr statt des viel befahrenen SH 1 durch langweilige Vororte die SH 2 über Martinborough nach Masterton nehmt. Verpasst nicht den Abzweig zum Cape Palliser, dem südlichsten Punkt der Nordinsel!

Rund um Masterton liegt das Weinbaugebiet der Wairarapas, das bekommen nicht viele Touristen zu Gesicht. Mehr Wein für euch!

Der historische Leuchtturm von Castle Point am Ende einer laaangen Gravel Road ist eure größte Belohnung, denn für diese Sackgasse hat kaum ein Tourist Zeit. Dafür kommen sehr viele Neuseeländer für ein langes Wochenende hierher.

Auch in den Tararua Ranges werdet ihr ziemlich wahrscheinlich eure Ruhe haben, wenn ihr dort auf schmalen Trampelpfaden über Berg und Tal stapft (nicht für Touren mit kleineren Kindern geeignet).

-> Tipp: Von Wellington fährt ein Zug durch die Tararua Ranges nach Wairarapa; so könnt ihr ganz bequem diese schöne Landschaft bewundern.

Neuseeland-Geheimtipps Roadtrip Cape Palliser

Traumhaft: Cape Palliser

Waitaki: Südinsel ohne Touristen

Die Waitaki Region liegt im östlichen Windschatten der Southern Alps südlich von Christchurch. Sie erstreckt sich über Teile von Canterbury, die Küste von Otago bis fast an die Westcoast. Die wichtigsten Orte sind Oamaru und Omarama. Fahrt ihr auf dem SH 1 an der Küste entlang, solltet ihr vor in Oamaru auf den SH 83 abbiegen, der am Ufer des Waitaki River entlang ins Hinterland führt.

Und was erwartet euch dort?

Flirrende Stille über den felsübersäten Wiesen und kurvigen Gravel Roads. Die ihr im Campervan (vorsichtig fahren!) oder per Fahrrad auf dem Alps 2 Ocean Cycle Trail erkunden könnt. Oder ihr gleitet im Segelflieger oder Heißluftballon über die Berge, rund um Omarama herrscht eine hervorragende Thermik.

Beeindruckende Kalksteinfelsen, in denen sich Fossilien von Ur-Delfinen und Riesenpinguinen verbergen. Historische Felszeichnungen der Maori. Hoch aufragende Lehmklippen in Omarama, die an die Pfade der Toten aus dem „Herrn der Ringe“ erinnern (welche aber am Cape Palliser gedreht wurden).

Mystische Felskugeln am breiten Strand von Moeraki, und weiter nördlich am Katiki Point; wo ihr die letzten Gelbaugenpinguine Neuseelands von ganz nah bestaunen könnt (bitte Abstand halten!).

Oamaru to Duntroon North Otago

Waitaki Roads…

Und Oamaru! Ein wirklich süßes Städtchen im viktorianischen Stil, das sich als Steampunk-Metropole neu erfunden hat – inklusive verrücktem Museum, kostümierten Einwohnern und Steampunk-Spielplatz.

Elephant Rocks near Duntroon

Die „Elephant Rocks“ nahe Duntroon gehören zum „Vanished World Trail“

Westcoast: das echte Neuseeland off the beaten track

Die Fahrt von Christchurch nach Norden – oder von Picton nach Süden – führt die meisten Reisenden an der Ostküste der Südinsel entlang, weil dort in Kaikoura die Wale warten. Nehmt doch beim nächsten Mal die Route über Murchison und Westport!

An der Westcoast zwischen Westport und Haast warten zwar deutlich mehr Regentage und für Familien mit kleinen Kindern zum Teil unangenehm lange Fahrtage. Dafür sieht Neuseeland dort wirklich noch so aus, wie die Maori es vor 800 Jahren vorgefunden haben: dicht mit Regenwald bestanden, voller einsamer, rauer Strände (und Horden von Sandflys) und verlassener Kohleminen, durchzogen von Karstfelsen und geheimnisvollen Höhlen…

-> Tipp: Wenn die Zeit knapp ist, verzichtet auf die Gletscher in Franz Josef und Fox. Die sind längst nicht mehr so eindrucksvoll wie früher, können nur noch per Helikopter erreicht werden und jeder Besucher trägt weiter zu ihrem Abschmelzen bei. Mit Kindern genügt das (statistisch nicht ganz so regenreiche) Stück Westcoast zwischen Hokitika und Greymouth, vielleicht mit einem Abstecher nach Norden bis Karamea, wo die Oparara Arches warten.

Punakaiki Beach TNZ

Punakaiki Beach – das ist die Westcoast! © Tourism New Zealand

Catlins: die Ursprünge Neuseelands

Die allermeisten Touristen biegen spätestens in Balclutha ins Landesinnere ab und halten sich auf dem SH 1/SH 13 in Richtung Te Anau und Milford Sound. Wer auf den Southern Scenic Highway abbiegt und an der Küste bleibt, der sieht immer mehr Natur und immer weniger Verkehr.

Traut euch und fahrt auf die staubigen (oder matschigen) Gravel Roads, die zu Orten wie Pounawea, Purakaunui oder Waikawa führen. Ihr werdet nur langsam vorankommen, aber das Geschaukel ist unheimlich lohnenswert: Am Wegrand wartet dichter Regenwald voller Baumfarne und Wasserfälle, windzerzauste Schafweiden an breiten Sandstränden und schroffen Steilküsten, auf denen Seelöwen lagern und Pinguine nisten.

Catlins Regenwald Dickicht

Dichteren Regenwald als in den Catlins sieht man in Neuseeland selten

Da verwundert es schon, dass Orte wie Waikawa oder Fortrose zu den ersten gehörten, die von Europäern besiedelt wurden. Die Überreste der Walfänger und Fischer, die hier schon in den 1850er-Jahren ein hartes Leben fristeten, findet man zum Beispiel auf dem Catlins Heritage Trail. Sehr spannend ist auch ein Besuch in Riverton, 35 km westlich von Invercargill – im kleinen, aber sehr feinen Heimatmuseum Te Hikoi Southern Journey seht ihr, wie Neuseeland in den guten alten Zeiten ausgesehen hat.

Die (wenigen) Einwohner der Catlins sind auch heute noch ein ganz besonderes Völkchen; das erkennt ihr sehr gut bei einem Besuch in Papatowai, wo die Lost Gypsy Gallery jedem den Mund offen stehen lässt. Oder in Owaka, wo Graham Renwick seit zehn Jahren Teekannen sammelt und in seinem Vorgarten ausstellt. Oder in Invercargill, der größten Stadt der Region, wo David und Lee Fallow neben ihrem Schrottplatz ein Secondhand-Antiquitäten-Gruselkabinett aus alten Schaufensterpuppen und historischem Hausrat gebastelt haben (die Demolition World ist ein absolutes Highlight!).

Catlins Petrified Forest Curio Bay

Fossile Wälder, Pinguine, Meer – das sind die Catlins auch

Es gibt natürlich noch viel mehr Ecken, wo ihr Neuseeland so kennenlernen könnt, wie es die Neuseeländer kennen und lieben. Sobald ihr euch abseits der ausgetretenen Touristenpfade begebt, kann eigentlich nichts schiefgehen.

Und wenn ihr diese Regionen besucht habt und immer noch meint, Neuseeland wäre ja nur ein „kleines Europa“ mit viel zu vielen Touristen, dann können wir euch auch nicht mehr helfen 🙂

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