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Reisen nach Corona: Wann darf man wieder nach Neuseeland reisen?

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Wann darf man wieder nach Neuseeland reisen? Wir haben in unsere magische Glaskugel geschaut und verraten es euch. Nein, Quatsch – derzeit kann niemand genau sagen, wie das Reisen nach Corona wieder möglich sein wird. Aber wir können uns Fakten und Prognosen anschauen. Und wir dürfen auch träumen!

Muriwai Beach

Wann können wir wieder nach Neuseeland reisen?

Wann darf man wieder nach Neuseeland reisen – nach Corona? Diese Frage stellten sich (und uns) Neuseeland-Fans bereits, als das Land gerade erst seine Grenzen komplett geschlossen hatte und alle Reisenden für die nächsten 4 Wochen im „Lockdown“ festsetzte (-> So sieht das Leben in Neuseeland im Corona-Lockdown aus).

Die Ungeduld ist verständlich: Viele haben schon vor langer Zeit Flüge und Camper gebucht und bangen jetzt um ihre Traumreise. Andere planen und sparen seit Jahren für ihre Neuseeland-Reise 2020/21. Und „einfach verschieben“ oder „abwarten“ ist leichter gesagt als getan, wenn man das Sabbatical oder die Elternzeit schon beantragt hat und der Flug nach Neuseeland schon lange gebucht (und bezahlt!) ist.

Trotzdem: Die Frage „Wann kann man wieder nach Neuseeland reisen?“ ist derzeit unmöglich zu beantworten. Wir versuchen es trotzdem – mit unserer patentierten, raumfahrtgetesteten magischen Glaskugel. Und wir träumen davon, wie Neuseeland-Reisen nach Corona aussehen könnten ♥

Reisen nach Corona: die Grundvoraussetzungen

Planungssicherheit gibt es in der weltweiten Corona-Krise nicht. Alles, was wir haben, sind Prognosen von Airlines, Reiseunternehmen wie TUI und Landesregierungen – und die widersprechen sich teilweise selbst, wenn man sie ein paar Wochen später fragt. Logisch, denn die Ausbreitung und Bekämpfung des Virus sind dynamische Entwicklungen, die manchmal sehr schnell zu ungeahnten Auswirkungen führen.

An alle Verschwörungstheoretiker: Dass Regeln und Prognosen zu Corona sich immer wieder ändern, liegt in der Natur der Sache: Die Forschung zu diesem neuen Virus ist noch sehr jung, es werden Fehler gemacht und wieder korrigiert. Das bedeutet nicht, dass Regierungen, ForscherInnen und Medien euch bewusst täuschen, ungerechtfertigte Angst vor Corona schüren oder gar einen geheimen Plan verfolgen, um euch alle mit Mikrochips zu impfen! (Manche Leute da draußen scheinen diese Gehirnwäsche-Mikrochips bereits reichlich intus zu haben…)

Das einzige, was momentan klar scheint: (Relativ) uneingeschränktes weltweites Reisen nach Corona wird es erst geben, wenn eine dieser drei Bedingungen erfüllt ist:

  1. Es gibt einen Impfstoff gegen Covid-19. Der wird momentan für Anfang 2021 erwartet – und wenn er da ist, muss er ja noch in ausreichender Menge produziert und an 7 Milliarden Menschen verabreicht werden. Oder zumindest an so viele, dass es Sinn macht.
  2. Es gibt ein Medikament gegen Corona, das die Krankheit beherrschbar macht. Daran wird auch fleißig gearbeitet; mehr Informationen zum Was, Wie, Wo und Wann lest ihr auf der Website des VFA (einem Verband von Pharmaunternehmen, die zum Corona-Virus forschen).
  3. Es herrscht Herdenimmunität gegen den Erreger Sars-CoV-2: Dann hätten alle Menschen die Krankheit durchgemacht und wären immun, niemand müsste sich mehr davor schützen. (Dies ist wenig wahrscheinlich, da es erstens Jahre dauern würde, zweitens mit Millionen Todesopfern einherginge und drittens wegen der Mutationen des Corona-Virus vielleicht nie erreicht wird.)

Das alles deutet leider stark darauf hin, dass Fernreisen erst 2021 oder gar 2022 wieder ohne Einschränkungen möglich sein werden. So prognostiziert das Kompetenzzentrum Tourismus des Bundes in seinem „Recovery Check“:

Zum jetzigen Zeitpunkt (…) erscheint die (…) flächendeckende Verfügbarkeit eines Impfstoffes und der weitgehende Abbau von Reisebeschränkungen erst im Sommer 2021 wahrscheinlich.

Unsere persönliche Prognose lautet: Der Sommer 2020 wird wohl ein Sommer in Deutschland werden. (Darauf deutet auch die Verlängerung der allgemeinen Reisewarnung bis zum 14. Juni 2020 hin, die das Außenministerium am 29. April ausgesprochen hat.) Ab dem Sommer können wir vielleicht wieder innerhalb Europas verreisen. Und nur mit viel Glück geht es ab Anfang 2021 wieder nach Neuseeland.

Aber Deutschland und Europa sind auch tolle Reiseziele. Und wenn das Neuseeland-Fernweh gar zu arg brennt: In Europa gibt es auch eine ganze Reihe wunderschöner Reiseziele, die ganz ähnlich wie Neuseeland aussehen.

Glaskugel Brandenburg Reisen nach Corona

Was sagt die Glaskugel: Wann können wir wieder nach Neuseeland reisen?

Neuseeland-Reisen 2020/21: Wie realistisch ist das?

Momentan läuft der Kampf gegen Corona in Neuseeland hervorragend: Die Kurve der Neuinfektionen wird dort nicht, wie international üblich, flacher gemacht (#flattenthecurve), sondern radikal plattgequetscht. „Ausrotten statt eindämmen“ ist die Devise. Die Zahl der Neuinfektionen ist fast bei Null, es gibt keine neuen Todesfälle mehr. Nach fünf Wochen hat sich das Land aus dem totalen Lockdown herausgetraut und inzwischen beginnt sich der Inlandstourismus wieder zu beleben.

Wenn es so weitergeht, könnte Neuseeland einer der ersten Staaten der Welt sein, die wieder Corona-frei sind. Das ist toll, vor allem für die Neuseeländer. Vielleicht genießen sie schon ab September/Oktober 2020, zum Beginn der nächsten Sommer-Reisesaison, ein Land ohne Covid-19.

Ob sie aber Touristen aus anderen Ländern in dieses Paradies hineinlassen werden? Es ist zumindest zu bezweifeln. Immerhin waren die ersten 20 bis 30 Corona-Fälle im Februar und März 2020 alles Leute, die das Virus aus dem Ausland mitgebracht hatten und noch Tage oder Wochen unbeschränkt durchs Land reisten.

Premierministerin Jacinda Ardern hat in Pressekonferenzen Anfang April ihre Landsleute darauf eingestimmt, dass sie für die nächsten 12 bis 18 Monate keine Reisen planen sollten. Und dann legte sie am 5. Mai nach: „We will not have open borders for the rest of the world for a long time to come.“

Mit diesem Zeithorizont rechnet also die neuseeländische Regierung, wenn es um das Fortsetzen der Corona-Maßnahmen geht. Und damit scheint sie nicht allein zu sein: Das Kompetenzzentrum Tourismus der deutschen Bundesregierung (ja, sowas gibt es) geht davon aus, dass sowohl die flächendeckende Verfügbarkeit eines Impfstoffes als auch der „weitgehende Abbau von Reisebeschränkungen“ (der von einer Impfung ja abhängig ist) erst im Sommer 2021 kommen wird. Das „pessimistische“ Szenario geht eher von Mai 2022 aus (Quelle).

Wäre die immer striktere Schließung der Grenzen und schließlich die Verordnung einer 14-tägigen Quarantäne für alle Einreisenden etwas eher gekommen, könnte Neuseeland vielleicht heute schon Corona-frei sein – mit diesem Argument im Kopf wird es sich Premierministerin Jacinda Ardern, die generell sehr vorsichtig ist, dreimal überlegen, ob und wann sie die Grenzen für Reisende wieder öffnet.

Der erste Schritt zu einer Öffnung der Landesgrenzen ist die vielbeschworene „Trans-Tasman Bubble“: ein geplanter Zusammenschluss von Neuseeland und Australien, wahrscheinlich mit Einschluss einiger pazifischer Inselnationen, die ebenfalls coronafrei sind. Aber selbst diese Normalisierung, die Neuseeland Tourismus-Anbietern gerade in der Wintersaison einen Großteil ihrer normalen Gästezahlen zurückbringen könnte (Australier fahren in Neuseeland gern Ski), wird nicht vor September 2020 erwartet (Quelle).

Andererseits stehen im September 2020 Wahlen in Neuseeland an. Obwohl Jacinda Ardern unglaublich beliebt ist und obwohl in Krisen ja eigentlich die herrschende Partei immer einen Vorteil hat, stehen die Chancen für einen Sieg der National Party wohl nicht allzu schlecht. Und nach den ersten Äußerungen des soeben an die Macht gekommenen National-Chefs Muller können wir fest davon ausgehen, dass die Abschottung Neuseelands von der Außenwelt, die sich das Land zu enormen Kosten leistet, DAS Wahlkampfthema sein wird.

Wie fühlt ihr euch jetzt gerade, nach wochenlangen Beschränkungen eurer Freiheiten, wenn der Sommer vor der Tür steht? Die Neuseeländer werden im September in derselben Lage sein – und sie können dann wählen.

Wohnmobil

14 Tage strikt im Camper bleiben – nicht eben eine schöne Aussicht…

Eine Neuseeland-Reise buchen – jetzt schon?

Wir wünschen uns wie ihr alle, dass Neuseeland-Reisen möglichst bald wieder möglich sind. Aber wir bleiben dennoch vorsichtig – der Wunsch sollte nicht Vater des Gedankens sein, um es poetisch zu formulieren.

Klar: Airlines und Vermieter freuen sich, wenn ihr Anzahlungen für neue Buchungen leistet. Die bringen dringend benötigten Cashflow in die Kassen. Viele Anbieter von Ausflügen, Unterkünften und Campervans sind auch sehr großzügig bei den Stornobedingungen. So kann z. B. bei Wendekreisen die anfallende Anzahlung von 300 NZ$ „mitgenommen“ werden, wenn die Buchung doch storniert oder auf später umgebucht wird (bis 2024!). Dasselbe gilt für bereits voll bezahlte Buchungen.

Ihr könnt relativ risikofrei eure Neuseeland-Reise für die nächste Sommersaison planen und vorbuchen.

Bernd, Geschäftsführer von Vantastic New Zealand, ist vorsichtig optimistisch: „Ich glaube, dass 2020 – im Verhältnis zu den letzten Jahren – nur eine geringe Anzahl deutscher und europäischer Touristen nach Neuseeland reisen bzw reisen können.  Zum Ende des Jahres wird es hoffentlich wieder aufwärts gehen, aber auf die gesamte Saison 2020/2021 gesehen, rechnen wir momentan nur mit 50 % Auslastung.

Aufgrund der allgemeinen unsicheren Situation und der Abhängigkeit der neuseeländischen Regierung, wann genau die Grenzen für ausländische Touristen wieder aufgemacht werden, ist eine jetzige Buchung für einen Reiseantritt vor November 2020 nicht zu empfehlen.“

Einen Camper in Neuseeland mieten für Oktober oder November 2020 ist durchaus denkbar.

Vergesst dabei aber bitte nicht, dass ihr mit vielen unbekannten Faktoren kalkuliert!

Bereits jetzt und sicherlich noch für längere Zeit gilt die Vorschrift, dass jeder Einreisende in Neuseeland für 14 Tage in Selbstisolierung muss. Derzeit werden alle Einreisenden in einem von zwölf Hotels in Flughafennähe untergebracht und überwacht.

Diese Regelung dürfte in Kraft bleiben, bis ein Impfstoff gegen Corona entwickelt wird oder zumindest ein zuverlässiger Schnelltest. Vorher sind Neuseeland-Reisen nur für diejenigen machbar und sinnvoll, denen es nichts ausmacht, die ersten 14 Tage ihres Urlaubs streng isoliert zu bleiben.

Eventuell wird es auch wie vor dem Lockdown erlaubt sein, die 14 Tage Selbstisolierung in einem Miet-Camper zu absolvieren. Das hieße dann: Der Camper müsste die „Self Containment“-Plakette haben und (wahrscheinlich) über Toilette und Dusche verfügen.

Sicherheitshalber solltet ihr einen „Self contained“-Camper mit Dusche und Toilette mieten.

Sanitäre Anlagen und Gemeinschaftsräume auf Campingplätzen dürftet ihr nicht benutzen. Einige Campsites würden euch vielleicht gar nicht aufnehmen, andere würden euch auf Stellplätzen getrennt von den anderen Gästen unterbringen. Auch das Einkaufen würde schwierig sein, genau ist das gar nicht geregelt. Restaurantbesuche und andere Ausflüge kämen nicht in Frage. Ihr würdet euch 14 Tage lang sehr isoliert fühlen!

Wenn das für euch okay ist – und ihr auch mit einer weiteren Quarantäne nach eurer Rückreise leben könntet! -, dann los.

Die wichtigste Frage ist allerdings: Wie kommt ihr nach Neuseeland?

Maske Desinfektionsmittel Pixabay

Reisen im Corona-Zeitalter: nur unter strengen Auflagen © Pixabay

Nach-Corona-Flüge nach Neuseeland buchen – wann, wo und wie teuer wird das?

Ja, es gehen auch jetzt Flüge nach Neuseeland, obwohl mit denen nur neuseeländische Staatsbürger dann auch ins Land kommen. Und ja, man kann schon jetzt für Juni, Oktober oder Dezember 2020 Flüge nach Neuseeland buchen. Einige Airlines machen sogar unglaubliche Schnäppchenangebote für die nächste Sommersaison. Aber heißt das automatisch, dass Reisen nach Neuseeland deshalb automatisch möglich sein werden?

Es genügt ja nicht, dass Neuseeland selbst seine Grenzen wieder für Reisende öffnet. Ohne die Umsteige-Hubs in Dubai, Singapur, Bangkok, Hongkong und Australien kommt man nicht nach Neuseeland. Die schwer kalkulierbare Frage ist: Wann wird welches Land seine Einreisebeschränkungen für Touristen allgemein, für EU-Bürger und für Deutsche lockern bzw. aufheben?

Jegliche Auskünfte dazu sind momentan nicht mehr als Kaffeesatz-Leserei. Im März wurden von den Airlines zigtausende gebuchte und bezahlte Flüge von jetzt auf dann gecancelt – und die grundlegende Situation hat sich bisher nicht geändert.

Viele Airlines erstatten die Ticketkosten für ausgefallene Flüge nicht zurück; stattdessen bieten sie Gutscheine für Umbuchungen auf ein späteres Datum an. (Dabei habt ihr nach EU-Recht bei Flügen ab Europa eigentlich das Recht auf eine Rückerstattung des Geldes binnen 7 Tagen.) Bei der Lufthansa kann man für stornierte Flüge neuerdings gar keine Erstattung mehr über die Website anfordern, bestehende Forderungen werden verzögert bearbeitet – klar, denen geht das Geld aus.

Überlegt euch also vorher gut, ob ihr mit den Kosten für ein umsonst bezahltes Ticket umgehen könnt und ob ihr einen Gutschein überhaupt nutzen könntet – der ist dann nämlich auch nur bei dieser Airline, von denselben Passagieren und auf demselben Streckennetz nutzbar. Und was passiert, wenn die Airline zwischendurch insolvent wird? Sogar Giganten wie die Lufthansa geraten durch die Corona-Krise heftig ins Schlingern.

Unsere Empfehlung: Flüge wirklich kurzfristig buchen.

Solange es keine Impfung gegen Corona gibt, müssen Airlines strikte Hygieneregeln einhalten, wenn sie Passagiere befördern. Das heißt, sie müssen etwa ein Drittel ihrer Sitzplätze freihalten, um den nötigen Abstand zu gewährleisten. Emirates führt bereits Corona-Schnelltests bei allen Passagieren durch, aber hier entstehen wieder neue gesundheitliche Bedenken.

Sind die Maschinen um ein Drittel weniger besetzt, müssen die restlichen Tickets den Verlust ausgleichen – und werden entsprechend teuer sein. Noch teurer, als ein Langstreckenflug nach Neuseeland ohnehin schon ist (der Direktor der Flugbehörde IATA spricht von 50% höheren Ticketpreisen).

Viele Budget-Airlines wie Jetstar werden das nicht überleben. Und da Konkurrenz das Geschäft belebt, gilt im Umkehrschluss: Wenn nur noch die größten (evtl. staatlich geretteten) Airlines übrig sind, können diese Preise diktieren, mit denen sie wirtschaften können (was aus Sicht der Angestellten natürlich super ist).

Für uns Reisende heißt Fliegen mit Social Distancing: das Ende der Economy Class. Oder, wie der Direktor der IATA es ausdrückt:

„Cheap travel is over. Voilà.“

Flughafen Kind

Bedeutet die Corona-Krise das Ende günstiger Flüge – und damit häufiger Fernreisen?

Die ersten glücklichen Deutschen, die nach Corona wieder durch Neuseeland reisen werden, sind jetzt schon dort. Wir freuen uns mit allen, die sich fürs Bleiben entschieden haben, bis zum Ende des Lockdowns gut untergebracht sind und für die Zeit danach noch genug Reserven haben, um ein touristenfreies Neuseeland zu genießen!

Reisen in Neuseeland bei Corona Alert Level 3, 2 oder 1?

Auf Alert Level 4 des Corona-Notfallplans, also dem bis 27. April geltenden höchsten Level, war es nicht einmal erlaubt, ohne Grund das Haus zu verlassen. Wer in einem Camper reiste, saß auf einer Campsite fest, wo man nicht einmal die sanitären Anlagen nutzen durfte.

Auf Level 3, das mindestens bis 11. Mai 2020 gelten wird, sehen die Beschränkungen ganz ähnlich aus. Zwar öffnen einige Geschäfte wieder, aber Reisen im Land ist weiterhin unmöglich. Auch auf Level 2 wird noch empfohlen, nicht notwendige Reisen auf ein Minimum zu reduzieren – allerdings ist das Reisen dann offiziell grundsätzlich erlaubt: “You can travel around the country if you follow good personal health measures“, steht auf der Website der Regierung.

Erst auf Level 1 dürfte der Tourismus wieder ins Laufen kommen – aber nur „domestic tourism“, also Reisen von Einheimischen.

Und wann wird Level 1 kommen, oder das Notfallsystem ganz abgeschafft werden? Niemand weiß es genau.

Neuseeland-Reise nach Corona: Wie wird das aussehen?

Wir polieren unsere die Glaskugel blank und schauen tief hinein… Wenn wir wieder nach Neuseeland reisen können, wird das Reisen dann anders sein, als wir es kennen?

Bestimmt. Solange das Coronavirus noch in der Welt ist – und das wird es noch auf Jahre sein -, könnte es so aussehen:

  • viel teurere Flüge und Unterkünfte, weil es insgesamt weniger gibt
  • viel strengere Biosecurity-Maßnahmen bei Ein- und Durchreisen (Australien rechnet mit jahrelangen verschärften Einreisekontrollen)
  • gestiegene Kosten für Auslandsreise-Krankenversicherungen und Reiserücktrittsversicherungen
  • verpflichtende (und kostenpflichtige!) Corona-Schnelltests an allen Flughäfen, Bahnhöfen und Hotel-Lobbys, solange es keinen Impfstoff (im Reiseland) gibt
  • Pflicht zum Installieren von Tracking-Apps bei der Einreise, Maskenpflicht in einigen Ländern oder 14 Tage Zwangsquarantäne bei Ein- und Durchreisen
  • Gefahr plötzlich geänderter Regeln zur Kontaktbeschränkung, falls die Ansteckungszahlen vor Ort wieder steigen

 

Die meisten Airlines haben in der Corona-Krise große Teile ihrer Verbindungen eingestellt, Flugzeuge stehen am Boden, Crews werden entlassen. Air New Zealand hat bereits angekündigt, sich in Zukunft nicht mehr auf die Langstrecke zu konzentrieren, sondern eine „domestic airline“ zu werden (Quelle). Von diesem Niveau wieder hochzufahren, wird eine Weile dauern – selbst nach dem Startschuss noch Wochen und Monate.

Neuseeland ist stark vom Tourismus abhängig, durch den Lockdown und die Einreisesperre sind zehntausende Arbeitsplätze verloren gegangen. Zahlreiche große und kleine Anbieter von Touren, Unterkünften, Aktivitäten und auch Fortbewegungsmitteln sind dann wohl pleite.

Auch viele andere Neuseeländer sind durch die Corona-Krise arbeitslos geworden, mussten Resturlaub abbummeln etc. Sie hatten also nicht unbedingt Gelegenheit, um Geld für Urlaub vor der Haustür anzusparen. Längere Reisen, gar auf die benachbarte Insel, konnten sich schon vor Corona längst nicht alle Neuseeländer leisten.

Mit anderen Worten: Die touristische Infrastruktur dürfte sich beim Verlassen von Corona Alert Level 1 stark ausgedünnt haben. Es wird weniger Hotels, Campingplätze und Tour-Anbieter geben. Und wenn man der einzige Anbieter einer begehrten Dienstleistung weit und breit ist, der gleichzeitig dringend verlorene Einnahmen wieder reinbringen muss, was macht man dann? Man erhöht die Preise. Das kommt den Kiwis nicht eben entgegen, die sich schon vor der Corona-Krise regelmäßig über unverschämt hohe Preise beklagten, die Einheimische nicht zahlen können.

Southern Alps Highway

Hallo, ist da noch jemand?

… oder ganz anders: unsere Vision von Neuseeland nach Corona

Der tiefe Einschnitt durch die Corona-Pandemie ist auch eine Chance – auf einen Neuanfang. Das sieht die neuseeländische Tourismusbranche bereits. Erste Stimmen werden laut, die über eine Begrenzung der maximalen Besucherzahl nachdenken.

In Bhutan, auf den Seychellen oder den Galapagos-Inseln funktioniert das Konzept beschränkter, exklusiver und gleichzeitig nachhaltiger Reisen sehr gut – warum nicht auch in Neuseeland? Die Natur und die vom Overtourism in Neuseeland genervten Anwohner würden sich freuen.

Mit China Southern oder den Statusmeilen vom Manager-Gatten billig nach Neuseeland fliegen oder mal schnell für eine Woche von Australien rüberjetten? Per Freedom Camping (eventuell sogar mit gefälschter Plakette…) jeden Cent einsparen? Als Chinese mit 50 Mann starken Reisegruppen in zwei Wochen durch Australien und Neuseeland touren? Das ist nach Corona vielleicht Geschichte.

Neuseeland-Reisen nach Corona könnten so aussehen: Wer einmal im Leben den weiten Weg ans andere Ende der Welt auf sich nimmt, der ist nicht sauer über die 1.000 NZ$ Einreisegebühr pro Person (das ist mehr, als es klingt – man kann die Hälfte des Betrags in Form von Gutscheinen bei touristischen Angeboten einlösen). Und wer nach Neuseeland kommt, der hat genug Urlaub angespart für den Mindestaufenthalt von 21 Tagen.

Dabei hilft zum einen das bedingungslose Grundeinkommen und das Recht auf Home Office und Distance Learning, das 2021 nach weltweiten Demonstrationen wütender Eltern in vielen Ländern eingeführt wurde (die Families Against Corona-Bewegung war noch größer als Fridays for Future!). Auf der anderen Seite hat Neuseeland freundlicherweise seine Visa-Regelungen gelockert: Wer länger als zwei Monate durchs Land reist, der kann im „Fern-Homeoffice“ legal weiter für seine Firma in Deutschland arbeiten. Davon haben schließlich alle etwas.

Wer länger als zwei Monate bleibt, für den reduziert sich auch die Einreisegebühr mit jedem weiteren Tag. Und wer freiwillig bei Natur- und Artenschutzprojekten mithilft, kann sich über weitere Vergünstigungen wie Gutscheine für Campsites freuen. Für Airbnb-Ferienhäuser und Miet-Camper von kleinen Firmen gilt ein reduzierter Mehrwertsteuersatz. Große Hotelketten und Anbieter gibt es nach dem Corona-Crash in Neuseeland ohnehin kaum noch.

Neuseelands Tourismusindustrie hat sich nach dem tiefen Einschnitt durch die Corona-Krise komplett neu erfunden. Nicht mehr so viele Touristen wie möglich sollen jetzt kommen, sondern diejenigen, die dem Land etwas nützen – also Reisende, die länger bleiben, auch abgelegene Regionen entdecken, möglichst nachhaltig unterwegs sind und dabei auch Geld ausgeben.

Langzeitreisende sind die neuen Vorzeige-Touristen in Neuseeland. Klar, dass man so eine lange Auszeit am liebsten nimmt, wenn man Kinder hat. Neuseeland ist halt auch ideal für Familien. Spaß-Angebote wie Helikopter-Rundflüge, Zorbing oder Bungee-Jumping gibt es kaum noch, und sie sind echt teuer, weil die „environmental costs“ jetzt bei jeder Aktivität eingepreist werden müssen. Dafür poppen im ganzen Land neue „scenic cycleways“ samt Leih-Rädern auf. Am beliebtesten bei den Touristen sind E-Bikes, mit denen sich auch die neuseeländischen Hügel bezwingen lassen. Wind und Sonne für die überall herumstehenden Aufladestationen gibt es ja genug.

Und auch wenn es dafür heftige Kritik der Opposition gab: Mit dem neuen System von öffentlichen Hybrid-Fernbussen kommen nicht nur die Touristen bequem durchs Land, die auf ein eigenes Mietfahrzeug verzichten. Auch die Neuseeländer selbst freuen sich über die stark gesunkenen Verkehrsunfallzahlen – und die bessere CO2-Bilanz ihres Landes. „100% pure“, den alten Slogan von Tourism New Zealand, liest man jetzt wieder ohne ironisches Augenzwinkern.

Ein Wermutstropfen: Freedom Camping im Campervan ist nicht mehr erlaubt. Dafür dürfen Wanderer jetzt kostenfrei überall zelten, wenn sie wollen. Und mit dem Camper findet man immer ein schönes Plätzchen bei einem der vielen Campable-Anbieter (kein Wunder – viele Neuseeländer brauchen dringend Einkünfte). Und immer wieder wird man als Tourist von den Einheimischen eingeladen – zum BBQ oder gleich zum Übernachten. Nach 1,5 Jahren der Isolation haben die Kiwis ihre berühmte Gastfreundschaft wiederentdeckt – und sie freuen sich über jeden Gast vom anderen Ende der Welt, wie früher.

Wanaka Neuseeland Hängebrücke

Reisen nach Corona: Wir freuen uns schon auf Neuseeland!

(Offenlegung: Die Idee einer solchen Zukunftsvision vom Reisen nach Corona habe ich vom Blog Reisen-Fotografie. Und mir hat sie sehr geholfen, optimistischer nach vorn zu schauen.)

Wie gefällt euch unsere Vision vom Reisen nach Corona? Könnt ihr es kaum erwarten, wieder nach Neuseeland reisen zu dürfen – so wie wir?

4 Kommentare

  • Ach Jenny, Du Träumerin (-; Klingt schön, zu schön, um wahr zu sein? Ist der Mensch so? Oder verfallen doch alle gleich wieder in alte Muster? Das bleibt jedenfalls spannend! Spannend bleibt auch, ob dann die weniger Weltreisenden, die nachhaltig, langsam und bewusst unterwegs sind, auch bereits sind, für unsere Dienstleistung und Beratung mehr zu bezahlen, als bislang (weil wir ja weniger Kunden haben werden).

    • Genau das ist die spannende Frage, die alle in der Tourismusbranche umtreibt. Ich sitze genauso mit angehaltenem Atem da wie du – spätestens 2021 wissen wir mehr!

      LG
      Jenny

  • Dein Zukunftsszenario zeigt, dass du eine unverbesserliche Optimistin bist. Aber so schlecht sind solche Utopien in solchen Zeiten nicht. Schließlich können sie echt Anregungen für sinnvolle Veränderungen geben. Auf die Parents against Coroa Bewegung warte ich aber noch ;-) Ach ja: Und deine Glaskugelbilder sind wunderschön!
    Liebe Grüße
    Gela

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